Kellerausbau Innendämmung?

Nochmal Hallo Ihr Wissenden!

Wir planen ein Fertighaus mit Unterkellerung
aus Betonfertigteilen. Wir sprachen mit dem
Haushersteller eigentlich immer über den Ausbau
einer der Kellerräume und haben sogar in diesem
Raum den Einbau eines Heizkörpers festgelegt.
Jetzt hab ich hier bei Euch lesen müssen, dass
der nachträgliche Innenausbau (Innendämmung) gar
nicht so unproblematisch ist, wie wir dachten oder
uns gesagt wurde… Wegen Kondenswasser und Lüftung.
Wir planten bisher mit Wärmedämmestrich (heisst das
so?) und die Innenverkleidung der Wände mit Holzrahmen,
Dämmmatten und Rigipspattenverkleidung. Das würde
ja so gar nicht gehen -wenn ich es richtig verstanden
habe- wenn keine Außendämmung vorhanden ist. Stimmt
das wirklich so?
Wenn ja: Ist eine Aussendämmung bei Betonkeller immer
möglich und wenn ja: mit welchen Kosten muss man denn
da zusätzlich rechnen?
Den Raum wollten wir sporadisch nutzen-das Haus wird
eine kontrollierte Be- und Entlüftung haben.

Würde mich über Antworten freuen,
Ciao,
Alex

Hi,
ein Keller ist durch die Lage unter der Erdgleiche wesentlich weniger kritisch hinsichtlich Wärmeverlust als die Fassade oder das Dach. Denn die Erdschüttung und die aus statischen Gründen oft dicke Kellerwand isoliert auch ganz gut.

Wenn Du einen Raum nur sporadisch nutzt, wäre es ggf. sinnvoller garnicht zu dämmen und die Wände einfach glatt zu spachteln und anzustreichen. Bei sporadischer Nutzung sind die Heizkosten während dieser kurzen Zeiten sicher niedriger als eine aufwendige Dämmung.

Ein funktionierenden Sperranstrich vorausgesetzt (Wand absolut trocken und nach dem Bau völlig ausgetrocknet), könntest Du mit auf der Wand verklebten Styroporplatten dämmen. diese müssen dann auch ein Stück an den Wand- und Deckenanschlüssen in den Raum gezogen werden, um dort Wärmebrücken zu vermeiden. Die Platten müssen dicht aneinander geklebt werden. Es darf keine feuchte Raumluft an die kalte Aussenwand gelangen, da diese dort zu Kondenswasser führt. Auf das Styropor kann man dann die Trockenbauplatten anbringen 8ggf direkt aufkleben)

Deine Konstruktion mit Dämmmatten geht auch, ist aber aufwendiger und hier etwas überdimensioniert, ausserdem dicker. Auf jeden Fall muss zwischen Trockenbau und Dämmung eine durchgehende Dampfsperre eingebaut werden. Diese Folie muss vollständig die gesamte Fläche abdecken und mit den entsprechenden Spezialklebestreifen luftdicht verklebt sein. Ein dringende Luftfeuchte kondensiert und führt zu Moder. Auch hier sollte an den Wand- und Deckenanschlüssen ein Styroporstreifen geklebt werden, da es besonders in den Ecken sonst zu Kondenswasser und Schimmel kommen kann.

A.

Hallo Alex!

Ohne thermische Isolierung direkt im Erdreich stehende Kellerwände nehmen die Temperatur des umgebenden Erdreichs an. Deshalb wird sommerlich feuchte Luft zu Feuchtigkeitsniederschlag an den kühleren Wänden führen. Mit Verkleidungen ganz gleich welcher Art schafft man im Bereich zwischen Verkleidung und Wand ein Klima, das sicher zu Schimmelbildung führt und den ganzen Keller muffig werden läßt.

