Nochmal Ringanker - Butter bei die Fische

Hallo,

vor einiger Zeit habe ich hier schonmal die Sache mit dem Ringanker vorgebracht und auch gute Antworten bekommen.

Aber jetzt ist der Sanierungsträger nochmal vorstellig geworden und sagt, was normales, was wir hier in der Gegend gewohnt sind, ist ok, aber so ein Hightech-Ringanker, was der Architekt vorschlägt, ist unbezahlbar.

Es handelt sich um 3 m hohe und 36 cm dicke Backsteinmauern, die nach einem Scheunenabriss stehen bleiben sollen, und dazu soll oben ein Ringanker aus Beton draufkommen.

Der Architekt hat vorgeschlagen, Schalung, Stahlbewehrungskäfig usw.

Jetzt war ich mal auf der örtlichen Burg, wo es auch einige bröselige Mauern gibt, die mit einem Ringanker gesichert sind. Der ist aber nicht eingeschalt, sondern auf die Mauer ist offensichtlich sehr trockener Beton gepappt worden, so daß der Ringanker fast ein halbrundes Profil hat, so als wenn das jemand per Hand da drauf gemacht und schön die Kanten abgerundet hat.

Der Architekt will also Hitech, der Sanierungsträger will Butter bei die Fische sehen, sprich da soll kein Hochhaus drauf, sondern der Anker soll lediglich diese alten Backsteinmauern vorm Zerbröseln bewahren, und da wollen sie nicht viel für zahlen.

Wenn ich nun auf die Mauerkrone zwei Stahlbewehrungsstäbe lege und 10 cm Beton ganz trocken, dass er keine Schalung braucht, drauf, die Kanten abgerundet, sieht sowieso besser aus, ohne Schalung - würde das denn nicht wirklich auch ausreichen? Da geht doch hinterher nicht der Nachbar mit dem Vorschlaghammer an die Wand.

Was meinen die Experten zu dieser einfachen Lösung?

Danke im voraus
Dan

Hallo,

der Anker auf der frei stehenden Wand soll das Gemäuer stabilisieren und bei horizontal wirkender Kraft (Windlast) das Umkippen verhindern. Deshalb die Stahlarmierung, die Zugkräfte aufnimmt. Das alles bringt nur etwas, wenn der armierte Beton auf dem Gemäuer ordentlich abbindet. Zusätzliche Stahlverbinder zwischen Mauerwerk und Armierung des Ankers halte ich für zweckmäßig, weil ja weiter keine Last auf der Mauer, bzw. auf dem Anker ruht. Man sollte auf eine geschlossene, glatte Betonoberfläche ohne größere Lunker achten, weil sonst Wasser eindringt und Frost die Konstruktion sprengt. Ob der Anker halbrund oder eckig ausgeführt wird, ist für die Funktion belanglos.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

Aber jetzt ist der Sanierungsträger nochmal vorstellig
geworden und sagt, was normales, was wir hier in der Gegend
gewohnt sind, ist ok, aber so ein Hightech-Ringanker, was der
Architekt vorschlägt, ist unbezahlbar.

Die wollen nur ihr Geld sparen. Bewehrungskäfige sind nicht teuer und sind auch ein durchaus übliches Massenprodukt auf dem Bau. Baustahl ist vom Preis her fast geschenkt und das Binden der Käfige kannst du selbst machen, wenn du dir vom Schmied die Eisen biegen lässt und er dir dann erklärt, wie man die verbindet (Bindedraht drum genügt) und welche Abstände einzuhalten sind.

Es handelt sich um 3 m hohe und 36 cm dicke Backsteinmauern,
die nach einem Scheunenabriss stehen bleiben sollen, und dazu
soll oben ein Ringanker aus Beton draufkommen.

Der Architekt hat vorgeschlagen, Schalung,
Stahlbewehrungskäfig usw.

Das hat er richtig vorgeschlagen.

Jetzt war ich mal auf der örtlichen Burg, wo es auch einige
bröselige Mauern gibt, die mit einem Ringanker gesichert sind.
Der ist aber nicht eingeschalt, sondern auf die Mauer ist
offensichtlich sehr trockener Beton gepappt worden, so daß der
Ringanker fast ein halbrundes Profil hat, so als wenn das
jemand per Hand da drauf gemacht und schön die Kanten
abgerundet hat.

Kannst du sehen, dass da kein Bewehrungseisen drin ist? Der Ringanker muss nämlich u.a. Zugkräfte aufnehmen und das kann er nur mit Bewehrungseisen.

Der Architekt will also Hitech, der Sanierungsträger will
Butter bei die Fische sehen, sprich da soll kein Hochhaus
drauf, sondern der Anker soll lediglich diese alten
Backsteinmauern vorm Zerbröseln bewahren, und da wollen sie
nicht viel für zahlen.

Nein! Dein Sanierungsträger will Euros sparen. Der Ringanker muss die Querkräfte der Dachlast teilweise mit aufnehmen, dazu braucht er das Eisen unbedingt.

