Beliebte Nachrichten

Hallo, Freunde des Fernsehens!
Mich nervt da was seit einiger Zeit, und nun möchte ich hier erstmal fragen (u.a. ob ich der einzige bin:
Sind eigentlich bestimmte TV-Serien so „beliebt“, nur weil wir mit sowas überschüttet werden und es leider nichts anderes gibt? (aktuell „dramatisch aktuelle“ „Gerichtsshows“, Talkshows mit „Mutti“ und anderen „psychologischen Beratern“, zB)
Oder weil „die Programmbestimmer“ meinen, sie wären „so beliebt“? Und kuken sich solchen Terror selbst nicht an?
Naja, zum Glück weiß jetzt ja bald auch der zurückgebliebenste „Macho“, wie man ein Kondom richtig aufzieht und was ein Mutterschaftstest ist.
Und sind bestimmte Nachrichten wahrer, nur weil sie oft genug wiederholt, oder auch nur oft genug angedeutet werden? „Anscheinend verlautete aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, daß vermutlich nicht absolut ausgeschlossen werden kann…“
Ist es ein Wunder, daß ich bei bestimmten „sensationellen Nachrichten“ mich nur noch eins frage: „Was soll nun wieder verschleiert werden?“ oder:
„Was wird nun wieder im Weltpropagandaministerium, Zentrale New York ausgeheckt?“
Und wann können wir anner Glotze den ersten völlig computeranimierten Krieg verfolgen? Oder kann man ganz ausschließen, daß wir das nicht schon lange tun?
Haben wir denn auch alle unsere Videokameras immer dabei (falls mal wieder zufällig ne Aufnahme gebraucht wird)?
Immerhin wurden ja schon die Mondexpeditionen einmal ernsthaft als bloße „Computeranimationen“ vermutet.
Ich bin ja man gespannt, welche Spielfilmserien (und bald auch Nachrichten) wir als nächstes „ungeheuer beliebt“ finden sollen!
Der Sender 1Plus (wenn ich mich recht erinnere) hatte das ja schon mal: „wir haben nur gute Nachrichten“; und man könnte meinen, Sat1 läßt die Zuschauer auch auf „bessere Nachrichten“ in der Nacht warten.
Hat eigentlich N24 etwas mit der Bank24 zutun?

Hätte es aber wirklich Sinn, daß möglichst viele von uns das Fernsehen einfach abmelden?

Ich hörte übrigens einmal zufällig, wie ein Interviewter sagte: „Dafür, daß wir das Fernsehen bezahlen, könnten die´ sich aber bald mal mehr einfallen lassen für unser´ Programm!“
und dann der Interviewer „natürlich“ zurückfragte: „Sie? Sie bezahlen das Fernsehen? Bei uns macht das die Werbung?“.
Als wenn das „dumme“ Volk nicht (aus)schließlich die Werbung bezahlte, indem es ihr folgt beim Kauf!!! (wenn es nicht so wäre, wozu machen `die´ denn soviel Werbung, zB über „das allerbeste AOL aller Zeiten“, aber t-online steht da in keinem Maße nach mit seiner affengeilen Mannanimation)?
Aber ich möchte betonen, daß nichts gegen Werbung an sich einzuwenden ist! Wir wollen doch sonst alle „mündige Bürger“ sein, oder?

Da allerdings „Meinungsumfragen“ schwer so durchzuführen sind, daß sie nicht nur vorvermutete Ergebnisse „erheben“ können, und diese Vorvermutungen ja in den Zentren der Meinungsmachung selbst getroffen werden, was haben wir da noch für Chancen?
Oder in anderen Worten: Man kann eine Umfrage immer so gestalten, daß das bestätigt wird, was rauskommen soll.
Da haben viele von uns im „Realen Sozialismus“ ja Erfahrungen sammeln können.
Ist übrigens allen klar, daß 1984 schon längst gewesen ist, inzwischen? Bald 20 Jahre schon! Ethnologic/social Pest-control seems to be already in process, too.