Der Keller muß zwingend von außen gedämmt werden. Die Dimensionierung der Dämmung ist Sache des Statikers. Der Statiker bestimmt auch, wie die innenseitige Oberfläche der Kellerwände aufbebaut werden muß. Das wird ganz sicher kein Holz sein, sondern ein hygroskopischer Putz, der einen Farbanstrich erhält (keine Tapeten!). Außerdem sollte außen kein Erdreich aus Lehm oder Mutterboden die gedämmten Kellerwände berühren. Das Haus steht im günstigsten Fall ringsherum im Kiesbett. So beschädigt kein Wurzelwerk die Außenisolierung und das Haus steht trocken, weil Wasser im Kiesbett nach unten abfließt (Drainage rundherum verlegen). Deshalb sollte es auf einem schmalen Streifen rund ums Haus nur sehr groben Kies, aber keinerlei Bewuchs, keine Blumenbeete o. ä. geben.

Über diese Vorgehensweise kann man nicht diskutieren, sie ist alternativlos, wenn man einen Keller dauerhaft wohnraumähnlich nutzen und beheizen will.

Die Außendämmung, das Kiesbett sowie geeignete Kellerfenster bringen gegenüber dem Aufbau mit Bitumen-beschichteten Kellerwänden direkt im Erdreich etwas Mehraufwand mit sich. Die Baukosten werden vielleicht in der Größenordnung von 3% verteuert. Aber dafür erhältst Du einige zig qm zusätzlichen vollwertigen Nutzraum, so daß unter dem Strich die Kosten pro Quadratmeter sogar sinken.

Wenn man den Keller wohnraumähnlich nutzen will, muß man sich unbedingt von den üblichen Billigkonstruktionen für Kellerfenster verabschieden. Es müssen solide, dicht schließende Isofenster sein. Außerdem ist für die warme Jahreszeit eine Zwangsbelüftung sinnvoll, die dem Keller im Sommer (also bei abgeschalteter Heizung) nur Luft zuführt, die kühler als die Oberfläche der Kellerwände ist. So bleibt der Keller dauerhaft frei von Kondenswasser.

Gruß
Wolfgang

hallo Wolfgang und Andreas!
Ihr habt euch viel Mühe beim Antworten gegeben-
Vielen Dank-ich weiss Eure Hinweise zu schätzen.

Leider gehen Eure Meinungen auseinander, das macht
es mir schwer abzuwägen-Ich muss mit dem Kellerbauer
wohl nochmal direkt Kontakt aufnehmen und mit den
von Euch erhaltenen Tips im Hinterkopf nochmal
genauer nachharken wie das aussehen soll. Das
geht leider erst nächste Woche.
Bis dahin bin ich weiterhin dankbar für jede
neue Meinung.

Grüße,
Alex

Hallo Alex,

die Meinungen von Wolfgang und Andreas gehen nicht auseinander, vielmehr führt Alexander seine Gedanken nicht zu Ende. Er sagt selbst ziemlich am Ende seines Textes „Eindringende Luftfeuchte kondensiert und führt zu Moder“, zieht aber nicht die notwendigen Konsequenzen daraus. Das aber tut Wolfgang und kommt deswegen zu seinem Vorschlag.

Kellerfeuchte ist eins seiner Lieblingsthemen. Er hat hier und, ich glaube es war im Brett Mietrecht, unzählige Male dazu Stellung genommen. Dabei hat er die physikalischen Bedingungen der Richtigkeit seiner Aussagen einmal so ausführlich und verständlich dargestellt, dass der Artikel mit einem Dutzend oder mehr „Sternchen“ anerkannt wurde. Vielleicht gibt er dir ja noch den Link dazu, damit du nicht so lange im Archiv wühlen musst.

Bis dahin von mir etwas kürzer: Es geht nicht nur, wie Andreas sagt, um „Luftfeuchte“, sondern generell um Luft. Denn jede Luft ist feucht, die Frage ist nur, wie viel.

Frische, neue, Luft, kommt immer in den Keller. Nicht nur durch ein geöffnetes Fenster, sondern auch durch Ritzen oder durch die Türen von oben aus dem Parterre. Wäre das nicht so, würdest du irgendwann in der sauerstofflosen Kellerluft ersticken.

