Was genau interessiert euch am mittelalter?

hallo alle mit-interessierten,

heute unterhielten mein freund und ich uns über das weitverbreitete interesse an historischen romanen, filmen, sachbüchern u.ä. wir haben uns gefragt, was genau dieses interesse ausmacht. das wird natürlich bei jedem verschieden sein: für den einen wird der wissenschaftliche aspekt wichtig sein. der andere möchte vielleicht wissen, wie unsere vorfahren ohne PC, waschmaschine und die ganze heutige technik gelebt haben. jemand anderes möchte vielleicht schaurige geschichten aus dem - angeblich so finsteren - mittelalter lesen/hören, ein anderer mag es vielleicht gerade, weil es für ihn prall und bunt ist.
ich habe noch gar nicht herausgefunden, was für mich selbst die faszination ausmacht, möchte es aber gern.

was ist es bei euch?

ich freue mich über jede antwort
ann

hallo alle mit-interessierten,

heute unterhielten mein freund und ich uns über das
weitverbreitete interesse an historischen romanen, filmen,
sachbüchern u.ä. wir haben uns gefragt, was genau dieses
interesse ausmacht. das wird natürlich bei jedem verschieden
sein: für den einen wird der wissenschaftliche aspekt wichtig
sein. der andere möchte vielleicht wissen, wie unsere
vorfahren ohne PC, waschmaschine und die ganze heutige technik
gelebt haben. jemand anderes möchte vielleicht schaurige
geschichten aus dem - angeblich so finsteren - mittelalter
lesen/hören, ein anderer mag es vielleicht gerade, weil es für
ihn prall und bunt ist.
ich habe noch gar nicht herausgefunden, was für mich selbst
die faszination ausmacht, möchte es aber gern.

was ist es bei euch?

Hi Anja,

ich möchte gerne wissen, ob meine Vorfahren Raubritter waren. Oder bin ich nur Nachkomme einer Räuberbande wie z. B. Schinderhannes?

Wenn man die Vergangenheit besser kennt, versteht man das Heute auch viel besser.

cu Norbert.

ich freue mich über jede antwort
ann

hallo alle mit-interessierten,

ich habe noch gar nicht herausgefunden, was für mich selbst
die faszination ausmacht, möchte es aber gern.

was ist es bei euch?

ich freue mich über jede antwort
ann

Hallo Ann!

Ich habe ja noch was gutzumachen…:wink:)

Ich studiere die mittelalterliche Literatur und Kultur nun seit seit einigen Jahren und bin einfach hingerissen. Es scheint uns diese Kultur so nah zu sein, d.h. wir glauben alles genau zu verstehen, aber wenn man dann ein bisschen genauer hinsieht ist alles (wirklich Alles) ganz anders!! Die Kroenung war eine Aussage von einem meiner Profs.: „Glauben Sie mal nicht, Sie koennten das Mittelalter jemals wirklich verstehen.“ Also, wenn ich je in meinem Leben einen Satz gehoert habe, der mich auch nur annaehernd sooo zum Widerspruch gereizt hat, dann der!!! Und so forsche ich…
Als echten „Appetizer“ (allerdings ziemlich schwerer Stoff) wuerde ich den Parzival von Wolfram von Eschenbach empfehlen. Am besten in der Uebersetzung (wahrscheinlich bist Du des Mittelhochdeutschen nicht maechtig?) von Peter Knecht.

Und dann weisst Du bestimmt, was Dich am meisten interessiert (vermutlich kannst Du Dich nur nicht entscheiden, mit welchem der Aspekte Du anfangen moechtest!).

Gruss

Henriette

Hallo Ann,
Auch ich bin eine von denen, die grenzenlos fasziniert sind. Warum? Diese Frage hab ich mir eigenlich noch nicht gestellt und mal darüber nachgedacht. Eine echt gute Frage. Für mich bin ich auf Folgendes gekommen:

