Betonschalung selbermachen?

Hallo Experten,

wir (Eigentümergemeinschaft) überlegen, die Verbreiterung einer Balkonplatte (um 130 x 400 cm) in Eigenregie durchzuführen, d.h. drei Stützen mauern, das Ganze verschalen, ordentlich Baustahl rein und mit der bestehenden Platte verbinden, dann Beton drauf, verdichten und trocknen lassen. Für die Sache mit dem Baustahl haben wir einen Polier, der die Aufsicht übernehmen würde - damit uns das Ganze nicht irgendwann runterkracht.

Mein Part wäre die Schalung. Da ich mich zwar mit Holzbearbeitung(auf Hobby-Niveau) auskenne aber noch nie eine Schalung gemacht habe, suche ich jetzt nach Informationen, Homepages, Tipps, Beispielen, Warnungen etc.

Wer weiss was?

Stefan

Hallo Stefan,

wenn Du nicht gerade selbst vom Bau kommst, ist die Herstellung einer freitragenden Konstruktion die denkbar ungeeignetste
Premiere für die Eigenregie. Abgesehen davon ist das gesamte Vorhaben höchst zweifelhaft. An einen bestehenden Balkon etwas
„anflicken“ - bitte nicht! Wie soll da je eine tragfähige Verbindung zum bisherigen Balkon zustande kommen? Der alte Balkon muß weg. Die neue Konstruktion stützt sich am Haus in ganzer Breite und am freien Ende ruht sie auf Trägern, die jeweils ein ordentliches Fundament besitzen. Die Platte braucht durchgehende Eisen und muß in einem Stück geschüttet werden.

Vorsicht vor dem Polier, der etwas anderes erzählt!

Auch das Kostenargument spricht gegen den Selbstbau. Wollt Ihr den Beton im Heimwerker-Mischer herstellen oder gar
Fertigmischung aus dem Baumarkt nehmen? Das wird richtig teuer. Dann in Eimern hochschleppen? Viel Vergnügen! Die Schalung -
willst Du das alles kaufen und hinterher entsorgen? Eine Baufirma hat Stützen und Stempel und in Nullkommanichts ist die
Verschalung der Platte fertig. Nach handwerklich sauberer Eisenflechterei kommt der Beton per LKW und Betonpumpe.

Wenn es unbedingt Selbstbau sein soll, dann eine Holzkonstruktion. Die ist zwar teuer, die handwerklich saubere Ausführung durchaus anspruchsvoll, aber ordentlich dimensioniert stellt sich das Stabilitätsproblem nicht in der Schärfe wie bei einer geschütteten Platte in luftiger Höhe. Aus druckimprägniertem Holz hält sowas beinahe ewig und kann sehr dekorativ aussehen. Ohne Fundamente bis in frostfreie Tiefe geht dabei allerdings auch nichts.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

wenn Du nicht gerade selbst vom Bau kommst,

Nee, beileibe nicht *grins*

ist die
Herstellung einer freitragenden Konstruktion die denkbar
ungeeignetste
Premiere für die Eigenregie. Abgesehen davon ist das gesamte
Vorhaben höchst zweifelhaft. An einen bestehenden Balkon etwas
„anflicken“ - bitte nicht! Wie soll da je eine tragfähige
Verbindung zum bisherigen Balkon zustande kommen? Der alte
Balkon muß weg. Die neue Konstruktion stützt sich am Haus in
ganzer Breite und am freien Ende ruht sie auf Trägern, die
jeweils ein ordentliches Fundament besitzen. Die Platte
braucht durchgehende Eisen und muß in einem Stück geschüttet
werden.

