Sind alle Sender gleich

Hi @ all

nachdem ich ja nun eher durch Zufall auf dieses Brett aufmerksam gemacht worden bin habe ich auch gleich ein Platz gefunden mir mal meinen Frust von der Seele zu schreiben. Ich Interessiere mich sehr dafür was in der Welt geschieht und daher habe ich die letzten Tage auch alle Nachrichten verschlungen die so im Fernsehen laufen. Was mir aber wirklich übel aufstösst ist der Umgang in Deutschland mit Katastrophen. Die Zahl der Toten wird wie ein Highscore bei den Sender vermittelt. Während ARD und Co noch bei 30000 liegen sind die privaten schon bei 59.000 Toten und es wird einem das Bild vermittelt die Zahl würde gleich umspringen.

Alleine 59 als Zahl zu nennen soll doch dem Zuschauer eine exakte Erfassungen suggerieren, so ganz nach dem Motto es sind keine +50 aber auch noch keine 60. So ein Schwachsinn. Solche Zahlen sollen das Unterbewusstsein beeinflussen, ähnlich wie die Artikel aus dem Supermarkt für ,99 Cent .

Ist eine Katastrophe nur schlimm wenn die Zahl der Toten entsprechend hoch ist ? Steigen die Einschaltquoten mit der genannten Zahl ? Wo bleibt die Seriosität?

Ein Satz der mich gestern richtig gestört hat war beim durchzappen auf RTL. „Es werden noch hunderte von Deutschen vermisst. Heute wurden wieder Hunderte in die örtlichen Leichenschauhäuser eingeliefert deren Identifizierung jedoch noch aussteht“ So ein Satz soll doch dem Zuschauer das Gefühl vermitteln als würde es sich bei den Menschen im Leichenschauhaus nahezu ausschliesslich um Deutsche handeln. Derartige Formulierungen sind der Grund warum ich Nachrichten bei RTL und Co recht zweifelhaft finde und nicht nachvollziehen kann warum diese hinterher noch einen Preis für die beste Berichterstattung bekommen.

Mal ganz davon abgesehen, dass meiner bescheidenen Meinung nach hier nur die Gedanken der Zuschauer geformt werden sollen aber ist es bei solchen Katastrophen nicht sekundär ob von den 59.000 Toten nun 200, 300 oder 500 deutsche waren, ist das Leid der Einheimischen nicht genauso schlimm, würden wir uns nicht so viel dafür interessieren wenn die Zahlen geringer wären ?

Ähnliches liess sich auch bei den Anschlägen in New York verfolgen und ich frage mich wirklich ob es ein rein deutsches Phänomen ist oder ob z.B. Österreicher, Schweizer oder Dänen ihre Berichterstattung genauso aufbauen.

Ich bin der Meinung, dass ich einen Anspruch auf eine objektive und fundierte Berichterstattung habe, nur der Sender muss wohl noch erst erfunden werden, denn egal ob ard, zdf, n24 oder sat1, pro7 oder rtl alle spielen das gleiche Spiel mit.

Viele Grüße
Me

Hi Me,

ich kann deine Kritik an den „Zahlennennern“ nicht
ganz verstehen.

Ausser ARD, ZDF und RTL, schaue ich BBC World, Sky News
und CCN. Auch dort werden die Zahlen fast stuendlich
erhoeht. Aber ich sehe dahinter kein Aufgeilen, sondern
Entsetzen ueber das immer noch wachsende Ausmass.
Bei CCN hiess es heute morgen, es waeren 68.000 Menschen
umgekommen - ‚dreimal soviel als noch gestern nach-
mittag angenommen wurden und die Zahl ist am Steigen‘.
Ich sehe da nicht Sensationsmacherei, sondern die Angst
(Gewissheit) dass dies noch immer nicht die endgueltige
Zahl ist. Und die Angst, wieviele Menschen noch durch
die Folgen sterben werden.

