Natürlich eine moderne Öl- oder Gasheizung, wie mir von allen
Seiten geraten wird. Ist auch keine Frage für mich.
Ich habe nun viele Quellen ausgewertet und glaube, daß Öl oder
Gas in 7 - 12 Jahren knapp werden (nicht verssiegen, aber
knapp reicht schon, daß Du und ich nichts mehr kriegen).
Hallo Herbert,
in diese Überlegungen habe ich wegen meines sehr großen Hauses viel Zeit investiert und ich stelle das Ergebnis etwas verkürzt dar (soll aber keine Missionierung sein):
Wann genau Öl und Gas knapp werden, weiß ich nicht. Aber ich halte mindestens einen stetigen Anstieg der Kosten für Öl und Gas für sicher. Auch wenn es bestritten wird, um das Öl werden Kriege geführt und ich rechne sogar mit dem Explodieren der Ölpreise über kurz oder lang. Wer 50 qm zu beheizen hat, kann sich zur Not einen Ofen hinstellen und mit was auch immer beheizen. Dafür sind zumindest heute noch keine großen Sorgen gerechtfertigt. Wer aber ein größeres Gebäude besitzt, das irgendwann so hohe Heizkosten verursachen könnte, wie der Rest der privaten Lebenshaltungskosten, sollte sich ernsthafte Sorgen machen.
Ein Blick aus dem Fenster sagt mir ohne viel Rechnerei, daß Solarenergie in unseren Breiten nicht ernsthaft in Betracht kommt, wenn man neben dem Umweltschutzgedanken auch noch die Wirtschaftlichkeit bei angemessener Amortisation im Sinn hat. Hier wird es seit über einer Woche nicht richtig hell, es nieselt bei 5°C Außentemperatur. Pro qm Kollektorfläche erhält man theoretisch unter optimalen Bedingungen zur Mittagszeit im Sommer 700 W. Praktisch realisierbar sind 500 W/qm. Bei diesem Wetter bringt der qm keine 50 W. Ich brauche aber 30 kW und wenn es noch kälter wird, entsprechend mehr. Speichertank hin oder her, eine Solarheizung kann nur eine Unterstützung liefern, wenn man so arg dringend ohnehin nicht heizen müßte. Das Wort Amortisation sollte man dabei lieber vergessen.
Wärmepumpe: Wasserrechtliche Genehmigung vorausgesetzt, könnte ich das Grundwasser verwenden. Fläche habe ich genug, kann das Wasser also wieder zurück in die Erde geben. Ich könnte auch ein paar hundert qm Wärmetauscher verbuddeln. Der Pferdefuß ist aber, daß dabei ein reichliches Drittel des Heizbedarfs aus elektrischer Energie kommt. Damit wird die Sache finanziell zur Nullnummer, denn elektrische Energie ist pro kW rund um den Faktor 3 teurer als andere Energieträger für Heizzwecke. Daran läßt sich auch nichts ändern, denn der el. Energieversorger erzeugt den Strom mit rd. 35% Wirkungsgrad. Wärmepunpe bringts also auch nicht.
Biomasse: Ich nehme an, daß Du ebenso wie ich keine 100 Kühe im Stall stehen hast. Da ließe sich nämlich wirtschaftlich sehr interessant etwas machen.
Scheitholz: In der Großstadt kann man die Brennstoffversorgung vergessen. Im ländlichen Raum ist es aber eine Alternative. Geeigneten Beschaffungsweg vorausgesetzt, hat man mit modernen Holzvergasern eine Alternative, die auch heute schon günstiger als Öl und Gas ist. Hinsichtlich der Umweltbelastung (Stickoxide) ist eine Holzheizung neutral, denn bei der Verbrennung von Holz wird maximal so viel Stickoxid freigesetzt, wie der Baum per Photosythese während seiner Lebenszeit umgesetzt hat. Leider ist mit Scheitholz keine automatische Bestückung des Kessels möglich. Irgendwann wird man auch alt und klapperig und Haustechnik ist nach meiner Ansicht nur dann zukunftssicher, wenn man auch noch nach einem Unfall oder im Alter damit zurecht kommt. In dieser Hinsicht sind meine Sinne nach einem Unfall, dessen Folgen mich über ein Jahr lang übel einschränkten, geschärft.
