Wie dreht man eine Serien-Folge?

Hi!

Die gängigen Serien haben eine Länge von ca 45 Minuten - meist sogar 42,xy Minuten.

Da schreibt nun ein Autor eine Handlung. Aber woher weiß er, daß dies gefilmt exakt dieser Zeitvorgabe entspricht?

Z.b.:

  1. Wortlose Handlungen, z.b. eine Action-Szene, können je nach Drehaufwand z.b 5 oder auch 10 Minuten dauern. Zum Beispiel verlängern Zeitlupeaufnahmen einer Actionszene die gesamte Länge der Actionszene.
  2. Ebenso können (die vorher im Skript geschriebenen) Gespräche ebenfalls Längenvariationen haben - je nachdem, wie z.B. schnell ein Satz vom Schauspieler gesprochen wird.
    Hier stell ich mir z.b. vor, daß ein Serien-Autor seine Dialoge schreibt und dann diese mit einer Zeitstoppuhr selber nachspricht.

Wie schafft man es bzw. der Autor, eine Handlung genau in diese 45 bzw. 42,xy Minuten zu quetschen?

Oftmals (z.b. in meinem Beispiel Star Trek) gibt es ja Nebenhandlungen neben der Haupthandlung. Ok, da kann ich mir in Form von späteren Schnitten vorstellen, wie man der Zeitvorgabe gerecht wird. Aber sonst?

Wie funktioniert das also eigentlich?

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon,

ganz ohne jetzt weitschweifig ins Detail gehen zu wollen, ist das solides Handwerk, Routine, wenn du so willst. Bei Serienproduktionen größeren Ausmaßes (Star Trek) werden zuweilen ein ganzer Haufen Autoren beschäftigt. Die Berufsanfänger dürfen erstmal nur Zuarbeit leisten und lernen so von der Pike auf ihren Job. Stichwort learning by doing.

In deinem Beispiel (komplizierte multiple Handlungsstränge) kann man oft davon ausgehen, dass die das Werk mehrerer Schreiberlinge sind. Schlechtenfalls sieht man das leider. Billig und lieblos hingeschlunzte Folgen haben unter anderem gravierende Scriptfehler und massig offene Handlungsfäden.

Ein Serienautor muss nach Vorgaben der Produktion, quasi im Akkord Fließbandarbeit leisten, denn Zeit ist Geld. Will sagen, wenn man das Script für eine Folge erst lang und breit zusammenstreichen muß oder nachbearbeiten, da zu kurz, wird der Dreh zwangsläufig unterbrochen und der Autor kann sich dann relativ fix ein neues Betätigungsfeld suchen.

Alle berühmten Drehbuchautoren haben die Ochsentour Serienscript durch, da geht es nicht einen Deut besser zu wie auf dem Schauspielermarkt, die überwiegende Mehrheit bleibt ihr ganzes Berufsleben bei der Pflicht, ohne jemals die Kür Kinoproduktion erlangen zu können.

Beste Grüße

Annie

Das ist ein Prozess
Wenn ich Deine Frage richtig verstanden habe, gehts Dir ja vor allem um das Timing, wie der Autor schon beim Schreiben die notwendigen 45min anpeilt.

Als erstes hat ein routenierter Autor ein gewisses Bauchgefühl und wird sich beim Schreiben auf ca. 5-10min auf die vorgegebene Zeit annähern. Man sagt ganz grob 1min pro Drehbuchseite, obwohl das natürlich nur ein Schätzwert ist. Viel genauer kann er das auch gar nicht machen, denn jeder Schauspieler spricht einen Satz unterschiedlich lang, jeder Regisseur inszeniert unterschiedlich, etc.

Dann wird das fertige Drehbuch vom Regieassistenten und meistens noch von einer zweiten Person mehrfach gestoppt. D.h. man liest Dialoge laut und lässt die Szenenbeschreibungen (z.B. „Der Mann geht in den Raum und schaut sich um“) vor dem geistigen Auge ablaufen. Dabei läuft eine Stopppuhr. So nähert man sich der vermutlichen Zeit der Folge auf 3-5min an.

Durch diese Arbeit bekommt jede Szene eine Stoppzeit zugewiesen. Während der Drehbarbeiten wird nun bei jedem Take mitgestopppt und die Zeiten verglichen. Am Ende eines jeden Drehtages wird Bilanz gezogen und man sieht, ob man wie geplant hinkommt oder ob man doch weit drunter oder drüber liegt. Notfalls muss man mit dem Regisseur über seine Inszenierung sprechen oder sogar das Drehbuch nochmal umarbeiten.