Auch BBC und Sky erwaehnen die Zahl der britischen Toten
und Vermissten, auch CNN erwaehnen die Zahl der amerikanischen
Taten und Vermissten (allerdings weniger penetrant).

Gruesse
Elke

Hi

Ähnliches liess sich auch bei den Anschlägen in New York
verfolgen und ich frage mich wirklich ob es ein rein deutsches
Phänomen ist oder ob z.B. Österreicher, Schweizer oder Dänen
ihre Berichterstattung genauso aufbauen.

Hm, die Berichterstattung in Ösitanien wird sich wohl nicht sehr von der in D unterscheiden. Es wird immer wieder auf die Katastrophe, die steigende Anzahl der Toten und auf die toten oder vermißten Österreicher hingewiesen.
Es ist scheinbar einfach so, daß einem die eigenen Landsleute näher stehen. Auch wenn man die genausowenig persönlich kennt wie einen x-beliebigen Thailänder.

Ich bin der Meinung, dass ich einen Anspruch auf eine
objektive und fundierte Berichterstattung habe, nur der Sender
muss wohl noch erst erfunden werden, denn egal ob ard, zdf,
n24 oder sat1, pro7 oder rtl alle spielen das gleiche
Spiel mit.

Wie sollte Deiner Meinung nach eine objektive Berichterstattung in so einem Fall aussehen?
Angesichts einer solchen Katastrophen fehlt wohl den meisten Menschen die Objektivität. Bei Fernsehsendern arbeiten auch „nur“ Menschen.

Gruß
Edith

Hi MeToo,

die Journalisten (diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, so kann sich jeder nennen der schreibt) die solche Meldungen formulieren, haben ihre festen Begriffe und Schlagworte, je nachdem welcher Sender es ist. Genauso wie sich die verwendeten Worte von Bild unterscheiden zur Frankfurter Allgemeinen, werden, je nach Sender, mal diese, mal jene Infos gegeben. Einige Infos sind immer gerne genommen - Wann, wieviele, wie heftig, wo wars noch schlimm(er), wann wars wo das letzte Mal so schlimm?

Die Formulierung muss kurz, prägnant und sensationsträchtig sein, sonst, so die Chef-Redakteure und Regisseure oder Producer, kapiert es auch der dumpfbackigste Zuschauer nicht. Auch Nachrichtensendungen werden nach Einschaltquoten bewertet. Und viel zu oft werden die Nachrichten von Leuten geschrieben, die sich aus einem Satzbaustein-Makro bedienen, und keine wirkliche Absicht haben, „fachgerecht zu informieren“. Zudem auch die Überbringer der Nachrichten oft keine echte Ausbildung als Sprecher haben, d.h. die bekommen die Coroprate ID des Senders eingebleut und damit hat sichs. Echter Nachrichten Journalismus ist vor allem bei den Privaten nicht gewünscht.

Was mich am meißten stört, bei jeder Katastrophe, sind die Schlagworte die verwendet werden.

RTL wirbt seit Sonntag mit TODESFLUT oder TOURISTENHOCHBURG PHUKET. Da frage ich mich viel mehr - was soll das? Sinnfreie Worthülsen. Ich habe bei den Privaten immer mehr das Gefühl das ist BILD TV, keine Nachrichtensendung.

Zu den Zahlen die genannt werden, klar je höher die Zahl, desto schrecklicher! Ich finde es auch lächerlich wenn man dann dazu sagt das X Deutsche unter den Toten sind. Schlimm genug das überhaupt jemand starb!! Aber vielleicht soll das ja doch eine Betroffenheits-Verbindung geben.

Was ich zum kotzen finde sind die Interviews am Flughafen mit frisch eingetroffenen „Opfern“. Mir reicht es das die Lage dort so schlimm ist, ich brauche keine Interviews.

