Glasbohrung ca. 250 mm tief möglich?

Hi,
Frage an die Experten der Glasverarbeitung:

  1. Ist es einem Profi mit entsprechendem Werkzeug prinzipiell
    möglich, eine 8-10 mm dicke und ca. 250 mm lange Glasscheibe DER
    LÄNGE NACH zu durchbohren? Wir reden hier also über Loch von 2-4 mm
    Durchmesser und 250 mm Tiefe. Ziel der Operation ist es, eine schmale
    Gewindestange quer durch die Glasscheibe zu schieben, um sie dann
    rechtwinklig mit einer anderen Scheibe, in die ein einfaches Loch
    gebohrt wurde, zu verschrauben.

  2. Wie spezialisiert müsste ein(e) Glaserei /
    Glasverarbeitungsbetrieb sein, um das zu leisten? Mit anderen Worten:
    Kann das der Glaser um die Ecke oder können das, wenn überhaupt, nur
    zwei oder drei Fachbertriebe in Deutschland?

  3. Was könnte eine solche Bohrung kosten, a) bei einem einmaligen
    Auftrag, oder b) wenn man eine große Stückzahl in Auftrag gibt,
    eventuell auch verbunden mit dem Zuschnitt des Glases, sagen wir
    insgesamt mind. 100 Scheiben mit je zwei Bohrungen?

  4. Könnte man das bei einer entsprechenden Investition auch selber
    machen? Ist das nur eine Frage des Werkzeugs oder auch des Geschicks
    und der Übung?

Für Antworten dankbar,
Per

Frage
Hallo,

Angenommen, die Bohrung ist möglich.
Was soll diese dünne Gewindestange halten?
Du wirst die festgeschraubte Glasplatte mit EINER blossen Hand leicht umbiegen können (Hebelübersetzung geschätzt 1:30, vorrausgesetzt die Kanten sind messerscharf).

Es ist glaub ich besser, wenn du verrätst, was du damit machen willst und wie stabil das sein soll.

Thomas

Hallo Thomas,
Du hast recht, ohne Erläuterung erscheint die Konstruktion recht
sinnlos. Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Es geht um einen
Glaskasten mit den Maßen ca. 250 x 120 x 70 mm, dessen Elemente
miteinander lediglich verschraubt sind, da sich aus ästhetischen
Gründen der Einsatz von Silikon oder Kleber verbietet. Es soll eine
reine Glas- und Stahlkonstruktion im Kleinformat entstehen.
Voraussetzung dafür wären eben Längsbohrungen durch die Bodenplatte
und die beiden Seitenplatten (den Deckel lasse ich mal beiseite). Die
Seitenplatten etwa würden zweimal der Länge nach durchbohrt, durch
die Löcher sehr schmale Gewindestangen geschoben, an die dann
Vorder- und Hinterplatte mit Muttern befestigt würden. Ebenso würde
die Bodenplatte der Länge nach durchbohrt, um sie mit den
Seitenplatten zu verschrauben. Da es sich um einen geschlossenen
Kasten handelt, sollte die Hebelwirkung keine Gefahr darstellen,
höchsten die Brüchigkeit des durchbohrten Glases.
Ist das verständlich?
Gruß
Per

Ästhetik
Hallo Per,

… da sich aus ästhetischen
Gründen der Einsatz von Silikon oder Kleber verbietet.

Ich will nicht Deinen Geschmack kritisieren, doch ist für mich fraglich, ob Gewindestangen (im Glas ja durchaus sichtbar) den besseren optischen Eindruck machen. Verschraubt mit sichtbaren (Hut?)muttern.
Gewinde verschmutzen. Billige Materialien korrodieren, rosten schlimmstenfalls.
Kantengeschliffene Glasplatten lassen sich nahezu unsichtbar verkleben, richtigen Kleber und Anwendung desselben vorausgesetzt.

Alternativ wäre über eine Art Profilschiene nachzudenken, in welche die Platten eingeschoben werden.

