Hallo,
ich sitze öfters in dem riesigen Kino gegenüber, in der Woche ist kaum was los, manchmal sind wir Zuschauer an einer Hand abzuzählen.
Wie bezahlt das Kino eigentlich die Gebühren an die Verleihfirma ? Nach Anzahl der Besucher, Zeit in der der Film angeboten wird ? Wer bestimmt eigentlich, was ins Kino kommt und was nicht ? Und bekommt die Produktionsfirma Anteile am Umsatz oder wird der Film sozusagen komplett verkauft ?
Das sind so Fragen, die mich beschäftigen… bevor das Licht ausgeht und meine Freundin wieder nur rumknutschen will…
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In Kürze:
Produktionsfirma verkauft Kinorechte an Verleih vor Drehbeginn und bekommt dafür eine sogenannte Minimumgarantie. Dieses Geld braucht der Produzent um den Film zu finanzieren. (Genauso verkauft er die TV-, DVD- und Weltvertriebsrechte an entsprechende Firmen vorab).
Verleih schätzt vor Kinostart ab, mit wie vielen Kopien er den Film starten will. Das hängt ab von
a) Qualität des fertigen Films
b) Markteinschätzung, was läuft in Konkurrenz? Wie groß ist die Zielgruppe? Wie viele Zuschauer kann man max. erreichen? (Ein kleiner Arthouse-Film z.B. kann mit wenig Marketingaufwand und vielleicht 50-100 Kopien ein paar Hunderttausend Zuschauer locken und damit ein großer Erfolg sein. Ein fetter Blockbuster mit großem Marketingaufwand und 300-500 Kopien muss dafür entsprechend über 1 Mio. Zuschauer oder noch mehr haben, um das Geld wieder einzuspielen.)
c) Wie groß ist das Interesse der Kinobetreiber?
Jeder Kinobetreiber kann selbst entscheiden, welchen Film er ins Programm nimmt. Dafür zahlt er dann keine Gebühr, sondern nur einen Anteil (ca. 50%) der Ticketeinnahmen. Die Verleiher müssen also mit viel Werbung nicht nur beim Zuschauer Interesse wecken, sondern damit auch den Kinobetreibern zeigen, dass der Film für einen hohen Kopienschnitt und somit hohe Einnahmen sorgen wird.
Der Filmverleiher wiederum rechnet diese Einnahmen mit dem Produzent ab. Von dem gemeinsamen Gewinn behält der Verleiher zuerst einmal seine vorab bezahlte Minimumgarantie ein, dann auch noch seine Marketingkosten (Plakate, Trailer, Premiere, Press-Kit, etc.). Erst wenn alle seine Ausgaben gedeckt sind und immer noch Geld von der Kinokasse kommt, teilt er diese Einkünfte mit dem Produzenten. Der Produzent erhält also erst ab einer gewissen Gewinnmarge seinen ersten Euro (außer er hat sich im Vertrag einen „Korridor“ gesichert). Dafür trägt der Verleih das volle Risiko, falls der Film floppt und nicht mal seine Ausgaben einspielt.
OK, war doch nicht so kurz. 