Wie schade nur, das alle Sender ihren Jahresrückblick schon abgeschlossen haben. Wer konnte auch ahnen das auf den letzten Drücker noch soone schöne Katastrophe passiert? Da kann Jauch ja schlecht auf die Schnelle noch ein paar Opfer einladen. So wie es aussieht sind die wirklich Betroffenen mit was ganz anderem beschäftigt, als bei Jauch zu sitzen. *Ironie aus*

Gruß
Helena

Hallo,

ich kann mich eigentlich im großen und ganzen Elke anschließen. Natürlich lässt sich des öfteren über die Art der Berichterstattung gerade bei Privatsendern streiten. Allerdings finde ich es schon wichtig, dass es eine solche Berichterstattung gibt. Wie würdest du dich wohl fühlen, wenn du wüsstest, dass Verwandte oder Freundee von dir sich in dem Betroffenen Gebiet befinden, du aber über das Fernsehen keinerlei Informationen bekommst? Gerade für Menschen, die Angehörige dort haben, ist diese Berichterstattung enorm wichtig, da es meistens erstmal der einzige Weg ist zu erfahren, wie es um die Regionen steht, in denen sich die Angehörigen aufhalten.

Ich kann hinter den geannten Zahlen ebenfalls keine Sensationsheischerei erkennen, denn wie Elke schon sagte steigen die Opferzahlen leider von Stunde zu Stunde.

Der Unterschied in der Berichterstattung von Privatsendern und den öffentlichen rechtlichen, ist der, dass die Privatsender eher mit neuen Zahlen rausrücken. Die öffentlich rechtlichen warten eher etwas damit und überprüfen erstmal ob die Zahlen einigermaßen verlässlich sind.

Viele Grüße

Phoebe

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Edith,

deine Frage habe ich fast befürchtet denn eine wirkliche Antwort habe ich auch nicht. Ich fände es aber wohl nicht schlimm wenn man auch in Nachrichten sagt, dass man es nicht weiss, überschauen kann oder mit Zahlen von von bis redet. Ich bin mir nicht sicher wie ich es vorteilhafter finden würde aber mit derart krummen Zahlen zu jonglieren hat eher etwas mit Meinungsmache zu tun als mit Objektivität.

Ich finde es so oder so schon schlimm genug und fühle mich traurig und das hängt nicht von der Gesamtzahl oder der Zahl der Deutschen ab. Wie sagtest du so trefflich persönlich kenne ich eh keinen.

lG
Me

Hallo Me,

aus diesem Grund habe ich den TV abgeschafft und höre mir die Nachrichten im Radio an, bleibe bei ein und dem selben Sender und bekomme dennoch die Infos die ich brauche. Was interessieren denn Zahlen? Ob die nun von Sender zu Sender unterschiedlich sind, nützt unsereinem doch eh nichts. Fakt ist, da sind Menschen ums Leben gekommen, wieviele und woher die Stammen ist doch irrelevant. Aber es ist nunmal so das in jedem Land natürlich von den Zahlen der eigenen Mitbürger gesprochen wird die davon betroffen sind.Und leider gehts bei manchen Sendern mehr um Zahlen als um das eigentlich Geschehen habe ich das Gefühl wenn ich das hier so lese.

Ich finde es klingt schon Herzzerreissend wenn darüber im Radio gesprochen wird, wenn ich mir dazu noch Bilder anschauen müsste…

LG Sandy


[MOD: Fullquote übersichtshalber gelöscht]

in wieweit diese zahlen richtig od. falsch sind kann man als otto-normalzuschauer wohl schlecht sagen. ein film der sich u.a. sehr nett mit dem einfluss der medien auf die meinungsbildung der menschen beschäftigt ist Bowling for Colombine von Micheal Moore. das hat zwar nichts mit dieser katastrophe zu tun, aber der film zeigt doch recht gut wie leicht menschen beeinflußt werden können.

wenn ich schon die überschrift „Die Todesflut“ bei RTL sehe bekomme ich das kot***, ähh brechen. Für die Quote wird da einer auf Horror gemacht, wo eine sachliche Berichterstattung den gleichen effekt hätte.

da werden leute (austral., deutsch ?) gezeigt die Ihre Koffer verloren haben, ohh mein Gott, welche tragik! ich glaube es würde eine lange sendung werden, wenn sie die verluste der einheimischen zeigen würden. hauptsächlich geht es doch darum das viele menschen gestorben sind, was interessiert es mich, welche nationalität sie haben? ich werde auch nicht in den nachrichten erfahren ob mein onkel otto dabei war, da gibt es wohl andere meldewege.

