nach dem ich hier ca. 15 Themen tiefer eine negative Antwort auf eine Frage bzgl. eines künstlichen Kamins (auf Alkoholbasis) gegeben habe, habe ich mir trotzdem mal die Produktbeschreibung angesehen. Darin heißt es u. a.:
„Brenndauer je nach Modell ca. 1,5 - 5 Stunden
Kosten pro Stunde ca. 1,00 bis 2,00 EUR, je nach Flammengröße
Der Brennstoff ist in 1 Liter - Flaschen (1 x 12 Liter/Karton) erhältlich oder auch im Gebinde
( 4 x 5 Liter - Kanister und 1 x 25 Liter - Kanister)
Kamine, für romantische und gemütliche Stunden“
Erst war ich schockiert: Falls jemand jeden Abend 5 Stunden vor dem „brennenden Kamin“ verbringt, zahlt er im Monat 300 EU an Unterhaltskosten. Und das für etwas, das ich als totalen Kitsch betrachte.
Aber dann fiel mir ein: Wie ist das denn bei einem echten Kamin? Was zahlt man für 5 Stunden Kamingenuss (bei großer Flamme), wenn man das Holz fertig gesägt, gehackt und abgepackt im Baumarkt kauft?
Kaminholz kannst Du nicht im Baumarkt kaufen!!
Das kauft man beim Kaminholzhersteller. Meistens ein ehemaliger Bauernhof, wo die Besitzer als Nebenjob Kaminholz herstellen.
Zu finden in den Gelben Seiten unter „Kaminholz“.
Die Preise sind sehr unterschiedlich.
Bei uns : 1 Raummeter Buche (gehackt) 55,- Euro.
1 Raummeter gemischt (harzfrei) 45,- Euro.
Ein geschlossener Kamin (Glastür) verbraucht im Monat ca 2,5 Raummeter. Bei täglicher Benutzung.
wir hatten, einst und noch in Deutschland, ein wirklich altes Haus.
Wir heizten mit Holz, d.h. wir hatten diverse Holzöfen und einen mächtigen offenen Kamin, welchen wir zum Heizen unserers Wohnzimmers nutzen - ausschliesslich.
Das benötigte Holz erwarben wir mittels „Los“, also Holz aus dem Staatswald (das wird in Versteigerungen verkauft). Da hiess es dann „auf in den Wald“ mit Kettensäge und so. War richtig anstrengend. So ein Los kostete etwa 60 DM und ergab ungefähr 20 Raummeter Holz. Nach dem Fällen, Sägen, Aufsetzen (muss ja mindestens 1 Jahr trocknen), Heimtransportieren (Traktor mit Hänger ausgeliehen - für ein Abendessen (man hilft sich gegenseitig auf dem Land)), Aufspalten und wieder Aufsetzen hatten wir bestes Heiz- bzw. Kaminholz. Es handelte sich um Eiche und Buche zu gleichen Anteilen. Diese 20 meter reichten für einen langen kalten Winter reichlich aus.
Später kauften wir Holz (es wurde mir zu mühsam, das „Losmachen“) direkt beim Staatsförster. Wir kauften 3 Meter Eiche, gesägt (man gab das gewünschte Längen- bzw. Sägemass an) und geliefert und 2 Meter Eiche. Dazu 10 Zentner Brikett. Reichte ebenfalls für einen Winter.
Der Meter Eiche/Buche kostete, einschliesslich Sägen und Liefern und Hilfe beim Aufsetzen (im Holzschuppen) 80 DM.
Macht = 5 x 80 = 400 DM (nur für`s Holz). Dazu der preis für die Brikett aber dieser Preis ist mir entfallen.
Insgesamt war es erheblich günstiger so zu heizen als mit Öl oder Gas aber es war auch mehr Arbeit und Mühe. Es gab immer eine sehr angenehme Wärme.
Unser Kamin war für einen Raum mit ca. 300 Kubikmeter ausgelegt aber der Raum selbst hatte nur 160 Kubikmeter. Kein Problem wenn man mit Holzöfen klarkommt und das kann man lernen. Unsere Abgaswerte (laut Bezirksschornsteinfeger) waren optimal, sogar besser als bei den meisten Ölheizungen.
Auch heute noch, inzwischen in der Schweiz lebend, haben wir einen Kamin. Als Zusatzheizung. Wir nutzen ihn, auch aus Gewohnheit, recht häufig und es ist behaglich und unsere Besucher schwärmen davon.
Ich weiss, Deine Frage konnte ich nur unzureichend beantworten:smile:
Wie ist das denn bei einem :echten Kamin? Was zahlt man :für 5 Stunden Kamingenuss bei großer Flamme), wenn man :das Holz fertig gesägt, :gehackt und abgepackt im :Baumarkt kauft?
So geht das nicht . Abgelagertes, ofenfertig gehacktes Holz verlangt hohen Arbeitsaufwand. Arbeit gibts nun mal nicht umsonst. So kostet ein kleines Säckchen, das man locker an einem Abend verheizt, im Baumarkt 10 €. Ist natürlich irrwitzig, wenn man zig Festmeter braucht. Lies Raymonds Beitrag, genau so und zu ungefähr den genannten Preisen wird die Sache bei uns im Dorf gehandhabt - derzeit auch von mir. Auf diese Weise (und nur so!) ist Holz ein billiger Brennstoff.
Übrigens: Kamine mit offenem Brennraum sind i. d. R. eher Dekoration als Heizung. Dazu kommt erhebliche Brandgefahr durch Funkenflug sowie auf die Dauer ziemlich viel Staub. Dann kaufen die Leute „harzfreies Holz“ und so’n Quatsch für teuer Geld. Das Ganze ist von vorne bis hinten schiere Energie- und Geldverschwendung. Ein Kamin mit gutem Wirkungsgrad hat gefälligst nicht offen zu sein. Er braucht vielmehr Luftzufuhr oberhalb des Holzes in einem ausreichend hohen Brennraum, damit das Holzgas mit hoher Temperatur und vollständig verbrennt. Die offenen Kamine nutzen das Holzgas nicht und erreichen deshalb nur einen Wirkungsgrad, den man besser als Vernichtungsgrad bezeichnen sollte.
Offene Kamine sind in einem modernen Haus nie als Heizung gedacht.
Niemand baut sich heute in Deutschland noch einen offenen Kamin ein.
Offene Kamine wurden inzwischen zu 90% durch Einsätze geschlossen und der Wirkungsgrad damit sehr weit erhöht.
Wer heute seinen offenen Kamin offen läßt und ihn benutzt, will damit keine Wärmequelle erzeugen und auch kein Geld sparen, sondern nur bei offenem Feuer sitzen. Diese Kamine haben immer eine sichere Befliesung in unmittelbarer Umgebung. Niemand zündet den offenen Kamin an, um dann das Haus zu verlassen.
Es ist sinnlos über den Nutzen bzw Unfug eines offenen Kamins zu diskutieren, es gibt sie kaum noch.
Hallo Conrad,
also bei uns im Baumarkt gibt es sehr wohl Kaminholz. Abgepackt in 5-kg-Kartons und ziemlich teuer. Wir bevorzugen auch die Methode, die Ray geschildert hat und fahren damit gut.
Gruß, Monika