Haus-Aussendämmung schädlich?

Hallo Experten,

habe ein 30 Jahre altes Haus gekauft (ohne jeglich Wand-Wärmedämmung). Dachgeschoss ist allerdings mit Rollisol gedämmt. Das Haus ist ein Massivbau mit Bimssteinen und Aussen- und Innenputz (Zementmörtel). Nun gedenke ich, sämtliche Aussenwände von Aussen mit Styroporplatten und einem weiteren Aussenputz zu dämmen.
Ein „selbsternannter“ Experte behauptet jedoch, dass das das Dümmste sei, was man machen könnte, da die Wände durch den Styroporauftrag nicht mehr diffundieren könnten, und sich zwischen Dämmung und verputztem Mauerwerk Feuchtigkeit mit allen seinen Folgen bilden würde.

Bin gewissermassen verunsichert. Fachgeschäfte fragen (? die wollen das Zeug ja schliesslich verkaufen).

Wer hat Rat?

Danke im Voraus.

Hallo,

du kannst dir von einem Architekten oder Bau-Ing. mittels Computer genau für deine Wand berechnen lassen, an welcher Stelle in der Wand der Taupunkt bei welchen Innen- und Aussentemperaturen und bei welchen Luftfeuchtigkeiten liegt. Wenn die Styropordämmung nicht zu schwach ist, liegt der Taupunkt im Styropor. Da das Styropor aber glaub ich diffusionsdicht ist, kommt der Wasserdampf überhaupt nicht bis zum Taupunkt. Somit kann kein Wasser in der Wand entstehen. Deshalb sind Aussendämmungen auch unproblematischer als Innendämmungen. Wineralwolldämmungen sind diffusionsoffen. Im Winter kann darin Wasser entstehen, welches i.d.R. im Sommer wieder austrocknet.
Ich empfehle es dir nicht, einfach Dämmung aufzukleben. Lass es dir von einem Baufachmann kurz für ein paar Euros durchrechnen. Es gibt verschiedene Dämmsysteme, die für verschiedene Wandaufbauten (je nach K-Wert und Wasserdampfdurchlässigkeit) unterschiedlich gut geeignet sind. Manchmal muss auch hinterlüftet werden, um dem Wasser Herr zu werden. Aus der Ferne und allgemeingültig kann man das nicht eindeutig sagen.

Gruß
Tilo

Tipp: Cellulosedämmung

Bin gewissermassen verunsichert. Fachgeschäfte fragen (? die
wollen das Zeug ja schliesslich verkaufen).

Hallo Volker,

die Empfehlung deines Bekannten war richtig. Eine Dämmung sollte von innen und nicht von außen erfolgen. Es sei denn, dass du den Keller gegen Bodenfeuchtigkeit zu schützen gedenkst.

Alle anderen Wände dämmt man z.B. ökologisch verträglich mit Cellulose, das auf die Wände gespritzt wird. Das hat sich bei Altbauten bewährt und man kann so auch alte genmauerte Schuppen zu Wohnräumen umfunktionieren. Die Cellulose wird aus Altpapier gewonnen. Hier mehr zum Thema:

http://www.umweltfondsvergleich.oekoserve.net/fp/arc…

Gruß,
Klaus

Hallo Klaus,

die Empfehlung deines Bekannten war richtig. Eine Dämmung
sollte von innen und nicht von außen erfolgen. Es sei denn,
dass du den Keller gegen Bodenfeuchtigkeit zu schützen
gedenkst.

Da möchte ich direkt widersprechen. Aussendämmung ist bauphysikalisch wesentlich günstiger, weil der Taupunkt bei richtiger Ausführung immer ausserhalb des Mauerwerks liegt. Bei Innendämmung muss ganz innen eine Dampfsperre aufgebracht werden. Die Luftfeuchtikeitsregulierende Wirkung des Mauerwerks geht völlig verloren. Ohne Dampfsperre wird die Wand nass, was soweit gehen kann, dass Wasser aus der Dämmung läuft und Pfützen auf dem Fussboden entstehen. Dabei können Bauschäden entstehen, die bis zur Unbewohnbarkeit führen können.

Alle anderen Wände dämmt man z.B. ökologisch verträglich mit
Cellulose, das auf die Wände gespritzt wird. Das hat sich bei
Altbauten bewährt und man kann so auch alte genmauerte
Schuppen zu Wohnräumen umfunktionieren. Die Cellulose wird aus
Altpapier gewonnen. Hier mehr zum Thema:

Die Zwischendämmung ist nach meinem Kenntnisstand ebenfalls mit einer innenliegenden Dampfsperre auszuführen. Die Innendämmung jedenfalls kann ich mir ohne Dampfsperre absolut nicht erklären.

Gruß
Tilo

Hallo Volker,

um die Wärmedämmverbundsysteme mit Styropor-Platten ensteht auch unter Fachleuten eine Diskussion.
Einige sehen in den sehr häufig eingesetzten WDV-Systemen aus Styropor in den nächsten Jahren sogar eine Sanierungswelle auf uns zukommen.
Tatsächlich ist bei einem Wandaufbau der in irgendeiner Form Feuchtigkeit aufnimmt, zu überlegen, ob diese Feuchtigkeit wieder entweichen kann.
Bei dem vorliegenden Aufbau mit Bims und wahrscheinlich sehr magerem Putz ist auf jeden Fall ein Feuchtigkeitseintrag von Innen zu erwarten. Es geht bei einem solchen Aufbau nicht nur um Feuchtigkeitsdiffusion sondern vor allem um kappilare Feuchtigkeit.
Im Fachwerkbau, wo Feuchtigkeit sehr schnell zu Bauschäden führt, ist darum mittlerweile (nach unzähligen Bauschäden) Stand der Technik, daß der Wandaufbau die Feuchtigkeitsleitung in keine Richtung behindern soll.
Auch in diesem Fall würde ich aus vorgenannten Gründen von einer Styropor-Außendämmung abraten, es ist aber dennoch nicht „das dümmste was man machen kann“.
Ein Aufbau mit mindestens diffusionsoffenen, oder besser noch kappilar leitfähigen Baustoffen ist auf jeden Fall die sinnvollere Lösung.
Das könnte sogar ein dem WDV ähnliches System z.B. aus Holzweichfaserplatten und Putz sein. (z.B. Doser Dämmsystem, Unger, etc.)
Eine Dämmung aus Zellulose macht nur Sinn, wenn eine Wandverkleidung, z.B. Holzschalung vorgesehen ist, bei einer gewünschten Putzoberfläche ist der Aufbau zu kompliziert.

