Die Kultur geht/kommmt um!
Was soll ich dazu noch sagen?
Ach, Christian, ich ärgere und seufze nur noch, während ich vom ganzen Kopfschütteln über soviel Seichtigkeit beinahe ein Schleudertrauma davongetragen habe.
Natürlich taucht auch hier wieder die Frage nach den GEZ-Gebühren auf, auch wenn mich dieser Punkt zweitrangig interessiert. Doch diese Angleichung an die private Programmstruktur muss zwangsläufig diese Frage aufwerfen. Was mir zum Beispiel überhaupt nicht passt, ist das Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wenn ein Produkt bzw. ein Unternehmen genannt wird und man erhält Geld dafür, ist es für mich Werbung; egal, welchen Namen man dieser Reklamemassnahme verpasst. (Ich hatte im Brett „Recht“ deswegen mal angefragt, aber wesentlich schlauer bin ich trotzdem nicht geworden, was nun der Unterschied sein soll.)
Habe dafür jetzt leider keine Quelle zur Hand, aber vor einigen Wochen stiess ich beim Herumsurfen beiläufig auf den Hinweis, dass dieses Sponsoring monatlich nur 0,12 DM pro Zuschauer mehr ausmacht. Das ist interessant unter dem Aspekt, dass ja erst zu Jahresanfang die Gebühren erhöht wurden. Abgesehen von der Diskussion über die Erhöhung selbst hätte sich wahrscheinlich niemand über die 12 Pfennig mehr aufgeregt, so dass ich vermuten muss, dieses Sponsoring soll nur ein Türöffner sein. Da man bei ARD und ZDF bisher die 20-Uhr-Grenze nicht beseitigen konnte, versucht man eben über die Hintertür die Werbung auszubauen.
Allerdings vermag ich nicht zu erkennen - was mir heutzutage übrigens bei vielen Erhöhungen auffällt -, dass sich die Leistungen (dieser Sender) verbessert hätten. Man zahlt mehr, um weniger zu bekommen. Stattdessen finden wir das jetzige Programm vor, wobei das ganze bestimmt noch besser, sprich: schlechter wird. Ich möchte es mal auf eine einfache Formel bringen: Würden Sendeanstalten ein gutes Programm bringen, bräuchten sie sich keine Sorge um die Quote machen und nicht diese sämtlichen nervenden Kinkerlitzchen bringen. ‚Gutes Programm‘ bedeutet jedenfalls nicht, die wenigen erfolgreichen (bzw. auch abgekupferten) Sachen ständig und ständig in neuen Varianten zu wiederholen. Ich fühle mich dabei stets an den japanischen Unternehmensberater Tominaga erinnert, der von den Deutschen behaupten, sie würden stets „mehr von demselben“ machen, statt einmal in neuen Bahnen zu denken.
Eigentlich würde ich gerne noch mehr über die Sender sebst schreiben, doch zum einen wäre das hier fehl am Platze, zum anderen scheint es auch nur wenige zu interessieren. Ein gutes Beispiel ist für mich gerade dieses Brett, dass etwa von der Suche nach Liedern aus der Werbung strotzt - scheint ja eine regelrechte „Kultur“ geworden zu sein. Die Werbeindustrie wird es freuen, wobei ich allerdings glaube, dass es weniger ihr Erfolg ist, als vielmehr die im Gegensatz zu früheren Zeiten überall existente Werbung. Kennt man doch: Man muss nur ein Lied oft genug hören, dann wird es einem schon gefallen.
Vor einiger Zeit war der Wackeldackel „in“, und als ich vorgestern aus dem Supermarkt trat, sah ich in einem Auto nun dieses Wackel-Elvis. Das erinnert mich die Aussage von Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“: „Wir begehren, was wir täglich sehen.“ Dies besagt, dass viele Produkte nur einen ideelen Wert besitzen, den man im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf nimmt.
Zu dieser Antwort von SAT.1 sei gesagt, dass ich dies wieder einmal typisch finde. Wahrscheinlich ist man auch überhaupt auf Deine Beschwerde selbst eingegangen, denn wäre es ein guter Film, spräche nichts dagegen, den Film an den „leisen“ Stellen zu unterbrechen. Somit ist es doch beinahe bezeichnend, und man scheint selbst vom eigenen Programm - oder „Werbeumfeld“, wie sie es nennen - nicht überzeugt zu sein.
Wie gleichgültig ihnen (D)eine Meinung ist, konnte man ja an dem letzten Satz aus deren Antwort an Dich erkennen: Nicht sie sind es, die einen Standpunkt überdenken sollten, sondern Du. Ich frage mich dabei, was man dem Publikum noch zumuten kann; wann wird es endlich die Nase voll haben von dieser puren „Bedröhnung“!? Doch ich habe wenig Hoffnung auf Besserung, weil auch hier der Bock zum Gärtner gemacht wird: Nicht das, was das Publikum sehen will, wird gesendet, sondern es wird gesehen, was gesendet wird. Umschalten nutzt ja immer seltener etwas, weil auf den anderen Kanälen ähnliches kommt. Der Kabarettist Volker Pispers (http://www.volkerpispers.de) nannte es die Vielfalt ohne Auswahl. Zum Beispiel gibt es etliche verschiedene Waschmittel, aber letztlich ist in allen das gleiche drin.
Noch ein Schmankerl zum Schluss: Weisst Du noch, was seinerzeit als ein Argument für das Privatfernsehen herhalten musste? Mehr Vielfalt im Programm und - man mag es kaum glauben - auch mehr Kultur!
Marco