Da es sich um einen geschlossenen
Kasten handelt, sollte die Hebelwirkung keine Gefahr
darstellen, höchsten die Brüchigkeit des durchbohrten Glases.
Ist das verständlich?

Durchaus. Eine weiterführende Frage: soll der Spaß wasser- oder sogar luftdicht werden?

Gruß
Herm

PS. Sorry, dass ich zur eigentlichen Frage (Bohrung) nicht weiterhelfen kann.

Hi,

  1. Ist es einem Profi mit entsprechendem Werkzeug prinzipiell
    möglich, eine 8-10 mm dicke und ca. 250 mm lange Glasscheibe
    DER
    LÄNGE NACH zu durchbohren?

hängt von der Glassorte ab und auch davon, ob das Glas bereits gehärtet ist. Wenns gehärtet ist, dann nicht —> Glaskrümel

  1. Wie spezialisiert müsste ein(e) Glaserei /
    Glasverarbeitungsbetrieb sein, um das zu leisten? Mit anderen
    Worten:
    Kann das der Glaser um die Ecke oder können das, wenn
    überhaupt, nur
    zwei oder drei Fachbertriebe in Deutschland?

Der Glaser um die Ecke dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich überfordert sein. Die Glasbläserwerkstatt an der durchschnittlichen Uni auch. Fachbetriebe für Glasinstrumentebau könntes es - vielleicht.

  1. Was könnte eine solche Bohrung kosten, a) bei einem
    einmaligen
    Auftrag, oder b) wenn man eine große Stückzahl in Auftrag
    gibt,
    eventuell auch verbunden mit dem Zuschnitt des Glases, sagen
    wir
    insgesamt mind. 100 Scheiben mit je zwei Bohrungen?

Da es sicher einiges an Ausschuß gibt und die Bohrung sehr zeitaufwendig werden dürfte, vermute ich mal einen recht hohen Preis.

  1. Könnte man das bei einer entsprechenden Investition auch
    selber
    machen? Ist das nur eine Frage des Werkzeugs oder auch des
    Geschicks
    und der Übung?

Das dürfte kaum machbar sein. Glas ist eine sehr!!! spezieller und schwieriger Werkstoff, wenn man mehr als das ‚normale‘ damit anstellen will.

Zudem wird Deine Konstruktion weder gas- noch flüssigkeitsdicht sein.

Mein Vorschlag wäre zu kleben. Es gibt Kleber, die einen vergleichbaren Brechungsindex wie das verarbeitete Glas haben und bei blasenfreier und sauberer Verarbeitung somit unsichtbar sind.
Das ist dann belastbar und dicht. Metallfirlefanz kann dann nach Geschmack drangeklemmt werden.

Gandalf

Hallo Per,

Wie wäre es mit,Gewindestifte in weniger Aufwändige Sacklochbohrungen einzukleben?

Viele Grüße
Markus

Hallo!

eine 8-10 mm dicke und ca. 250 mm lange Glasscheibe
2-4 mm Durchmesser und 250 mm Tiefe…

Bohrungstiefen mit dem 60- bis 100-fachen Bohrdurchmesser sind weitgehend unabhängig vom Material zwischen problematisch und vergiß es anzusiedeln. Bei großerem Bohrdurchmesser könnte man an ein Werkzeug mit innenliegenden Kühlkanälen denken, aber nicht bei 2 mm und auch nicht bei 4 mm Durchmesser. Aber Kühlung (bei Glas ganz und gar unverzichtbar) ist nicht das einzige Problem. Man wird es nicht einmal schaffen, einen „Bohrer“ so tief ins Material zu bringen, ohne daß er verläuft. „Bohrer“ in Gänsefüßchen, weil es sich genau genommen nicht um Bohren im Sinne spanabhebender Bearbeitung handelt, sondern um Schleifen mit einem Diamantwerkzeug. Die Beschaffung eines geeigneten Werkzeugs wird problematisch sein. Man wird es nirgends kaufen können und anfertigen (lassen) müssen. Ein weiteres Problem ist die geringe verbleibende Wandstärke beiderseits der Bohrung. Das Glas wird während der Bearbeitung zunächst mikroskopisch feine Anrisse bekommen, die sich binnen kurzer Zeit durch die verbleibende Wandung fortpflanzen.