  1. Schon als Kind hat mich die Märchen-,Mythen- und Sagenwelt völlig in ihrem Bann gehalten und die Beschäftigung mit Mittelalter (sei es als Roman oder als Historienberichte) ist für mich quasi „Märchen für Erwachsene“.
  2. Es ist die Faszination einer „fremden Kultur“, mit dem Unterschied, das unsere Kultur dort ihre Wurzeln findet.
  3. Vieles vom Gedankengut der frühchristlichen Zeit, die noch sehr von den Römern, Kelten und Germanen geprägt war, entspricht vage der esotherischen Richtung, der ich fröne.
  4. Psychologische Erklärung (bitte mich nicht darauf wissenschaftlich festnageln, dies ist nirgends publiziert (und wenn, dann außer meiner Kenntnis), sondern eine Erklärung, die ich für mich gefunden habe): Viele unserer Vorstellungen vom Leben und der Personen im Mittelalter entspricht den inneren Archetypen (wie sie C.G. Jung als erster beschrieben hat): Die Prinzessin, die Königin, der Ritter, etc. Natürlich nur in der Phantasie der jeweiligen Person und auch meist stark unbewußt, aber das könnte auch eine Erklärung für die breite Faszination für diese Zeit sein.

Vielleicht kannst Du damit was anfangen?
Übrigens: der Terminus „finster“ in Zusammenhang mit dem Mittelalter entstand im Wesentlichen daraus, dass es für die gesamte Epoche wenig historisch gesichertes Material gibt, es gibt sogar Thesen, dass ganze Jahrhunderte „übersprungen“ wurden, also einfach nicht stattgefunden haben.
Soweit man heute gesichert weiß, war diese Zeit zwar hart von ihren primären Lebensbedingungen her, aber das Leben selber sehr bunt, fröhlich und auch sinnlich (nicht nur im Sinne der Sexualität her) war.

Viele liebe Grüße, vielleicht kommst Du auch noch auf den Geschmack *ggg*
BB

Liebe Ann, eine ganz subjektive Antwort.

Bei allen Dingen, für die ich mich interessiere, die ich also nicht aus Spaß an der Freude allein tue, obwohl viele Interessen auch Spaß machen, leitet mich immer die Frage:
Wie kommt es oder wie ist das gekommen?

Nun ist das Mittelalter neben der Antike, die ich von Homer bis zur Völkerwanderung datiere, und der ägyptischen und der Zweistromkultur als Vorspiel, die Zeit, die unsere heutige Zeit hervorbrachten.

Was in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Literatur, zwischenmenschlichen Beziehungen, kurz in allen Bereichen unseres Lebens heute gilt, wirkt, zerfällt, sich verändert, neu entsteht, hat seine Wurzeln im Mittelalter, das seinerseits schon eine Reaktion auf die Antike war, aber auch ganz neue Dimensionen eröffnete.

Im folgenden betrachte ich nur die nordeuropäische, deutsche Entwicklung, was eine schreckliche Verkürzung darstellt, angesichts der Beiträge Italiens, Spaniens, Frankreichs u. a. Länder, die arabische Welt mal gar nicht erwähnt. Auch beschränke ich mich auf literarische Phänomene.

Nehmen wir nur mal den Begriff „Liebe“ (Eros), bei den Griechen gab es Liebe nur zwischen Männern (ich vereinfache etwas), es war das Mittelalter, das die Liebe als Minne zwischen Mann und Frau - als Hohe Minne zuerst, wo sie noch fast religiöse Dimensionen hat, dann, um die „Niedere Minne zu überspringen, als Ebene Minne - entwickelte.
Die Minnelyrik ist der Ort, wo der Europäer gelernt hat ICH zu sagen und zu denken. Das Individuum, wie wir es hier und heute kennen, wie es das nicht überall gab und gibt, fand in den Epen Hartmanns, Wolframs, Gottfrieds, um nur die drei zu nennen, erstmals beredten Ausdruck. Vielleicht sind die Helden, von Parzival vielleicht abgesehen, noch mehr Charakter- oder „Märchen“typen, aber an diesen Typen bildeten sich die Individualitäten. Am Ende des MA stehen dann Leute wie Oswald von Wolkenstein, Hans Sachs und als speziell deutsches Unglück Martin Luther, fassbare, ausdifferenzierte und komplexe Individuen.

Das ausgehende 18. Jhdt. hat dann die Möglichkeit ins Auge gefasst, dass Liebe auch etwas mit der Ehe zu tun haben könnte und die Ehe als Bund zweier gleichberechtigter Liebenden entdeckt. Ein Missgriff, wie ich meine. Ein völlige Überforderung von Mann und Frau.

Ich bin also mehr an den literarischen Zeugnissen, der Lyrik und den Epen, des MA interessiert. Zur Zeit lese ich - wieder einmal - Erec und Iwain parallel.