Hallo Phoebe,

die Zahlen beruhen nur auf Vermutungen, schließen alle Vermissten ein und setzten diese gleich mit Toten. Alleine die Erfassung würde Tage dauern und wie schon gesagt wo bitte ist der Unterschied zwischen zum Beispiel einer Aussage, dass mehr als 50´000 Tote sind oder von bis ? Für mich und meine Anteilnahme macht es kein Unterschied.

Kannst du dich noch an die Berichterstattung über NY erinnern? Hier sprach man auch ganz schnell von Toten im fünfstelligen Bereich. Ich fände es aber genauso schlimm wenn es an einem Sonntag abend passiert wäre und nur hundert gestorben wären. Die endgültigen Zahlen haben nie eine Erklärung oder sogar eine Entschuldigung über die zuvor aufgebauschten Zahlen hervorgerufen und dass kann es ja wohl nicht sein.

Was die Betroffenheit von Angehörigen angeht so bin ich deiner Meinung den ich arbeite in einer Branche (Übersee Export) wo ich in nahezu jedem Land Menschen kenne. Das mag auch der Grund dafür sein das es mich interessiert, denn ich muss mir hinterher mit den Menschen darüber schreiben, mit Ihnen telefonieren und mich damit auseinandersetzen (auch wenn es keine Angehörigen in dem Sinne sind)

lg
ME

Hi,

in Deutschland werden Zahlen nur vom Außenministerium in solchen Fällen bekannt gegeben.

Gruß
Falke

Hallo

deine Frage habe ich fast befürchtet denn eine wirkliche
Antwort habe ich auch nicht.

Schade eigentlich, denn ich frage mich nämlich auch immer wieder, ob es denn nicht eine objektivere Berichterstattung geben könnte.
Es ist wahrscheinlich so, daß der Mensch die Zahl 60.000 oder noch mehr Tote ohnehin nicht erfassen kann, aber bei einem „Einzelschicksal“ mitleiden kann und dieser Tatsache passen sich die Sender einfach an.

Gruß
Edith

du sprichst mir aus der Seele owt
Danke

Hallo MeToo,

mir ist in diesem ganzen Wust von Agenturmeldungen eine aufgefallen, die den von Dir beschriebenen Eindruck um eine weitere Absurdität erweitert:

_ Radiosender streichen „Die perfekte Welle“

Angesichts der Flutkatastrophe in Asien mit zigtausend Toten haben die meisten deutschen Radiosender den Hit „Die perfekte Welle“ der Popgruppe Juli aus dem Programm genommen. […] Die stellvertretende WDR2-Musikchefin Christiane Erhard sagte der AP, die „Perfekte Welle“ sei derzeit ebenso aus dem Programm genommen wie beispielsweise „Land unter“ von Herbert Grönemeyer. […] HR3-Pressesprecherin Claudia Petroll sagte: „Den Song weiter zu senden, wäre uns pietätlos erschienen.“ […] Die Popwelle SWR3 hat den Titel bereits am Sonntag aus dem Programm genommen, wie Sprecher Frank Bischoff in Baden-Baden berichtete. Jetzt werde etwas ruhigere Musik gespielt. Auch beim Golfkrieg oder den Anschlägen vom 11. September habe man schnell reagiert und das Musikprogramm umgestellt._

(Quelle: AP-Meldung vom 29.12.04, gekürzt)

