Synchronisationen

Hallo,

ich möchte ein ganz allgemeines Thema zur Sprache bringen. Als Österreicher wächst man ja quasi mit Synchronisationen auf. Im Kino, im Fernsehen, sogar auf PayTV-Kanälen herrscht Synchronisation vor. Seitdem ich in Israel lebe, ist natürlich Schluß damit. Ich *kann* natürlich immer noch synchronisierte Filme sehen (Satellit, Emule), aber dann eben nur im einsamen Kämmerchen, was auch nicht der Bringer ist. Also sehe ich seit 3 Jahren alles nur mehr Englisch. Jetzt bin ich mal wieder in österreichischen Landen und habe sozusagen die Auswahl. In den letzten Tagen habe ich extrem viele Filme geguckt (Feiertage und Kranksein… diese Mischung…!). Oft hab ich auch beide Versionen gesehen. Synchronisiertes Kino ist ja so bequem. Man braucht nicht genau zuzuhören, es plätschert so dahin. Aber jedesmal habe ich mich hinterher geärgert, wenn ich dann die echte Version gesehen habe. Die Stimmung ist stärker, die Schauspielerei authentischer, Wortspiele tauchen plötzlich auf, die vorher nicht da waren, und so tolle Sätze wie „Bevor was?“ stoßen einem ungut auf. Klar ist Originalsprache anstrengender. Man muß zuhören. Ich benutze meistens Kopfhörer. Ab und zu entwischt einem ein unbekanntes Wort. Passiert. Aber im Endeffekt finde ich Synchronisation eine Vergewaltigung des Films. Was denkt ihr darüber?

Viele Grüße
datafox

Hi datafox

Wenn man keinen Vergleich hat gehen synchronisierte Filme :wink:
So die großen Kinofilme hör ich mir in dt. wie auch in engl. gerne an.
Ein deutscher Film kommt in deutsch auch irgendwie besser rüber als in Englisch.

Als Animefan seh ich zu 90% die Trickfilme in Japanisch (versteh da grad mal 20%:wink: mit engl Untertiteln und würd das nie gegen eine dt. Sync eintauschen. Auch wenn das Lesen oft nervt.

Aber wenn man ohne Vergleich schon merkt wie schlecht synchronisiert wurde versaut das den ganzen Film. Das kann schon bei der falschen Stimme anfangen. Da blieb mir ‚Das Netz‘ mit Sandra Bullock im Gedächtnis haften. Als ich ihre dt. Stimme im Kino hörte hats mir fast die Nägel hochgerollt :wink: Furchtbar piepsig.
Sonst hat sie eine andere, bessere.

MfG

Hi datafox.

Ich denke ein wenig anders darüber:

Sicher, eine schlechte Synchro kann einem vieles vermiesen.
Aber andererseits kann eine gute den Film auch durchaus verbessern.
Ich denke da z. B. daran, dass „Ausländer“ in englischsprachigen Filmen (z. B. böse Russen und ähnliche Klischeefiguren) grundsätzlich mit Akzent zu sprechen haben.
In den deutschen Versionen bleibt man oft davon verschont (z. B. kam innerhalb der James-Bond-Reihe der erste „Russe“ mit Akzent erst im 15. Film vor).
Auch nicht-englischsprachige Schauspieler und Schauspielerinnen haben zuweilen (ungewollt) eine grausige englische Aussprache.
Und eins solltest Du nicht vergessen:
Mitunter gehen auch Leute in’s Kino, die der englischen Sprache einfach nicht mächtig sind (nicht nur Kinder).
Sollen die etwa vom Filmvergügen ausgeschlossen bleiben?

cu

hallo,

Ich denke da z. B. daran, dass „Ausländer“ in
englischsprachigen Filmen (z. B. böse Russen und ähnliche
Klischeefiguren) grundsätzlich mit Akzent zu sprechen haben.

ja, und in miesen filmen sprechen sie sogar untereinander (!) auf englisch mit (fake) akzent *lol*. aber miese filme interessieren mich ja gar nicht… in guten filmen haben alle charaktere ihren „natürlichen“ akzent. robert de niro wird zb. NIE mit akzent synchronisiert! das finde ich schade. ich mag sein englisch. manchmal faken schauspieler auch einen akzent, damit die rolle stimmt. war „chocolat“ zb. auf deutsch mit frz. akzent? ich fand das süß und es paßte.

