Hi!
ich nehme mal an, ihr kennt beide die DDR nur aus dem
Fernsehen und nicht aus eigener Erfahrung…
Ich bin nicht in der DDR geboren oder dort aufgewachsen. Allerdings war ich häufig in der DDR, um Freunde zu besuchen (in den 80ern).
Mein Vater (gebürtiger Westler) war ein halbes Jahr in einem DDR-Gefängnis, weil er angeblich einen Verkehrsunfall verursacht haben soll (was aber nicht stimmte).
Zwei Freunde von mir (aus dem Westen) sind an der DDR-Grenze verhaftet worden - einer bei der Einreise am Grenzübergang Marienborn, der andere bei der Ausreise in Berlin Bahnhof Friedrichstraße - beide wegen absoluter Marginalien (angebliches Devisenvergehen, angebliche Beleidigung der Grenztruppen der DDR). Gottseidank waren beide am nächsten Tag wieder frei.
Nicht alles dort war so schlecht, wie es jetzt dargestellt
wurde (von euch). Ich bin dort aufgewachsen und bin der festen
Überzeugung, dass ich eine bedeutend bessere Ausbildung
bekommen habe, als ich sie im Westen bekommen hätte. Und ich
habe eine tolle Kindheit gehabt und eine sehr schöne
Jugendzeit.
Kann Euch das gerne per mail auseinanderklamüseren, will hier
keine Romane schreiben.
Niemand bestreitet das.
Es geht nur darum, dass ein Prozess in unserer Gesellschaft (und in den Medien) einsetzt, der absolut identisch zum Verhalten der Leute in Deutschland in den 50ern ist. Das fing damals an mit „Hitler hat uns immerhin die Autobahn und den Käfer gebracht“, setzte sich fort über die „Heldentaten deutscher Soldaten in Feindesland“ (die 08/15-Romane, die Verklitterung durch Konsalik & Co, den reißenden Absatz von „Landser“-Heftchen) und reichte bis zu jenen Sprüchen gegenüber Jugendlichen, die sich für Rock’n’Roll oder später die Beatles begeisterten („unter Hitler hätte man so etwas wie euch weggesperrt oder gleich vergast“).
Mittlerweile sind wir doch schon wieder so weit, dass sich Wessis wie Ossis die Mauer samt Todesstreifen und Schießbefehl zurückwünschen.
Wie gesagt: ein paralleler Entwicklungsprozess zu den Jahren nach dem Dritten Reich. Völlig faszinierend.
Und ja, auch meine Eltern und Großeltern haben mir erzählt, dass es unter den Nazis eine tolle Kinder- und Jugendzeit gab. Ändert das irgendwas?
Grüße
Heinrich