Pergament war teuer...wie teuer??

Von: , Frage gestellt am Sa, 6. Jan 2001

Hi!

Ich arbeite gerade an einem Referat über Konrad von Würzburg bzw. seine Gönner in Basel und Straßburg.
Künstler, sei es Dichter, Bildhauer, Architekten usw. waren ja wegen der hohen Kosten der Materialien auf Mäzene angewiesen.

In Bezug auf die Literaturschaffenden finde ich überall den Hinweis, daß Pergament teuer war.
Meine Frage ist nun: WIE teuer? Kennt jemand eine konkrete Quelle (bzw. einen Vergleichswert?)

Grüße,
Gargoyle

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
    Re: Pergament war teuer...wie teuer??

    Hallo Gargoyle!

    Das ist schwierig: im Moment faellt mir ueberhaupt nur ein einziger Artikel ein, in dem ganz genau der Entstehungsprozess eines Buches nachverfolgt werden konnte (mit Preisen). Allerdings handelt es sich da um ein auf Papier geschriebenes Buch!
    Gehe mal davon aus, dass man fuer eine Bibel im Folio-Format - Blattgroesse ca 35x25 cm - eine Schafherde brauchte (das ist so ein "ueber den Daumen gepeilter Wert", den man wohl recht gut anwenden kann). Konkrete Preise festzustellen ist wirklich schwierig: von der Maezenen gibt es - soweit mit bekannt - keine Rechnungen und dann ist da auch noch das Problem der unterschiedlichen Waehrungen in den Fuerstentuemern. Offizielle Umrechnungstabellen gibt es - wenn ueberhaupt - wenige. Man kann dann zwar sagen :"Ein Buch kostete ungefaehr den Preis von zwei Schlachtroessern und dem Jahresunterhalt eines Knappen" (oder so, habe ich mir jetzt mal als Beispiel ausgedacht!), aber konkret umrechenbar in unsere heutige Waehrung ist das kaum.
    Eine weitere Faustregel - die allerdings von meinen Professoren mit einem bedenklichen Wiegen des Kopfes aufgenommen wurde - ist: Ein mittelalterliches Buch (also hier sprechen wir von praechtigen, gut gestalteten und repraesentativen Handschriften) kostete damals soviel, wie wir heute dafuer bezahlen (in Auktionen geht eine gut gemachte Handschrift schon fuer 10-20tausend Mark ueber den Tisch; kann natuerlich auch mehr sein ;-) ).
    Mal sehen, vielleicht faellt mir in den naechsten 2-3 Tagen noch irgendein Artikel ein, wo das konkreter 'drinsteht... Stay tuned
    Gruss

    Henriette

    P.S.: Ich habe ja schon mehrfach auf meine "Privatbibliothek" hingewiesen: Brauchst Du noch Infos ueber Konrad?? [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 16 Stunden 1 hilfreich
    Re: Pergament war teuer...wie teuer??

    Hallo Gargoyle (die zweite)!

    Wenn man erst mal des Raederwerk im Hirn anwirft, kommt manchmal eben doch etwas heraus: Unter http://www.ib.hu-berlin.de/~pz/zahnpage/librdisc.htm findest Du eine Tabelle mit Buecherpreisen, leider ohne Umrechnung in die heutige Waehrung. Da gibt es aber einige Literaturangaben, die bestimmt weiterhelfen koennen.
    Stoeber mal ein bisschen bei dem Typen 'rum, vielleicht findest Du noch Konkreteres, als ich nach einer kurzen Sichtung (der ist jedenfalls ein echter Experte - habe selber einige Semster bei ihm studiert...).

    Also nochmal Gruss

    Henriette [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
      Re^2: Pergament war teuer...wie teuer??

      Hallo Gargoyle (die zweite)!

      Wenn man erst mal des Raederwerk im Hirn anwirft, kommt
      manchmal eben doch etwas heraus: Unter
      http://www.ib.hu-berlin.de/~pz/zahnpage/librdisc.htm findest
      Du eine Tabelle mit Buecherpreisen, leider ohne Umrechnung in
      die heutige Waehrung. Da gibt es aber einige Literaturangaben,
      die bestimmt weiterhelfen koennen.
      Stoeber mal ein bisschen bei dem Typen 'rum, vielleicht
      findest Du noch Konkreteres, als ich nach einer kurzen
      Sichtung (der ist jedenfalls ein echter Experte - habe selber
      einige Semster bei ihm studiert...).