Kurz gefasst bedeutet das: Diejenigen, die jeder Eilmeldung, die eine nächsthöhere Opferzahl bekanntgibt, hinterherhecheln, geben sich als Vorreiter in Sachen Pietät und Anstand. Da kann ich wirklich nur müde lächeln. Kein Sender will mit dem Thema so umgehen wie die meisten Menschen in Westeuropa, so sie nicht gerade einen Freund oder Verwandten in Südostasien verloren haben, nämlich ziemlich gleichgültig. Klar, dass die Ereignisse für die dort lebenden Menschen entsetzlich sind, aber tiefe Trauer mag sich bei mir nicht einstellen. Meine Lust, im Radio Musik aller Art zu hören, ist ungebrochen. Ich weiß sowohl, dass Juli nicht über die Flutwelle in Asien singen als auch, dass die Musik kein Kommentar zu den redaktionellen Inhalten ist. Meinethalben kann man Titel, die thematisch etwas mit Flut oder Ertrinken zu tun haben, nicht direkt im Anschluss an einen Bericht aus Südostasien spielen. Aber die Angst, als Radiosender dem haltlosen Vorwurf ausgesetzt zu sein, die Opfer in Asien durch Abspielen eines aktuellen Hits zu verhöhnen, ist wohl so groß, dass man lieber über- als gar nicht reagiert.

Am Rande: Hunderte von Millionen Menschen sind chronisch unterernährt. Es sterben jeden Tag mehr als 20.000 Menschen an Hunger. Da gibt es keine stündlich aktualisierten Opferzahlen in den Nachrichtenagenturen. Der Außenminister ruft nicht höchstselbst dazu auf, zu spenden anstatt Böller zu kaufen. „Hungry eyes“ oder „Hungry heart“ laufen jeden Tag im Radio und kein Mensch würde auf die Idee kommen, zu fordern, diese Titel nicht mehr zu spielen. Vor diesem Hintergrund erscheint mir das ach so sensible Verhalten der Musikredaktionen als ein Mosaiksteinchen des Bildes der geheuchelten Betroffenheit, das wir in diesen Tagen zu sehen bekommen.

Gruß
Christopher

Hi!

Fakt
ist, da sind Menschen ums Leben gekommen, wieviele und woher
die Stammen ist doch irrelevant.

Ich finde, das ist überhaupt nicht irrelevant.

Deutsche Fernseh- und Rundfunksender versorgen primär deutsche Bürger mit Informationen. Eine Aussage wie etwa "Es werden keine Deutschen unter den Opfern vermutet"bedeutet für die Zuhörer und Zuschauer hier eine gewisse Hoffnung, dass die eigenen Verwandten, Freunde und Bekannten dort nicht von der Katastrophe betroffen sind.

Ich habe am eigenen Leib miterlebt, welche Rolle eine solche Information spielt. Ich war zur Zeit des Attentats vom 9.September 2001 in den USA, und nur glückliche Umstände haben verhindert, daß ich nicht nach New York City, sondern nach Boston gereist bin. Meine Familie hier hat tagelang Angst gehabt, mir wäre etwas passiert - bis ich endlich eine telefonische Verbindung von den USA nach Deutschland bekam (die Telefonnetze in den USA waren völlig überlastet).

Stell dir vor, deine Eltern wären jetzt über Weihnachten/Neujahr in Südostasien gewesen, auf irgendeiner Urlaubsinsel. Und dann bekommst du die Nachricht, daß es Tote und Vermißte auf der Insel gegeben hätte. Aber kein hiesiger Fernsehsender verliert auch nur ein Wort darüber, ob unter den Toten und Vermißten auch deutsche Staatsbürger sind. Ich wette, du wirst stundenlang wie bekloppt die Wände hochgehen, nur um ein Fitzelchen an Information über den Verbleib deiner Eltern zu bekommen.

