… dass wir mal wieder mit Filmen über die bösen Deutschen von 1933 bis 1945 überschwemmt werden?
Würde gerne wissen, ob ich dieses Jahr meine Peitsche zum Selbstgeisseln auspacken soll.
Causa
Hallo Causa,
ganz einfach. Nazis gehen immer in Hollywood. In Amerika tendiert das Interesse an anderen Themenbereichen in Filmen, die von Deutschland handeln, schon immer gegen Null. Gibt da praktisch keine anderen Streifen über uns.
Einzige, sensationelle Ausnahme ist der Oscar für „Das Leben der Anderen“, geradezu ein Paradigmenwechsel.
Gruß
Annie
…und wir kaufen diesen ganzen Schrott auf?
Das nenne ich Masochismus.
Causa.
P.S.:es soll immer noch Menschen geben, die so etwas ansehen!
Hallo,
Gibt da
praktisch keine anderen Streifen über uns.
was ist denn ein Film „über uns“ und welche Filme sind über andere?
Gruß
Christian
Hallo,
meine Frage war übrigens ernstgemeint und keine Veralberung. Über ein Volk wird doch normalerweise nicht einfach so ein Film gemacht, sondern es geht meistens um Ereignisse oder Personen.
Nebenbei: außer bzw. auch vor Das Leben des anderen fanden auch andere deutsche Filme internationale Beachtung. So z.B. Schtonk!, Mephisto, Das Boot oder Der Hauptmann von Köpenick. Zugegeben: bei Schtonk! und Das Boot gibts auch einen Nazibezug, aber der war eher Randthema.
Gruß
Christian
Mephisto kein Nazibezug?
Hallo Christian,
danke, dass du nochmal nachfragst. Ich wußte nämlich in der Tat nicht, auf was du vorher hinauswolltest.
Niemand macht einen Film einfach über ein Volk. Natürlich geht es immer um Personen oder Ereignisse. Bloß ist es nun in der Tat so, dass in Hollywood die Deutschen traditionell fast immer mit der Nazizeit konnotiert werden.
Sehr hübsch in diesem Zusammenhang auch deine Beispiele, wobei der Hauptmann mit seiner Oscarnominierung doch ein wenig ein nicht unverwandtes Sujet hatte.
Der Grund für diese vermeintliche NS-Verliebtheit der US-Filmindustrie ist wohl in erster Linie das hochergiebige Schauder- und Bösewichtpotential, seien wir ehrlich, reissen denn die piefigen Baader/Meinhofs zum Beispiel irgendeinen amerikanischen Studioboss vom Hocker?
Mir ist übrigens noch eine löbliche Ausnahme eingefallen, nämlich Fassbinders Alexanderplatz.
BTW möchte ich dies alles um Himmels Willen nicht als das gängige Ami-Bashing verstanden wissen.
Es ist nun mal leider so, dass „der Deutsche“ global oft und gerne zu allererst mit der Nazizeit assoziiert wird, Stichwort Großbritannien, wo ich des öfteren mal zum Absingen des Horst-Wessel-Liedes aufgefordert wurde und jedesmal bedauernd passen musste, woraufhin sich den Tag ein halbes Dutzend Briten von ihren Sitzen erhob und fehlerfrei (glaube ich) die erste Strophe intonierte.
Aber das wird jetzt zu offtopic, finde ich.
Beste Grüße
Annie
Hallo,
aber was ihr moniert, sind doch generell Klischees.
Weiße Südafrikaner treten in Hollywoodfilmen immer nur als Bösewichter, manchmal sogar ganz ohne direkten Bezug zur jüngeren südafrikanischen Vergangenheit auf.
Iren werden fast immer (man bemerke das Wörtchen „fast“) mit IRA-Episoden in Verbindung gebracht.
Russen werden als KBG oder Ex-KGB verbraten, immer wieder.
Warum sollte das in Deutschland anders sein? Zum Glück - und ich meine das ernst - haben wir in den letzten Jahrzehnten wenig annähernd Aufregendes und ich wills mal „Filmogenes“ nennen geliefert.
Gruß
Elke
Hallo Elke,
ich moniere aber doch gar nichts, hey *menno*. Wenn von Hollywood die Rede ist, wie kann man denne von irgendwas anderem als Klischees ausgehen. Die sorgen für Kasse, wollen bedient werden und werden geliefert.
Beste Grüße
Annie
Hallo Annie,
Niemand macht einen Film einfach über ein Volk. Natürlich geht
es immer um Personen oder Ereignisse. Bloß ist es nun in der
Tat so, dass in Hollywood die Deutschen traditionell fast
immer mit der Nazizeit konnotiert werden.
naja, aber was haben wir denn zu bieten, das man wirklich Deutschland zuordnen kann? Das letzte Jahrhundert war das deutsche Jahrhundert und das, was es zu diesem gemacht hat, waren eben der 1. und 2. Weltkrieg, die ostdeutsche Diktatur, 68er, RAF und Wiedervereinigung.
Das weitaus spektakulärste, das jenseits einer Nacherzählung auch Potential für eine Handlung hat, ist eben die Nazizeit. Ich will es jetzt nicht zu weit treiben, aber man müßte sich mal überlegen, welche Epochen bei welchen Völkern ein derartiges oder ähnliches Potential für Geschichten bieten.
Sehr hübsch in diesem Zusammenhang auch deine Beispiele, wobei
der Hauptmann mit seiner Oscarnominierung doch ein wenig ein
nicht unverwandtes Sujet hatte.
Die zugrundeliegende Handlung spielte sich 1906 ab. Da einen Nazibezug anzunehmen, finde ich schon recht weitgehend. Es geht dabei um das auf die Spitze Treiben preussischer „Tugenden“, d.h die Obrigkeits- und Uniformgläubigkeit.
Der Grund für diese vermeintliche NS-Verliebtheit der
US-Filmindustrie ist wohl in erster Linie das hochergiebige
Schauder- und Bösewichtpotential, seien wir ehrlich, reissen
denn die piefigen Baader/Meinhofs zum Beispiel irgendeinen
amerikanischen Studioboss vom Hocker?
Naja, immerhin gabs für Der Baader Meinhof Komplex einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung.
BTW möchte ich dies alles um Himmels Willen nicht als das
gängige Ami-Bashing verstanden wissen.
Das habe ich auch nicht so aufgefaßt. Die Überlegung, was das Ausland an Deutschland verfilmens- bzw. sehenswert hält, ist ja nicht uninteressant. Aber ich denke, daß das Deine Wahrnehmung zwar nicht falsch ist, aber die Interpretation nicht ganz richtig ist.
Wenn man sich mal vor Augen führt, was bspw. aus der amerikanischen Geschichte verfilmt wird, endet die Liste schnell nach der Ermordung John F. Kennedys, Pearl Harbour, dem Vietnam-Krieg, der Kuba-Krise, der Eroberung des Weltraums und dem amerikanischen Bürgerkrieg. Der Krieg des Charlie Wilson war da eine lobenswerte Ausnahme (und das Ergebnis ist meiner Meinung nach einer der besten Filme der letzten Jahre). Bei Österreich, Großbritannien, Frankreich, Italien oder gar den Niederlanden ist die Liste wesentlich kürzer.
Grüße
Christian