Wie sinvoll ist eine Pelletsheizung?

Im nächsten Jahr bauen wir ein Holzständerhaus. Bis auf das Heizungskonzept ist alles unter Dach und Fach. Bisher hatten wir eine Pelletsheizung favorisiert, zusammen mit einer Solaranlage.
Nun scheuen uns einerseits die Kosten. Wir haben mehrere Angebote, da war die Pelletsheizng immer ca. 8000 Euro teurer als eine Gasheizung, den Lagerraum nicht einmal eingerechnet.
Außerdem soll in der neuesten Quadriga (Zeitschrift für den Holzbau) eine Studie veröffentlicht worden sein, nach der die Ökobilanz der Pellets gar nicht so rosig ausfällt.

Wer kennt
a) Näheres zu dem Quadriga-Artikel?
b) vernünfitge Argumente für eine Pelletsheizung, die die Mehrkosten rechtfertigen?

Die Alternative für uns ist Flüssiggas.

Matze

Hallo,

den Quadriga-Artikel kenne ich zwar nicht, aber egal was dort steht, ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. Bei der hierzulande betriebenen nachhaltigen Waldwirtschaft wird keinerlei Raubbau betrieben, im Moment sogar erheblich weniger Holz geschlagen als nachwächst. Bei der Verbrennung des Holzes wird genau so viel Kohlendioxid frei, wie während der Lebensdauer des Baumes von diesem gebunden wurde. Ob das Holz in einer modernen Anlage verheizt wird oder im Wald verfault, ist hinsichtlich des entstehenden Kohlendioxids neutral. Grundsätzlich können deshalb Holzpellets keine schlechte Ökobilanz aufweisen. Für das Verpressen zu Pellets wird etwa 3% des Heizwertes der Pellets aufgewandt. Hinzu kommt der Aufwand für den Transport.

Eine Pelletsheizung verursacht wie jede andere moderne Holzheizung mit automatischer Beschickung einigen technischen Aufwand. Außer daß Wärme entsteht, haben diese Anlagen nichts mehr gemein mit alten Energie aus dem Schornstein befördernden Öfen. Erreichten da manche Öfen nicht einmal 40% Wirkungsgrad (besonders berüchtigt die Kombiöfen für Briketts und Holz, zwei eben völlig anders in der Verbrennung zu behandelnde Stoffe) arbeitet eine moderne Holzheizung mit über 90% Wirkungsgrad.
Es ist aber einiger Aufwand zu treiben für den Austrag aus dem Silo, den Pellets-Transport per Schnecke, automatische Zündung, für Rückbrandsicherung und automatischen Ascheaustrag. Das Ganze kostet für Anlagen ab 25 kW bis etwa 50 kW in der Größenordnung von 15.000 € zuzüglich Kosten für das Pelletssilo. Die Sache macht nur Sinn, wenn eine Zufahrtsmöglichkeit für einen Tankwagen mit Einblasung ins Silo auf dem Grundstück möglich ist.

Pellets verursachen pro kWh ganz grob mit Heizöl oder Gas vergleichbare Kosten. Wegen der erheblich höheren Investition im Vergleich zu Gas ist an eine Amortisation derzeit nicht zu denken. Die Rechnung sieht natürlich anders aus, wenn die Kosten für Heizöl (und dann ganz gewiß auch für Gas) steigen. Langfristig wird das nach meiner Ansicht der Fall sein, aber derzeit muß jeder selbst wissen, ob ihm das ökologische Gewissen die beträchtlichen Kosten für die technischen Anlagen wert sind oder nicht.