Es wäre immerhin eine Hoffnung, wenn sich hier ein Forum für Skeptiker und Optimisten bilden würde.
Ich bitte um (jeder Art) Kommentare,

moin, manni

Hallo

Sind eigentlich bestimmte TV-Serien so „beliebt“, nur weil
wir mit sowas überschüttet werden und es leider nichts anderes
gibt? (aktuell „dramatisch aktuelle“ „Gerichtsshows“,
Talkshows mit „Mutti“ und anderen „psychologischen Beratern“,
zB)

Irgendein Sender fängt mal mit solch einer Sendung an. Bei den Gerichtsshows war das SACK.1 mit Barbara Salesch. Die war dann so erfolgreich, dass andere Sender Blut geleckt haben und auch solche Shows ins Programm nahmen. Auf die eine Seite kann ich ja schon verstehen, dass ein erfolgreiches Konzept ausgebaut und auch je nachdem von anderen abgekupfert wird. Mich stört nur, dass dann sehr schnell ein völliger Overkill stattfindet, wo die Zuschauer mit sowas dann richtig zugeballert werden. Da dauert es dann meistens nicht sehr lange, bis die Quoten wieder sinken, weil die Leute übersättigt sind.

Oder weil „die Programmbestimmer“ meinen, sie wären „so
beliebt“?

Hat eine Sendung gute und hohe Einschaltquoten, so gilt sie als ‚beliebt‘ und wird dann bis zum Erbrechen abgenudelt. So wird dann das Potential mancher Sendung innert sehr kurzer Zeit verheizt.

Und kuken sich solchen Terror selbst nicht an?

Das ist gut möglich. Sonst würden sie vielleicht ja merken, was für Schrott sie da eigentlich verbreiten…

Naja, zum Glück weiß jetzt ja bald auch der
zurückgebliebenste „Macho“, wie man ein Kondom richtig
aufzieht und was ein Mutterschaftstest ist.

Da ich tagsüber arbeite und somit keine Talkshows sehe (ich würde sie mir aber auch sonst nicht antun…), kann ich da jetzt nicht mitreden… :wink:

Und sind bestimmte Nachrichten wahrer, nur weil sie oft genug
wiederholt, oder auch nur oft genug angedeutet werden?

Nö, wer behauptet sowas?

Ist es ein Wunder, daß ich bei bestimmten „sensationellen
Nachrichten“ mich nur noch eins frage: „Was soll nun wieder
verschleiert werden?“ oder:

Grundsätzlich gilt: Die Nachrichten sind immer ziemlich einseitig. Es kann u.U. helfen, wenn man sich aus verschiedenen Quellen informiert, etwa mehrere Zeitungen liest. Allerdings ist das grad bei TV-Nachrichten IMHO nicht unbedingt möglich. Denn gerade bei der Berichterstattung rund um den 11. September 2001 war eigentlich auf allen Sendern das selbe Material zu sehen, das offenbar global von CNN verkauft wurde…

Und wann können wir anner Glotze den ersten völlig
computeranimierten Krieg verfolgen? Oder kann man ganz
ausschließen, daß wir das nicht schon lange tun?

Und selbst wenn, können wir es denn verhindern?

Haben wir denn auch alle unsere Videokameras immer dabei
(falls mal wieder zufällig ne Aufnahme gebraucht wird)?

Und wenns nicht für die Nachrichten reicht, dann kann man immer noch RTL II für ihre ‚Die Dümmsten…‘-Sendungen damit versorgen. Dort frage ich mich manchmal nämlich schon, wo alle diese Filme herkommen…

Immerhin wurden ja schon die Mondexpeditionen einmal
ernsthaft als bloße „Computeranimationen“ vermutet.

Computeranimation nicht. Aber als Betrug und Hollywood-Inszenierung.

