Seit ich „Der Name der Rose“ gesehen habe, frage ich mich, ob die Gebäude im MA, und da vor allem die Klöster, innen wirklich so grau in grau waren. Gab es keine Wandbemalungen bzw. Wandschmuck?
Seit ich „Der Name der Rose“ gesehen habe, frage ich mich, ob
die Gebäude im MA, und da vor allem die Klöster, innen
wirklich so grau in grau waren. Gab es keine Wandbemalungen
bzw. Wandschmuck?
Hallo Ilse!
Du darfst einen Film nicht als Beispiel nehmen!
Wie hätte, gerade dieser Film wohl gewirkt, wenn alles schön bunt gewesen wäre?? Unglaubhaft!
Klöster waren so, wie ihre Orden eingestellt waren. Es gab und gibt Klöster, die sind so bunt bemalt, daß es kaum zu glauben ist, das dort Mönche hausen.
Dann gab es wieder Klöster, die einfacher in der Bemalung waren. Aber nicht viele. Aber niemals so düster, wie in dem Film.
Gruß Werner
Wir begehen da oft einen Denkfehler. Weil alte Bilder oft nur schwarz/weiß, alte Gemälde verblichen oder nachgedunkelt sind und weil die Farben von alten Ruinen längst abgewaschen sind, stellen wir uns das Mittelalter immer grau vor. Die Historiker geben darüber auch keine Auskunft, weil es eben wenig Spuren der doch recht vergänglichen Bemalungen gibt.
Natürlich war das Mittelalter in erster Linie mal unheimlich schmutzig. Die unbefestigten Wege, die offenen Feuerstellen, die fehlende Kanalisation sorgten sicher dafür, das Grau die vorherrschende Farbe war. Die untersten Volkschichten hatten kein Geld, ihre armseeligen Katen zu streichen oder ihre Lumpen zu färben.
Je weiter man allerdings nach oben kam, um so mehr änderte sich das Bild. Gelegentlich galt zwar speziell bei einigen geistlichen Orden, die Farblosigkeit als zeichen der Strenge und Entsagung, die man gelobt hatte, aber das war nicht die Regel. Farbigkeit war ein Zeichen von Wohlstand, man konnte es sich halt leisten. Zeitgenössische Berichterstatter heben bei bestimmten Festakten, Zeremonien und Beschreibungen oft gerade diese „Farbenprächtigkeit“ hervor, fast als ob sie gerade damit die Würde und die Bedeutung des königlichen Auftrittes (oder was sie gerade beschreiben) unterstreichen wollten.
Übrigens habe ich irgendwo mal gelesen, daß in „Der Name der Rose“ die offensichtliche Farblosisgkeit bewußt als künstlerisches Mittel zur gefühlsmäßigen Verdeutlichung des behandelnden Themas eingesetzt wurde. Unter anderem gerade deshalb ist der Film Kunst. Es scheint ja auch zu funktionieren, Dir ist das Ganze ja auch aufgefallen.
Gernot Geyer
Seit
Hallo Ilse! Ergänzend zu den werten Vor-Antwortern möchte ich auf die Tatsache hinweisen, daß weite Innenflächen von Gebäuden mit bunten Fresken ausgemalt waren. Diese wurden später meist übermalt ( mit Kalkfarbe). Durch Feuer oder Restaurierung kommen Sie zum Vorschein. Desweiteren gab es zahlreiche textile Wandbehänge.
( Sehr berühmt: Teppich von Bayeux, Apocalypse von Angers etc)
Die Farbenfreude allgemein ist noch heute gut in originalen Büchern ( handgemalt/ -geschrieben) zu sehen. Leicht zu besorgen als moderner Fotoband
das Stundenbuch des Herzogs von Berry ( 15.Jh).
Und: Achte auf die Farben bei " Braveheart" !
Viel Spaß im Mittelalter ( hier: 1000-1500)