die sendung mit kienzle und hauser habe ich leider verpasst. wer hat sie aufgezeichnet? ich würde mich über positive meldungen sehr freuen. vielen dank im voraus!
[leicht off-topic] Re: ZDF Nachtduell am 2. Juli
Hallo, Nick!
Leider habe ich keine Aufzeichnung, aber einige - vielleicht interessante - Artikel für Dich.
Aus der Berliner Zeitung vom 27.06. zur Auftaktsendung (Ausschnitt):
" Wer lauter brüllt, hat Recht
Hauser und Kienzle bitten im ZDF zum "Nachtduell"
Die Sendung war ungefähr eine Viertelstunde alt, da schien Ulrich Kienzle die Fassung zu verlieren. „Lautstärke entscheidet an diesem Tisch nicht“, brüllte der Moderator am Dienstag in der ersten Folge des „Nachtduells“ im ZDF. Das kann er nicht ernst gemeint haben. Schließlich leitete er die Diskussion zusammen mit Bodo H. Hauser, mit dem er in „Frontal“ den parteipolitisch unterlegten Streit zum Moderationsprinzip erhoben hatte. Nach zwei Jahren Pause soll das streitbare Duo nun in der achtteiligen Sendereihe „Nachtduell“ mit je zwei Studiogästen die „Schnittlinien“ im Bundestags-Wahlkampf deutlich machen. Dem war sogar das Studiodesign untergeordnet. Der Tisch war geteilt, links vom Spalt saßen Kienzle und der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD), rechts Hauser mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Diese Platzierung entsprach den Kampfaufträgen: Die Moderatoren sollten gar nicht moderat sein, sondern Teil der Auseinandersetzung. Rot gegen Schwarz. Links gegen Rechts. Kienzle provoziert Koch, Hauser provoziert Gabriel. Gern auch laut.
[…]
Selbst die Moderatoren waren hinterher mit dem Auftakt der Serie nicht ganz zufrieden. Mit einem Marktanteil von 10,6 Prozent blieb das erste „Nachtduell“ knapp hinter den Erwartungen und deutlich hinter den Konkurrenten „WM-Fieber“ (Sat 1, 16,7 Prozent), „Quincy“ (RTL, 14,1) und „Tagesthemen“ (ARD, 13,4) zurück. Das Polternde des Abends störte die Moderatoren indes nicht. Kienzle bedauerte nur, dass die Gäste „noch lauter gewesen sind als wir“. Wenn man die Sendung als „gehobenen Stammtisch“ ansehe, wäre er damit einverstanden, sagte Hauser.
Sauer war Hauser allerdings auf Kienzle, weil der sich nicht an den Zeitplan gehalten hatte. Deshalb hatten die Duellanten zum Schluss Themen wie Rente und Spendenskandale in wenigen Minuten durchhecheln müssen. Das soll nächste Woche besser werden. Da geht es ausschließlich um die Wirtschaft. Zu Gast sind der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi und der Rheinland-Pfälzische Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Mal sehen, wer lauter brüllt."
Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.06., ebenfalls zur Auftaktsendung:
" In medias res
Bodo H. Hauser und Ulrich Kienzle standen seit Tagen einander Rücken an Rücken gegenüber wie Kombattanten im Medienzirkus. In den ZDF-Trailern für das „Nachtduell“ wurde die Stimmung von einst beschworen, als die beiden in verteilten politischen Rollen durch das Politmagazin „Frontal“ führten. Nun, so schien es, zogen sie aus, mit aufrechter Gesinnung, den Wahlkampf aufzurütteln. Zur Auftaktsendung vorgestern abend waren der hessische Ministerpräsident Roland Koch und sein niedersächsisches Pendant Sigmar Gabriel geladen, und allein diese Auswahl ließ ahnen, daß man hier allenfalls an die Randzonen des politischen Wettbewerbs reichte. Zur Rechten saßen Koch und Hauser, zur Linken Gabriel und Kienzle. „Diskutiert“ wurde kreuz und quer, es wurde gebrüllt und gebuht. Binnen einer halben Stunde wurde das Zuwanderungsgesetz angerissen, die Tücken der Pisa-Studie erörtert, die Arbeitslosigkeit gestreift und das leidige Rententhema aufgegriffen. In der Kürze der Show lag keine Würze, es war ein Schlagwortabtausch ohne Gewinn. Die Politiker stritten, Hauser fiel ein, Kienzle zog nach. Worte versanken im Plapper-Quartett. Die Waffen dieses Duells waren gestreckte Zeigefinger, nicht rhetorische Finessen."