Hat eigentlich N24 etwas mit der Bank24 zutun?

Wie kommst Du auf diese Idee?

Hätte es aber wirklich Sinn, daß möglichst viele von uns das
Fernsehen einfach abmelden?

Wenn Du den TV-Anschluss bei der GEZ (so heisst doch die deutsche Gebührenvernichtungszentrale?) abmeldest, hat das vielleicht einen gewissen Einfluss auf ARD, ZDF und andere öffentlich-rechtliche Sender. Aber auf SACK.1, KLO7 und Konsorten hat das keinen Einfluss, da die ja keine Gebühren kassieren, sondern sich über die Werbung finanzieren.

Als wenn das „dumme“ Volk nicht (aus)schließlich die Werbung
bezahlte, indem es ihr folgt beim Kauf!!!

Ich denke, der Einfluss der Werbung auf das Kaufverhalten wird insgesamt überbewertet. Und die heutige Werbeflut sorgt zumindest bei mir in einigen Fällen dafür, dass ich diverse Artikel, die so beworben werden, nicht kaufe. Dass die Werbung also genau das Gegenteil dessen erreicht, was geplant war.

(wenn es nicht so
wäre, wozu machen `die´ denn soviel Werbung, zB über „das
allerbeste AOL aller Zeiten“, aber t-online steht da in keinem
Maße nach mit seiner affengeilen Mannanimation)?

Mich würde ja mal interessieren, ob die Produzenten von ‚Max Headroom‘, bzw. die Inhaber des Copyrights auf diese Serie/Figur/etc. von diesem Billig-Abklatsch wissen. Ob T-Offline für diese Verhunzung bezahlt hat?

Aber ich möchte betonen, daß nichts gegen Werbung an sich
einzuwenden ist! Wir wollen doch sonst alle „mündige Bürger“
sein, oder?

Werbung an sich ist durchaus in Ordnung. Was mich stört, sind hauptsächlich zwei Dinge: Die Menge und die Platzierung. Fällt den zuständigen Eumeln wirklich nichts anderes ein, als das amerikanische Konzept der Unterbrecherwerbung zu kopieren? Und müssen die eigentlich immer die Werbepausen dort platzieren, wo sie absolut nicht hin gehören? Gerade US-Serien haben bei Szenenwechseln teilweise Schwarzblenden. Dort müsste der Werbeblock platziert werden. Aber nein, sie klemmen lieber mitten in einer Szene, wenn möglich noch mitten im Satz einer Figur ab…

Da allerdings „Meinungsumfragen“ schwer so durchzuführen
sind, daß sie nicht nur vorvermutete Ergebnisse „erheben“
können, und diese Vorvermutungen ja in den Zentren der
Meinungsmachung selbst getroffen werden, was haben wir da noch
für Chancen?

Traue keiner Statistik, die Du nicht eigenhändig gefälscht hast.

Was man selber tun kann: Sich die Sendungen, die man im TV anschauen will, vermehrt gezielt aussuchen (das TV-Programm studieren, bevor man den TV anwirft…). Sendungen, die einem nicht gefallen, konsequent meiden. Vermehrt die qualitativ besseren Sendungen der ö-r-Sender ARD, ZDF und den Dritten schauen. Ansonsten Video, DVD oder wieder mal lesen…

