Liebe Kosmokatze,
ich habe diesen Film leider nicht gesehen, weil ich kein Kino fand, dass in meiner Nähe den Film gezeigt hat. Oder ich habe es übersehen. Hätte ihn nur zu gern gesehen. Ich kann dir nicht die Reaktion des Kamels erklären, aber ich habe in der Woman (Ausgabe 27.01.04, Nr. 4)ein Interview gelesen, das ich dir auszugweise abgeschrieben habe. Ich hoffe dir hilft es bisschen.
Gruß Tamina
Kamel goes Hollywood
Es sollte der Film für die Abschlussprüfung werden und ist nun der Überraschungserfolg in unseren Kinos. Die Mongolin Byambasuren Davaa und der Italiener Luigi Falorni, beide 32 und Filmstudenten in München, erzählen ein Märchen, das wahr ist. Die Mongolei reichte ihren Film für den Auslands-Oscar ein.
Woman: Kann ein Kamel echte Tränen vergießen?
Byambasuren Davaa: Ich weiß nur, dass es passiert ist. Manipulieren kann man so etwas nicht, Kamele sind viel zu aggressiv. Aber wenn sie eine ganz bestimmte Melodie auf einer Geige vorgespielt bekommen, werden sie seltsam ruhig. Verfallen in eine Art Trance und die Tränen laufen. Und ist die Kamelmutter ruhig, nähert sich das verstoßene Fohlen und kann trinken.
W: Funktioniert das Ritual nur bei Kamelen?
B. D.: Auch bei Schafen und Ziegen, die ihre Jungen zunächst nicht annehmen wollen. Allerdings weinen diese Tiere nicht.
W: Sind Sie bei Nomaden aufgewachsen?
B. D.: Nein, ich habe aber Nomaden in der Familie. Im Sommer war ich oft bei meinen Großeltern und habe mit in ihren Jurten, den mongolischen Zeiten, gewohnt. Ich bin in Ulan-Bator, der Hauptstadt der Mongolei, groß geworden und habe dort erst Jura und dann Film studiert.
W: Wie entstand der Kamelfilm?
B. D.: Ich hatte als Kind einen Dokumentarfilm über das Hoos-Ritual gesehen. Ich kann mich gut erinnern. Wie ich laut geweint habe, wohl aus Mitleid mit dem verstoßenen Fohlen. Ich habe meinen Studienkollegen Luigi Falorni gefragt, ob wir den Film nicht zusammen machen wollen.
W: Wie findet man Geldgeber für so ein ungewöhnliches Unternehmen?
B. D.: Es hört sich blöd an, aber: mit jenem Video aus der Mongolei. Meine Freunde dort haben das alte Band mit den Kameltränen aufgetrieben.
W: Dann mussten Sie noch ein weinendes Kamel finden.
B. D.: Ich war mit Luigi im Januar 2002 im Süden der Wüste Gobi. Wir brauchten eine Nomadenfamilie mit einer großen Kamelherde. In diesem Jahr war es schrecklich kalt, bis zu minus 53 Grad. Da gab es so gut wie nichts zu fressen für die Tiere. Als wir schon fast aufgegeben wollten, fanden wir die Amgaas: Die neunköpfige Familie lebt in vier Generationen zusammen, verteilt auf drei Jurten. Und sie hatte eine Herde mit 20 trächtigen Kamelstuten!
Wir flogen sofort zurück nach Deutschland, organisierten ein Team und flogen dann wieder nach Ulan-Bator. Wegen eines Schneesturms waren allerdings alle Flüge in die Wüste gestrichen, wir mussten in russischen Jeeps 26 Stunden bis in die Wüste fahren. Als wir ankamen, hatten einige Kamelstuten bereits geworfen.
Sieben Wochen lebten wir im Camp. Es gab kein fließendes Wasser, keine Toilette und starke Temperaturschwankungen. Einer nach dem anderen wurde krank – Durchfall, Fieber, Erkältung. Aber dann hatten wir Glück: Eine Kamelmutter verstieß nach der Geburt tatsächlich ihr Fohlen, und wir filmten die Familie bei der Suche nach einem Geigenspieler.
W: Wie erlebten Sie den Augenblick, als die Kamelmutter Tränen vergoss?
B. D.: Wir waren zu sehr auf die Kamera konzentriert, um in diesem Moment etwas zu fühlen. Aber als Mutter und Kind sich näher kamen und das kleine, weiße Kamel bei der Mutter trinken durfte, wurde ich euphorisch