Heikörpernische dämmen sinnvoll?

Von: , Frage gestellt am Mi, 5. Dez 2007
Hallo,

wir haben uns vor kurzem eine Eigentumswohnung gekauft, Baujahr 1982. Leider sind in der Wohnung noch die typischen "Heizkörpernischen" vorhanden, bei denen man praktisch "zur Wand hinaus heizt", weil an dieser Stelle die Wand besonders dünn ist.

Zuerst dachte ich "den Heizkörper legst du nach vorne und lässt das dahinter professionell dämmen", weil ja auch überall steht, dass es sinnvoll ist diese Nischen zu dämmen. Mittlerweile habe ich:
1. Ein Angebot eines Handwerkers für die Aktion, der mehrere tausend Euro für 4 neue Heizkörper und das dämmen der zugehörigen Nischen haben will ...
2. Gehört, dass bei einer bereits vorhandenen Außendämmung (ca. 4-5 cm aus dem Baujahr) das auch nicht mehr sooooviel bringt ...

Jetzt Frage ich mich, ob ich das Geld investieren soll (selbermachen kommt nicht in Frage, habe überhaupt keinen Plan und zwei Linke Hände), oder ob sich das finanziell (Heizkostenersparnis) überhaupt nicht lohnt?

Hat hier jemand einen Meinung zu? Kann mir vielleicht jemand eine Richtwert geben was das Austauschen eines alten Rippenheizkörper durch einen neuen und das dämmen der Nische kosten solte? Fühle mich von meinem Handwerker - der natürlich sofort gemerkt hat, das ich handwerklich null Ahnung habe - etwas übervorteilt ...

Das simple anbringen einer reflektierenden Folie hinter den Heizkörpern gefällt mir rein optisch überhaupt nicht, deswegen dachte ich auch gleich ein eine komplette Dämmung ...

Über schnelle Hilfe würde ich mich freuen!

