Baader Meinhof Komplex

Servus zusammen,

ich würde gerne mal eure Meinung zum Baader-meinhof ko0mplex hören.
An die Kritiker: Bitte nicht hinrotzen, ja der ist einfach sch…limm… ich hätte gerne genaue Punkte.

mfg, Hanzo

Hi
Ich hab ihn nur kurz angeschnitten und nach 10 Minuten weggeschaltet. Das Buch war schon zwiespältig, ich wollts mir aber nicht völlig verderben.
your PITA

Moin moin
Das Thema ist meiner Meinung nach einfach zu umfangreich für einen Film (auch wenn der über zwei Abende verteilt wurde). Außer auf Baader, Meinhof und Ensslin wurde auf andere Personen fast gar nicht eingegangen, sondern nur im Telegrammstil Aktionen abgeleiert und alle Nase lang wurde rumgeballert wie in Rambofilmen.
Das Ganze wirkte auf mich sehr hektisch, besonders gegen Ende, wo der Faden völlig verloren ging. Man versuchte leider zu viel Fakten in den Film hinein zu stopfen.
Ich habe das schon vorher befürchtet, weil ich gerade das Buch von Aust, das ja für den Film die Vorlage war, lese. Und das ist ja nun wirklich ein Wälzer, der in einem einzigen Film nicht angemessen verarbeitet werden kann.
Das es auch anders geht, beweist meiner Meinung nach der sehr gute Film „Mogadischu“, der sich nur mit der Entführung der Lufthansa-maschine Landshut beschäftigt. Dort wurde auf die Ängste, Nöte und Beweggründe der Beteiligten viel besser eingegangen.

mfg
Orakel-Jones

hallo.

sehe es ähnlich wie orakel-jones.
habe allerdings das buch nicht gelesen und bin nicht wirklich im bilde, was entstehung und wirken der RAF im detail angeht, kann also zur authentizität des films nix sagen.
ich fand ihn einfach zu oberflächlich runtergeleiert.

ulrike meinhof ist irgendwie von der journalistin zur terroristin geworden - quasi per fingerschnippen.

außerdem haben sich die eigentlichen hauptdarsteller irgendwie zwischen den anderen rollen verloren.
dasselbe gilt für die orte der handlung. mal hier, mal dort, jeweils detaillierte szenen, die mit dem eigentlichen thema gar nix zu tun haben:
war es z.b. relevant, daß die frauen sich bei den palästinensern nackt gesonnt haben?
auf die besonderheiten der zeit hätte man doch sicher auch anders eingehen können, als alle paar minuten titten zu zeigen?
was hat das schicksal von ulrikes kindern mit ihrer eigenen entwicklung zu tun?
etc.

das kam mir alles vor wie „wir dürfen nix weglassen und alles ist wichtig“ - so kann man höchstens ein rotes wollknäuel in einen film bringen, aber doch keinen geradlinigen faden. von spannung ganz zu schweigen.

gruß

michael

der es mit genugtuung sieht, dafür nicht an der kinokasse bezahlt zu haben.

Hallo,

sehe es ähnlich wie orakel-jones.

Dito.

ich fand ihn einfach zu oberflächlich runtergeleiert.

Dito.

ulrike meinhof ist irgendwie von der journalistin zur
terroristin geworden - quasi per fingerschnippen.

Richtig. Auf Motivationen wurde kaum eingegangen.

außerdem haben sich die eigentlichen hauptdarsteller irgendwie
zwischen den anderen rollen verloren.

Dito.

dasselbe gilt für die orte der handlung. mal hier, mal dort,
jeweils detaillierte szenen, die mit dem eigentlichen thema
gar nix zu tun haben:
war es z.b. relevant, daß die frauen sich bei den
palästinensern nackt gesonnt haben?

Das allerdings schon. Die Szene sollte zeigen, dass die deutschen Terroristen sich nicht unterordnen konnten, dass sie sich nicht mit den Palästinensern verständigen konnten, dass sie überhaupt nicht merkten, was sie durch ihre Aktionen bei den Palästinensern auslösten und dass sie eigentlich außer Terror - trotz aller Lippenbekenntnisse - nichts mit den Terroristen gemein hatten.

auf die besonderheiten der zeit hätte man doch sicher auch
anders eingehen können, als alle paar minuten titten zu
zeigen?

Hier liegst du falsch. Sex war in der Zeit ein revolutionäres Thema. In vielen Facetten.

was hat das schicksal von ulrikes kindern mit ihrer eigenen
entwicklung zu tun?

Es zeigt, dass sie bereit war, ihre Kinder ihren revolutionären Zielen unterzuordnen, zumindest später. Allerdings fand ich gerade die Szenen in Sizilien total überflüssig und nichtssagend.

das kam mir alles vor wie „wir dürfen nix weglassen und alles
ist wichtig“ -

Ja.

so kann man höchstens ein rotes wollknäuel in
einen film bringen, aber doch keinen geradlinigen faden.

Genau das.
Bedeutung, Inhalt, Sinngehalt transportiert man nicht durch pseudo-dokumentarische Szenen.
Ich sehe hier die Handschrift von Eichinger, der es schafft, teure, einigermaßen erfolgreiche Filme zu produzieren und dem Stoff die Seele klaut, weil er in offensichtlich nicht versteht oder dem Kommerz opfert (was übrigens kurzsichtig ist - eine Unendliche Geschichte im Sinne Michael Endes wäre erfolgreicher gewesen als den Pseudo-Hollywood-Kitsch, den er damals zusammengekleistert hat).

Gruß
Elke

Gruß
Elke

Weil ja MEINUNGS-Fragen in WISSENS-Foren immer schnell in unendlich lange Artikelbäume ausarten, halte ich mich mal mit meinem Senf zurück.

Aber hier:
http://www.moviepilot.de/movies/der-baader-meinhof-k…
findest Du insg. 81 Kritiken von Filmfans und auch von professionellen Kritikern. Und, große Überraschung, von 0 bis 10 Punkten wurde quasi jede Note vergeben.

Viel Spaß bei der Endlos-Diskussion, bis es dann irgendwann persönlich wird und der MOD eingreift… lol

Hi,

der soziale Hintergrund der RAF fehlte m. E. völlig.
Warum z. b.eine völlig unbescholtene Journalistin und Mutter aus -für die Zeit- doch gehobeneren Kreisen zur Terroristin mutierte ist überhaupt nicht rübergekommen.

Auch die allgemeine Stimmung im Volk und wie der „Muff unter den Talaren“ wirklich aussah, fehlt total.

„Junge“ Leute wie ich (immerhin auch schon mitte 30 überschritten) finden nix dabei, wenn junge Leute in einer WG wohnen und Sex haben.

Daß der Vermieter sich damals noch der Kuppelei schuldig machen konnte, man erst mit 21 volljährig war und Schwul sein noch strafbar war kann man sich heute kaum vorstellen und kam auch nicht rüber.

grüße
miamei