Auch nicht-englischsprachige Schauspieler und
Schauspielerinnen haben zuweilen (ungewollt) eine grausige
englische Aussprache.

na und? mich stört das komischerweise nicht. es ist authentisch. sogar schwarzenegger finde ich richtig sympathisch, wenn er spricht wie er eben spricht.

schlimm ist auch, wenn deutsches deutsch drübersynchronisiert wird, damit es „korrekt“ klingt. afaik ist das bei „der pianist“ so, den ich mir synchronsiert auch ganz fürchterlich vorstelle.

Mitunter gehen auch Leute in’s Kino, die der englischen
Sprache einfach nicht mächtig sind (nicht nur Kinder).
Sollen die etwa vom Filmvergügen ausgeschlossen bleiben?

es gibt doch untertitel.

viele grüße
datafox

hi,

Ein deutscher Film kommt in deutsch auch irgendwie besser
rüber als in Englisch.

ja, allerdings. wir haben auch einige deutsche filme gesehen, mit englischen untertiteln (mein freund und seine freunde verstehen kein deutsch), zb. „der tunnel“. da sind soviele feine sprachnuancen drin, zb. der unterschied zwischen regionalen dialekten, die alle badengehen würden, wenn der film auf englisch (o graus) wäre. klar, wenn jemand gar nicht deutsch versteht, kriegt er nix davon mit. aber ich habs ihnen halt erklärt „der ist schweizer, der benutzte jetzt ein slangwort“ usw.

Das kann schon bei der falschen Stimme anfangen.

am schlimmsten finde ich star trek, aber das ist meine persönliche meinung. der doctor in voyager ist auf deutsch ein ganz anderer charakter.

gruß
datafox

Hi

Auch nicht-englischsprachige Schauspieler und
Schauspielerinnen haben zuweilen (ungewollt) eine grausige
englische Aussprache.

na und? mich stört das komischerweise nicht. es ist
authentisch. sogar schwarzenegger finde ich richtig
sympathisch, wenn er spricht wie er eben spricht.

Ich war mal vor Jahren mit einer Freundin in Frankreich und wir wollten unbedingt ins Kino gehen. Unsere Sprachkenntnisse waren nicht sonderlich hoch also haben wir uns Jenseits von Afrika angesehen, den wir beide kurz vorher gesehen hatten und daher wußten worum es ging.
Als Klaus Maria Brandauer „französisch zu sprechen“ begann, wäre ich vor Lachen fast vom Sessel gefallen. Die Stimme paßte so überhaupt nicht zu ihm. Robert Redford hatte eine ähnliche Stimme als die gewohnte. Aber Brandauer war einfach nicht mehr Brandauer auf französisch.
Ja, ich weiß auch Robert Redford spricht nicht wirklich deutsch *g*

Mitunter gehen auch Leute in’s Kino, die der englischen
Sprache einfach nicht mächtig sind (nicht nur Kinder).
Sollen die etwa vom Filmvergügen ausgeschlossen bleiben?

es gibt doch untertitel.

Naja, wenn ich ins Kino gehe, will ich einen Film genießen und nicht lesen. :wink:
Ich finde daher DVD ganz praktisch, da hat man die freie Auswahl, der Sprache und der Untertitel und kann man sogar während des Filmes wechseln.

Gruß
Edith

hi,

Ich war mal vor Jahren mit einer Freundin in Frankreich und
wir wollten unbedingt ins Kino gehen.

du meinst, daß auch in frankreich synchronisiert wird? oder hab ich das flacsh verstanden?