Wir haben uns das ganze von einer Baufirma anbieten lassen. Die wollte das so ähnlich machen. Zur Erklärung: Es handelt sich um einen Balkon über einer Terasse. Das ganze füllt den Innenwinkel eines "L"s, d.h. der Balkon ist an der Längs- und einer Querseite an der Hauswand befestigt. Auf der Terasse ist schon ein Pfeiler, der die Aussenecke des bisherigen Balkon abstützt. Die Baufirma (bzw. der Statiker) hatte so geplant: bestehender Pfeiler wird auf das Doppelte verbreitert, zwei neue werden gesetzt. Stahlbetonplatte (Fertigteil) wird auf die drei Pfeiler gelegt. Verbindung zur bisherigen Platte und zur Hauswand durch Stahlstäbe, die in kunststoffvergossene Bohrungen gelegt werden. (bestimmt blöd erklärt)

Nun können wir im Eigenbau kein Fertigteil machen und hochziehen (wird garantiert ein paar Gramm wiegen) und sind daher auf die Idee mit der Verschalung gekommen.

Auch das Kostenargument spricht gegen den Selbstbau. Wollt Ihr
den Beton im Heimwerker-Mischer herstellen oder gar
Fertigmischung aus dem Baumarkt nehmen? Das wird richtig
teuer. Dann in Eimern hochschleppen? Viel Vergnügen!

Ähhh, hatten wir eigentlich vor: Mischer auf den vorhanden Balkon stellen, mischen und reingießen.

Die Schalung -
willst Du das alles kaufen und hinterher entsorgen? Eine
Baufirma hat Stützen und Stempel und in Nullkommanichts ist
die
Verschalung der Platte fertig. Nach handwerklich sauberer
Eisenflechterei kommt der Beton per LKW und Betonpumpe.

Hmmm, das ist natürlich ein Argument. An Holz für die eigentliche Schalung käme ich zwar sehr billig ran, aber die Stützen dürften das Problem sein.

Wenn es unbedingt Selbstbau sein soll, dann eine
Holzkonstruktion. Die ist zwar teuer, die handwerklich saubere
Ausführung durchaus anspruchsvoll, aber ordentlich
dimensioniert stellt sich das Stabilitätsproblem nicht in der
Schärfe wie bei einer geschütteten Platte in luftiger Höhe.
Aus druckimprägniertem Holz hält sowas beinahe ewig und kann
sehr dekorativ aussehen. Ohne Fundamente bis in frostfreie
Tiefe geht dabei allerdings auch nichts.

Wäre durchaus eine Überlegung wert. Man müsste nur wissen, wieviel Holz man da ungefähr braucht.

Danke für Deine Hilfe
Stefan

Beton mit Eisenschnitzel?
Holla

Verschalung der Platte fertig. Nach handwerklich sauberer
Eisenflechterei kommt der Beton per LKW und Betonpumpe.

Ich hänge mich frecherweise einfach mal an :smile:
Ein Freund ist auch gerade bei einer aehnlichen Sache und holt Angebote ein, dabei kam ihm folgendes unter:
Beton mit „eingebauter“ Armierung, also reingeruehrte kurze Eisenstangen (geschaezte Dicke ca. 1 cm, Laenge 10-20 cm (??), war nur ein Foto dabei).
Kannst du/jemand mir was dazu sagen? Wofuer, nur fuer Bodenplatten? Vor-/Nachteile? Insgesamt scheint es preisguenstiger zu sein…

Trotz 4 Jahre WdB ratlos, Lutz

hallo,
diese Eisenschnitzel sind max .4cm lang und ca 3mm dick,man braucht für 1cbm Beton ca 20 kg,1 KG kostet ca 2,-DM d.H-. der CBM beton wird durch Stahlfasern 40,-DM teurer.Jetzt musst du selber rechnen: was geht sonst an Kg Eisen in deine Sohle /Fundament .geb mal in die suchmaschine „Stahlfaserbeton“ ein dann kannst Du die Vorteile oder nachteile nachlesen.
Ach ja zu meinem Vorredner Wolfgang :in die Balkonplatte gehen max 0,8Cbm Beton das sind 10 Schiebkarren oder ca 70-80 Eimer voll, die kanste ja wohl mit einem tampen oder seilzug hochziehen. Oder?
Dafür eine Pumpe (ca 500,- DM)halte ich für Wahnsinn ,auch auf Fertigbeton mit Betonwagen angeliefert–man hätte zwar guten Beton jedoch viel zu Viel Leerfracht,also das bißchen kann man selber anmischen und nicht so sparsam sein mit dem Zement (300KG/CBM)
Tschüß
Roger

