Tendenzen und Erotik
Hallo Romana,
Heute ist es doch mehr so, daß jemand sein Schlafzimmer im Bayern-Look einrichten
kann, eine Bar im American Way of Life, ein kitschig-verspieltes Wohnzimmer
haben kann usw. Das gab es letztes und vorletztes Jahrzehnt noch nicht so sehr.
Na, da ist wohl auch heute selten. Entweder jemand steht auf rustikal, oder auf konservativ oder auf verspielt, oder … In jedem Fall wird die gesamte Wohnung den Geschmack der Bewohner widerspiegeln. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ansonsten trifft sicher zu, was schon Eckard schrieb. Die Leute haben weniger Geld, durch Arbeitslosigkeit gleichzeitig häufig mehr Zeit.
Hinzu kommt aber, dass alles im Fernsehen seine Tendenzen hat. Talkshows waren mal der Hit, jeder Kanal hatte eine oder gar mehrere. Das ist jetzt schon wieder nahe Null. Dafür sind Gerichtshows in. Quizshows konnte man bis vor Kurzem auf keinem Kanal entkommen, jetzt gibt es außer Jauch kaum noch welche.
Die übelste Tendenz, die ich in meinem ganzen Leben erlebt habe, war die kürzliche Papst-Tendenz, die selbst die Berichterstattung über den Tsunami in den Schatten stellte. Gut zwei Wochen lang gab es auf acht oder mehr Kanälen, z. T. von morgens bis abends, nur „das eine“ Thema.
Apropos „das Eine“. Heimwerken ist, das kann man in jedem Baumarkt beobachten, immer noch eine Domäne der Männer. Das aber ist in den von dir genannten Sendungen anders. Ich kenne nicht alle oder erinnere mich nicht so genau an Details. Aber Frauen sind auf jeden Fall aktiv mit dabei. Zum Teil spielen sie sogar die Hauptrolle.
Und, jetzt kommt das Tollste: Heimwerken ist sexy! Selbst bei Streich- oder Spritzarbeiten, bei Arbeiten mit schweren Geräten oder Tätigkeiten mit hoher Verletzungsgefahr, braucht man keine Schutzkleidung! Im Gegenteil! Da, wo selbst unvorsichtige Heimwerker zu fester Kleidung und Schutzbrille greifen, schafft frau das problemlos, locker fröhlich plaudernd, mit tiefem Dekolletee und völlig nackten Armen. Lange Haare müssen nicht nonnenartig unter einer Haube versteckt werden. Nein, Sie fallen selbst bei der Arbeit mit der Bohrmaschine hübsch herab. Schließlich kommen nur Idioten auf die Idee, Haare könnten von der Bohrspindel aufgewickelt und die Trägerin skalpiert werden. Honi soit qui mal y pense!
Die Filme sind also doch ideal: Frau kann zeigen, dass sie etwas von einer Männderdomäne versteht. Sie kann sexy auftreten in einer Situation, in der Männer zu unscheinbaren reinen Arbeitsobjekten degenerieren. Und der Mann kann beim Zuschauen ganz woanders hingucken, als seine Frau, die neben ihm sitzt, glaubt, dass er hinguckt.
Solch eine Sendung m u s s doch einfach ein Erfolg werden!
Gruß
Peter