Bistum im Frühmittelalter

Von: , Frage gestellt am Mi, 17. Jul 2002

Hallo zusammen

Ich suche Informationen über die Organisationsstruktur eines frühmittelalterlichen Bistums. Konkret geht es mir dabei um das Bistum Chur (erste urkundliche Erwähnung: 451). Angaben über die Geschichte des Bistums habe ich genügend. Was mich interessiert ist, wie war ein solcher Bischofsitz organisiert: d.h. wie gross muss man sich die Dienerschaft vorstellen? Was genau waren die Aufgaben eines Bischofs in jener Zeit? Hat dieser je einmal eine theologische Ausbildung genossen? usw.

Sorry, viele Fragen... und hoffentlich auch viele Antworten. Danke für eure Hilfe!

Gruss Hitsch

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Nachfragen

    Hallo Hitsch,

    1. Fuer was brauchst Du denn die Information? Schule, Uni, privates Interesse?

    2. Brauchst Du 'nur' generell was zum fruehmittelalterlichen Bistum - oder speziell was fuer Chur? Je nach Bistum(sgroesse/lage) durften die Aufgaben unterschiedlich gewesen sein.

    3. Willst Du was ueber die Gruendungszeit Churs - also fast noch Spaetantike oder darf es auch in die Karolongrezeit reichen?

    4. Falls Du spezielle Literatur suchst - was fuer Sprachen duerften es ein?

    Ich kenne mich mit der fruehen Kirchengeschichte nicht so toll aus, werde aber mal sehen, was ich machen kann, wenn Du mir meine "Nachfragen" beantwortet hast.

    Gruesse, Larissa

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re: Nachfragen

      Hallo Larissa 1. Fuer was brauchst Du denn die Information? Schule, Uni,
      privates Interesse?
      Es ist nur für mich privat. Ich interessieren mich u.a. besonders für die Christianisierung des heutigen Kanton Graubünden. 2. Brauchst Du 'nur' generell was zum fruehmittelalterlichen
      Bistum - oder speziell was fuer Chur? Je nach
      Bistum(sgroesse/lage) durften die Aufgaben unterschiedlich
      gewesen sein.
      Wie oben erwähnt interessieren mich speziel die Anfänge des Bistums Chur. Ich denke aber in anderen Bistümer in den Nord- bzw. Südalpen wird es ähnlich gewesen sein. 3. Willst Du was ueber die Gruendungszeit Churs - also fast
      noch Spaetantike oder darf es auch in die Karolongrezeit
      reichen?
      Konkret beschäftigt mich das 4./5. Jahrhundert. 4. Falls Du spezielle Literatur suchst - was fuer Sprachen
      duerften es ein?
      Grundsätzliche Literatur (Daten und Namen) habe ich einge gefunden, aber nichts genaues darüber, wie damals ein solches Bistum organisiert und unterhalten wurde. Sprache: Deutsch bevorzugt ;)

      Gruss Hitsch

  2. Antwort von nach 10 Stunden 2 hilfreich
    Re: Bistum im Frühmittelalter

    Hallo Hitsch,

    Leider kann ich Dir im Moment nicht so gut Auskunft geben, wie ich es gerne tun würde, da ich nicht an der Uni bin und somit keinen direkten Zugraiff auf das Lexikon des Mittelalter habe (folgt wenn nötig später).

    Ich habe zwar keine spezielle Kenntnisse der frühen Geschichte des Bistum Churs, aber auf Grund der doch ungenauen Quellenlage bezweifle ich, dass sich für die Zeit der Spätantike/ Frühmittelalter genaue Angaben machen lassen.
    Anscheinend kann man ja nicht einmal alle Bischöfe der frühen Jahre nachweisen. Da lassen sich Angaben zum Gefolge usw. erst recht nicht finden.

    Über die Aufgaben eines spätantiken/frühmittelalterlichen Bischofs lässt sich aber hier bestimmt einges finden:

    Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900

    darin findet sich neben grundlegenden Kapiteln zu den Aufgaben der Bistümern im Mittelalter auch seitenweise weiterführende Literatur.