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 04.07. zu der Sendung, die offenbar verpasst hast:
" Streifschuss
Von Information weit entfernt: das „Nachtduell“ im ZDF
Wer noch einmal an Viva herummäkelt und sich über hilflos in die Kamera kreischende Gören echauffiert, der wird dafür künftig hart bestraft: mit dem quälendsten Programm, das derzeit im deutschen Fernsehen läuft. Damit ist nicht Jackass gemeint, auch nicht die MTV-Freakshow. Es geht um das Nachtduell.
Warum das eine harte Strafe ist? Man muss zusehen, wie sich alte Männer ihres Durchfalls am falschen Körperende entledigen, muss erleben, welch gruselige Auswirkungen es hat, wenn man zu lange am öffentlich-rechtlichen Sender-Tropf gepäppelt wurde und dadurch zur irrigen Annahme gelangt ist, man habe politisch schwer was auf dem Kasten, sei witzig und eloquent. Man muss Bodo Hauser und Ulrich Kienzle beobachten, wie sie Krieg im Sandkasten spielen, mit verbalen Förmchen werfen und ihre Gäste auffordern, doch bitteschön recht kräftig mit dem Schippchen aufeinander einzudreschen.
Normalerweise ist ein Duell eine recht korrekte Angelegenheit. Zwei, die sich aus irgendeinem Grund nicht mögen, bekommen je eine Pistole ausgehändigt, entfernen sich dann gemessenen Schrittes voneinander und versuchen aus vornehmer Entfernung, das Leben des anderen zu verkürzen. Damit keiner der beiden zu früh abdrückt, stehen ihnen Sekundanten zur Seite, die Schnellschüsse verhindern. Was aber tut man, wenn die Sekundanten plötzlich anfangen, wie wild in der Gegend herumzuballern und fortgesetzt auf die Duellanten zu feuern?
Ulrich Kienzle nennt so was Streitgespräch und schert sich nicht darum, dass er früher mal als Journalist galt. Heute gibt er den vermeintlich linken Schnauzer, der Gäste wie den hessischen Ministerpräsidenten Koch (CDU) in der ersten Sendung oder den FDP-Vize-Vorsitzenden Brüderle in der zweiten anpinkelt, während Duellant Hauser versucht, einen nach rotem Blut lechzenden Kampfhund darzustellen, den man auf Niedersachsens Ministerpräsidenten Gabriel (SPD) oder den Berliner Wirtschaftssenator Gysi (PDS) gehetzt hat.
So was entwickelt sich genau so, wie es sich entwickeln soll. Wenn der Rote was sagt, kläfft Hauser in Schreinemakers-ähnlichem Nervensägen-Falsett, und wenn das konservative Gegenüber den Mund aufmacht, faucht Kienzle etwas unter seinem Schnauzer hervor.
Wie bei den Muppets
„Diese Sendung hat ja nun begrenzten Informationscharakter“, erkannte sogar Roland Koch bereits bei der Premiere und machte sich damit des verstärkten Euphemismus-Gebrauchs schuldig. Früher hätte man das Nachtduell vermutlich mit der Muppet-Show verglichen. Heute verbieten sich solche Assoziationen allein schon deshalb, weil ersteres eine ziemlich gruselige Angelegenheit ist, bei der hinterher alle wie tot wirken. Aber es gibt noch ein weiteres Opfer zu beklagen als nur das eitle Quartett im Studio. Auf der journalistischen Strecke bleiben auch Teile der politischen Restreputation des ZDF.
Hans Hoff"
die sendung mit kienzle und hauser habe ich leider verpasst.
Leider? 
Liebe Grüße!
Christopher