Sehr ähnlich wie eine Pelletsheizung ist eine Hackschnitzelheizung aufgebaut. Wegen des niedrigeren Brennwerts von Hackschnitzeln gegenüber Pellets muß das Vorratssilo größer sein. Zudem müssen Hackschnitzel im Regelfall ein paar Monate getrocknet werden, was den Lagerraumbedarf weiter nach oben treibt. Wohnt man aber in einer waldreichen Gegend oder ist im optimalen Fall selbst Waldeigentümer, braucht man das ökologische Gewissen nicht mehr zu bemühen. Dann kommt man unter Einrechnung von Lohnkosten für das Schreddern und der Investition für den Schredder zu interessanten Amortisationszeiten, sofern die Heizanlage nicht gar zu klein ist. In einigen Gegenden, z. B. in Schleswig-Holstein, wird die Organisation der Hackschnitzelversorgung auch über Landwirte möglich sein. Die pflegen nämlich landesweit die Knicks, setzen dabei üblicherweise Schredder ein und sind froh, wenn ihnen jemand das Zeug ohne viel Fahrerei abnimmt. Dann muß man dem Landwirt nur noch sagen, daß er ausschließlich im Spätherbst seine Knickpflege zu machen hat. Sonst hat man in den Schnitzeln, die ohnehin einen für den Brennwert ungünstig hohen Rindenanteil haben, zu viel Restfeuchte und womöglich in Gärung übergehendes Blattwerk. Für eine 10 kW-Anlage wird sich der ganze Aufwand nicht rechnen, für Anlagen >30 kW wird es wirtschaftlich bei heutigen Ölpreisen interessant, allemal natürlich bei steigendem Öl- und Gaspreis. Man kann auch bereits getrocknete Hackschnitzel für Heizzwecke kaufen, landet dabei aber letztlich bei Betriebskosten, die denen einer Ölheizung ähneln und hat wegen der Technik für Silo und Heizkessel wieder das schon angesprochene Problem mit der Amortisation.

Zum Schluß noch ein Buchtipp (wirklich empfehlenswert): „Heizen mit Holz“ von Hans-Peter Ebert, ISBN 3-922 964-44-3

Gruß
Wolfgang

Nochmal Hallo!

In Tischlereien sind moderne Holzheizungen mit automatischer Beschickung schon seit vielen Jahren üblicher Stand der Technik. Egal ob kleiner Ofen oder moderne Heizung, funktioniert die Verbrennung von Holz am besten bei möglichst gleichmäßiger Größe der eingebrachten Stücke. Weil in Tischlereien größere Abfallstücke neben Spänen und Sägemehl anfallen (letzteres kann explodieren), gibt es langsam laufende, aber sehr gewalttätig alles schluckende Mühlen, denen auch ein Nagel nichts ausmacht, die erst alles „zermampfen“ und es dann in eine Pelletpresse schieben. Ist wieder teure Technik mit Platzbedarf, aber hin und wieder kann man komplette Einheiten billigst aus Insolvenzen erwerben. Dann kann man außer mit Holzschutzmitteln behandeltes Holz (ist Sondermüll) so ziemlich alles verheizen. Kartonagen, Bretter, Äste, ganze Baumstämme, egal- hinten kommen immer feinste Pellets heraus.

Natürlich ist auch dies wieder keine Methode für eine 65qm-Stadt-Etagenwohnung. Wer aber ein sehr großes Haus hat, verheizt schon mal das Äquivalent von z. B. 10.000 l Öl und hat damit Jahr für Jahr hohe Betriebskosten. Wenn man das alles statt dessen mit Abfall warm bekommt und sogar noch Entsorgungskosten spart, rechnet sich die Investition schnell.
Gruß
Wolfgang

Kesselkorossion, Brandgefahr
Auch ich habe mir ernsthaft überlegt, eine Pelletheizung zu installieren.
Ich habe mich etwa 1 Jahr umgehört:
Von dieser Idee abgebracht hat mich folgendes:

  • Es besteht eine gewisse Brandgefahr, da bei es manchen
    Heizungen bei einem Schaden im Fördersystem aus dem Kessel durch
    die Schnecke ins Pelletlager hineinbrennt
  • Immer wieder beobachtete Korossionsprobleme beim Heizkessel,
    egal ob Edelstahl oder Kohlenstoffstahl, so nach 5 Jahren
    Betrieb.
  • Platzbedarf für das Brennstofflager
    Daher habe ich eine Gas - Brennwertheizung installieren lassen.

Harald