Und hier gleich die nächste Frage:
Welche Möglichkeiten gibt es denn ein Haus von innen zu isolieren??? Würde gerne die Fassade erhalten. Habe gesehen, dass es wohl so 2-3cm dicke Filzmatten gibt, die man zusätzlich zur Dachdämmung nehmen kann. Kann man die auch für die Isolation der Wände nehmen?
Wenn ja, wie bringt man die Dämmung von innen an, ohne dass man die Atmung des Hauses stört. Es handelt sich dabei um ein ca. 106 Jahre altes Haus, dessen Wände aus Bruchstein /Sandstein und gebrannten Tonziegeln bestehen. Die Decken und Böden sind alle original erhalten und aus Holz. Entsprechend des Gewölbekellers, der nur als Weinlager genutzt werden soll, sind alle Wände wohl darauf ausgelegt, dass sie eine gewisse Feuchtigkeit aufnehmen und dann nach und nach wieder abgeben.
Bewirkt die alleinige Dämmung des Daches schon etwas oder ist das vergebliche Liebesmühe?
Hat jemand Erfahrungen?
Hallo Alexandra!
Für Dein Jugendstilhaus stehen 3 Methoden zur Wahl:
- Du läßt alles wie es ist, betreibst Substanzerhaltung und vergißt thermische Isolation.
- Du isolierst von außen. Das kostet u. a. komplett neue Fenster in der Ebene der außen montierten Isolation und die historische Fassade ist dahin. Der Aufwand bleibt aber insgesamt überschaubar.
- Du willst die Fassade erhalten und mußt deshalb innen isolieren.
Falls Du Dich für 3. Entscheidest: Man kann ein Gebäude von innen isolieren, aber das ist definitiv keine Methode, bei der man irgendwelche Materialien auf die Wände nagelt. Die vorhandene Bausubstanz mit allen Wandanschlüssen, Deckenauflagern, Fenstern sowie die Heizung und die aus mehreren Schichten mit unterschiedlichen Funktionen aufgebaute Innenisolation können nur zusammen betrachtet werden. Das ist eine Aufgabe für einen Architekten oder Statiker. Der wird die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse vorausberechnen und sich insbesondere um Deckenauflager und Wandanschlüsse kümmern, weil dort Kältebrücken ins Gebäudeinnere entstehen, an denen Kondenswasser und Schimmel entstehen kann. Die Maßnahmen können in Teilbereichen bis zu erforderlichen Wandheizungen gehen.
Bevor man an Isolation denkt - egal ob von innen oder außen - muss der Keller trocken sein. Trocken ist wörtlich zu nehmen - knochentrocken! - ganz unabhängig davon, was man sich vor 100 Jahren beim Bau gedacht hatte. Dabei gehört Bruchsteinmauerwerk zu den schwierigen Fällen, aber auch so etwas bekommt man dauerhaft trocken.
Ich kann Dir aus der Ferne nur dringend ans Herz legen, in Richtung thermischer Innenisolation N_I_C_H_T_S ohne Architekten oder Statiker zu machen. Wenn Du diesen Rat beherzigst, wird es sehr teuer. Wenn Du diesen Rat nicht beherzigst, wird es noch teurer.
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
danke für den Tip!! Habe mir das schon fast gedacht, dass man da nicht so einfach mal eben von innen isolieren kann, wie das so die lieben Bekannnten sagen. Werde es also lassen und nur das Dach dämmen.
Werde mich wohl aber dennoch schon mal bei Einzug mit nem fachkundigen Menschen zusammen setzen. Vielleicht kann man dann ja das Wissen schon mal in Bezug auf eine spätere Isolierung bei der Erneuerung der Technik etc. verwenden.
Den Keller werden wir so lassen wie er ist und vermutlich wieder original herstellen. Irgendwer hat auf den Steinboden/Lehmboden Estrich drauf gekippt, der dank Bodenbewegung langsam reißt und nicht gerade dazu beträgt, dass das Klima besser wird. So weit ist der Keller trocken aber natürlich nicht knochentrocken, so dass man z.B. Kleider aufbewahren könnte. Es ist eben ein klassischer Weinkeller (zu dem Haus gibt es ein Kelterhaus) und auch nur für so Dinge zu gebrauchen. Da zu dem Haus ein rieeeesen (Nutz)garten gehört, können wir den Kellerraum auch entsprechend zum Einlagern gebrauchen.
Hallo Alexandra!
Den Keller werden wir so lassen wie er ist und vermutlich
wieder original herstellen. Irgendwer hat auf den
Steinboden/Lehmboden Estrich drauf gekippt…
Die Empfehlung, den Keller trocken zu legen, hat mehrere Gründe:
Da ist einmal die Nutzbarkeit des Kellers. Im Vordergrund stehen aber Vermeidung von Frostschäden und Schimmelgefahr, Wohnklima in den über dem Keller liegenden Räumen sowie deren Beheizbarkeit und insgesamt der Substanzerhalt des Hauses.
