Kalte Fuesse - was tat man da?

Am vergangenen Wochenende war ich mit einigen Freunden auf einer Burg und haben dort spontan einen Grillabend eingelegt. Natuerlich war es dort recht kuehl, um nicht zu sagen saukalt. Aber dank selbstgenaehtem Mantel und Guggel war das kein Problem. Lediglich an den fuessen war es eisig. Was hat man denn damals gegen die kaelte getan? Und wie weit hat das was geholfen?

Bye

Perseus

Hi Perseus,

lustige Frage - und gar nicht mal so dumm. :smile:

Also, natürlich war es in den Burgen kalt. Aber damals wurde selbstverständlich auch geheizt. Bei Reichs gab es in den großen Hallen oft mehrere offene Kamine, und in den Zimmern auch oft einen. In einer Arbeit habe ich folgendes Zitet gefunden:

[QUOTE]„Beim Heizen der Räume herrschten unterschiedliche Bräuche. Selten wurde der Arbeitsraum, die Werkstatt, geheizt. In Frankreich, wo die Häuser in der Regel mehrere Kamine hatten, wurde ausser in der Küche, der „salle“ und dem Schlafzimmer des Hausherrn nur dann eingeheizt, wenn jemand aus der Kälte hereinkam. In Deutschland wurde der Ofen in der Stube ganztägig beheizt, wie dies ein „livre de la description des pays“ darstellt:
„Gegen die Kälte, die im Winter über Deutschland hereinbricht, haben sie öfen, die so gut heizen, dass sie es in ihren Räumen warm haben, und im Winter gehen die Handwerker dort ihrer Arbeit nach und haben ihre Frau und die Kinder um sich, und diese öfen brauchen sehr wenig Holz.““[/QUOTE]

Quelle: http://www.fres.ch/bd/content/geschichte/haushaltfam…

Und gegen die kalten Füße im Bett? Da wurden dann große Steine ins Feuer gelegt, bis sie aufgeheizt waren, dann herausgeholt, in Stoff gewickelt und ins Bett gelegt.

Das war eine Methode, die auch den weniger Reichen nützen konnte.
Bei den noch Ärmeren gab es einen anderen wirksamen Kälteschutz: Die einfachen Bauern und Tagelöhner hatten nämlich nur Hütten mit einem einzigen Raum. In dem wohnten nicht nur sie, sondern auch die Kuh, die Ziegen oder Schweine, die sie hatten. Im Zweifelsfall war es nämlich viel tragischer, wenn die einzige Kuh erfror, als wenn eines der sieben Kinder starb. Tja, und mit der Familie und dem Viehzeug auf engstem Raum wurde es dann selbst im Winter schnell warm in der Bude.

Du siehst also: Erfieren mußte auch im Mittelalter niemand… oder höchstens die ganz Armen, die noch nicht mal ein Schwein halten konnten… :confused:

Liebe Grüße, Nike

Hallo Manuel,

ich hab Holzschuhe…gefüllt mit Stroh und der normale Mensch
hats schön warm…
Ausserdem Füßlinge an den Beinlingen…hast doch welche, oder
immer noch nicht wiedergefunden?

Holzschuhe denken sich jetzt viele das wäre Quatsch…ist es
aber nicht…überhaupt nicht…ich hab im Herbst teilweise
sogar meine Füsslinge ausgezogen, weil es zu warm wurde…muss
man einfach ausprobieren zum Glauben…
Ist übrigens auch A… :smile:

War auch ein beliebtes Mittel letztes Jahr an Ostern…bloss
bei Schnee hatte man das Problem, dass zuerst der Schnee an den
Schuhen hängen blieb und man 10cm größer war und dann halt dass
es verdammt rutschig war…aber noch schneit es ja nicht…

Gruß Mike
…und sorry…hab´s total verpennt mit dem Wochenende…

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Hallo !

Mittelalter? Die mittelalterlichen Heizbräuche und die Mittel gegen Kälte waren bis in die 50er Jahre des letzten Jahrunderts (20.) die gleichen. Was Nike schreibt, ist alles richtig. Nur - das betraf nicht nur das Mittelalter, sondern ging bis in das 20. Jahrhundert. Es hatte sich seitdem kaum etwas im Haus verändert. Zumindest für die Mehrzahl der Menschen nicht. Selbst Kaiser „Wilhelm der Letzte“ zog im Winter ins Hotel Adlon, weil seine Wohnung im Stadtschloß nicht zu heizen war und er dort noch aufs Plumpsklo mußte. (Etwas früher in der Zeit, sicher, aber längst kein Mittelalter mehr).

Bis in die 50er Jahre hatte kaum eine Wohnung eine Zentralheizung. Geheizt wurde in der Woche nur die Küche und die auch nur, weil auf dem Kohleherd gekocht wurde. Das Wohnzimmer blieb kalt. Die Schlafzimmer sowieso. Wer auf den Topf mußte, tat dies in Räumen, die bei Frost auch weit unter Null Grad kalt waren und hielt seinen Hintern in das tiefgekühlte dunkle Loch. Wenn er Pech hatte , war der Berg so hoch gewachsen, daß er mit seinem Hinterteil gegen den gefrorenen Haufen seines Vorgängers stieß.
Das waren die Zustände in der Stadt.

Auf dem Land in Bauernhäusern lebte man bis vor wenigen Jahren mit dem Vieh unter einem Dach, zum Teil heute noch. Ich war in den 50er Jahren noch bei Verwandten, die hatten ihr offenes Feuer auf der Lehmdiele und das Vieh stand dort in seinen Verschlägen und wärmte den ganzen Raum.
Die Häuser waren vor 300/400 Jahren gebaut und erfüllten damals noch ihren Zweck. Wärmequelle waren das Vieh und das offene Feuer, auf dem auch gekocht wurde.
Es gab damals und vorher Bekleidungsstücke, die heute keiner mehr kennt. Z.B. den Hausmantel. Das war kein modischer Blödsinn, sondern zum Überwintern wichtig.
Es wurden Holzschuhe getragen mit Papier als Einlage. Bekam man Frostbeulen, lief man eine Weile barfuß durch den Schnee und sie waren wieder weg. Mit den Holzschuhen gingen wir zur Schule.
Der Winter war damals nicht unangenehm, weil es draußen kalt war, sondern drinnen. Man konnte den ganzen Tag in der Kälte unterwegs sein , abends hockte man dann mit der Großfamilie in der Küche. War manchmal sehr gemütlich, aber für die Menschen heute unvorstellbar.

Trinkwasser gab es nur aus eigenem Brunnen und mußte per Hand hochgepumpt werden. Das einzig Moderne war elektrischer Strom.

Gruß Werner.

mehr kennt. Z.B. den Hausmantel.

…und die Schlafmütze

mehr kennt. Z.B. den Hausmantel.

…und die Schlafmütze

Die wird heute noch getragen!! Kein Witz.
Ein Arbeitskollege geht ins Bett mit einer Nachtmütze!

Nein, nein, seine Frau heißt nicht „Nachtmütze“. Es ist eine Zipfelmütze, wie bei Wilhelm Busch und Ludwig Richter.

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