hallo,
Bei der Übersetzung der Schauspieler ausländischer Filme für das deutsche Kino muss ja alles synchronisiert werden. Soweit ich weiß, geschieht das in schalldichten, kleinen Räumen mit Mikrofon, Kopfhörer, Gegensprechanlage und Filmleinwand. Doch die Schauspieler im Film sind doch nicht immer in kleinen Räumen. Wie kriegt man das denn jetzt hin, dass die Stimme z.B. im Freien von weit weg durch Wind hindurch oder in einer Höhle mit Widerhall zu hören ist?
gruß mifune
durch Elektronik
ich weiß zwar nicht, wie das dort gemacht wird, aber ich habe auf
meinem Audioschnittprogramm Plug-Ins, die verschiedenen Hall auf die
Stimmen legen können. Dieser Hall macht es aus, ob eine Stimme wie
„draußen“, „drinnen“, wie in einem großen, kleinen, hohen, niedrigen
Raum usw. klingt.
Und im Übrigen werden auch die Originalfilme nachsynchronisiert. Nicht
alle Sequenzen, aber fast. Besonders merkt man das, wenn die
Hauptdarsteller z.b. in einer Menge laufen, und man sie trotzdem besser
hört als die andern menschen. Und sie haben ja trotzdem keine Mini-
Mikros am Revers.
Bei der Übersetzung der Schauspieler ausländischer Filme für
das deutsche Kino muss ja alles synchronisiert werden.
Ja, muß. Was anderes ist ja nicht denkbar.
Wie kriegt man das denn jetzt hin, dass die Stimme
z.B. im Freien von weit weg durch Wind hindurch oder in einer
Höhle mit Widerhall zu hören ist?
Man kriegt es nicht hin. Man kann es elektronisch zwar imitieren, aber der Unterschied ist immer zu hören. Raummikrofone klingen eben anders.
Außerdem sind so ein paar Geräusche mehr oder weniger wirklich nicht derartig tragisch. Das Tragische am Synchroniseren ist, daß die Hälfte des ganzen Filmes einfach gelöscht und überschrieben wird.
Gruß
dataf0x
Tonbearbeitung/Audio beim Film - Mikrofone
Hallöchen
ich weiß zwar nicht, wie das dort gemacht wird, aber ich habe
auf meinem Audioschnittprogramm Plug-Ins, die verschiedenen Hall
auf die Stimmen legen können. Dieser Hall macht es aus, ob eine
Stimme wie „draußen“, „drinnen“, wie in einem großen, kleinen,
hohen, niedrigen Raum usw. klingt.
Bei professionellen Filmproduktion/Nachsynchronisierungen wird der
gesamte Audiobereich im Tonstudio gemacht. Dort stehen den
Filmemachern die entsprechenden Tools zur Verfügung: riesige
Geräuschdatenbanken (inkl. Raumambis), Geräte zur Bearbeitung der
gesprochenen Dialoge (zum Beispiel werden auch Telefon- oder
Funkgespräche nicht 1:1 aufgenommen, sondern die Stimmen nachträglich
durch Frequenzveränderungen verfälscht) etc.
Besonders merkt man das, wenn die
Hauptdarsteller z.b. in einer Menge laufen, und man sie
trotzdem besser hört als die andern menschen. Und sie haben ja
trotzdem keine Mini-Mikros am Revers.
Stimmt so nicht ganz. In Spielfilmen wird praktisch niemals mit
Ansteckmikrofonen gearbeitet (ist eher üblich beim Dokfilm und beim
Fernsehen), sondern meistens mit einer oder mehreren Perche(s)
(Tonangel/n), mehreren Mikrofonen und Audiomixern.
Es gibt eine riesige Bandbreite an Mikrofonen die für die
unterschiedlichsten Einsatzbereiche konzipiert wurden. So gibt es
einerseits dynamische Miks (Var. Bandmik) sowie Kondensator-Miks.
Die dynamischen Miks sind nicht so sensibel, sind sehr
widerstandsfähig und filtern einen Grossteil der Störgeräusche
bereits aus. Deshalb werden sie oft auf der Bühne verwendet (z.B. von
Musikern).
Im Gegensatz dazu gibt es die Kondensatormiks. Diese sind
hochsensibel und übertragen oft die kleinsten Vibrationen und jedes
noch so kleine Geräusch.
Nun gibt es verschiedene Richtcharakteristiken für Mikrofone.
Gerichtete Mikrofone nehmen Schall, der von vorn auf die
Mikrofonkapsel eintrifft, ungedämpft auf, dämpfen jedoch in
unterschiedlichem Masse Schall aus anderen Richtungen.
Richtwirkungen: Kugel, Acht, Niere, Hyperniere und Keule. Laufen nun
also Hauptdarsteller in einer grossen Menschenmasse wird ein
hochsensibles Keulen-Richtmikrofon auch „Shotgun“ genannt verwendet.
Ist das Mikrofon auf diese Personen gerichtet, kann selbst aus
mehreren Metern Distanz zielgerichtet deren Dialog aufgenommen werden
ohne dass zuviele Störgeräusche (Verkehr etc.) auftreten.
Sound Design
Hallöchen Mifune
Wie kriegt man das denn jetzt hin, dass die Stimme
z.B. im Freien von weit weg durch Wind hindurch oder in einer
Höhle mit Widerhall zu hören ist?
Hierzu findest Du eine kurze Erklärung im ersten Teil meiner Antwort
an „Hey Jude“.
Ergänzende Infos: Filme werden heutzutage ja digital geschnitten. Bei
den entsprechenden Programmen, die man hierzu verwendet, gibt es (was
Du vielleicht weisst) mehrere Audio-/Videospuren. Im Normalfall
werden gesonderte Tonspuren für Ambi (Hintergrundgeräusche), Musik
sowie Dialoge angelegt (gilt auch bei Synchronisationen). Willst Du
also, um Dein konkretes Beispiel zu erläutern, eine Person von weit
weg durch den Wind hindurch rufen hören, nimmst Du den Dialog
zunächst im Tonstudio auf. Dabei musst Du von der Ausgangssituation
im Film ausgehen. Das heisst: Der Text muss im Studio so laut
aufgenommen werden wie es sich angehört hätte, wenn Du direkt neben
dem Schauspieler im Film gestanden wärst (bspw. brüllt er laut, oder
spricht er normal). Anschliessend verwendet man Toneffekte, um so nah
wie möglich an einen „Aussenton“ heranzukommen (perfekt wird das aber
nie). Du legst den Dialog auf eine Tonspur, auf eine weitere Tonspur
legst Du einen Soundeffekt für den Wind (und ev. noch andere
Geräusche wie eine Meeresbrandung, Vögel etc.) und mischst das ganze
ab (sprich den Wind ein wenig lauter und das laute Rufen leiser). So
ergibt sich das Gefühl von Distanz.
Wer aber ein gutes Gespür für Ton, ein gutes Gehör hat, dem wird das
Tongebastel immer auffallen. Es gilt: je besser der Tontechniker,
umso besser die Synchronisation.
Wenn Du’s ganz genau wissen möchtest, hier ein super Buchtipp:
Sound Design von Barbara Flückiger (ist bei Profis zum Standardwerk
geworden, ist aber auch für Laien verständlich und wirklich
interessant).
http://www.zauberklang.ch/sounddesign.html
Gruss
Silvia
Sound Design - Link
P.S.: Guter Link:
Der Klassiker
ist nach wie vor der Raumklangsimulator von Quantec:
Gruß
Stefan