CU
Peter

Lachen lassen
Lieber Peter, danke für deinen erfrischenden beitrag.
Beim Lesen fiel mir ein, was ich eigentlich ursprünglich „nur“ kundtun wollte: Daß mir immer öfter das Lachen erstirbt beim TV kuken. Braucht man schaman auch gar nich mehr selber, lachen!
Auch was das aussen Staaten hier zu uns rübergeschlacht iss.
Ich hörte, die da drüben sollen ja auch gar nichmehr selber joggen. Sie lassen joggen.
So wie hier einst die andere bescheuerte Werbung fürn best. Programmheft: „Was, Sie suchen noch selbst? Ich lasse suchen!“
Wär das nicht aber ne ganz neue Berufschance?
„Lachfachkraft“, oder gleich „diplomierte Fachlacherin“???
Gibs bloß keine Einzelhandlungslachfachkraft.
Das fing glaubich mit „Hörmal, wer da hämmert“ an, be eigentlich sonst ganz lustige Sendung. Aber, wenn ich lachen müssen soll, schalt ich schon wieder wech.
Stefan Raab hat sich zum Glück noch nicht ganz abgeschliffen, und zum Glück gibt es immer noch genug wissenschaftliche Dokus, auchnoch solche, wo nicht offenkundig moderne Schauspieler anscheinende Affen auch noch nachen.
Bei dieser Gelegenheit aber doch noch ein sehr herzliches "Danke Anke, und danke deren Name ich mal wieder vergessen habe, aussen 7Kopftagen.

moin und tschüß, manni

ZUSATZ nach 1tem posten: Ganz besonders ätzend ist doch die zunehmende „psychologische Betreuung“ der Talkshows durch Mutti und professionelle Seelenklempner (v.a. nachmittags; ich bin übergens frühpensioniert mit viel Leerlauf, wenn ich nicht ein mathematisches oder sprachwissenschaftliches Problem am bearbeiten bin oder am PC sitze).
Die Gerichtsshows haben ja auch v.a. einen „erzieherischen Aspekt“.
Fußt dieser Art Masochismus des Zuschauers eigentlich auch auf eine Meinungsumfrage?

Das Programm wird nicht vom Fernsehmacher gemacht,
sondern vom Zuschauer. Kaum eine Branche ist so hemmungslos verbraucherorientiert wie das Fernsehen. Dabei geht es nicht darum, was der Verbraucher braucht oder will, sondern darum, was der Verbraucher akzeptiert. Darauf ist ein großer Teil der Medienlandschaft ausgerichtet: ein Programm zu entwickeln, daß durch Inhalte und Aufmachung nur noch soweit polarisiert, daß der Großteil der Konsumenten trotz einer Gegenhaltung zum Format am Bildschirm bleibt. Soll heissen: viele Menschen mögen keine Talkshows, gucken aber trotzdem Oliver Geissen wegen des symphatischen Moderators. Andere Leute mögen Oliver Geissen nicht, wollen aber unbedingt die deftigen Wortduelle der Gäste hören. Mit simpler Tabulosigkeit - Stichwort Nils Ruf oder Jackass - erreicht man immer nur Randgruppen, und die auch nur für eine kurze Zeit. Dem dauerhaften Erfolg einer Sendung geht also zwangsläufig die Abflachung der Inhalte und des Überbringers voraus, um eine kritiklose, möglichst homogene Gruppe an Zuschauern zu gewährleisten.

Soweit die Theorie. Doch auch in der Praxis bleibt das Prinzip bestehen: der Zuschauer ist und bleibt kritiklos. Er erkennt, daß die stupide kopierte Quizflut für weniger Qualität im TV-Bereich
sorgt, zieht aber nicht die Konsequenz daraus, ganz anderen Formaten den Vorzug zu geben, um eine andere Gewichtung des Programms zu schaffen - sondern wechselt lediglich zum Branchenprimus Jauch und signalisiert damit noch immer sein grundlegendes Interesse am Format „Quiz“. Und bereitet den Unterhaltungsredaktionen anderer Sender wieder den Weg für weitere Kopien aufgrund des Formaterfolges.

Wie das weitergeht, kann ich nicht vorhersehen. Fakt ist wie gesagt nur, daß das Fernsehen sehr viel verbraucherorientierter handelt als andere Branchen. Gleichzeitig analysiert es seine Verbraucher sehr genau. Und das heisst: durch Akzeptanz oder Nichtakzeptanz schafft der Kunde sein Programm selbst - sei es nun qualitativ gut oder schlecht.

Gruss, Joachim