Über die Schwierigkeiten, den Alltag der Leute kennenzulernen, zu verstehen, hat eine Vorrednerin schon gesprochen.

Ich habe als Knabe begonnen, mich fürs MA zu interessieren durch die Lektüre einer für die Jugend bearbeiteten Fassung des Parzivals.

Ich wünsche allen anderen MA-Interessierten weiterhin viel Spaß dabei!
Fritz Ruppricht

Hallo Anja,
ich interessiere mich dafür, weil ich es einfach spannend finde mir vorzustellen, wie die Menschen früher gelebt haben. Irgendwo mitten drin müssen Menschen gelebt haben, die meine Vorfahren sind, wie habe die gelebt, wie hätte ich da gelebt.
Dazu muß ich noch sagen, daß ich im Bezug auf Geschichte einen riesigen Nachholbedarf habe, meine Schulnote war glatt fünf, und das war noch geschmeichelt, was ich aber heute nicht auf Desinteresse, sonder auf Unterrichtsgestaltung zurückführe.

Tschüss
Merit

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Viele liebe Grüße, vielleicht kommst Du auch noch auf den
Geschmack *ggg*

bin ich doch schon längst :wink:
ich merke daß ich, wenn ich mich mit dem MA (aber auch mit geschichte insgesamt) befasse, förmlich darin versinke.

liebe grüße
ann

nöö :smile:

Ich habe ja noch was gutzumachen…:wink:)

sooo habe ich das aber nicht verstanden. für konstruktive kritik bin ich immer empfänglich :smile:

Und dann weisst Du bestimmt, was Dich am meisten interessiert
(vermutlich kannst Du Dich nur nicht entscheiden, mit welchem
der Aspekte Du anfangen moechtest!).

jein. ich interessiere weniger generell für bestimmte epochen - mal ist eine person, über die ich was rausfinden will, mal ein ereignis/datum oder auch mal die geschichte eines ortes, zu dem ich mehr erfahren will. aber jedesmal stoße ich beim recherchieren auf solche eine fülle von hintergrundinformationen, die es mir alle wert erscheinen, sich damit zu befassen.

liebe grüße
ann

:smile:

meine Schulnote war glatt fünf,
und das war noch geschmeichelt, was ich aber heute nicht auf
Desinteresse, sonder auf Unterrichtsgestaltung zurückführe.

ich glaube, ich hatte sogar noch eine gnaden-vier :wink:

Bei allen Dingen, für die ich mich interessiere, die ich also
nicht aus Spaß an der Freude allein tue, obwohl viele
Interessen auch Spaß machen, leitet mich immer die Frage:
Wie kommt es oder wie ist das gekommen?

dito!

(…) Auch
beschränke ich mich auf literarische Phänomene.

auch - aber nicht nur.

Das ausgehende 18. Jhdt. hat dann die Möglichkeit ins Auge
gefasst, dass Liebe auch etwas mit der Ehe zu tun haben könnte
und die Ehe als Bund zweier gleichberechtigter Liebenden
entdeckt. Ein Missgriff, wie ich meine. Ein völlige
Überforderung von Mann und Frau.

exakt :smile:

Ich bin also mehr an den literarischen Zeugnissen, der Lyrik
und den Epen, des MA interessiert. Zur Zeit lese ich - wieder
einmal - Erec und Iwain parallel.

in sofern, daß sie mir unmittelbarer als z.b. tonscherben und mauerreste (blödes beispiel, aber ich lasse es mal so stehen) vermitteln, was menschen damals gedacht und gefühlt haben, welche wertvorstellungen sie hatten, was ihre freude und ihre ängste ausmachte. aber zum vollständigen bild - soweit man davon überhaupt sprechen kann - gehört für mich auch und gerade das leben von bauern, mägden, handwerkern u.a., eben allen jenen, die sich üblicherweise nicht literarisch geäußert haben.

Über die Schwierigkeiten, den Alltag der Leute kennenzulernen,
zu verstehen, hat eine Vorrednerin schon gesprochen.

eben :smile:

ann

ich möchte gerne wissen, ob meine Vorfahren Raubritter waren.
Oder bin ich nur Nachkomme einer Räuberbande wie z. B.
Schinderhannes?