Schöne Grüße
Martin

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Hallo Volker,

ich finde es sehr schade für dich, dass es hier leider auch diese selbsternannten Experten gibt, die dir einen Rat geben der mir absolutes Unverständnis und Kopfschütteln abringt. So langsam glaube ich wieder, dass ein Handwerksmeisterbrief wirklich sinnvoll ist um Verbraucher vor soviel Phantasiewissen zu bewahren.

M.E. hat Thilo die richtige Antwort schon gegeben, aber ich möchte dir zusätzlich raten zwei, drei Maler oder Stukkateurbetriebe um ein Angebot für Vollwärmeschutz zu bitten. So bekommst du eine individuelle Beratung und den Auftrag vergeben musst du ja nicht zwingend.

Gruss D.K.

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Hallo Volker,

ich finde es sehr schade für dich, dass es hier leider auch
diese selbsternannten Experten gibt, die dir einen Rat geben
der mir absolutes Unverständnis und Kopfschütteln abringt. So
langsam glaube ich wieder, dass ein Handwerksmeisterbrief
wirklich sinnvoll ist um Verbraucher vor soviel
Phantasiewissen zu bewahren.

M.E. hat Thilo die richtige Antwort schon gegeben, aber ich
möchte dir zusätzlich raten zwei, drei Maler oder
Stukkateurbetriebe um ein Angebot für Vollwärmeschutz zu
bitten. So bekommst du eine individuelle Beratung und den
Auftrag vergeben musst du ja nicht zwingend.

Gruss D.K.

Hallo D.K., Hallo an alle,

endlich mal einer der sagt, wohin der Hase läuft.
Es ist grundsätzlich sehr schwierig, aus der Ferne einen wirklich fachmänischen Rat zur nachträglichen Dämmung an Wohngebäuden zu geben. Deshalb: zwei- drei Fachfirmen vor Ort um Beratung und zur Abgabe eines Angebotes mit ausführlicher Ausführungsbeschreibung, wärmetechnischer Berechnung und Angabe von Referenzobjekten bitten. Bei einer evtl. Auftragserteilung dann eine mind. fünfjährige Gewährleistungsfrist (gemäß BGB) festschreiben. Wer das nicht will oder kann, ist von seiner Arbeit selbst nicht überzeugt.

Ich selbst habe es mittlerweile aufgegeben, in Diskussionen über dieses Thema mit Leuten ohne ausreichende bauphysikalische Kenntnisse missionarisch tätig zu sein. Für die Bewertung einer Dämm-Maßnahme sind viele Faktoren von größter Wichtigkeit und können oft nur vor Ort beurteilt werden.

Viele Grüße, Carl Lüttmann

Hallo

Ich kann mich dem Posting von Tilo nur Anschließen dass es besser ist die Isolierung Aussen aufzubringen.

Ausserdem möchte ich nochauf die FAQ´s verweisen.

zB.FAQ:979 und FAQ:386 zitat: Vorweg eine Warnung: Alle angepriesenen Mittel, die auf eine INNEN-Beschichtung der Wände und auf eine wie auch immer geartete Verkleidung hinauslaufen, sind nicht nur völlig nutzlos, sondern in jedem Fall schädlich.

Gruß Norbert.

Hallo D.K.,

ich danke Dir für Deine Zuschrift. Allerdings war dieser selbsternannte Experte niemand aus diesem Forum, sondern aus meinem Bekanntenkreis. Das zur Ehrenrettung der Anwesenden.
Ich denke, ich werde es so machen, wie Du vorgeschlagen hast, mehrere Ansichten/Angebote von Fachbetrieben einholen und dann entscheiden. Nachmals Danke für Deine Zeilen.

Gruss

Volker

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Hallo und Dank an Alle, die sich mit meinem Problem befassten. Leider sind die Ratschläge sehr kontrovers und meine Unwissenheit/Verwirrung grösser geworden. Ich denke, ich werde mehrere Angebote von Fachfirmen mit langjährig bestehenden Referenzobjekten einholen und dann entscheiden. Nochmals herzlichen Dank an Alle für die sehr ausführlichen Zuschriften.

Gruss

Volker Krack

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Hallo und Dank an Alle, die sich mit meinem Problem befassten.
Leider sind die Ratschläge sehr kontrovers und meine
Unwissenheit/Verwirrung grösser geworden.

Hallo,

ich denke, dass es schon eine mehrheitliche Zustimmung zu dem gibt, was Tilo dir geschrieben hat. Nachdem ich per Email noch weiter diskutiert habe, sehe ich ein, dass mein Tipp mit der Cellulosedämmung für dich nicht zutreffend ist. Ich habe den MOD, der sich aber derzeit in Korea rumtreibt, gebeten, meinen Artikel zu löschen, denn ich möchte keine falschen Tipps geben.

Gruß,
Klaus