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Zur Aufnahme von Zugspannungen innerhalb eines Bauwerks helfen irgendwelche ungerichteten „Schnitzel“ wenig. Gebraucht wird eine durchgehende Materialstruktur.

Der Unterschied ist ungefähr wie bei einer Spanplatte und einer Tischlerplatte. Die als Regalbrett benutzte Spanplatte hat eine viel geringere Tragfähigkeit als eine Tischlerplatte gleicher Dicke. Grund sind die durchlaufenden Fasern der Tischlerplatte, die Zugspannungen aufnehmen können.

Ich halte das ganze Gebiet für das falsche Ende für Spar- oder Bastelmaßnahmen. Es ist einfach zu gefährlich. Abgesehen davon neigt ein Beton mit eingerührten kurzen Eisenstäben zur Entmischung. Die Verarbeitung ist kritisch, der Wassergehalt muß genau stimmen. Aber egal, ich halte das Material ohne durchgehende Armierung für ungeeignet für einen Balkon.

Gruß
Wolfgang

was geht sonst an Kg Eisen in deine Sohle
/Fundament .geb mal in die suchmaschine „Stahlfaserbeton“ ein
dann kannst Du die Vorteile oder nachteile nachlesen.

Lieber Roger,

es handelt sich um keine Sohle, um kein Fundament. Es ist eine frei hängende Platte mit Auflagern an 2 oder 3 Seiten.
Wenn sowas nicht mit ununterbrochener Materialstruktur armiert wird, erhält man ein einsturzgefährdetes Bauwerk.

Aus Stahlfaserbeton läßt sich eine belastbare Sohle herstellen. Hier noch einmal der Vergleich mit Spanplatten. Diese eignen sich gut als belastbare Bodenplatten mit harter Oberfläche. Sobald diese Platte jedoch frei zwischen Auflagern hängt, hat sie Kräften nichts mehr entgegen zu setzen. Eine Tischlerplatte mit durchgender Faserstruktur hält dagegen problemlos.

Gruß
Wolfgang

Die Baufirma (bzw. der Statiker) hatte so geplant:
bestehender Pfeiler wird auf das Doppelte verbreitert, zwei
neue werden gesetzt. Stahlbetonplatte (Fertigteil) wird auf
die drei Pfeiler gelegt. Verbindung zur bisherigen Platte und
zur Hauswand durch Stahlstäbe, die in kunststoffvergossene
Bohrungen gelegt werden. (bestimmt blöd erklärt)

Stefan, das ist keineswegs blöd erklärt. Die Verwendung armierter Fertigteile ist statisch eine saubere Sache und über tragfähige Auflager hat man sich offenkundig auch Gedanken gemacht. Nicht ganz unkritisch wird die Oberfläche des neu entstehenden Balkons werden. Ich würde über kurz oder lang Risse an der Nahtstelle zwischen altem Balkon und neuer Konstruktion befürchten. Die Risse wären für die Bauwerksstabilität aber nicht gefährlich. Irgendwann richten Wasser und Frost dort aber Schäden an.

Entscheidend für die Stabilität sind die von Dir beschriebenen Stahlstäbe, die in Bohrungen am bisherigen Bauwerk ruhen. Dort können in achsialer Richtung der Stäbe keine Kräfte abgefangen werden, deshalb gibt’s dort wahrscheinlich Risse. Aber als Auflager sind solche Bohrungen geeignet. Wenn ihr auf die Fertigteile wg. Selbstbau verzichten wollt, führt trotzdem an dieser Detaillösung kaum ein Weg vorbei - sofern der alte Balkon erhalten werden soll.