Gruß,

Andrea

17 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 47 Minuten 1 hilfreich
    Re: Heizkörpernische dämmen
    Betreffend neuer Heizkörper sollten Sie sich mehrere Angebote von verschiedenen Handwerksbetrieben des gleichen Gewerkes erstellen lassen.
    In Hinsicht auf die Notwendigkeit einer Wärmedämmung folgendes:
    Bereits in mehreren Beiträgen in diesem Forum wurde berechtigt darauf verwiesen, dass eine Dämmung im Warmbereich bauphysikalischer Unsinn ist und zu einer nicht gewollten Verlagerung des Taupunktes führen kann. Feuchteschäden im Innenbereich können hierdurch vorprogrammiert werden.
    Zur Frage nach der Notwendigkeit einer zusätzlichen Wärmedämmung sollten Sie bei niedrigen Außentemperaturen erst einmal eine Messung der Wand-Oberflächentemperatur in der Heizkörpernische durchführen (den Heizkörper vorher abkühlen lassen, ansonsten gibt es eine Fehlmessung). Das ergibt zumindest erste Hinweise mit "einfachen Bordmitteln".
    Zu einem zweifelsfreien Ergebnis, ob ausreichend gedämmt ist oder nicht können Sie ohnehin nur durch eine Thermographie gelangen!
    -.-.-.-
    mfg - Klaus -
    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Heizkörpernische dämmen
      Guten Tag, Bereits in mehreren Beiträgen in diesem Forum wurde berechtigt
      darauf verwiesen, dass eine Dämmung im Warmbereich
      bauphysikalischer Unsinn ist und zu einer nicht gewollten
      Verlagerung des Taupunktes führen kann. Feuchteschäden im
      Innenbereich können hierdurch vorprogrammiert werden.
      dazu eine Frage:
      kann man diese Aussage auch für so relativ kleine Flächen wie eine Heizkörpernische machen? Bei mir ist diese Nische etwa 1,5 x 1Meter.
      Bei mir Wanddicke ca 75 cm, in der Nische ca 60 cm.
      Würde eine Isolierung in diesem Fall nicht so gesehen werden können als ob die Mauer in der Nische die Dicke der übrigen Mauer hat? Anders gesagt, dass sich der Taupunkt in der Ebene des übrigen Mauerwerkes befindet. Oder liege ich da völlig daneben?
      Gruß
      Peter
      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Heizkörpernische dämmen
        dazu eine Frage, kann man diese Aussage auch für so relativ kleine Flächen wie eine Heizkörpernische machen?
        Die Fläche ist aus bauphysikalischer Sicht hier unbedeutend. Einem Brillenträger, der von seinem Spaziergang in klirrend-kalter Nacht zurück kommend den warmen Raum betritt, wird eine derartige Taupunkterniedrigung trotz der kleinen Brillenfläche auch mitten im Raum erfahren. Wanddicke ca 75 cm, in der Nische ca 60 cm. Würde eine Isolierung in diesem Fall nicht so gesehen werden können als ob die Mauer in der Nische die Dicke der übrigen Mauer hat?
        Keinesfalls. Die Wärmeleitwerte bzw. der Wärmedurchgangswiderstand sind doch bei verschiedenen Materialien und zudem abhängig von der Schichtdicke jeweils unterschiedlich! Anders gesagt, dass sich der Taupunkt in der Ebene des übrigen Mauerwerkes befindet. Oder liege ich da völlig daneben?
        In diesem Fall schon. Die Temperatur außen und innen sind ja bei beiden Betrachtungen (dickes/dünnes Mauerwerk) identisch. Was sich ändert, ist (bei gleichem Schichtenaufbau) die Schichtendicke des Mauerwerkes.
        Der Temperaturabbau im Mauerwerk bzw. die Temperaturverlaufskurve wird damit in dem dünneren Mauerwerk (bei gleicher Schichtdicke der Wärmedämmung der Fassade) steiler verlaufen, wodurch sich der Taupunkt mehr in Richtung des Raumes hinein verlagern wird.
        ----
        mfg - Klaus -
        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Heizkörpernische dämmen
          erst mal Danke für die Antwort.
          Etwas habe ich aber noch nicht verstanden.
          Angenommen, der Taupunkt liegt im dicken Mauerwerk bei bei 40 cm.
          Wo liegt er denn dann im Nischenmauerwerk - (in einem beheizten Raum)? Weiter außen, oder?
          Wo wäre dann das Problem, wenn er auch in der Nische weiter nach innen wandert?
          Verstehe ich da die ganze Taupunktgeschichte miss?
          Gruß
          Peter
          • Antwort von nach 2 Tagen 3 hilfreich
            Re^5: Temperaturverlauf
            Etwas habe ich aber noch nicht verstanden
            Bauphysik ist schwierig!
            Nehme nun bitte ein Blatt Papier zur Hand und zeichne links eine Senkrechte hierauf.
            Unterteile diese Linie (Ordinate) als eine Art Skala mit sagen wir 30 kleinen Strichen. Jeder Strich steht für einen anderen, regelmäßig kleiner werdenden Temperaturwert.
            Oben notierst du +20°C und reduzierst mit jedem Strich die Temperatur um 1°C nach unten. Der unterste Strich müsste dann für minus 10°C stehen.
            ---
            Zeichne 1 weiteren senkrechten Strich in einem größeren Abstand zu der Ordinate (die mit der Temperaturskala, von oben nach unten) und zu diesem letzten Strich wieder eine Parallele im Abstand von sagen wir 3cm. Die beiden letzten senkrechten Striche symbolisieren in dieser vereinfachten Darstellung nun dein Mauerwerk.
            Rechtwinklig ziehst du nun ausgehend von deiner Temperaturkala bei 18°C und bei -5°C jeweils einen parallel verlaufenden Strich. Beide Striche kreuzen nun die beiden anderen senkrechten Striche deines "Mauerwerkes".
            --
            Nun betrachten wir uns nur die beiden Mauerwerksseiten (die Striche hierzu). Du erhälst nun zwei Schnittpunkte:
            Dort, wo die obere horizontale Strichführung (das waren die +18°C) auf den ersten senkrechten Mauerwerkstrich traf
            und unten, wo der untere horizontale Strich (das waren die -5°C) den rechten senkrehten Mauerwerksstrich traf.
            Diese beiden Striche IM Mauerwerk verbindest du nun, nur die sind bei dieser Betrachtung interessant.
            Du erkennst nun eine mehr oder weniger steil abfallende Gerade.
            Diese abfallende Gerade steht hier für den Temperaturverlauf (bzw. den Temperaturabbau) im Mauerwerk.
            Du merkst: je breiter dein Mauerwerk wäre, desto flacher würde die Temperaturgerade verlaufen - je dünner dein Mauerwerk, desto steiler.
            ---
            Ob du nun einen Erker oder eine Heizkörpernische annimmst:
            Bei gleicher Mauerwerksdicke liegt der Taupunkt (denwerden wir aber hier nicht mehr einzeichnen, das verwirrt nur) immer im Mauerwerk, nur im ungünstigsten Fall sogar im Raum selbst. Das wäre aber ein Sonderfall, der eintreten könnte, wenn man die warme Seite eines dünnen Mauerwerkes von innen dämmt.
            ---

            Ich hoffe, ich konnte ein wenig Hilfestellug in der Bauphysik beisteuern?
            mfg - Klaus -