Eine Alternative zu Scheitholz sind Holzpellets, ein verdichteter Holzbrennstoff mit hohem, gleichmäßigem Heizwert. Ökologisch neutral wie Scheitholz und für automatische Kesselbeschickung bestens geeignet. Damit hat man den gleichen Komfort wie bei einer Öl- oder Gasheizung. Leider ist diese Heizungsart in Deutschland nur dünn vertreten und in Norddeutschland so gut wie überhaupt nicht. Der Transport der Pellets über große Strecken verteuert den Brennstoff, so daß zumindest heute das Kostenniveau von Öl und Gas überschritten wird.
Hackschnitzel: Wie Holzpellets zur automatischen Kesselbestückung geeignet, jedoch niedrigerer Brennwert. Man braucht also beträchtlichen Lagerraum. Moderne Brenner kommen mit Hackschnitzeln hoher Restfeuchte zurecht, so daß eine Lagerung von 3 Monaten i. d. R. ausreicht. In der Tschechei und in Österreich ist diese Heizungsart schon verbreitet, in D nur im holzverarbeitenden Gewerbe. Dort werden Späne und Produktionsreste verbrannt. Privat genutzte Anlagen sind zumindest in Norddeutschland höchst selten. Mir ist außerhalb von Tischlereien keine privat betriebene Anlage bekannt. Ich lebe in einer waldreichen Gegend und habe mehrere Wege der hier völlig unüblichen Hackschnitzelversorgung gefunden, die dauerhaft sicher sind. Der sicherste Weg ist mein Weg, nämlich ein eigener Schredder, der ganze Stämme schluckt und die Hackschnitzel sofort in den Lagerraum einbläst. Holz ab Wald ist unschlagbar billig, verteuert sich allerdings durch Lohn- und Transportkosten. Mit den Lohn- und Transportkosten rechne ich, obwohl ich im Moment selbst den Traktor fahren und den Schredder alle paar Monate bedienen kann. Amortisationszeit der Mehrkosten für die Technik gegenüber einer Ölheizung: Etwa 3 Jahre. Komfort und Regeleigenschaften entsprechen den gewohnten Eigenschaften einer Ölheizung. Die Anlage ist genau so gut regelbar, arbeitet immer unter Vollast, weil sie die in den Brennraum per Schnecke geförderte Hackschnitzelmenge verbrennt. Dann wird nachgefördert oder auch nicht, wenn der Regler sagt, daß es warm genug ist. Neues Anheizen und Zündung erfolgt ebenso automatisch wie die Entsorgung der Asche. Zu entsorgender Abfall entsteht nicht. Reine Holzasche kommt in den Garten.
Insgesamt hat man einen Haufen Technik in Betrieb, der sich aber schnell rechnet, weil der Brennstoff so billig ist. Allerdings hüte man sich davor, meine Aussagen auf jedes Gebäude und die verschiedenen Regionen Deutschlands unkritisch zu übertragen. Holz muß am Ort vorhanden sein und die Heizungsanlage muß groß genug sein. Fehlende Hackschnitzel-Lagermöglichkeiten, lange Transportwege und eine zu kleine Anlage (die aber den gleichen Sockel an Technik benötigt), können die Rechnung schnell kippen lassen. Ich warne auch davor, den oft euphorisch gefärbten und von wenig technischem Verständnis gekennzeichneten Aussagen in Zeitschriften und einschlägigen Büchern unbesehen Glauben zu schenken. Vom Schilfbeet für die Fäkalien-Entsorgung, über Solaranlagen bis zur Hackschnitzelheizung helfen nur eigenes Nachdenken, eigene Beurteilung und eigene Berechnung. Sonst sitzt man schnell Spinnern und Bastlern auf, die für den Alltagsbetrieb unter allen Witterungsbedingungen untaugliches Zeug propagieren. Auch meine Entscheidung für eine Hackschnitzelheizung mit ihrem hohen technischen Aufwand, den Investitionen und dem erforderlichen Lagerraum wird zur finanziellen Fehlentscheidung, wenn morgen der Ölpreis dauerhaft drastisch fällt.
Gruß
Wolfgang