Wenn man die Vergangenheit besser kennt, versteht man das
Heute auch viel besser.

ohne frage :smile:

Hi Annja,

der Scherz kam also an.

Was mich interessiert, sind die Zusammenhänge. Warum war das so und nicht anders, obwohl man doch schon damals wusste …

Meist spielt nach meiner Meinung, und das beziehe ich mal auf Europa, die Kirche eine entscheident erbärmliche Rolle durch ihre stupide Denk- und Handlungsweise, worunter heute noch vielen Leiden und sich nicht davon freimachen können.

Anererseits bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell doch hervorragendes Wissen im Laufe der Zeit verloren geht. Dazu ein Beispiel:
Die Römer bauten kilometerlange Wasserleitungen, nur um frisches Wasser zu haben. Das Abwasser leiteten sie ebenfalls weit aus den Ortschaften weg.
Im MA wusste man das nicht mehr. Man hat in den gleichen Bach geschissen, aus dem man das Wasser zum Bierbrauen nahm. Wo war da der Filmriss? Warum ging das Wissen verloren?

Insgesamt ist Geschichte ein sehr, sehr spannendes Wissenfeld.

cu Norbert.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

darüber wundere ich mich auch!

Anererseits bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell doch
hervorragendes Wissen im Laufe der Zeit verloren geht.
(…)Warum ging das Wissen verloren?

mir kommt es so vor, als stünden wir heute zumindest kulturell und sozial auf einer wesentlich niedrigeren stufe als jemals zuvor in der geschichte. was unsere technischen und medizinischen errungenschaften anbelangt - na gut… (aber ob das nun alles so segensreich ist…ok, das ist eine andere diskussion).
kirchliche intoleranz und greueltaten im MA? ja, schlimm! aber ich sage mal ketzerisch: heutzutage können wir das ohne kirche.
aberglaube? was ist unser heutiger bedingungsloser glaube an die technik anderes? (ich darf das sagen! ich bin technikerin :smile:

das ließe sich jetzt beliebig weiterführen - aber ich muß jetzt erstmal hier schluß machen…

danke für deine antwort
ann

Bei mir hat es in der Schule auf ne 3 gereicht. Der Lehrer hatte 3 als lieblingsnote, und schlechter zu sein war nur durch pure dummheit zu erreichen.

Auch mich fasziniert dieser gedanke, wie die „einfachen“ leute damals gelebt haben. Die Bedingungen mit heute verglichen muessten die ja alle ungluecklich gewesen sein, wie nur was, aber ich denke, es war damals genau so wie heute: Je mehr sich alles aendert, um sehr mehr bemerkt man, das alles gleich bleibt!

Aber das ist nicht alles. Wuerden wir (ich schließe mal alle hier mit ein) nur nach dem wissen gieren, wuerden wir uns in unser kaemmerchen einschließen und buecher lesen. Wollten wir das leben von damals erfahren, wuerden wir uns mit gleichgesinnten treffen, und in geschlossener Runde ne Woche oder mehr „feiern“. Worauf ich hinaus will, ist die tatsache, das ich (und wohl auch einige andere) es geniesen, von den Leuten angeschaut zu werden, mit einem Gewissen respekt in den Augen. Die Kinder schauen mit großen augen, und wenn ich dann mal so nem Knirps ein Schwert in die hand druecke, ist die verwunderung ueber das gewicht riesig. (Bei einigen Erwachsenen auch, die denken, das wir mit plastikwaffen kaempfen wuerden; Alles schon erlebt).
Wer von euch geniest dieses bischen bewunderung denn nicht?
Da brauch ich kein 5,8 Kilowatt autoradio, keine 560 PS und keinen Spoiler, die leute sind durch viel weniger viel mehr zu beeindrucken. Und wenn ich an die wochenenden zurueckdenke, und dabei laecheln muss, dann nicht, weil ich (entschuldige, ist nicht persoenlich gemeint) irgendwelche mauerreste gesehen habe, sondern weil ich eben diese Streicheleinheiten fuer meine Seele bekommen habe.

Ich hoffe ihr denkt jetzt nicht, ich waere eingebildet. Die Bewunderung ist fuer mich eben ein wichtiger Punkt, womit ich nicht sagen will, das die Geschichte dahinter fuer mich uninteressant ist.

Bye

Perseus

danke für eure antworten
ein klein bißchen hat es mich weitergebracht :smile:

liebe grüße
ann