Hi!
Ich habe den Kinofilm (leider) noch nicht gesehen, werde mich
aber die nächsten Tage noch ins Kino bemühen,
Ich habe den Film gesehen, und mit einer Woche Abstand muß ich sagen: Leider! Das war mehr oder minder rausgeworfenes Geld - auch wenn ich mir damit den Zorn einiger Leute hier zuziehen mag.

Ich möchte eine Begründung geben, warum ich den Film als Reinfall empfand:
Während des ganzen Films habe ich nicht eine einzige sympathische Figur entdeckt, mit der ich mich identifizieren konnte (ich beziehe mich auf die filmische Umsetzung, nicht auf das Buch!).
Elijah Wood/Frodo war mir zu androgyn. Hätte er noch Lippenstift aufgetragen, hätte ich geglaubt, die Hauptrolle würde von Winona Ryder gespielt.
Samweis Gamdschie war ja noch zu ertragen, ganz im Gegenteil zu den beiden anderen Hobbits Pippin und Merry, die nur nervig sind. Wenn irgendwo etwas herumstand, was man umschmeißen kann, dann geschah das auch.
Gandalf hat bei mir spätestens in den Minen von Moria verschissen. Da liefert er sich vorher ein Riesenzauberduell mit Saruman, kann durch Zauberkräfte aus Sarumans Burg entkommen, liefert sich später noch ein Feuerduell mit dem Balrog, ist beim Angriff der Orks in der Mine aber nicht in der Lage, die Tür per Zauberspruch zu versiegeln oder das Vordringen der Feinde mit einer Feuerwand zu stoppen (Gandalf ist ein Zauberer des Feuers, wie er beim Kampf mit dem Balrog sagt).
Die Darsteller von Aragorn und Borumir sind sich äußerlich viel zu ähnlich, als daß ich mich auf einen von ihnen als Sympathieträger konzentrieren kann.
Als Gimli das erste Mal den Mund aufgemacht hat, habe ich geglaubt, jetzt spielt auch noch Bud „Hau-den-Lukas“ Spencer mit, jedenfalls bewegte sich John Rhys-Davies sich mit seiner Vorstellung (zu) dicht an den alten Terence-Hill-Bud-Spencer-Klamotten.
Der Auftritt von Liv Tyler als rettende Elbin ist nur peinlich. Die Figur macht dramaturgisch keinen Sinn (soweit ich mich erinnere, ist die Szene im Buch auch ganz anders), die Darstellung erinnerte mich an üble „Black-Beauty“-Zeiten, wo eines „Hasch-mich, ich bin der Frühling“-Schonheit durch den Wald galoppiert.
Einen regelrechten Schock bekam ich im Kino, als Elrond auftauchte. Ich sah das Gesicht dieses Schauspielers und war vom ersten Moment an davon überzeugt, der Kerl muß einer von den Bösewichten Saurons sein. Das ist ein Verräter. Oder schlimmer. Nix da. Reingefallen. Das war einer der Guten. Aber grottenunsympathisch.
Das gleiche Empfinden hatte ich bei Galadriel. Ich persönlich würde der Frau nicht weiter trauen als mein Arm reicht. Auf mich hat sie gräßlich verschlagen gewirkt.
Wie gesagt, das zu den durchweg unsympathischen Figuren im Film. Überzeugt haben mich vor allem Christopher Lee als Saruman und Ian Holm als Bilbo (besonders, als er plötzlich sein spitzes Gebiß bleckte, um den Ring von Frodo zurückzubekommen - der einzige wirkliche Schocker im Film).
Daneben fand ich alle Kampfszenen ziemlich schrottig. Der Film ist kein Kinderfilm, aber die Kampfaufnahmen waren drastisch entschärft (gerade bei einem Regisseur wie Peter Jackson - nur ein einziges Mal fällt eine Rübe). Vor ein paar Jahren hat Mel Gibson mit Braveheart Maßstäbe gesetzt, wie Schwerterkämpfe im Film dargestellt werden können. Die Kämpfe im HdR waren echter Kindergarten dagegen.
Wo es auch hakt, sind einige Punkte in der (leicht geänderten) Dramaturgie der Handlung. Da ist auch bereits ein gewisses Manko des Buches, aber im Film wird es ganz offensichtlich: Immer dann, wenn die Gruppe in extremer Gefahr war, tauchte zufälligerweise jemand zur Rettung auf. In der Kneipe, als die Ringgeister Frodo direkt auf den Fersen waren, erschien Streicher (= Aragorn), der die Hobbits rettete. Das ist ja noch in gewisser Weise akzeptabel. Nach dem Kampf mit den Ringgeistern, bei dem Frodo verletzt wird, taucht plötzlich Arwen auf. Ganz zufällig. Als die Gruppe in der Mine von Moria von den Orcs umzingelt ist, erscheint aus heiterem Himmel der Balrog und rettet die Gruppe vor dem sicheren Tod. Bißchen viel Zufall, finde ich.
Außerdem gibt es im Film ein Versprechen, das später nicht eingehalten wird. Als Saruman seine Krieger gegen die Gruppe losschickt, heißt es, daß sie Menschenfleisch bekommen. Ich dachte im Kino: Oh chic, mal sehen, wie Jackson den Kannibalismus der Nazguls umgesetzt hat. Dann gab es zwar ein - recht langweiliges - Gefecht, aber die angekündigte Prämie in Form von Menschenfleisch fiel unter den Tisch. Hmmm.
Und insgesamt? Eine Menge schöner Bilder aus Neuseeland, mit leicht faschistoider Architektur (diese zwei zurückweisenden Giganten, also wirklich!), aber insgesamt ein Film, dem jede Leidenschaft abgeht. Da reißt nichts wirklich mit. Da zittert man auch nicht um irgendeine Figur.
Wäre da nicht der Hype der Tolkien-Fans um die Welt von Mittelerde, würde der Film vermutlich deutlich schlechter wegkommen.
Nur zum Vergleich: Der Film „Willow“, der ganz ähnlich zum HdR gestrickt ist, gefällt mir deutlich besser.
Just my 2 cents
Heinrich