Naja, wenn ich ins Kino gehe, will ich einen Film genießen und
nicht lesen. :wink:

hmmm… ich weiß nur eins: hätte ich ringu synchronisiert gesehen, hätte ich es nicht genossen. die sprache japanische gehörte zum flair irgendwie dazu. aber es stimmt, daß es anstrengend ist, wirklich ALLES lesen zu müssen. zum glück sind solche filme ja doch eher selten :wink:

Ich finde daher DVD ganz praktisch, da hat man die freie
Auswahl, der Sprache und der Untertitel und kann man sogar
während des Filmes wechseln.

ja, das finde ich auch! bei DVDs setze ich meistens durch, daß der englische gehörlosenuntertitel läuft (und nicht der hebräische), denn a) davon haben alle was b) er verwirrt nicht durch 2 sprachen gleichzeitig im kopf und c) man übt das verstehen, denn lesen ist immer noch leichter als verstehen, vor allem bei dialekten usw.

viele grüße
datafox

Hi datafox

Ich war mal vor Jahren mit einer Freundin in Frankreich und
wir wollten unbedingt ins Kino gehen.

du meinst, daß auch in frankreich synchronisiert wird? oder
hab ich das flacsh verstanden?

Jenseits von Afrika war damals französisch synchronisiert. Ob es generell so gehandhabt wird, kann ich aber nicht sagen. Ich könnte es mir aber vorstellen, da die Franzosen sehr viel Wert auf ihre Sprache legen.

Gruß
Edith

Hi datafox!

am schlimmsten finde ich star trek, aber das ist meine
persönliche meinung. der doctor in voyager ist auf deutsch ein
ganz anderer charakter.

Da stimme ich dir zu!
Obendrein ist die Übersetzung meistens mehr als albern. Wenn die Amerikaner z.B. das Wort „stay“ benutzen, wird das bei uns mit „verweilen“ wiedergegeben - so redet doch niemand mehr!
Dass sich dicke Freunde wie Tom und Harry siezen, ist auch ziemlich dämlich. Da hat wohl jemand nur das Script bekommen, sonst müsste man solches Feingefühl doch besitzen?

Ich würde sagen, es gibt gute und schlechte Übersetzungen und gute und schlechte Synchronisation.
Schauspieler wie Kevin Costner können doch z.B. herzlich froh über ihre neue Stimme sein! :smiley:
Und ehrlich gesagt, Tom Hanks, Kevin Kline und Jim Carrey finde ich mit „unseren“ Stimmen sogar noch ein wenig lustiger als im Original.

Im Moment stört es mich, dass manche Stimmen so inflationär eingesetzt werden. David Nathan z.B. spricht, glaube ich, in jeder laufenden Serie eine Rolle. Und das KANN einfach nichts mehr Ähnlichkeit zu tun haben. ;o)

Liebe Grüße
Silke

Moin moin,

es gibt doch untertitel.

Auch da gibt es bei der Aufnahmefähigkeit Grenzen. Meine Liebste ist ein Fan der Extras auf diversen DVDs. Aber z. B. bei der LOTR-TTW SEE (ich liebe diese Kürzel) war sie bei den Extras häufig einfach vom Tempo (gleichzeitiges Sehen und Lesen) einfach überfordert. Das hat (speziell bei ihr) nichts mit Dummheit zu tun, einfach mit einer anderen Art der Wahrnehmung. Sie (und ich auch) könnte einen Film mit Untertitel nicht so „erleben“ wie einen synchronisierten.

Also neben der Ausstrahlung von OmU, die durchaus ok sein kann, wäre einfach ein wenig mehr Investition in die Drehbuchsynchro des Films vielleicht besser, um die von Dir genannten Vorteile auch in der Übersetzung zu erleben.

Gruß

ALex

P.S.: manche Klassiker in der Fehl-Synchro sind dann schon fast lustig (Terminator 2: „ich habe ein neutrales Gehirn“ gemeint war „neuronal“; kenn die Szene selbst nicht, hab sie nur erzählt bekommen, ist das wirklich so?)

Sprachverständnis
Hallo zurück,

da steckt natürlich eine Industrie dahinter *g*. In D leben eine Menge Leute davon. ich finde es aber auch schön, mir DVDs im Original anzuschauen, meine Holde hat dazu gerne Untertitel.

In den Niederlanden z.B. wurde aber früher (war länger nicht da, weiss nicht ob das heut noch so ist) fast immer nur OmU gezeigt, ein Friese erklärte mir damals, die Holländer als alte Seefahrernation seien sprachbegabt und an Neuem interessiert. Dadurch, dass man die Originalsprache zumindest mithört, steigt das Sprachverständnis (meins jedenfalls). In Deutschland wird das m.E. in der Sprachfrühentwicklung völlig unterschätzt und hat bisher leider kaum Einzug in die Medienwelt gehalten.