Das Vorhaben erinnert mich an geniale Entwürfe junger Hochschulabsolventen, die sich selbstredend als Konstrukteure verstehen, aber leider noch nie selbst an einer Maschine standen. Dabei kommen solche nicht herstellbaren Klöpse am laufenden Band vor.

Die Sache muß anders angegangen werden:
Man kann sogar dünne Glastäbe mit haarfeinem Kanal haben, siehe Thermometer. Aber kein Mensch arbeitete dabei eine Tiefbohrung ins Glas. Es wird ein dicker Rohling mit großem Loch in der Mitte hergestellt und dann wird wie bei der Drahtherstellung gezogen; im Unterschied zum Draht wird warm gezogen. So werden auch Glasfasern hergestellt. Prinzipiell spricht nichts dagegen, mit Flachglas ähnlich zu verfahren. Das ist dann auch schon die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um der Länge nach einen Kanal in Flachglas zu erhalten. Wird eine richtig teure Tasse Tee und ist ganz sicher nichts für den Glaser um die Ecke und auch ein Glasbläser wird dankend ablehnen. Du mußt froh sein, wenn Du dafür irgendwo in Europa einen Glashersteller auftreibst.

Weil ich vermute, daß Du für ein paar Glasscheiben mit Kanälen eher nicht den Gegenwert eines Mercedes auf den Tisch des Hauses blättern möchtest, solltest Du die Konstruktion/Fügetechnik überdenken. Kleben bietet sich an. Dafür wirst Du einen Glaser finden.

Gruß
Wolfgang

Hi
es wäre wohl einfacher Glas mit einem solchen Kanal zu produzieren… :wink:
HH

Hallo Per,

wie wärs denn mit Plexiglas statt Glas? Auch da ist eine solche Bohrung schon was für Fachleute, aber verm. machbar und lange nicht so teuer. Außerdem könnte man da auf druchgehende Bohrung leicht verzichten und eine kurzes Gewinde eindrehen lassen mit passender Plexiglasschraube - sieht m.E. besser aus, als Gewindestange durchgehend.
Oder in zwei Glasplatten entsprechende Hohlräume schleifen und anschließend fachmännisch aufeinanderkleben lassen.
Was wird das eigentlich(sorry, macht halt neugierig), abgesehen von einem Glaskasten, den Du auch im Aquaristikbedarf bekommen würdest?

Gruß, Anne

Hi Wolfgang,
allerbesten Dank für die präzise Antwort, die mir sehr weitergeholfen
hat. Mir ist klar geworden, dass man in jedem Fall den Kanal zusammen
mit dem Glas formen muss. Die von Dir vorgeschlagene Methode des
Ziehens ist wohl in der Tat zu teuer. Nun schlägt Helge ja in seiner
Antwort auf Deinen Kommentar vor, den Kanal schon bei der Herstellung
der Glasplatten mitzuproduzieren. Denkbar, bei einer Glasfabrik
„Platten mit Kanal“ zu bestellen? Auch wenn Du mich wieder – und
wieder zu Recht – der Laienphantasie zeihst, könnte das nicht so
funktionieren: So weit ich weiß, wird Glas gegossen; warum nicht in
die noch flüssige Platte zwei Stäbe einführen und sie dann nach
Aushärtung wieder entfernen? ODER (beim Schreiben gedacht): warum
nicht gleich die Gewindestange in die Platte einschmelzen? Nach dem
Aushärten könnte man sie auf die gewünschte Länge schneiden, so dass
an beiden Seiten nur noch einige Millimeter herausragen? Hau mir Idee
um die Ohren, wenn’s sein muss, so wie den Studenten ihre weltfremde
Ästhetik, aber hier ist schließlich der Ort für dumme Fragen…
Gruß
Per

Hi Herm,
über Ästhetik lässt sich natürlich streiten. In diesem Fall käme es
v.a. auf die Offenlegung des Bauprinzips an, so wie in der
funktionalistischen Architektur. Gerade die Kombination aus Glas und
Stahl eignet sich dafür ja sehr gut. Rost und Korrosion sollten kein
Problem sein, da ich erstens allerbesten Stahl nehmen würde und das
Ding zweitens keiner Feuchtigkeit ausgesetzt wäre. Und auf Deine
Frage: Wasser- oder Gasdichte ist nicht das Ziel.

