Eine Lanze …
… für den hier mit einer Ausnahme ach so verschmähten Altbau:
Hallo Mike,
ich bewohne ein Haus Baujahr 1927, gekauft 1982, ein Schmuckstück, vor dem die Leute stehen bleiben und Besucher uns fragen, ob es unter Denkmalsschutz steht. Wolltest du etwas derart Geschmackvolles modernerer Bauart haben, müsstest du ein Designerhaus kaufen. Das ist aber unbezahlbar, wenn du nicht gerade im Lotto oder bei ‚Wer wird Millionär‘ gewonnen hast.
Das Grundstück ist nicht nach dem Quelle Gartenkatalog eingerichtet, sondern hat alten Baumbestand. Bei einem Neubau müsstest du Jahrzehnte warten, bis das Umfeld so aussieht.
Die Bausubstanz, Mauerwerk und Putz sind, derart solide, dass der Vorbesitzer offenbar noch nie etwas daran machen musste und wir in den 20 Jahren, die wir es jetzt haben, auch nicht. Es sieht auch für die Zukunft nicht so aus.
Die Wände sind so dick, das an knallig heißen Sommertagen Besucher irritiert an der Decke herumschauen und fragen: Habt Ihr eine Klimanlage?
Nach dem Kauf haben wir Wasser und Abwasserrohre neu gemacht. Da wir hierfür Kupfer und Keramik verwendet haben, wird das jetzt sicher länger als 100 Jahre halten.
Auch die Elektrik ist komplett neu und wird lange halten. Das ganze Haus hat Leerrohre, so etwas gibt es heute gar nicht mehr: Falls unsere zukünftigen Enkel hier nochmal ran müssen, zieht man die alten Kabel heraus und neue hinein. Ruck, zuck, ohne Wände aufstemmen oder gar Stuck zerschlagen zu müssen.
Die Heizörper sind neu, weil die Heizungsansprüche heutzutage doch höher als damals sind, auch der Heizkessel, um Energie zu sparen. Den wirst du bei einem 35 Jahre alten Haus aber auch austauschen müssen.
Die Sprossenfenster hätten sicher noch Jahrzehnte gehalten, aber wir haben sie durch echte Sprossenfenster mit Isolierverglasung ersetzt. Das hat den Stil gewahrt und die Kosten sind durch Energieeinsparung schon längst wieder drin.
Zehn Jahre nachdem Kauf haben wir das Dach neu decken lassen. Ein Dach hat, las ich mal, eine Lebenserwartung von 60 Jahren, bei uns waren es also 65. Wir hätten es aber noch einige Jahre durchziehen können, wenn wir bereit gewesen wären, nach jedem Winter 500 bis 1000 EU für ein paar zerbröselte Ziegel auszugeben.
Fazit:
Die Anfangsinvestitionen waren hoch, aber jetzt haben wir für Jahrzehnte Ruhe, es kostet uns gar nichts mehr (außer die Zinsen
). Wenn manche Hausbesitzer klagen, ‚die Nebenkosten fressen mich auf‘, dann wollen sie Neider zum Verstummen bringen. Oder sie haben billig gebaut oder schlecht gekauft.
Ein Fachwerkhaus, so hübsch sie oft auch sind, würde ich aber nie kaufen: Daran ist ständig irgend etwas zu reparieren.
Soo alt ist das von dir ins Auge gefasste Haus aber ja nicht. Aber eine Faustformel zur Kostenberechnung, nach der du fragst, kann es nicht geben. Bei Gebrauchwgen, die du zum Vergleich heranzieht, sind Fahreuge eines Typs und Baujahrs alle gleich, einzelne Ausreißer ausgenommen. Häuser sind aber jedes für sich ein Individuum, wenn es nicht Teil einer Gruppe von Häusern ist, die zusammen errichtet wurden. In dem Fall könntest du die Nachbarn befragen.
Es gibt Perioden, in denen billig gebaut werden musste und deshalb viel gepfuscht wurde: Die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, im Krieg (soweit da überhaupt noch gebaut wurde) und die ersten zehn Jahre danach.
Trotzdem kann man nie generalisieren. Es gab und gibt zu jeder Zeit Bauherren/damen, die mehr ausgeben, um auf Nummer Sicher zu gehen, und solche, die sparen, vor allem an Stellen, an denen man es nicht sofort bemerkt. Du wirst deshalb um ein Gutachten nicht herum kommen, dass sollte aber eigentlich der Verkäufer bereitstellen. Wenn das Haus sich dann als reparaturanfällig herausstellt oder einen Reparaturstau hat, drückst du den Preis entsprechend oder lässt die Finger davon.
Liebe Grüße
Peggy