Hofften früher d. Leute auf ein Leben nach d. Tod?

hi

ich bräuchte infos zu diesem thema

Hofften früher die Leute auf ein Leben nach dem Tod?

Daten Fakten oder Links oder oder oder …

alles was es darüber gibt …

mit bestem dank …

Dean

Im Mittelalter wurden Menschen mit religiös motivierten Visionen mit sehr viel Aufmerksamkeit bedacht, so beispielsweise der Bauer Gottschalk aus Nortorf/Holstein, der im Jahr 1189 als Schwerkranker eine solche hatte. Er war als „Scheintoter“ vorübergehend Gast in Jenseits und beschreibt sehr detailliert seine Reise durch verschiedene Höllenqualen in die herrliche Stadt, in der er viele bereits Gestorbene wiedertraf.
Sehr interressante Schilderung, weil von einem „aus dem Volk“.
Interviewt und aufgeschrieben haben es der zum einen der Dorfpfarrer sowie zum anderen unabhängig von diesem ein hochgestellter Geistlicher aus einem ?Kloster.
Aus dem Lateinischen von Erwin Assman: Visio Godeschalki.
Dort noch Literaturhinweise zu vergleichbaren Beríchten über Visionen.

Aus dem Lateinischen von Erwin Assman: Visio Godeschalki.
Dort noch Literaturhinweise zu vergleichbaren Beríchten über
Visionen.

Gibt es eine Neuauflage o.ä.: ISBN, Genauer Titel, Autor, Verlag ?

Titel: Godeschalcus und „Visio Godeschalci“ mit deutscher Übers. hrsg. von Erwin Assmann
Erschienen: Neumünster : Wachholtz, 1979 Umfang: 213 S. Schriftenreihe: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins ; 74
Anmerkung: Text lat. und dt. ISBN: 3-529-02174-1 Buch anschauen

und zufällig sekundär zum Thema gefunden:

Titel: Otloh, Gottschalk, Tnugdal : individuelle kollektive Visionsmuster Visionsmuster des Hochmittelalters / Hedwig Röckelein
Verfasser: Hedwig Röckelein
Erschienen: Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 1987 Umfang: 341 S. : Ill. ; 21 cm
Schriftenreihe: Europäische Hochschulschriften : Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften ; 319
Hochschulschrift: Vollst. zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 1985 u.d.T.: Röckelein: Otloh, Mönch von S. Emmeram, Gottschalk, der Bauer aus Holstein, und Tnugdal, der irische Ritter
Anmerkung: Literaturverz. S. 305 - 336 ISBN: 3-8204-9512-6 Buch anschauen

Hey!

Verzeihung, aber da das nun wirklich mein Fachgebiet betrifft - ich schreibe gerade eine Arbeit ueber mittelalterliche Visionstexte - muess ich mich mit einem Einspruch melden:

Die Visionen haben erst mal gar nix mit einem Glauben an das Leben nach dem Tod zu tun. Die Visionaere - so berichten sie es selbst oder es wird so aufgeschrieben, viele konnten ja gar nicht selber Lesen und Schreiben - fallen in eine Art komatoesen Zustand (so wuerde man es heute nennen) und kommen dann nach einigen Stunden bis Tagen wieder zu Bewusstsein. Dann berichten sie, was sie erlebt haben: ziemlich gruslige und ausufernde Schilderungen der Hoelle und - ehrlich gesagt - ziemlich langweilige und kurze Beschreibungen des Himmels bzw. des Paradieses. Hier jetzt diese ganzen Entwicklungen des christlichen Jenseitsbildes bzw. die z. T. recht komplizierten theologischen Erlaeuterungen, die dann zu einem relativ konstanten Dogma im Mittelalter fuehrten, wuerde nun wirklich zu weit fuehren.

Darum hier einige Buchtips:

Dinzelbacher, Peter: Die letzten Dinge. Himmel, Hoelle, Fegefeuer im Mittelalter, Freiburg etc. 1999, ISBN 3-451-04715-2 Buch anschauen (kostet auch nur DM 18,80 und ist fuer „Einsteiger“ zu empfehlen; dort auch ein Haufen Literaturangaben, die weiter in die Richtung gehen)
ders.: Angst im Mittelalter. Teufels-, Todes- und Gotteserfahrung: Mentalitaetsgeschichte und Ikonographie, Paderborn 1996, ISBN 3-506-72026-0 Buch anschauen
le Goff, Jacques: Die Geburt des Fegefeuers. Vom Wandel des Weltbildes im Mittelalter, Muenchen 1990, ISBN 3-608-93008-6 Buch anschauen (sehr speziell und recht dickleibig)
Jezler, Peter: Katalog der Ausstellung ‚Himmel, Hoelle, Fegefeuer. Das Jenseits im Mittelalter‘, Ausstellung des Schweizerischen Landesmuseums 1994 (ISBN 3-85823-492-3 Buch anschauen)

Das waeren so die vier Buecher, die mir spontan einfielen. Solltest Du weitere Fragen haben: Frage mich gern!! (in meinen ca 1000 photokopierten Aufsaetzen zum Mittelalter muesste eigentlich noch einiges zu holen sein…)

Viele Gruesse, viel Erfolg

Henriette

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Hallo Henriette,
die Visio Godeschalci ist deshalb so charmant, da sie Einblick in das Leben und die Geisteswelt eines sehr einfach gestrickten, „ungebildeten“ Menschen aus dem Volk gibt. Die Visio existiert in zwei unabhängig voneinander entstandenen Versionen, die belegen, daß Interview und Niederschrift durch beide Autoren nicht durch subjektive Meinungen verfälscht worden sind; es spricht also der Bauer Gottschalk selbst. Aus der Visio wird deutlich, daß Gottschalk erstens an die christlichen Werte glaubte und auch nach ihnen lebte und er zweitens eben auch vor der Vision an ein Leben nach dem Tode glaubte.
Stephan