Am Ende wird die festgelegte Endzeit aber im Schneideraum erzeugt. Jeder gute Cutter schafft es, die Zeit zu strecken oder notfalls auch zu kürzen. Es passiert aber auch hier immer wieder, dass man am Ende 3min zu lang ist und dann beginnt das mühsame Kürzen von Bild zu Bild, die Suche nach überflüssigen Sekunden, bis man auf die 45min kommt.

Hi!

Danke euch beiden!

Mein neugieriges Biest zieht sich nun zufrieden grunzend in seine Höhle zurück :wink:

Es blieb keine Frage offen.

Gruß,
Sharon

Hallo,

Da schreibt nun ein Autor eine Handlung. Aber woher weiß er,
daß dies gefilmt exakt dieser Zeitvorgabe entspricht?

ich möchte noch kurz etwas ergänzen: die meisten Szenen werden mehrmals gedreht und zwar nicht, weil die Schauspieler sich versprochen haben oder im Hintergrund ein Bild von der Wand fiel, sondern weil einfach mehrere Varianten gedreht werden, um a) noch Spielraum für Nuancen zu haben und b) eben etwas mehr Material für den Schnitt.

Gruß
Christian

Hi!

ich möchte noch kurz etwas ergänzen: die meisten Szenen werden
mehrmals gedreht und zwar nicht, weil die Schauspieler sich
versprochen haben oder im Hintergrund ein Bild von der Wand
fiel, sondern weil einfach mehrere Varianten gedreht werden,
um a) noch Spielraum für Nuancen zu haben und b) eben etwas
mehr Material für den Schnitt.

Ist hier nicht der Aufwand und die Kosten zu hoch dafür?
Wenn nicht, dann erscheint diese Handhabe allerdings auch denkbar.

Danke und Gruß,
Sharon

Hi!

ich möchte noch kurz etwas ergänzen: die meisten Szenen werden
mehrmals gedreht und zwar nicht, weil die Schauspieler sich
versprochen haben oder im Hintergrund ein Bild von der Wand
fiel, sondern weil einfach mehrere Varianten gedreht werden,
um a) noch Spielraum für Nuancen zu haben und b) eben etwas
mehr Material für den Schnitt.

Ist hier nicht der Aufwand und die Kosten zu hoch dafür?
Wenn nicht, dann erscheint diese Handhabe allerdings auch
denkbar.

Gemeint ist, dass Szenen grundsätzlich aus verschiedenen Kameraeinstellungen gedreht werden. Bei Sitcoms und Soaps stehen da drei Kameras gleichzeitig im Studio, bei Filmen wird die Kamera eben 3 oder auch 8-20 Mal pro Szene umgebaut.
Und jede dieser Einstellungen wird natürlich auch ein paar Mal wiederholt. Und falls ein Dialog, der vorher mit 1min gestoppt wurde, nun 2min dauert, würde man die Schauspieler anweisen, weniger Denkpausen zwischen ihren Sätzen zu machen. :smile:

Durch die Vielzahl an Takes hat man natürlich auch im Schnitt viele Möglichkeiten die Zeit zu strecken oder zu stauchen.
Wenn ich z.B. ein Gespräch von zwei Schauspielern aus mehreren Einstellungen habe, dann kann ich als Cutter selbst entscheiden, wie lange ich eine Reaktion eines Schauspielers auf einen gesprochenen Satz drin lasse oder ob ich z.B. zwischen zwei Szenen einen langen Zwischenschnitt (Haus von Außen, mit Musik unterlegt) setze.

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Hi Sharon,

Ist hier nicht der Aufwand und die Kosten zu hoch dafür?

Etwas andere Baustelle, aber: Durch meine Arbeit im Kulturbetrieb durfte ich öfter Fernsehteams empfangen, die stundenlang (!) drehten, um über irgendeine Theaterpremiere, eine Ausstellungseröffnung oder ein soeben erschienenes Buch berichten wollten. Gesendet wurden dann so zwischen 2,5 und 4 Minuten…

Nur dies zum Thema „Aufwand und Kosten“.

Gruß,

Anja

1 „Gefällt mir“

Hi!

Etwas andere Baustelle, aber: Durch meine Arbeit im
Kulturbetrieb durfte ich öfter Fernsehteams empfangen, die
stundenlang (!) drehten, um über irgendeine Theaterpremiere,
eine Ausstellungseröffnung oder ein soeben erschienenes Buch
berichten wollten. Gesendet wurden dann so zwischen 2,5 und 4
Minuten…

Ich hatte ursprünglich an Kosten gedacht, die entstehen durch die längeren Arbeitszeiten von Schauspielern und Statisten und dem ganzen Team, durch Änderung der Tageszeit und Umbau des Sets wegen Lichtverhältnissen und so weiter.

Wenn exc aber die verschiedenen Kameraeinstellungen meinte, wie sleeples schrieb, dann ist das durchaus nachvollziehbar.

Danke euch beiden nochmal.

Gruß,
Sharon