Davon abgesehen, ist die Idee mit den Profilschienen prima.

Danke und Gruß
Per

Hi
ich denke das wirst du nicht bezahlen wollen. Das unterschiedliche verhalten bei Erwärmung und Abkühlung dürfte auch reichlich Probleme geben.
Glasklebungen sind nahezu unsichtbar…
HH

Hi Anne,
wie ich Germ schon schrieb, geht es bei dem Kasten in erster Linie um
die Ästhetik: bestes Glas, bester Stahl, einfach miteinander
verschraubt. Ginge es nur um die Funktion, würden Deine Vorschläge
(Gewinde in Plexiglas drehen; zwei Hälften ausschleifen und Kleben)
weiter führen. Zu Deiner Frage nach dem Zweck der Konstruktion: Es
soll eine eher flache, längliche Glasschatulle entstehen, ein
Gegenstand des persönlichen Gebrauchs, bei dem man sich an Aussehen
und Machart erfreut und in dem man z.B. gute Schreibutensilien
aufbewahren kann. Natürlich weiß ich, dass man Glasscheiben
problemlos miteinander verkleben kann, nur darf das Ding eben nicht
wie ein Aquarium aussehen. Der Anblick soll vielmehr überraschen, und
ich dachte, eine rein mechanisch gebaute (keine Chemie) Glasschatulle
wäre da eine Idee…
Gruß
Per

Tach Per,

nach Klärung des Design könnte ich folgenden Vorschlag unterbreiten.

Frag bei einem Hersteller für Laborgeräte aus Glas an. Die haben Sachen drauf, von denen können wir Normalsterbliche nicht mal träumen.

z.B.
http://www.wlw.de/sse/MainServlet?sprache=de&land=DE…

Gandalf

thx
danke, gandalf. habe mal ein bisschen rumgeklickt und bin mir recht
sicher, dass sich produzenten finden, die so was können. fragt sich
nur, was das kostet. werde mich anfang der woche mal bei einigen
firmen schlau machen.
gruß
per

über Ästhetik lässt sich natürlich streiten.

Wohl war!
Die von Dir beschriebene Schreibtischschatulle gibt es im gut sortierten Geschenke-Eck bereits ab 5,- €. Ich gehe davon aus, dass Du nicht in der Lage bist 10 mm Glas zu schneiden, schleifen, fasen, bohren. Also warum alles teuer in Auftrag geben, wenn´s billiger zu kaufen ist? Persönlicher wird es auch nicht, nur weil Du es selber zusammenbastelst.
Solltest Du jedoch wirklich nur noch eine Idee für das Problem mit dem Scharnier suchen, würde ich über ein einfaches und ebenso simples Glastürscharnier nachdenken, natürlich aus „edlen“ Edelstahl hergestellt :wink:. Dies dürfte genau Deinen Vorstellungen entsprechen, und Du müßtest noch nicht einmal Bohren, lediglich aufstecken! Ein kleines Stück (Edel)Stahl und zwei (Edel)Stahl-Stifte genügen.
Im Großformat für Glastüren sehe dies so aus www.hafele.com/…/gross/36142300_F01_PA.jpg ,Du könntest dies ja auf Dein Format übertragen. Als Gegenlager lediglich zwei kleine Bohrungen.

MfG
Oeser

http://www.hafele.com/de/produkte/produkt-katalog/bi…

So, der sollte funzen

MfG
Oeser