Alten Kellerwänden, vorzugsweise solchen aus Bruchstein, fehlt oft jeder Schutz vor drückendem und aufsteigendem Wasser. Solche Häuser stehen zumeist nackt in der Erde. Die Flächen unterhalb der Erdoberfläche sind oft löcherig und wasseraufnehmend wie ein Schwamm. Das eindringende Wasser kann mehrere Meter hochsteigen und im darüber liegenden Geschoß zu dauernd kalten Wänden und hohen Heizkosten führen. Außerdem werden feuchte Wände von Frost langsam aber sicher regelrecht zersprengt. Dazu kommen Folgeschäden insbesondere an Deckenauflagern.
Vor 100 Jahren und auch später in Zeiten des Mangels an Baumaterialien war es üblich, auf dem Acker ein paar Gräben zu buddeln und diese mit einem Gemisch aus Mörtel und Steinbruch zu verfüllen. Nach dem Erhärten wurde das Erdreich zwischen den Gräben entfernt und fertig war der Keller. Als Fußboden diente gestampfter Lehm. Feuchtigkeitssperren waren bei dieser Bauweise weder vorgesehen noch möglich. Die Leute hatten ganz andere Sorgen, als ein langlebiges Haus mit verträglichem Wohnklima und niedrigen Betriebskosten zu errichten. An solchen Stellen ist heute jede Achtung vor dem Originalzustand und dessen Bewahrung verfehlt. Nach heutigen Bedürfnissen handelt es sich schlicht und ergreifend um unsachgemäßen Pfusch, der korrigiert werden sollte, wenn man das darauf ruhende Gebäude dauerhaft erhalten und zeitgemäß nutzen möchte.
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang!
Im Prinzip ist das schon richtig,
aber als Pfusch würde ich die alte Bauart der Keller nicht unbedingt bezeichnen.
Wir haben ebenfalls ein derart gebautes Haus. Meine Vorfahren waren Bauern, und im Herbst wurde der gesamte Keller mit Kartoffeln ausgefüllt. Deshalb wurde der Keller absichtlich feucht aus wasserleitenden Schiefersteinen gebaut.
Eine Isolierung nach oben gab es auch, und zwar ist in Höhe der Erdoberfläche eine Laage Granitsteine gemauert.
Allerdings war das nicht so ganz perfekt, und Kartoffeln liegen auch nur noch wenige im Keller, deshalb hab ich den Keller auch vor Jahren in einer 2-jahrigen und teueren Aktion selbst trockengelegt.
Hauptsächlich machten mir die durchgerosteten Träger der Kellerdeke Probleme. Aber nun ist alles gut.
Grüße, Steffen!
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Hallo Steffen!
Im Prinzip ist das schon richtig,
aber als Pfusch würde ich die alte Bauart der Keller nicht
unbedingt bezeichnen.
Entscheidend ist, dass eine Bauweise ohne wirksame Feuchtigkeitssperren heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird und unabhängig davon die Substanz des gesamten Gebäudes gefährdet wird. Liegen die Feuchtigkeitssperren zu hoch und werden dadurch durchfeuchtete Wandbereiche dem Frost ausgesetzt, gibt es Frostschäden. Auf solchen frostgeschädigten Wänden ruht immerhin ein ganzes Haus.
Manche Leute halten alles, was unsere Altvorderen bauten, für durchdacht und richtig. Manchmal ist solche Annahme zutreffend, aber eben nicht an jeder Stelle. Auch schon vor über 100 Jahren war bekannt, wie man einen Keller dauerhaft trocken und frostsicher baut. In Notzeiten mit Mangel an Baumaterial hatten aber andere Überlegungen Vorrang. Da wurde schon mal die aus der Not geborene mangelhafte Konstruktion als Vorzug „verkauft“. So baut man etwa den von Dir erwähnten Kartoffel-Lagerraum keinesfalls mit absichtlich eindringendem Wasser. Der sachgerecht angelegte Kartoffelkeller muß tief genug in der Erde stehen, um unabhängig von der Sonne eine halbwegs gleichmäßige Temperatur und Frostfreiheit zu erreichen. Außerdem muß der Raum trocken, dunkel und ordentlich belüftet sein. Ein feuchter Keller mit Kartoffeln wird recht bald zum faulig stinkenden Loch. Wenn man lange genug wartet, rottet die Deckenkonstruktion weg.
Es gibt handwerklich feinste alte Substanz aus allen Epochen, unbedingt erhaltenswert, egal was es kostet. Der Blick darf sich aber nicht so verklären, daß man Schrott und Fehlleistungen nicht mehr wahrnimmt. Solche Sachen gab es eben auch zu allen Zeiten.
Gruß
Wolfgang