      Also nochmal Gruss

      Henriette
      "um die Summa theologica des Thomas von Aquin zu kopieren, brauchte man Pergament aus 75 Schafhäuten (Cardini 10); ein Gesetzbuch kostete in der Lombardei im 15. Jahrhundert ebensoviel wie der Lebensunterhalt einer Person für ein Jahr und vier Monate."

      75 Schafe!!! Der Hammer! Naja ich denke das ist als Vergleichswert schon sehr aussagekräftig... :-)

      Danke und Gruß,
      Gargoyle

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Schoen...

        ....Dir geholfen zu haben! Habe auch wieder 'was gelernt.

        Gruss und alles Gute

        Henriette [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 17 Stunden hilfreich
    Re: Pergament war teuer...wie teuer??

    Hallo !

    Hier eine Bemerkung aus einem Fachbuch : Als um 1400 v. Chr. in Ägypten erstmals aus ungegerbten Schaf-, Ziegen-, Esel- und Kalbsfellen durch Enthaaren und Glätten mit Kalk Pergament hergestellt wird, verbreitet sich dieses neue Schreibmaterial rasch in andere Länder, da diese Rohstoffe reichlich vorhanden sind.
    Also wohl auch nicht sehr teuer ist.
    Gruß Werner

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Pergament war teuer...wie teuer??

      Hallo Werner!

      Eine ketzerische Frage: Warum haben die Aegypter dann danach auf Papyrus geschrieben?

      Fakt ist: Pergament war teuer und kostbar!!!!(Im Mittelalter). In Aegypten bist Du einfach mal ca 2500 Jahre zu frueh mit Deiner Argumentation.

      Gruss

      Henriette [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Pergament war teuer...wie teuer??

        Aber Henriette!

        Nicht ein Wort davon ist meine Argumentation. Ich habe doch geschrieben: Aus einem Fachbuch!!

        Zu teuer wurde Pergament erst nach der Erfindung des Buchdrucks.
        Als plötzlich Bücher g e d r u c k t wurden. Vorher wurde doch nur mit der Hand geschrieben und die Hersteller von Papyrus hatten Zeit und Muße ihre Tierchen zu schlachten.
        Mit dem Buchdruck wurden jetzt große Mengen von zu bedruckenden Materialien benötigt und das konnten die Pergamenthersteller nicht mehr schaffen. Mengenmäßig und preislich nicht!

        Henriette, es war damals schon so wie heute : Angebot und Nachfrage regeln den Preis!
        Gruß Werner [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Pergament war teuer...wie teuer??

          Henriette, es war damals schon so wie heute : Angebot und
          Nachfrage regeln den Preis!
          Gruß Werner
          Ein Fall für Kompromiss-Man!

          Ich denke schon, daß sich auf jeden Fall die Technik der pergamentherstellung leicht nach überallhin verbreiten konnte, die Herstellung aber dennoch zu allen Zeiten mit hohen Kosten verbunden war - um so mehr zu Zeiten Gutenbergs.

          Ich finde, 75 Schafhäute für eine Ausgabe von 191 Buchseiten (wenn ich mich jetzt auf das richtige Werk beziehe) sind in jedem Fall ne ganze Menge.

          Danke Euch beiden - übrigens Henriette: ich bin fertig mit dem Referat, brauche also vorerst nicht viel mehr über Konrad v. Würzburg. :-)
          Soll Dich aber nicht davon abhalten, auch so etwas hierher zu posten. ;-) Immerhin werden die posts hier ja "Artikel" genannt. :-)

          Grüße,
          Michi

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^5: Pergament war teuer...wie teuer??

            Hallo !

            Die Herstellung von Pergament unterlag im Mittelalter und später den Gerbern.
            Es gab drei Gruppen:
            Rot- oder Lohgerber
            Weißgerber
            Sämischgerber

            Die Rotgerber stellten durch Gerbung der großen und schweren Häute mit Loh ( Eichen- und Fichtenrinde) Leder für Sättel und Zaumzeug, Sohl- und Schuhleder her.
            Die Weißgerber produzierten durch Salzgerbung mit Alaun die edleren und dünneren Ledersorten.
            Die Sämischgerber durch Walken mit Fett oder Tran wasserdichtes Leder. Die Pergamenter, eine Untergruppe, fertigten ohne eigentlichen Gerbprozeß Pergament.

            Die Pergamenter hatten den einfachsten Arbeitsprozeß und benötigten kleinste Werkstätten und keinen großen Werksplatz an irgeneinem Fluß.
            Pergament war also billiger als Schuhleder und billiger als Leder zum Einbinden von Büchern.

            Das ist zumindest ein Vergleich zu anderen Lederartikeln.

            Gruß Werner



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