Wenn es draußen kälter ist als drinnen, als vorwiegend im Winter, ist das Problem gering. Ist es aber draußen wärmer, kommt diese Luft in den Keller. Warme Luft kann aber mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft, deshalb wird die Luftfeuchte auf Hygrometern auch nicht in g/m³, sondern relativ in % angegeben. Die warme Außenluft kühlt also im Keller ab, wird relativ feuchter, im Extremfall setzt sie sich als Beschlag an den Wänden ab.

Wolfgangs letzter Vorschlag einer Ventilation ist natürlich etwas aufwendig. Ich behelfe mir mit Luftentfeuchtern in bestimmten Räumen und zu bestimmten Zeiten, muss dort aber ab und zu das angesammelte Wasser entleeren. Aber da dein Haus samt Keller noch freisteht oder bald freistehen wird, ist die Anbringung der von Wolfgang beschriebenen Außendämmung kein wesentlicher Kostenfaktor. Das würde ich auf jeden Fall tun. Auf jeden Fall!

Dass dein Haushersteller dich in dieser Frage nicht richtig informiert hat, wundert mich nicht. Die wollen immer als preisgünstig dastehen. Wenn er dir rät, das später und selber zu machen, bleibt der Preis niedrig. Wenn du dann später merkst, dass das nicht so läuft, wüsstest du, wenn es w-w-w nicht gäbe, gar nicht den Grund. Und wenn du ihn endlich (vielleicht) herausfindest, war das nur eine mündliche Zusage, die nicht nachweisbar ist, oder sind die 6 Jahre Haftung nach VOL abgelaufen.

Gruß
Peter

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Hi Peter

zieht aber nicht die notwendigen Konsequenzen daraus. Das aber
tut Wolfgang und kommt deswegen zu seinem Vorschlag.

Es ist ganz und gar nicht so, dass ich Wolfgang nicht
oder Andreas mehr glaube, nein nein-Ich werde natürlich
in Wolfgangs Richtung weiterdenken. Will aber erstmal
den Kellerbauer damit löchern und wissen, wie das bei
mir überhaupt genau geplant ist. ^^

der Richtigkeit seiner Aussagen einmal so ausführlich und
verständlich dargestellt, dass der Artikel mit einem Dutzend
oder mehr „Sternchen“ anerkannt wurde. Vielleicht gibt er dir
ja noch den Link dazu, damit du nicht so lange im Archiv
wühlen musst.

Ich habe glaub ich die letzten 500-600 Einträge durchsucht-
entweder übersehen oder er ist noch später… Ein Link würde
mir da wirklich helfen.

Frische, neue, Luft, kommt immer in den Keller. Nicht nur
durch ein geöffnetes Fenster, sondern auch durch Ritzen oder
durch die Türen von oben aus dem Parterre. Wäre das nicht so,
würdest du irgendwann in der sauerstofflosen Kellerluft
ersticken.

Ich hab doch ne kontrollierte Be- und Entlüftung :o)
und Wärmetauscher als Heizsystem.
Würde die das Problem nicht etwas mildern? Die ist
doch auf den gesamten Lufthaushalt des Hauses abgestimmt.

[…]Anbringung der von Wolfgang beschriebenen Außendämmung kein
wesentlicher Kostenfaktor. Das würde ich auf jeden Fall tun.
Auf jeden Fall!

Vielen Dank für den Hinweis aus Deiner Erfahrung.
Ich werde es beherzigen.

Danke auch für Deine ausführliche Antwort-hat mir auch sehr
weitergeholfen.

Ciao,
Alex

Hi Alex,

aus Wolfgangs Antworten hab ich mindestens schon drei FAQs gestrickt, schau mal in die FAQs in diesem Brett.

Aus eigener Erfahrung kann ich Wolfgang auch nur zustimmen, Innenisolierung ist meistens eine Schimmel- und Muffalle. Bei überirdischer Anwendung und erst recht im Kellerbereich.

Gandalf