Re: Abgaben im Mittelalter
In einem anderen Forum hatte ich eine Diskussion und erwähnte
den Zehnt, der mir aus meiner Schule in Erinnerung blieb
(neben Kreide und Perm). Jetzt hiess es, der Zehnt war nur für
die Kirche und es gab zusätzlich weitere Abgaben.
Hallo Uwe,
Der Zehnt stammt noch aus dem alten Testament, wo nach dem Gesetz des Moses, ein zehntel der Feldfrüchte, also hauptsächlich Naturalien, zum Tempel, oder einer anderen gerade verfügbaren heiligen Stätte, gebracht werden sollte, um Gott zu Danken.Wer keine Feldfrüchte hatte, konnte auch Geld bezahlen.
Allerdings war die Abgabe freiwillig, wurde aber meist gebracht,wenn auch nicht allzu genau, um den Zorn Gottes nicht abzukriegen.
Im Mittelalter dann,und jetzt kommt der Irrtum mit der Kirche, wurde der Zehnt direkt beim Pfarrer abgegeben, welcher nicht für ihn oder die Kirche bestimmt, sondern nur zur Verteilung vorgesehen war, da der Pfarrer als vertrauenswürdig galt.
Je nach Region und Boden konnte dieser Zehnt aber durchaus bedeuten, das ein Drittel der Ernte abgegeben werden mußte.
Was kam noch dazu für die Bürger ?
Später so nach 1000 a.D. führte man den Großzehnt ein,
Getreide und Großvieh, wie Rindsviecher ect.
dazu den Kleinzehnt: andere Feldfrüchte (Obst Gemüse) und Kleinvieh( Hasen Hühner ect.)
Daneben entwickelten sich zusätzliche Abgaben, die von Region zu Region, manchmal sogar von Dorf zu Dorf unterschiedlich ausfielen,
wie z.B. den Bergzehnt, der Abgaben aus dm Bergbau forderte( macht ja auch nur da Sinn, wo Bergbau betrieben wird.)
Man erhab nachher einfach auf alles einen Zehnt.
Heu, Wein, Holz, Fleisch, Eier, Milch, sogar Küchenkräuter blieben nicht verschont.
Du siehst also, das der Zehnt über die Jahrhunderte hinweg auch nicht so stabil blieb, sonder immer und immer mehr gefordert wurde.
In Kriegszeiten dann erhob man den Doppelzehnt, also ca. 20%.
Also war ein kluger Herrscher bemüht, eigentlich immer mit einem Nachbarn im Kriegszustand zu sein, manchmal auch mit einverständnis des Anderen, damit beide schön den doppelten Zehnt fordern konnten.
Natürlich kam es nie zu einer ernsten Schlacht, und wenn die Schober voll waren schloß man Frieden, bis sie sich langsam leerten und "zog" dann wieder in den Krieg.
grüsse borthi