    Da ich nicht weiss, ob Du Zugang zu einer guten Bibliothek hast, hier noch ein weiteres – nicht super teures – Einstiegsbuch:

    Kaiser, Reinhold: Das römische Erbe und das Merowingerreich, Oldenbourg (Enzyklopädie deutscher Geschichte; 26)

    Generell lässt sich feststellen, dass in der ausgehenden Antike und dem frühen Mittelalter die Bistümer und ihre Bischöfe die Aufagben des Staates übernehmen, da dieser ihnen nicht mehr nach kommen kann (Zusammenbruch des Römischen Reiches).
    Für Chur muss ausserdem festgehalten werden, dass man sich hier im Vergleich zu späteren ‘deutschen’ Bistümern im Frühmittelalter wohl nicht mehr so mit der Missionierung rumschlagen musste. Das beinflusste die Aufgaben des Bischofs natürlich auch. Bezeichnend für Chur scheint ja auch zu sein, dass der Bischof bis ins 9. Jahrhundert hinein geistliche und weltliche Macht in seiner Person vereint hat (bis Remedius), ausserdem, dass der Bischofsstuhl über zwei Jahrhunderte hinweg von einer Familie, den Viktoriden/ Zacconen (soweit sich das nachweisen lässt), besetzt wurde.

    Speziellere Literatur zu Chur bzw. zu frühmittelalterlichen Bischof gibt es auch, allerdings brauchst Du dann wahrscheinlich schon eine gute Bibliothek: (ich hoffe, die Bibliographie ist nicht zu geschichtslastig!)

    Scheibelreiter, Georg: Der Bischof in merowingischer Zeit (Institut für Österreichische Geschichtsforschung: Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung; 27, 1983)

    Heinzelmann, Martin: Bischofsherrschaft in Gallien. Zur Kontinuität römischer Führungsschichten vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Soziale, prosopographische und bildungsgeschichtliche Aspekte, München 1976 (Beihefte der Francia 5).

    Büttner, Heinrich und Müller, Iso: Frühes Christentum im schweizerischen Alpenraum, Einsiedeln-Zürich-Köln 1967

    Büttner, Heinrich: Bistümer im Alpenraum zwischen Grossem St. Bernhard u. Brennerpass, in: HJ 84, 1964, 1-33

    Clavadetscher, Otto P.: Churrätien im Übergang von d. Spätantike zum Mittelalter nach den Schriftquellen, in: Von d. Spätantike zum frühen Mittelalter, hrsg. v. Joachim Werner u. Eugen Ewig, Sigmaringen 1979, 159-178 (Nachdr. in: Ders., Rätien im Mittelalter, Disentis/Sigmaringen 1994, 1-20); [in diesem Nachdruck gibt es noch viele weitere Aufsätze zum Thema Chur!!]

    Clavadetscher, Otto P.: Zur Führungsschicht im frühmittelalterlichen Rätien, in Montfort 42, 1990, 63-70

    Köhl, Anton: Zur Geschichte der Victoriden, in Bündner Monatsblatt 1971, 203-207

    Müller, Iso: Zum Churer Bistum im Frühmittelalter, in: Schweizer Zschr. f. Geschichte 31, 1981, 277-307

    Wieser, Constant: Häuser und Höfe d. Testaments v. Bischof Tello (765) nach den Schriftquellen u. archäologischen Funden, in: Bündner Monatsblatt 1986, 246-282. [da könnte sich eventuell etwas zu Gefolge usw. finden]

    Meyer-Marthaler, Elisabeth: Rätien im frühen Mittelalter. Eine verfassungsgeschichtliche Studie, Zürich 1948;

    Meyer-Marthaler, Elisabeth: D. Liber de feodis d. bischöflichen Archives Chur u. d. Churer Bischofskatalog v. 1388, in: ZSKG 45, 1951, 38-67;

    Jäggi, Carola: Vom römischen Pantheon zur christlichen Kirche. In: Die Schweiz zwischen Antike undMittelalter. Archäologie und Geschichte des 4. bis. 9. Jahrhunderts, hrsg. v. Alex Furger (Zürich 1996)

    Martin, Max: Die Schweiz im Frühmittelalter. Vom Ende der Römerzeit bis zu Karl dem Grossen (Laupen1976).

    Quellen: (Hardcore ;-))

    Bündner Urkundenbuch, Bd. I, hrsg. v. Elisabeth Meyer-Marthaler u. Franz Perret, Chur 1955, 7;

    Helvetia Sacra: Band 1: Schweizerische Kardinäle. Das apostolische Gesandtschaftswesen in der Schweiz. Erzbistümer und Bistümer I [Aquileja, Basel, Besançon, Chur], bearbeitet von mehreren Autoren, redigiert von Albert Bruckner, Bern 1972.
    (http://www.helvetiasacra.ch/inhaltverzeichnisse/01_H...)
    mit Kurzbibliographien der einzelnen Bischöfe

    (weitere Literatur beim Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (http://www.bautz.de/bbkl/) unter den einzelnen Bischöfen)

    Ich denke, das hilft Dir erst einmal weiter.

    Gruesse und viel Erfolg,Larissa

  3. Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
    Re: Bistum im Frühmittelalter

    hallo christian,

    warum schickst du nicht eine freundliche mail direkt an [E-Mail-Adresse entfernt] ?

    gruß
    ann

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