Vollwärmeschutz nicht immer sinnvoll ?

Hallo Inselchen,

Beim Studium haben wir mal eine Berechnung gemacht, was Vollwärmeschutz kosten, wieviel man einspart, Zinsen usw… Als optimale Dämstärke für Fassaden kam dabei 140mm raus. Alles ab dem 141en mm war teurer als die Einsparung an Energie. Inzwischen sind die Energiepreise schneller gestiegen als die Dämmstoffpreise.

Die Ausführung muss bauphysikalisch so erfolgen, dass keine Schäden durch Nässe entstehen. Eine diffusionsoffene (Mineralwolle) Dämmung mit Hinterlüftung dürfte keinerlei Probleme bereiten.

Lüften wird durch viel zu dichte Fenster bedingt. Pro Stunde sollte mindestens die Hälfte der Luft ausgetauscht werden. Ich habe dazu eine Lüftungsanlage mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von bis zu 96%. Damit erübrigt sich jedes Lüften. Das Problem besteht jetzt darin, dass ich zu trockene Luft habe. Mit einem Wassernebler (regelmäßig reinigen!) und massivem Zimmerpflanzeneinsatz (10 -15 Liter Giesswasser allein im Wohnzimmer) habe ich das ganz gut im Griff.

Gruß
Tilo

Hallo Sylvia,

das ist alles nicht soooo einfach.

Eine gute Isolation setzt voraus, daß die Eigenarten des Objekts berücksichtigt werden, pauschale Aussagen sind imer kritisch zu sehen.

Wenn isoliert wird, muß berücksichtig werden, daß es keine Schimmelfalle wird, da hast Du völlig recht, aber wenn die Maßnahmen gut abgestimmt sind, sollte so was nicht passieren.

Einige Stichworte, die aber keine Detailaussagen sind

Fenster:
Es ist darauf zu achten, daß die Fenster stets die kälteste Stelle in der Wand bleiben, sonst besteht die Gefahr feuchter Wände.
Daher ist Dein Plan, jetzt nicht zu isolieren sondern erst demnächst, problematisch. Setzt Du jetzt ‚schlechte‘ Fenster ein (bezüglich Isolierung), weil sie nicht zu gut sein dürfen, verschenkst Du nach einer zukünftige Isolierung Energie, es sei denn Du baust dann neue Fenster ein (–> teuer).

Lüften:
Das wird nur dann zu einem Problem, wenn Du alle Fugen und Lücken völlig zumachst. Wir lüften morgens und abends auf Durchzug (gekippte Fenster bringen außer Wärmeverlust wenig) und haben bisher keine Probleme. In der Küche haben wir allrdings eine Abluftesse und wenn gekocht wird, wird die feuchte Luft nach außen gesaugt.
Beim Bad sollte auch eine Lüftung eingebaut werden.
Überhaupt ist das Lüften nur in der Heizperiode ein Thema.

Kosten:
Wenn man annimmt, daß die Energiekosten nicht niedriger werden, rechnet sich das schon. Zumal bei einer zukünftigen Erneuerung der Heizung selbige kleiner dimensioniert werden kann, was auch Geld spart.
Außerdem ändert sich das Raumklima, weil die Außenwände nicht mehr so kalt werden. Das finde ich angenehm.
Wir haben ein ca. 100 Jahre altes Haus mit massiven Ziegelwänden, und die wurden im Winter schon recht kühl.

Fazit:
Mach eine solche Maßnahme nicht hopplahopp, sondern laß es fachmänisch planen(!) und ausführen. Jedes Objekt ist anders und das macht pauschale Aussagen problematisch.

Gandalf

Hallo,

„Mein“ Malermeister, mit dem ich beruflich oft zu tun habe,
meint aber, die Technik des Vollwärmeschutzes sei noch nicht
optimal, er empfehle, lieber einen konventionellen Anstrich zu
wählen und noch einige Jahre abzuwarten, was sich technisch so
entwickelt.

das kannst Du zwar machen, aber erstens wird’s in paar Jahren
noch teurer sein und der Energieverbrauch bis dahin ist trotzdem
höher. Wenn Du also das Geld hast, dann mach es jetzt. Auch
Zinsen für Kredite sind derzeit am Tiefpunkt.

Außerdem seien die Kosten für den VWS so hoch,
dass man lange dafür heizen kann (ja, ich sehe natürlich die
eher kurzfristige Denke).

Das ist schon eine Argument. In wenigen Jahren amortisiert
sich sowas fast nie. Die Kosten liegen ja in der Regel bei
vielen T€.