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^6:Nur noch ein letztes Mal
              dann gehe ich Dir nicht mehr auf die Nerven.
              Vielen, vielen Dank.
              Das klärt aber meine Frage nach der Nischenisolierung eigentlich nicht.
              Nehmen wir an, ich könnte einen Werkstoff reinsetzen dessen Wärmeleitfähigkeit 0 ist. Dann fände diese Kurve nur im Mauerwerk statt.
              Wenn ich die Leitfähigkeit erhöhe würde die Kurve extrem flach sich durch den Isolierstoff fortsetzen. Die Temperatur des Mauerwerkes an der Trennstelle kann mir - salopp gesagt - doch relativ egal sein. Und da kommt vermutlich der Taupunkt ins Spiel. Aber was soll es mich stören, ob der 5cm weiter drin oder draußen in der Mauer liegt ? Ja, ich weiss schon dass es nicht ganz so gleichgültig ist.
              Innen so eine Art Ziegelstein, außen Sandbruchstein und scheinbar teilweise mit Hohlraum dazwischen. So richtig bin ich da noch nicht dahinter gekommen. Nur teilunterkellert. War mal ein Schulhaus. Baujahr so etwa 1870 bis 1880.
              Gruß
              Peter
            • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
              Re^7:Berechnungsbeispiel
              dann gehe ich Dir nicht mehr auf die Nerven.
              Nein, so ist das keinesfalls! Bauphysik ist nicht nur schwierig, sondern auch interessant.
              Ich habe einmal folgendes ausgerechnet:

              Fallbeispiel 1
              60cm Ziegelmauerwerk, ohne Außendämmung mit 1cm Innenputz
              Außentemperatur: -5°C
              Rauminnentemperatur: wohlige 20°C
              An der Innenwand würde sich eine Temperatur von 19,6°C einstellen.
              Ergebnis: Akzeptabel

              Fallbeispiel 2
              40cm Ziegelmauerwerk, ohne Außendämmung mit 1cm Innenputz
              Außentemperatur: -5°C
              Rauminnentemperatur: wohlige 20°C
              An der Innenwand würde sich eine Temperatur von 19,3°C einstellen.
              Ergebnis: Kaum ein Unterschied

              Nun das Fallbeispiel 3
              Ein "windiger Verkäufer" verspricht, bei einer Innendämmung lösen sich alle Probleme von selbst.
              Aufbau:
              20cm (!) Innendämmung, Styropor
              40cm Ziegelmauerwerk, ohne Außendämmung mit 1cm Innenputz
              Ergebnis:
              Die Temperatur zwischen Styropor und Innenwand sinkt auf -2,6°C
              ---
              Das heißt: man könnte im Winter aus dem Raum ein Schwimmbad machen.
              Die Raumluftfeuchtigkeit würde stetig in Strömen an der Innenwand und in der Innendämmung kondensieren und über den Teppich, das Laminat oder sonstigen Oberbelag laufen.
              DAS ist Bauphysik in Reinstform.
              ---
              Das würde in diesem Fall, der eigentlich sehr guten Referenzcharakter in Bezug auf das von Ihnen beschriebene Wohnobjekt hat, bedeuten:
              Hätten Sie noch Wasserleitungen, auf Putz verlegt, würden Ihnen diese nach Installation einer völlig falsch angebrachten Innen-Wärmedämmung in den Wintermonaten tatsächlich einfrieren!!
              ---
              Noch einmal zurück zu Ihren Aussagen:
              Es kann einem wirklich nicht egal sein, WO das Wasser kondensiert. Denn parallel ist die Frage zu stellen:
              Wo, bitte, liegt denn dann mein Gefrierpunkt?
              In diesem Fall: In Ihrem Zimmer!

              Ich hoffe, mit dieser kleinen Berechnung ein eindrucksvolles Beispiel gegeben zu haben, wie wichtig Wärmedämmung an der richtigen Stelle ist!
              -.-.-.-.-.-.-
              mfg - Klaus -
    • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Heizkörpernische dämmen
      Hallo Klaus,

      das eine "Innendämmung" nicht wirklich eine gute Lösung ist, ist mir bekannt. Nur leider kann ich bei 63 Miteigentümern nicht frei über eine Außendämmung entscheiden.

      Ich habe mir auf alle Fälle jetzt ein Infrarot-Thermometer bestellt und werde jetzt im Winter erstmal messen wie hoch die Temperaturdifferenz zwischen Nische und "normaler" Außenmauer ist. Das gibt mir dann die Basis für eine bessere Entscheidung, DANKE FÜR DEN TIP! Und vielleicht finde ich mit dem Thermometer auch noch andere Wärmebrücken ...

      Gruß,
      Andrea [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
  2. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Heikörpernische dämmen sinnvoll?
    Ganz gleich was Du machst, gibt es mehrere Probleme.

    Bei der Eigent.Wg. wird die vom Eigentümer tatsächlich verbrauchte Heizenergie i.d.Regel nur anteilig zum tatsächlichen Verbrauch gerechnet.
    Der andere Teil wird unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch proportional zum Eigentümerteil 1000.stel verrechtet.

    Sinnvoll halte ich bei Deinem Problem eine Generalsanierung der Wohnanlage mit entsprechenden Energieschutzmaßnahmen. (z.B.Außenisolierung etc.)
    In diesen Zusammenhang wäre es sicher sinnvoll alle Nischen zugemauern zu lassen.

    Die Frage ob Du selbstständig in der Eigentumswohnung überhaupt Heizkörper tauschen, u. Rohre verziehen darsft (Das ist ja die Folge wenn die HK-Nische zugemauert wilst) ist zu klären. Technisch müßte u.U. die gesamte Heizanlage außer Betrieb gesetzt werden.


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