Re: Weltkarten - ab wann geostet und in T-Form?
Servus!
weil man dort (im Osten) das heilige Land, also
Indien, vermutete
Sicher nicht!! Dort war Jerusalem! Warum sollten sich Christen nach Indien orientieren???
und weil theologisch gesehen der würdigste
Platz auf der Karte nun mal oben (Norden) ist.
Oben ja, Norden nicht.
Jetzt die
Frage: ab wann wurden die Karten mit dieser Vorstellung im
Hintergrund geostet? War Isidor von Sevillas Weltkarte die
erste, die die drei Kontinente in T-Form mit dem Osten oben
zeigte? Oder gab es eventuell noch frühere?
Die T-Form findet sich schon in babylonischen Karten (6.Jh.v.Chr.): Die drei bekannten Kontinente, um Babylon als Zentrum angeordnet.
Isidor bildete eine Karte von Ptolemäus von Alexandria ab. Der hat im 1.Jh.n.Chr. eine Beschreibung der Welt abgeliefert, nach der dann u.a. auch die arabischen Kartographen (z.B. al-Idrisi im 12.Jh.n.Chr.: Er setzt die Nilquellen ins Zentrum) und in deren Gefolge auch die Europäer ihre Karten gezeichnet haben.
1295 verkündete der Mönch Maximos Planudes, in Konstantinopel eine Handschrift mit farbigen Karten gefunden zu haben und ließ sie abmalen - diese Kopien gehören zu den ältesten überlieferten Karten.
Um auf deine Frage zu kommen: Die Ostung war bestimmt nicht allgemein üblich!
Im Mittelalter wurde meistens Jerusalem ins Zentrum der Karte gesetzt, und der Rest halt dann drum herum gezeichnet.
Das ging so, bis Fra Mauro im 15.Jh. sich mehr auf die Geographie konzentrierte. Die möglichst genaue Darstellung der Erdkugel auf einer Fläche führte zwangsläufig dazu, dass Jerusalem aus dem Zentrum rückte.
Oft wurden die Karten geostet, die Südung und Nordung war aber auch üblich. Grund: Weltkarten hatten immer einen Zweck. Wenn dieser Zweck war, eine Wegroute nach Jerusalem - dem damals wichtigsten Pilgerziel - darzustellen, und der Weg halt von Westen nach Osten verlief, befand sich der Osten oben.
Ein Nürnberger Kartograph erstellte Anfangs des 16.Jhs. eine Karte, die den Weg nach Rom darstellen sollte. Rat mal, was sich im Zentrum befand, und wohin die Karte orientiert war. Genau: Nürnberg im Zentrum, Rom am oberen Ende, die Karte war also gesüdet.
Nur wenn einfach die Gestalt der Welt dargestellt werden sollte, waren die Karten aus praktischen Gründen genordet. Das fällt uns heute nur nicht mehr auf, weil wir´s ja so gewohnt sind. Uns fallen geostete und gesüdete Karten auf... :)
Erst ab Fra Mauro, als sich professionelle Kartographen entwickelten (vorher waren es meist Mönche, die die Karten zeichneten - daher die Konzentration auf Jerusalem als "Nabel der Welt"), rückte geographisches Wissen in den Blickpunkt der Kartographen. Seitdem übernahm mehr und mehr der Nordpol die Aufgabe des Fluchtpunkts, an dem sich das Koordinatensystem der Karte orientierte.
VG
Christian