Was mich auch nachdenklich macht ist der Zwang zum Lüften. Vor
wenigen Jahren noch reichte „normales“ Lüften morgens und
abends aus, inzwischen weiß ich von einigen Bauherren, dass
bis zu 5 x täglich dringend empfohlen werden. Das ist doch
weltfremd, wo ist schon ständig jemand daheim, um das auch
auszuführen ?

Genau das ist doch der Punkt! Es muß gelüftet werden, wenn
Feuchte sich in der Luft anreichert. Wenn aber keiner zu Hause
ist, dann entsteht normalerweise auch weniger Feuchte (Atmung).
Auch durch Kochen bzw. Baden/Duschen gibt’s keine Feuchte, wenn
keiner da ist. Bleiben nur Pflanzen, die Wasser verdunsten.

Außerdem ist nicht die Wärmeisolierung die Ursache für’s
häufigere Lüften, sondern die dichten Fenster und Türen.
Da verhindert die Isolation nur schlimmeres wegen kalter Wände.

Bleibt mir noch die Überlegung, wer eigentlich für mich
lüftet, wenn ich alt bin - da kommt dann einmal täglich der
Zivi und bringt mir Essen auf Rädern, aber er lüftet nicht.
Nach kurzer Zeit lebe ich dann in einem Feuchtbiotop, oder wie

Also erstens wird’s mit’n Zivi nix. Bis Du soweit bist, sind
die eh abgeschafft :frowning:.
Aber es ist auch für Rentner durchaus machbar zu lüften.
Wenn das nicht mehr geht, kannst Du sowieso nicht mehr alleine
wohnen. Abgesehen davon gibt’s techn. Möglichkeiten.

Wie seht ihr das?

Ich habe ein „Energiesparhaus“. Da merke ich schon sehr deutlich
den Unterschied im Energieverbrauch. Was ist übers Jahr verbrauche,
damit kommen andere bloß 2 Monate weit.
Ansonsten reicht bei uns auch ca. 2 mal täglich durchlüften.
Gruß Uwi

Hallo Sylvia,
wir haben über die Verbraucherzentrale einen Energieberater kommen lassen. Das hat 300 Mark damals gekostet und sich voll rentiert. Der hat Temperaturen und Feuchtigkeit in den einzelnen Wänden gemessen, deren Dicke und die notwendige Dämmstärke. Darüberhinaus auch die Dauer berechnet, nach wievielen Jahren sich die einzelnen Dämm-Maßnahmen lohnen würden, im Vergleich zu den Heizkosten. Auch Keller- und Dachdämmung wurde berücksichtigt und selbstverständlich die Fenster.
Nach den Berechnungen des Energieberaters kam heraus, dass sich einige Dämm-Maßnahmen erst nach 35 - 50 Jahren amortisiert hätten, das steht natürlich in keinem Verhältnis zur Investition.
Wir haben uns dann für ein „Mittelding“ entschlossen, denn unser altes Haus (ca. 70 Jahre) lässt sich nicht so einfach zu einem Energiesparhaus machen :frowning: . Jedenfalls nicht zu einem akzeptablem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Viele Grüße
Ulla

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Hallo,

ich bin da ein absoluter Laie, beschäftige mich aber zurzeit intensiv mit dem Problem.

Die besten Infos habe ich von einem Architekten, der mir per E-Mail kostenlos eine 100-seitige Erklärung der Zusammenhänge geschickt hat. Ich glaube, er schickt das bereitwillig allen, die sich dafür interessieren. Aber ich will hier nicht ungefragt seinen Namen und seine E-Mail veröffentlichen. Falls Du das studieren möchtest, schick mir eine E-Mail, ich frage ihn dann, ob es okay ist, wenn ich Dich an ihn verweise.

Zum Inhalt nur soviel, er ist kritisch gegenüber der Vollwärmedämmung und erläutert das physikalisch leicht verständlich.

Für uns ist sowas daher erstmal vom Tisch.

Ich hatte mich auch schon vorher gefragt, warum ich unsere alten Fenster, die nicht dicht sind, für teures Geld durch neue ersetzen lassen soll. Die sind dann zwar luftdicht. Aber sie haben entweder verdeckte Öffnungen für die Lüftung, oder Du mußt so eine Art Lüftungsanlage einbauen lassen, die elektrisch betrieben ist.

Den gleichen Effekt bieten mir meine alten Fenster.

Ich bin jedenfalls jetzt schon froh, dass ich auf die genannten Infos gestoßen bin, und die Überlegungen zu Heizung und Sanierung jetzt in andere Richtung laufen. Womit ich wohl auch sehr viel Geld sparen werde.

Gruß
Günter