Grüße
Heinrich

Hallo, Christopher;

das ist nur in Deutschland neu: Unser paranoider großer Bruder hat das schon mal an einem Dienstag im September 2001 durchgezogen. Der amerikanische Autor Eric Nuzum berichtet davon in seinem Buch über Musikzensur und auf seiner Website:

"Following the September 11th terrorist attacks, Clear Channel Communications, the largest owner of radio stations in the United States, releases a list of more than 150 „lyrically questionable"songs that station’s may want to pull from their playlists. Few songs portray explicit violence, but most have metaphoric themes that ring a bit too close to the tragedies. The list, containing music from almost every genre in popular music, includes Sugar Ray’s „Fly,“ „Jet Airliner“ by Steve Miller, Nine Inch Nails’; „Head Like a Hole,“ AC/DC’s „Shoot to Thrill“ and „Highway to Hell,“ Pat Benatar’s „Hit Me with Your Best Shot,“ „Dust in the Wind“ by Kansas, Jerry Lee Lewis’s „Great Balls of Fire,“ REM’s „It’s the End of the World as We Know It,“ „Only the Good Die Young“ by Billy Joel, Dave Matthews Band’s „Crash Into Me,“ „Nowhere to Run“ by Martha & the Vandellas, and all songs by Rage Against The Machine.“

http://ericnuzum.com/banned/incidents/00s.html (runterscrollen)

Besonders schön: „All songs by Rage against the Machine“… Praktische Gelegenheit, den politischen Gegner zumindest zeitweise kalt zu stelen…

Die komplette Liste ist unter dem oben zitierten Abschnitt zu finden.

Grüße
Tom

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich bin der Meinung, dass ich einen Anspruch auf eine
objektive und fundierte Berichterstattung habe, nur der Sender
muss wohl noch erst erfunden werden, denn egal ob ard, zdf,
n24 oder sat1, pro7 oder rtl alle spielen das gleiche
Spiel mit.

…nun wie soll diese objektive und fundierte
berichterstattung aussehen?? - du hast ja viel
geschrieben, aber nicht wie du es machen willst!?
gruß
ad

Hi Tom,

das ist nur in Deutschland neu:

neu ist das leider nicht :frowning:. Schon beim Irakkrieg I wurde „Love is a Battlefield“ aus mir nicht verständlichen Gründen nicht gespielt.

Ich persönlich hatte auch keine Assoziation zwischen Julis Welle und dem Tsunami. Bis mich die o.g. Meldung drauf brachte *grummel*. Ich frage mich übrigens, ob auch " Jenseits von Eden" aus dem (Omi-)Programm genommen wird. Schließlich sind die Katastrophengebiete alles andere als ein Paradies…

Grüße,
James

Hi Tom,

das ist nur in Deutschland neu

… stimmt leider nicht, wie Du in der Meldung lesen kannst, die ich zitiert habe:

„Auch beim Golfkrieg oder den Anschlägen vom 11. September habe man [die Musikredaktion von SWR3] schnell reagiert und das Musikprogramm umgestellt.“

Gruß
Christopher

Spiel das Lied vom Tod
Hi,

Während ARD und Co noch bei 30000 liegen sind die
privaten schon bei 59.000 Toten

gestern um 19.45 waren es im ARD-Text 60.000, im RTL-Text 55.000. An dem Spiel beteiligen sich alle und deswegen spielen ein Freund und ich auch mit: Wer zur vollen Stunde im Netz den höchsten Stand findet, gewinnt. Ich habe einen klaren Vorteil: Er kennt news.google.de nicht, sondern verläßt sich auf die altmodischen Ticker.

Mit unserer Prognose von Montag morgen werden wir aber wohl falsch liegen. Angesichts der rapide steigenden Zahlen hatten wir beide für freitag mittag auf 2,4 Mrd. Opfer getippt. Naja, Hochrechnungen gehen auch mal daneben.

Gruß,
Christian

einen noch
Hi,

einen hab ich noch: Was mich besonders nervt, ist die gnadenlose Verwendung von Metaphern und ähnlichen Albernheiten. Gestern gehört: „Sie suchten das Paradies und fanden die Hölle.“

Auch dieses ständige Interviewen von Opfern bzw. Angehörigen ist einigermaßen eklig. Der Nachsatz, daß der entsprechende Einheimische „alles verloren hat“, darf auch nie fehlen.

Gruß,
Christian