Überraschung: Mittelalter gibt's wirklich?

Von: , Frage gestellt am Do, 3. Feb 2000

Klärt mal einen naiven Ing. auf:
Was hat's nun mit den 37% Fälschungen ALLER Urkunden im frühen MA auf sich? Der Thread weiter unten über Illig ist eher ein Flopp; denn den Erkenntnissen fügt er nichts Wesentliches hinzu. Zuzutrauen ist die Großfälschung den heiligen Herren von dunnemals durchaus. Da hat sich bis heut nichts geändert. Schließlich ist Machtverlust eine gar abscheuliche Bedrohung. Auch reichlich aktuell.

Der wißbegierige CatDog

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
    Re: Überraschung: Mittelalter gibt's wirklich?

    Illig's Theorie halte ich (und ausnahmsweise habe ich studiert, worüber ich hier rede, anders als bei allen anderen w-w-w Themen, zu denen ich meinen Senf abgebe :-)) für Unsinn. Eine nette Idee, um sich wichtig zu machen, aber nicht mehr.

    Das mit der Urkundenfälschung ist eine andere Sache. Denn - genau wie heute - ist es durchaus vorstellbar, daß die damamligen Herren Urkunden fälschten. Das heißt, daß die Urkunden zwar gefälscht, nicht aber falsch sind, es sind also immer noch mittelalterliche Urkunden.

    Die Datierung hingegen könnte falsch sein. Die katholische Kirche hat gerne im Nachhinein die Geschichte durch solche Fälschungen etwas aufpoliert. Da muß man vorsichtig sein. Es reicht also nicht, eine Urkunde nach dem Datum zu datieren, wenn man sie untersucht, man muß auch Papier (Papyrus, Pergament, eben die Schreibunterlage) und Schreibflüssigkeit genau untersuchen, ebenso wie die Diktion und Rechtschreibung. Dann kommt man solchen Fälschungen auf die Spur.

    • Antwort von nach 95 Tagen hilfreich
      Re^2: Überraschung: Mittelalter gibt's wirklich?

      #Hi Nike, Illig's Theorie halte ich (und
      ausnahmsweise habe ich studiert, worüber
      ich hier rede, anders als bei allen
      anderen w-w-w Themen, zu denen ich meinen
      Senf abgebe :-)) für Unsinn.
      #Ich bin durch das Buch "Wann lebten die Pharaonen" auf Illig aufmerksam geworden und muss sagen, dass er und Prof. Heinsohn sich wirklich mühen, ihre Thesen anhand verschiedenster Disziplinen (Archäologie, Stratigraphie, Geschichtsschreibung, Technik- und Architekturgeschichte usw.) zu untermauern, auch wenn den etablierten Wissenschaftlern (bei denen Du ja auch studiert hast) die Zornesader schwillt.
      Illigs These von den nicht vorhandenen 297 Jahren im frühen Mittelalter (einschl. Karl d. Gr.) würde ich nicht von vornherein als Unsinn abtun, so lange für diese Zeit keine eindeutigen materiellen Nachweise gefunden sind.
      Zu den Sonnenfinsternissen: Sicher kann man sie berechnen (unter Beachtung der Präzession der Erdachse), aber das Problem ist die richtige Zuordnung einer z.B. urkundlich erwähnten Sonnenfinsternis zu einem der errechneten Sofi-Termine. Außerdem hätte in Mitteleuropa ein kräftiges Tiefdruckgebiet mit wochenlang bewölktem Himmel ausgereicht, um eine Sofi unbemerkt und damit undokumentiert vorbeigehen zu lassen. Auch steht in den alten Dokumenten nie konkret, ob es sich um eine totale oder partielle Sofi gehandelt hat und wo/zu welcher Uhrzeit sie beobachtet wurde, wie lange sie gedauert hat (ich weiß gar nicht, ob es im frühen Mittelalter überhaupt schon mechanische Uhren gegeben hat, mit denen man das hätte messen können).
      Wenn Du mal eine wirklich irre Theorie zum Geschichtsverlauf kennenlernen willst, dann such im Netz nach Dr. Eugen Gabowitsch oder Anatolij Fomenko.

      Gruß, Helmut

  2. Antwort von nach 12 Tagen hilfreich
    Re: berraschung: Mittelalter gibt's wirklich?

    Interessanter Zusatzgedanke:

    Astronomen koennen mit heutigen Rechnern Sonnenfinsternisse, die vor Jahrtausenden stattgefunden haben, bis auf ein paar Stunden genau berechnen. Viele davon sind in alten Quellen dokumentiert, und zwar nicht nur in denen der ja ach so boesen katholischen Kirche, sondern auch z.B. in assyrischer Keilschrift. Wuerden Jahrhunderte fehlen, so fiele das ja wohl sicher auf.
    Tja, wieder mal nichts mit der roemischen Weltverschwoerung ...

    Ingo [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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