Zusammengeschnittene Filme

Wer entscheidet bei den Sendern eigentlich, was aus Filmen rausgeschnitten wird??? Regelmäßig freu ich mich auf einen Film, der sich dann als gedankenlos zusammengeschnitten erweist. Letztes Beispiel: Predator, zur ersten Werbepause hab ich diesmal nicht gezapt sondern ausgeschaltet.
Die Szenen, die gecuttet werden, sind sicher nicht die brutalsten (kam eh erst um 20vor11), das kann es also nicht sein. Hab auch schon oft erlebt, daß Sequenzen die zum Verständnis der Handlung beitragen, komplett entfernt wurden.
Was mich am meisten aufregt, ist einfach, daß da wohl jemand sitzt und sich anmaßt, entscheiden zu können, was der Zuschauer sehn darf und was nicht. Lächerlich oder?
He Cutter, vielleicht liest Du das hier und klärst mich (diesbez.) mal auf!

Wer entscheidet bei den Sendern
eigentlich, was aus Filmen
rausgeschnitten wird???

Genau diese Frage habe ich mir auch schon mehrfach gestellt. Und ich habe, anlässlich einer Ausstrahlung der Indiana Jones-Filme auf SAT.1, bei denen mal per Mail angefragt, was das soll mit diesen nicht geschnittenen, sondern verstümmelten Filmen soll. Was mich damals besonders aufgeregt hat, war die folgende Szene aus Jäger des verlorenen Schatzes: Der Gestapo-Typ, der sich im Himalaya das Amulett greift, verbrennt sich die Hand, in der anschliessend die Vorderseite des Amuletts eingebrannt ist. In der Wüste kommt dann eine Sequenz, in der er die Hand zum Hitlergruss erhebt. Genau da sieht man als Zuschauer erst das Eingebrannte und versteht damit, warum die Nazis fast am richtigen Ort buddeln.

Nun kann ich es zwar verstehen, dass so ein Hitlergruss nicht gern gezeigt wird. Aber diese Sequenz ist zum Verständnis IMHO sehr wichtig. Sie war aber in der Ausstrahlung geschnitten. Jedoch war in dem Trailer, den SAT.1 damals täglich mehrmals, sogar schon am Nachmittag zeigte, diese Sequenz drin…

Die Antwort von SAT.1 war sinngemäss folgende: Sie können nichts dafür, wenn sie den Film um 20.15h zeigen, müssen sie die Version ‚ab 12 Jahren‘ zeigen. Sonst müssten sie den Film nach 22.00h ausstrahlen…

Nun bin ich der Meinung, dass es durchaus besser wäre, den Film erst so spät zu zeigen, dafür ungeschnitten (ab 16…), oder sonst lieber gar nicht.

Ich frage mich oftmals auch, was das eigentlich für Typen in dem FSK-Gremium sind, die da entscheiden, was für welche Version geschnitten wird. Sehen sich die den Film jeweils überhaupt an? Das müsste doch auffallen, welche Szenen wichtig sind für das Verständnis…

CU
Peter, der sich deshalb von den wirklich guten Filmen das Original besorgt…

Die Austrahlungszeit allein kann es auch nicht sein. Ab wann kann denn was für ein Film gesendet werden? Ab 7.00 Nachrichten mit Bildern von zerstückelten Kindern, ab 14.00 Uhr Talkshows mit unsagbaren Themen, dann die Verdummungs-Soaps, 20.15 dann die Kinderfilme (Asterix, Disney), wenn meine Kids schon feste schlafen, ab 22.00 Uhr darf dann mal geblutet werden, ab 24.00 wird der Kopf abgehackt.
Hier handelt es sich um reine Bevormundung des Zuschauers, dem statt der Schlüsselszenen dann eben ein wenig mehr Werbung eingetrichtert wird.
Ach ja Werbung, da setzt ich jetzt auch noch eine Frage zu (neues Posting, s.o.)
Bis denne
Norbert

Jaja, es ist immer wieder schön zu sehen, daß ich nicht der einzige bin, der unter der Arroganz der TV-Anstalten (einschl. der öff. Rechtl.) leidet.

Ein Mitgrund für das Kürzen wird wohl auch sein, daß die Zeit für den Zuschauer vor der Glotze sonst für einen „Indiana Jones“ zu lang wird. (Mir fällt da der „Tempel des Todes“ von SAT.1 ein:
Hohepriester (geht auf das Opfer zu / dann Kameraperspektive von oben): Hahahahahaaa!
(wieder Kamera aus Schulterhöhe, der Hohepriester hält einen brennenden Gegenstand in die Höhe und grinst)
Indiana Jones (vom Hohepriester unentdeckt): Nicht zu fassen: Er lebt!
)

Aber der Hauptgrund wird wohl tatsächlich sein, daß die Sender böse Post vermeiden wollen von Eltern, die in der Erwartung ihre Kinder mal vor’s Gerät setzen und 'ne Weile vergessen zu können mit der ganzen Wahrheit unkastrierter Filme überfordert sind. Es regiert das Kino für „die ganze Familie“ (die ganze Familie bringt halt auch mehr Knete als nur der vergeistigte Intelektuelle der man ja wohl sein muß, um ein sehr niedriges, cineastisches Nieveau zu überschreiten).