In der „Sendung mit der Maus“ - http://www.die-maus.de - wird der Inhalt immer zuerst auf deutsch, und dann wiederholt in einer Fremdsprache angesagt. Mein Sohn kann aufgrund des Sprachklangs
inzwischen zumindest zwischen romanischen, skandinavischen, germanischen und slawischen Sprachen unterscheiden, und ich habe dort auch erst eine Sprache gehört, die ich überhaupt nicht einordnen konnte (schon mal mongolisch gehört?).

In der Sache mit den Wortspielen gebe ich dir recht, viele Nuancen und Gags verpuffen, weil auch hier gespart wird.

Für die Zukunft wünsche ich mir mehr OmU-Filme oder reine Originale im Fernsehen, ansonsten gibt es ja noch die „Mediathek“ wie das hier neudeutsch neuerdings heisst. Außerdem gibt es für mich noch Arte, den D-F-Sender mit Sitz in Strassbourg.

So long

MainBrain

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Datafox

ich möchte ein ganz allgemeines Thema zur Sprache bringen. Als
Österreicher wächst man ja quasi mit Synchronisationen auf. Im
Kino, im Fernsehen, sogar auf PayTV-Kanälen herrscht
Synchronisation vor.

Hier in der Schweiz ist das etwas anders. Im Kino (ich kenne hauptsächlich die Situation in Zürich) werden Filme überwiegend OmU gezeigt. Synchronisierte Fassungen gibts teilweise nur in den Nachmittags-Vorstellungen bzw. wenn ein Film in 3 Kinos zugleich läuft (Blockbuster), dann läuft er in einem auf deutsch.

Im TV wird zwar vorwiegend deutsch synchronisiertes gezeigt. Aber mitunter gibts Ausnahmen, z.B. wurden ‚Cast Away‘ und ‚Tomb Raider‘ (Cast Away auf SF 1 und gleichzeitig Tomb Raider auf SF 2, was rein programmplanerisch IMHO ein Unfug war. Aber das ist ein anderes Thema…) jeweils im Zweikanalton gezeigt.

Ausserdem zeigt SF 1 jeweils am Dienstag gegen Mitternacht Krimiserien (zunächst CSI Staffeln 1 und 2, dann The District, danach CSI Staffel 3 und nun Monk) im Zweikanalton.

Zudem können wir das Fernsehen der welschen (französischen) und das der italienischen Schweiz empfangen. Und die bringen auch gewisse Sachen im Zweikanalton. Etwa habe ich schon ein paar Folgen von Columbo auf diesem Weg im Original sehen können.

Wenn dann z.B. auf TSR 1 (französisch) eine deutsche Krimiserie wie Derrick im Zweikanalton gezeigt wird, ist das schon irgendwie seltsam. Derrik auf französisch? Ich weiss nicht… :wink:

Jedenfalls finde ich es schön so. Noch schöner wäre es, wenn am TV mehr Filme und Serien im Zweikanalton gezeigt würden. Damit man nach Bedarf und so Synchro oder eben Originalton schauen kann.

Zur deutschen Synchronisation allgemein: Ok, mitunter sind die Stimmen nicht immer ganz passend. Und es gibt Fehler in der Synchro, sei es unübersetzbares oder eher wegen Schlamperei. IMHO ist jedoch zumindest was den gesamten Klang betrifft, die deutsche Synchro jeweils am besten. Die Gesamtatmosphäre bleibt besser erhalten, weil die Umgebungsgeräusche noch vorhanden sind. Bei französischen oder speziell italienischen Synchros finde ich, klingt es oftmals steril. Teilweise fehlen die Umgebungsgeräusche, teilweise klingt der Dialog wie wenn die Sprecher in einer kleinen Box sitzen würden, auch wenn die Figuren im Film auf der Strasse sind…

CU
Peter

hallo,

In
Deutschland wird das m.E. in der Sprachfrühentwicklung völlig
unterschätzt und hat bisher leider kaum Einzug in die
Medienwelt gehalten.

das englischwissen ist generell in ländern ausgeprägter, in denen nicht synchronisiert wird. da ist schon was dran.

gruß
datafox