Wenn ich nun auf die Mauerkrone zwei Stahlbewehrungsstäbe lege
und 10 cm Beton ganz trocken, dass er keine Schalung braucht,
drauf, die Kanten abgerundet, sieht sowieso besser aus, ohne
Schalung - würde das denn nicht wirklich auch ausreichen? Da
geht doch hinterher nicht der Nachbar mit dem Vorschlaghammer
an die Wand.

Nein, reicht nicht. Die Bewehrungsstäbe müssen an der Stelle sein, wo sie die Statik vorsieht, sonst haben sie keinen Sinn. Unter dem Beton können sie die Zugkräfte des Betons nicht aufnehmen, weil keine dauerhaft sichere und belastbare Verbindung da ist.

Was meinen die Experten zu dieser einfachen Lösung?

Das du dich wahrscheinlich später sehr darüber ärgerst, weil evtl 1000 Euro gespart wurden und du dann noch mal anfängst, mit viel höherem Aufwand.

Gruß
Tilo

Hi dan,

Aber jetzt ist der Sanierungsträger nochmal vorstellig
geworden und sagt, was normales, was wir hier in der Gegend
gewohnt sind, ist ok, aber so ein Hightech-Ringanker, was der
Architekt vorschlägt, ist unbezahlbar.

was ist denn in der Gegend 'gewohnt?!

Es handelt sich um 3 m hohe und 36 cm dicke Backsteinmauern,
die nach einem Scheunenabriss stehen bleiben sollen, und dazu
soll oben ein Ringanker aus Beton draufkommen.

Sollen nur die Wände stehen bleiben, oder soll (eventuell) später wieder ein Dach drauf?

Der Architekt hat vorgeschlagen, Schalung,
Stahlbewehrungskäfig usw.

Das ist meines Wissens Standard und hat nichts mit High Tech zu tun.

Jetzt war ich mal auf der örtlichen Burg, wo es auch einige
bröselige Mauern gibt, die mit einem Ringanker gesichert sind.
Der ist aber nicht eingeschalt, sondern auf die Mauer ist
offensichtlich sehr trockener Beton gepappt worden, so daß der
Ringanker fast ein halbrundes Profil hat, so als wenn das
jemand per Hand da drauf gemacht und schön die Kanten
abgerundet hat.

Das Modellieren eines solchen halbrunden Profils ist, wenns denn ordentlich und fachgerecht ausgeführt wird auch ziemlich aufwendig (=teuer).

Der Architekt will also Hitech, der Sanierungsträger will
Butter bei die Fische sehen, sprich da soll kein Hochhaus
drauf, sondern der Anker soll lediglich diese alten
Backsteinmauern vorm Zerbröseln bewahren, und da wollen sie
nicht viel für zahlen.

Das der Träger wenig bie kein Geld ausgeben will ist doch klar, aber Du willst Dich später doch nicht ärgern, oder?! Eine unsachgemäß ausgeführte Sanierung kostet später Geld und vor allem Nerven. Also besser von vornherein ordentlich arbeiten, das ist über die Zeit gesehen die günstigere Variante!

Wenn ich nun auf die Mauerkrone zwei Stahlbewehrungsstäbe lege

können die Dir schnell wegrosten. Du mußt zwischen Untergrund und Metall Abstandhalter legen. GAnz wichtig!!!

und 10 cm Beton ganz trocken, dass er keine Schalung braucht,
drauf, die Kanten abgerundet, sieht sowieso besser aus, ohne
Schalung - würde das denn nicht wirklich auch ausreichen?

Das könnte, wenn es fachgerecht und der erwarteten Belastung (siehe oben) gemäß ausgeführt wird durchaus reichen, aber ob es weniger kostet, solltest Du vorher genau prüfen.
Eine Schalung anzubringen geht für einen Fachmann recht schnell, dann das Metall rein, Beton dazugießen - fertig.
Deine Variante:
Metall auflegen, fixieren und Stück für Stück den erdtrockenen Beton auftragen, verdichten, glätten, das kann dauern (und kosten) es sei denn, Du machst es selber.
Ich kann mir aber vorstellen, was Dein Sanierer vorschlägt:
Ca. 5 cm Beton auf die Mauerkrone, glattstreichen - fertig. Eine Armierung - Blödsinn, brauchen wir nicht, kommt viel zu teuer.

Laß die FInger von solch einem Gehuddel!

Da
geht doch hinterher nicht der Nachbar mit dem Vorschlaghammer
an die Wand.

Aber der Wind und der Regen und der Frost. Und die können einer mauer auch ganz schön zusetzen!

Was meinen die Experten zu dieser einfachen Lösung?

Wenn Du Glück hast, kann(!) es gutgehen, aber verlassen würde ich mich nicht darauf!

Gandalf

Hallo Gandalf,

ich freue mich, dass wir hier einer Meinung sind, anders als bei der Zukunft der Bahn.

Gruß
Tilo