Antwort von
nach 95 Tagen
hilfreich
Re^2: Überraschung: Mittelalter gibt's wirklich?
#Hi Nike,
Illig's Theorie halte ich (und
ausnahmsweise habe ich studiert, worüber
ich hier rede, anders als bei allen
anderen w-w-w Themen, zu denen ich meinen
Senf abgebe :-)) für Unsinn.
#Ich bin durch das Buch "Wann lebten die Pharaonen" auf Illig aufmerksam geworden und muss sagen, dass er und Prof. Heinsohn sich wirklich mühen, ihre Thesen anhand verschiedenster Disziplinen (Archäologie, Stratigraphie, Geschichtsschreibung, Technik- und Architekturgeschichte usw.) zu untermauern, auch wenn den etablierten Wissenschaftlern (bei denen Du ja auch studiert hast) die Zornesader schwillt.
Illigs These von den nicht vorhandenen 297 Jahren im frühen Mittelalter (einschl. Karl d. Gr.) würde ich nicht von vornherein als Unsinn abtun, so lange für diese Zeit keine eindeutigen materiellen Nachweise gefunden sind.
Zu den Sonnenfinsternissen: Sicher kann man sie berechnen (unter Beachtung der Präzession der Erdachse), aber das Problem ist die richtige Zuordnung einer z.B. urkundlich erwähnten Sonnenfinsternis zu einem der errechneten Sofi-Termine. Außerdem hätte in Mitteleuropa ein kräftiges Tiefdruckgebiet mit wochenlang bewölktem Himmel ausgereicht, um eine Sofi unbemerkt und damit undokumentiert vorbeigehen zu lassen. Auch steht in den alten Dokumenten nie konkret, ob es sich um eine totale oder partielle Sofi gehandelt hat und wo/zu welcher Uhrzeit sie beobachtet wurde, wie lange sie gedauert hat (ich weiß gar nicht, ob es im frühen Mittelalter überhaupt schon mechanische Uhren gegeben hat, mit denen man das hätte messen können).
Wenn Du mal eine wirklich irre Theorie zum Geschichtsverlauf kennenlernen willst, dann such im Netz nach Dr. Eugen Gabowitsch oder Anatolij Fomenko.
Gruß, Helmut