Textlastiger Musikgenuß

Hallo @all,

wenn ich Musik höre, achte ich immer sehr auf die Texte - musikalisch schöne Songs sind mir völlig verleidet, wenn ich den Text unerträglich dämlich finde, hat ein Song einen meinem Geschmack nach genialen Text, macht mir das auch sonst nicht so geschätzte Musikstile durchaus erträglich, sprich:

Der Text hat Priorität, der Ton mag zwar die Musik machen, ist für mich aber eher zweitrangig.

Nach Umhören im Bekannten- und Freundeskreis scheine ich mit dieser Vorliebe aber eher allein dazustehen.

Gibt’s Gleichgesinnte oder findet Ihr meine Art des Hörens völlig absurd?

Viele Grüße
Diana

absurd finde ich das nicht, wenn der text zu offensichtlich dämlich ist, nutzt auch eine schöne melodie nicht viel. das gilt natürlich insbesondere für deutsche lieder, wo man die texte ohne schwierigkeit sofort versteht.

andererseits kann man eine stimme ja auch einfach nur als instrument betrachten, dann kommt es weniger auf den text sondern darauf, dass die worte zur musik passen, schematisch gesehen.

ich achte eigentlich mehr darauf ob die stimme mir gefällt und zur musik passt, was genau sie singt ist mir nicht so wichtig, obwohl es auch bands gibt, die ich eigentlich nur wegen ihrer texte gut finde, ihre musik aber eher belanglos, z.b. die ärzte oder tocotronic.

gruss

Hallo Diana,

aus meiner Sicht hängt das doch sehr vom Genre ab. Bei klassischer Musik etwa, insbesondere bei Opern, sind die Texte ja doch oft sehr schwülstig oder anderweitig übertrieben, werden aber von der Musik „gerettet“. Bei anderen Musikrichtungen ist es genau umgekehrt. So hat Bob Dylan z. B. oft gute Texte, aber die Vertonungen lassen sehr zu wünschen übrig.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Beispiele
Hallo Thomas,

Klar, die Stilrichtung ist nie ganz außen vor. Mir geht es allerdings bei klassischer Musik nicht anders: Strotzt das Libretto vor grausam mißglückten Reimen etc. kann ich die Musik nicht hören.

*lach* Bob Dylan ist btw. ein exzellentes Beispiel! Mich schmerzt es z.B. auch immer, Elvis Costellos oder Randy Newmans Stimme ertragen zu müssen, aber die Texte! die Texte!

Viele Grüße
Diana

stimme einfach nur instrument
Lars hat’s ja schon gesagt, und auch für mich ist die Stimme in erster Linie ein weiteres Instrument.
Hör Dir z.B. mal an, was Mike Patton (ehemals Faith No More) so macht. Er hat selber mal gesagt, dass er eher Phonetiker als Texter ist, und das hört man ziemlich deutlich. Wenn es klingt, ist es mir persönlich völlig egal, was da gesungen wird.
Naja, völlig auch nicht. Manchmal dreht sich mir schon der Magen 'rum, wenn man sofort das Gefühl hat, dass da jemand das Reimbuch der Popmusik aufgeschlagen hat und mit „together-forever“, „highway-my way“ usw. ankommt…

Hallo, Diana!

Der Text hat Priorität, der Ton mag zwar die Musik machen, ist
für mich aber eher zweitrangig.

Das ist bei mir nicht genau so, aber auf etwas abgewandelte Weise ähnlich: Die „Liste“ meiner Lieblingssongs teilt sich in Lieder, deren Musik mich fasziniert hat und in Lieder, deren Texte mir gut gefallen. Eine meiner Lieblingsinterpretinnen (aufmerksamen Lesern mag es bereits aufgefallen sein :wink: ist Mylène Farmer: Die Musik ist nicht übel, aber ebensowenig umwerfend. Die Texte aber, deren Reime, Wortvielfalt und raffinierte Struktur mich immer wieder überraschen, drängen sich geradezu in den Vordergrund.
Selten höre ich mir auch Lieder an, nur, weil ich wissen möchte, wie der Interpret den Liedtitel in den Text eingebaut hat oder was es damit auf sich hat. Jaja, ich weiß, etwas bescheuert … :wink:
Dafür gibt es auch Lieder, bei denen ich gar nicht auf den Text lausche und mich auf den instrumentalen Hörgenuss konzentriere. Bei manchen Ergüssen ist man damit aber auch ganz gut bedient …

Nach Umhören im Bekannten- und Freundeskreis scheine ich mit
dieser Vorliebe aber eher allein dazustehen.

Ich auch.

Gibt’s Gleichgesinnte oder findet Ihr meine Art des Hörens
völlig absurd?

Nein, absurd finde ich daran nichts. Manchmal - gebe ich zu - fällt es mir etwas schwer, musikalischen Gefallen an einem Lied zu finden, dessen Text mich fasziniert. Aber ich habe es auch bei Marianne Faithfull geschafft … trotz der Stimme! *g*

Liebe Grüße!
Christopher

Hi Diana,
warum absurd? Es gibt Mainstream den ich höre. Da kommts mir nur auf die Unterhaltung an (klingt ganz nett aber mehr eben auch nicht). Dann gibts gute Musik, wobei der Text eher dürftig ist (teilweise Mike Oldfield). Wenn Musik, Text und Stimme zusammenpassen (Queen- „Show must go on“ oder Stoppok-„Tanz“), dann ist das der vollendete Genuss. Ich ärgere mich bei vielen CD´s über fehlende Lyrics.
Gruss Sebastian

hi!

Gibt’s Gleichgesinnte

jop

oder findet Ihr meine Art des Hörens völlig absurd?

z.b. ist meine absolute lieblingsscheibe „viva la muerte“ von slime … aber - um an unten anzuschließen - niemand nuschelt so herrlich wie bob dylan, wobei die musik bei ihm ja doch dementsprechend ist …

ist wahrscheinlich auch ein grund, warum ich mit techno und rave und so nix anfangen kann … obwohl ich nicht leugnen kann, daß beispielsweise „fat boy slim“ oder „air“ mir äußerst gut gefallen …

grüße,
tomh

Na Dann…
Hallo Diana,

wenn Du schöne, ausgefeilte Texte magst, dann empfehle ich mal Fischer-Z. Der Sänger, John Watts, hat Philosophie, Psychologie und Soziologie studiert und dann eine Rockband gegründet. Daher sind die Texte sehr durchdacht und mit einer gehörigen Portion schrägem Humor.

Oder Marillion - sowohl mit Fish als Sänger, als auch mit Steve Hogarth. Die Lieder sind eher so was wie vertonte Gedichte. Bei Fish als Sänger sind die Texte oft ziemlich kritisch und aggressiv; Hogarth ist eher was für Romantiker.

Gruß

Peter

hallo,

da kann ich dir ganz klar die gruppe TOOL empfehlen. deren texte sind so gestaltet dass man sie vielseitig interpretieren kann. außerdem sind das alles begnadete musiker und feinde des herkömlichen 4/4-taktes :smile:
anspieltipp: der song namens „schism“.

viel spaß…