Hi Luiz,
Hemmingway ist ein guter Aufhänger - er war ein begeisterter
Anhänger des Stierkampfes, nur das der Stierkampf eben nicht
dümmliche Unterhaltung ist, sondern eigentlich ein Gleichnis,
bzw. Tieropfer, bei dem Gott das Opfer ablehnen kann (= der
Stier gewinnt).
#Wie oft kommt das vor? Ich habe keine Statistiken darüber, aber es ist doch klar, dass der Torero dem Stier von vornherein überlegen ist: er kann trainieren, zweckentsprechend handeln, ist bewaffnet usw., während der Stier nur seine Kraft und seine Instinkte hat.
:Solche Stiere (die einen Torero besiegt haben) werden entgegen landläufiger Meinung keinesfalls auch getötet.
#Vielleicht ja doch beim nächsten Kampf.
Natürlich kann man sich angewidert
abwenden - doch ich glaube es schwingt dabei mit, daß in der
Arena ja der Tod der eigentliche „Star“ ist und für uns in
gewisser Weise „schamlos“ vorgeführt wird.
#Eben, das ist ja das Perverse: Der Mensch fühlt Überlegenheit, wenn vor seinen Augen gestorben wird. Ich denke da an Gladiatorenkämpfe, öffentliche Hinrichtungen, aufeinandergehetzte Hähne und Hunde, Kriegs- und Gewaltfilme usw.
Deswegen haftet der Ablehnung des stierkampfes etwas von der Heuchelei an, mit der wir das abgepackte Hähnchen schön frei von Blut (und Tod und Schuld) im Supermarkt sehen wollen.
Man sollte dies wohl nicht vergleichen, denn Toreros töten
(meist) gekonnt und entschlossen (Im Ggs. zu Studentinnen die
Fische erschlagen), schließlich hängt u.a. genau davon ihr
Ruhm ab.
Für einen qualvoll sterbenden Stier gibt`s kein Ohr oder gar
einen Schwanz.
#Was fängt der gekonnt tötende Torero eigentlich dann mit Stierohr oder -schwanz an? Diese Trophäen sind doch ebenso unnütz wie z.B. Hirschgeweihe oder Rehköpfe an der Wand.
Ob das verwerflich ist, weiß ich nicht zu beurteilen, ich
denke, man darf (möglichst schmerzfrei) töten, um zu essen,
aber nicht im Rahmen einer oberflächlichen Volksverdummung.
#Da stimme ich dir zu. Ist aber das Festhalten an einem historischen entstandenen Tiertodeskult, der außer den Veranstaltern niemandem wirklich nützt, nicht auch eine Art Volksverdummung, da dem Volk suggeriert wird, Stierkampf sei etwas Edles, Schönes, Wichtiges, kulturell Wertvolles?
Gruß, Helmut