16mm für Fernsehproduktionen

Hallo,

habe kürzlich gelesen, daß die erfolgreichste deutsche Actionserie „Alarm für Cobra 11“ von der Firma Action Concept im 16mm-Format gedreht wird. Dies verwundert mich - ich dachte, 16mm sei längst passé für aufwändigere Fernsehproduktionen? Ich erinnere mich noch an alte, fürchterlich vergrieselte Serien aus den 70ern (u.a. Tatort), die mit 16mm abgedreht wurden. In den USA war zu dieser Zeit schon längst 35mm auch für Fernsehserien Standard. Da auch das handwerkliche Niveau der Amis höher war, sind diese Serien noch heute ansehbar und werden es auch mit HDTV sein - erkennt jeder, der sich US-Serien aus den 60er/70er-Jahren anschaut.

Das Filmmaterial ist natürlich mit den Jahren besser geworden. In welchem Umfang wird das 16mm-Format heute noch (oder wieder) für Produktionen genutzt (Serien und Werbung)? Scheinbar hat es einen Qualitätssprung gegeben. Nimmt man heute extrem feinkörniges Material? Wird generell nur noch mit Super 16 gearbeitet und kommt die bessere Qualität dadurch zustande, daß man das Negativ digitalisiert und nachträglich optimiert?

Vielen Dank für Hinweise!

Hi.

Wird generell nur noch mit
Super 16 gearbeitet und kommt die bessere Qualität dadurch
zustande, daß man das Negativ digitalisiert und nachträglich
optimiert?

Nein, wenn man das Negativ direkt digitalisieren würde, sähe das schrecklich aus. Von dem Negativ wird erst einmal eine Kopie gezogen, die dabei aufwändig, Szene für Szene, in Farbe und Dichte korrigiert wird. Für die spätere Fernsehausstrahlung wäre das eine sogenannte Low-Contrast-Kopie, die den sehr anspruchsvollen Spezifikationen der deutschen Fernsehsendern entsprechen muss. Diese Kopie wird dann abgetastet und digital nachbearbeitet. Mit Filmmaterial arbeitet man, weil es immer noch höherwertig aussieht, als wenn man direkt auf Video produzieren würde.

Ich hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, mit der Abtastung einer Arbeitskopie, also einer nicht in Farbe und Dichte korrigierten Kopie, einer Folge der Serie SK Kölsch arbeiten zu müssen, die ebenfalls auf 16mm gedreht worden war. Das sieht dann so aus, als hätte der Super-8-Filmclub Sauerland-Nord sich an einem Krimi versucht.

lemmy

Danke für die Antwort - da habe ich ja einen Fachmann erwischt! Aber ist 16mm bzw. Super 16 nicht ein fragwürdiger Kompromiss? Warum arbeitet man in Europa nicht auch mit 35mm wie in den USA? Okay, der Verbrauch an Filmmaterial ist natürlich höher - allersdings wird das Produktionsbudget von anderen Posten vermutlich weit mehr in Mitleidenschaft gezogen (Produktionsvorbereitug, Personal, Anmietung Locations, Produktionsnachbereitung etc.). Das Equipement für 35mm kann so gewaltig teuer auch nicht sein als das für 16mm - bedenkt man, daß hiervon ohnehin nur die Kamera betroffen ist und die andere Technik (Licht, Kräne, Dolly) gewissermaßen „formatunabhängig“ sind. Bei kostenträchtigen Actionserien am Filmmaterial sparen zu wollen, finde ich etwas eigenartig?!

Noch eine Nachfrage: Mit was für Filmmaterial (Hersteller, ISO) wird gängigerweise für Außenszenen bei Tageslicht gearbeitet?

Gruß

Nein, wenn man das Negativ direkt digitalisieren würde, sähe
das schrecklich aus. Von dem Negativ wird erst einmal eine
Kopie gezogen, die dabei aufwändig, Szene für Szene, in Farbe
und Dichte korrigiert wird. Für die spätere
Fernsehausstrahlung wäre das eine sogenannte
Low-Contrast-Kopie, die den sehr anspruchsvollen
Spezifikationen der deutschen Fernsehsendern entsprechen muss.
Diese Kopie wird dann abgetastet und digital nachbearbeitet.
Mit Filmmaterial arbeitet man, weil es immer noch höherwertig
aussieht, als wenn man direkt auf Video produzieren würde.

Ich hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, mit der Abtastung
einer Arbeitskopie, also einer nicht in Farbe und Dichte
korrigierten Kopie, einer Folge der Serie SK Kölsch arbeiten
zu müssen, die ebenfalls auf 16mm gedreht worden war. Das
sieht dann so aus, als hätte der Super-8-Filmclub
Sauerland-Nord sich an einem Krimi versucht.

lemmy

Hi Michael,

Aber ist 16mm bzw. Super 16 nicht ein fragwürdiger
Kompromiss?

Ein Kompromiss: ja, fragwürdig: nein. Das Ergebnis mit 16mm-Film kann sich sehen lassen. Der Markt für amerikanische Serien ist naturgemäß größer, daher fällt dort das Einspielergebnis üppiger aus.

Das Equipement für 35mm kann
so gewaltig teuer auch nicht sein als das für 16mm - bedenkt
man, daß hiervon ohnehin nur die Kamera betroffen ist und die
andere Technik (Licht, Kräne, Dolly) gewissermaßen
„formatunabhängig“ sind.

Nö, davon ist keineswegs nur die Kamera betroffen - die ganze Produktion würde deutlich teurer: Kamera, Material, Negativentwicklung, Arbeitskopien, Anmietung der Sichträume, Rohschnitt, die erwähnte Farb- und Dichtekorrektur, die Abtastung - das alles kostet bei 35mm-Material um Klassen mehr.

Noch eine Nachfrage: Mit was für Filmmaterial (Hersteller,
ISO) wird gängigerweise für Außenszenen bei Tageslicht
gearbeitet?

Auf dem Gebiet kenn ich mich leider nicht aus, ich bin mit dem Krempel eigentlich immer erst in Berührung gekommen, wenn’s schon im Kasten war. Aber so weit ich weiß gibt es da dicke Kladden mit Tabellen und Grafiken, die erläutern, welches Material sich unter welchen Bedingungen wie verhält. Von „gängigerweise“ kann, glaube ich, keine Rede sein.

Viele Grüße,

lemmy