Nicht vergessen möchte ich in meinem Pamphlet, daß es mal eine Zeit gab (Gott bin ich alt), in der Abspänne ganz, nicht beschleunigt, im O-Ton gezeigt wurden. Damals konnte man also auch noch Songs aus Filmen selber herausfinden und mußte nicht an Senderredaktionen scheitern, die selten imstande sind, auch nur einen selbstgewählten Titel zu nennen.

So, jetzt geht’s mir ein Bischen besser.

DVD rulez! (Wenn dann mal diese Regionalcodes geklärt sind! [ätz ätz]).
Rossy.

Anders als Peter weiter unten vermutet hat die FSK mit verstümmelten Fernsehsendungen nichts zu schaffen, die ist nur für Kino und Video zuständig, weil sie eine Instanz der Filmwirtschaft ist, mit der die Fernsehsender nichts zu tun haben.

Zuständiges Gremium ist das Fernsehpendant FSF. Die FSF vergibt Richtlinien, an die sich die Sender meistens halten, zum Beispiel welche Filme ab wieviel Uhr gezeiht werden dürfen.

Staatliche Stellen, die hierauf Einfluß haben, gibt es nicht, weil der Staat nicht zensieren darf. Auf Antrag (z.B. von einem Jugendamt) kann aber die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften Filme auf den Index setzen, das heißt die Filme dürfen nicht öffentlich vorgeführt, beworben oder Jugendlichen zugänglich gemacht werden.

Damit ein Film nicht auf den Index kommt, können Filmverleiher, bzw. Videoverlage den Film selbst schneiden und erneut vorlegen. Die BPS darf aber keine Schnittempfehlung geben, weil dies ebenfalls einer staatlichen Zensur gleichkäme.

Schnittempfehlungen geben, und jetzt kommen wir zu Deiner eigentlichen Frage, dürfen aber die Jugendbeauftragten der jeweiligen Sender. Die machen nichts weiter, als den ganzen Tag vor dem Fernseher herumzulungern, Chips zu futtern und hysterisch zu kreischen, wenn ihnen irgendwas jugendgefährdend erscheint. Ist ja eigentlich auch okay. Aber manchmal haben die Jungs eben einen schlechten Tag. Dann sagen sie „Los, schneid das da raus, das ist ja widerlich!“ und schon ist es zu spät, keiner kann mehr was dran machen, der Film ist versaut.

Arme Cutter können da wirklich nix zu - die müssen einfach nur machen, was der Psycho-Heini ihnen sagt.

lemmy

Hi,
das Hoffen auf ungeschnittenen Filme bei den Privaten kannst Du abhaken. Das sind - in Bezug auf Spielfime - alle Dilletanten und Ignoranten. Vergiß es.
Verantwortlich sind die Redakteure, die mit den Programmplanern die Filme so zurechtbiegen, daß sie möglichst viele Werbeblöcke aufehmen können. Was die rausschneiden, ist den scheißegal. Ich habe mal 10 Min. von der Pro7-Version von „Hard Boiled“ (John Woo) gesehen. Da hast du gar nix mehr verstanden. Das Original ist 128 Min., die Pro7-Version war 79 Min.
Und RTL hat mal zu Ostern Stanley Kubricks „Sparkatus“ im Directors Cut gebracht. Der Film ist in 70mm gedreht und den Vorspann haben sie auch brav in widescreen gesendet. Aber danach - plopp - der Rest im Vollbild. Da fehlen mal 40-50% des Bildinhaltes. Da habe ich auch direkt abgeschalten und einen Protestbrief geschrieben und nie ne Antwort erhalten.
Den wirklich besten Filmgenuß bekommst Du mit einem DVD-Player und den entsprechenden Scheiben. Aber auch da musst Du auf Schnittversionen achten. Und gegen die Werbeallergie empfehle ich PREMIERE World. Die Streifen sind nur selten geschnitten, und auch relativ häufig im richtigen Bildformat.Der WDR3 ist übrigens der beste Sender im Umgang mit Spielfimen. Nur zu empfehlen.
Grüße, Stefan

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Kauf dir einen Code-Free-Player. Dann sind auch die Ländercodes egal.
Aber es stimmt. DVD ist die Zukunft des Filmfreaks und Home-Cineasten.

Grüße Stefan

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Auch im Ersten
Auch das Erste hat bei der Weihnachts-Ausstrahlung von „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ mehrere Szenen rausgeschnitten, die in meiner Erinnerung weniger brutal waren als verbliebene Szenen. Vielleicht war denen der Film einfach zu lang. Und mittlerweile zeigen nicht mal mehr ARD und ZDF den kompletten Abspann, verstümmeln den Film also regelrecht - denn wer sagt, daß der Abspann nicht zum Film gehört. Schließlich wird der Vorspann immer komplett gezeigt!

Stimmt leider.
Das Erste und das ZDF müssen sich wohl dem Niveau der Privaten angleichen, in dem sie Filme schneiden, den Abspann wegschneiden oder zumindest beschleunigen und/oder mit einer verbalen Ankündigung versehen.
Eine üble Entwicklung.
Wie gesagt, die Dritten - ganz besonders der WDR - sind sehr bemüht im Umgang mit Spielfilmen.
Grüße Stefan

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