Bevor ich mit weiteren Details langweile: Eigenregie ist verantwortbar, wenn Kenntnisse vorhanden sind, was als tragfähiges Auflager dienen kann und wie die in einer frei getragenen Platte auftretenden Kräfte zu bewältigen sind.

Zur Holzkonstruktion:

Wäre durchaus eine Überlegung wert. Man müsste nur wissen,
wieviel Holz man da ungefähr braucht.

Bitte Stefan, nimm’s nicht übel. Die Frage zeigt, daß Holzbau in Eigenregie hier ohne weiteres nicht die Methode ist. Um eine Vorstellung zu erhalten, kannst Du Dich unter dem Stichwort Holzbau nach Fachbüchern umsehen.

Gruß
Wolfgang

hallo wolfgang,
mein Beitrag bezüglich Stahlfaserbeton richtet sich an den Fragenden bezüglich Eisenschnitzel.
Ich hab doch geschrieben das stahlfaser nur für Sohlen und Fundamente in Frage kommt.
Bezüglich der Balkonplatte hab ich geschrieben das Pumpe und Fertigbeton zu teuer kommt,mehr nicht.
Hab ich mich schon wieder so missverständlich ausgedrückt?
Werd das nächte mal verständlicher Schreiben.
Tschüß
Roger

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

… Nicht ganz unkritisch wird die Oberfläche des neu
entstehenden Balkons werden. Ich würde über kurz oder lang
Risse an der Nahtstelle zwischen altem Balkon und neuer
Konstruktion befürchten. Die Risse wären für die
Bauwerksstabilität aber nicht gefährlich. Irgendwann richten
Wasser und Frost dort aber Schäden an.

Ist sowieso nur eine Übergangslösung; mittelfristig soll die ganze Konstruktion geschlossen werden (wintergartenähnlich) - dann war’s das mit Wind und Wetter, Wasser und Frost.

Entscheidend für die Stabilität sind die von Dir beschriebenen
Stahlstäbe, die in Bohrungen am bisherigen Bauwerk ruhen. Dort
können in achsialer Richtung der Stäbe keine Kräfte abgefangen
werden, deshalb gibt’s dort wahrscheinlich Risse. Aber als
Auflager sind solche Bohrungen geeignet. Wenn ihr auf die
Fertigteile wg. Selbstbau verzichten wollt, führt trotzdem an
dieser Detaillösung kaum ein Weg vorbei - sofern der alte
Balkon erhalten werden soll.

Bevor ich mit weiteren Details langweile: Eigenregie ist
verantwortbar, wenn Kenntnisse vorhanden sind, was als
tragfähiges Auflager dienen kann und wie die in einer frei
getragenen Platte auftretenden Kräfte zu bewältigen sind.

Da ICH es bin, der unter dieser Platte mal sitzen wird, ist mir die Stabilität natürlich „lebenswichtig“. Lieber mach ich mehr Auflagen, mehr Bohrungen und noch ein paar Stahlträger rein, bevor mir das irgendwann runterkommt…

Zur Holzkonstruktion:

Wäre durchaus eine Überlegung wert. Man müsste nur wissen,
wieviel Holz man da ungefähr braucht.

Bitte Stefan, nimm’s nicht übel. Die Frage zeigt, daß Holzbau
in Eigenregie hier ohne weiteres nicht die Methode ist. Um
eine Vorstellung zu erhalten, kannst Du Dich unter dem
Stichwort Holzbau nach Fachbüchern umsehen.

Nehme ich nicht übel. An Selbstüberschätzung leide ich zum Glück nicht. Allerdings ist es für einen Laien nicht immer leicht einzuschätzen, was man mit genügend Sorgfalt selber machen kann - und wovon man lieber die Finger lassen sollte. Aber zum Glück gibt’s ja w-w-w!

Danke für die Hilfe
Stefan