Welchen Themenbereich(Musikrichtung) kennt ihr, welcher auch viel mit mathematischem Denken zu tun hat? Also nicht Intervallbestimmung oder so, sondern vielleicht ein bestimmter Komponist oder Musikstil.
Math Rock
Bach ist ja schon genannt worden, und der ist für seine mathematischen Fugen ja durchaus sehr bekannt.
Es gibt tatsächlich eine Musikrichtung, die sich Math Rock nennt. Gib das mal bei Google ein, und Du wirst einiges finden, u.a. freie MP3s bei http://www.epitonic.com/genres/mathrock.html - dort wird das Genre so beschrieben (naja):
„Take the intricacy and complexity of classic weirdo hard rock bands like Rush and Voivod, then add some of punk’s hyperspasmodic schizophrenia, and you’ll have a legitimate math rock contender. Math rock bands take pleasure in being erratic and unpredictable, often experimenting with peculiar tempos and jazz-derived rhythms while keeping the rock hard and aggressive all the while. Their lyrics tend to be as cerebral and expertly designed as their songs. These bands are rock’s architects of the future, recrafting and reinventing the genre’s tired song structures.“
Eine meiner Lieblingsplatten überhaupt stammt aus diesem Genre: „BUZZARD - churp!!!“ (Du wirst allerdings im Netz nicht viel dazu finden, aber in 2nd Hand-Läden hat man manchmal Glück). Unter http://artists.mp3s.com/artists/53/buzzard.html und http://www.members.tripod.com/~alienkiller2000/buzza… gibt es ein ein paar Downloads (bei MP3.COM reicht es übrigens, irgendeine fiktive Emailadresse einzugeben, wenn man danach gefragt wird).
zwar keinen Musikstil kann ich Dir empfehlen, aber ein sehr
lesenswertes Buch:
Douglas R. Hofstadter
„Gödel, Escher, Bach, ein Endlos Geflochtenes Band“
ISBN: 3608943382 Buch anschauen
Zur Thematik Mathe und Musik ist es unverzichtbar. Es ist
nicht ganz leicht zu lesen, weil es viel Mitdenken erfordert,
aber Vorwissen wird keines benötigt.
In einem anderen Artikel hat Herr Hofstadter auch mal die
Musik von Chopin in einen mathematischen Kontext gestellt.
aber was ist genau das mathematische an ‚Math Rock‘? Bin auch nach dem Besuch der Website und der Beschreibung bzw. das Anhören der Musik noch nicht zu einer Antwort gekommen.
aber was ist genau das mathematische an ‚Math Rock‘? Bin auch
nach dem Besuch der Website und der Beschreibung bzw. das
Anhören der Musik noch nicht zu einer Antwort gekommen.
Naja, irgendwie hat man halt bei den Sachen oft das Gefühl, dass die Musiker da eher vom mathematisch-analytischen Standpunkt 'rangehen (sehr bewusst konstruierte Taktwechsel und Dissonanzen usw.). Ist halt oft was zum Analysieren, Mitzählen und Rechnen…
für mich hat auch Minimal Music teilweise was Mathematisches, z.B. Stücke wie „Music for pieces of wood“ von Steve Reich. Dabei werden sogenannte Patterns (rhythmische Motive auf Woodblocks) am Anfang zusammengespielt, dann gegeneinander verschoben, und das Ganze so lange, bis am Schluß wieder das Pattern von allen zusammengespielt wird.
Gruß
mowei
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
mir fallen noch zwei Punkte ein, die Isorhythmik von Guillaume de Machaut (gest. 1377) und die Zahlensymbolik der Renaissance, die noch subtiler ist als bei Bach, z. B. in den Messen von Johannes Tinctoris (gest. 1511), aber auch bei Josquin Desprez (gest. 1521).
Hi
Interessante Idee…
Kennst du ein gutes Buch bzw. Internetseite, die du mir dazu empfehlen würdest… lieber keine Biographien der mm-Personen, denn davon habe ich schon ausreichend gefunden.
mir fallen noch zwei Punkte ein, die Isorhythmik von Guillaume
de Machaut (gest. 1377) und die Zahlensymbolik der
Renaissance, die noch subtiler ist als bei Bach, z. B. in den
Messen von Johannes Tinctoris (gest. 1511), aber auch bei
Josquin Desprez (gest. 1521).
mir fallen noch zwei Punkte ein, die Isorhythmik von Guillaume
de Machaut (gest. 1377) und die Zahlensymbolik der
Renaissance, die noch subtiler ist als bei Bach, z. B. in den
Messen von Johannes Tinctoris (gest. 1511), aber auch bei
Josquin Desprez (gest. 1521).
Wo finde ich entsprechende Literatur?
das ist nicht einfach zu beantworten. Zu Machaut gibt es eine umfangreiche Bibliographie:
Lawrence Earp, Guillaume de Machaut. A guide to research; New York et al. 1995 mit über 600 Seiten, in der nicht nur Literaturhinweise, sondern auch erste Analysen zu finden sind ( ISBN: 0-8240-2323-4 Buch anschauen )
Zur Zahlensymbolik allgemein gibt es ein interessantes Buch von
Leopold Brauneiss, Zahlen zwischen Struktur und Bedeutung. Zehn analytische Studien zu Kompositionen von Josquin bis Ligeti und Pärt;
Frankfurt am Main et al. 1997 ( ISBN: 3-631-32211-9 Buch anschauen )
Zu Josquin muss ich auf mehrere Werke verweisen (nur die wichtigsten):
Musik-Konzepte, Heft 26/27: Josquin des Prés, München 1982
( ISBN: 3-88377-130-9 Buch anschauen , enthält einen grandiosen Aufsatz über die Zahlensymbolik bei Josquin )
Sydney Robinson Charles, Josquin des Prez. A guide to research, New York et al. 1983 ( ISBN: 0-8240-9387-9 Buch anschauen , aber hier war eine Neuausgabe für 2002 geplant, die aber bisher leider noch nicht erschienen ist)
Richard Sherr (Ed.), The Josquin companion, Oxford et al. 2000 ( ISBN: 0-19-816335-5 Buch anschauen )
Für Tinctoris gibt es m. Wissens leider keine entsprechenden Untersuchungen. Hier muss man die Partitur selbst zur Hand nehmen, besonders:
Johannes Tinctoris, Johannes: Missa super l’homme armé, Partitur
Rom 1948 und anderes.
Analyseansätze finden sich vor allem in:
Lucie Balmer, Tonsystem und Kirchentöne bei Johannes Tinctoris,
orig. Bern u. Leipzig 1935, dann Hildesheim, New York 1978
( ISBN: 3-487-06687-4 Buch anschauen )
Peter Gronemann, Varietas delectat, Essen 2000 ( ISBN: 3-89206-521-7 Buch anschauen ) und einigen anderen Aufsätzen.
sorry, da kann ich Dir leider nicht helfen! Ich hatte Musik-LK bei einem Lehrer, der zeitlich gesehen zwischen Mozart und Schönberg ein dunkles Loch klaffen ließ (Geschmackssache, sagte der Affe und biß in die Seife). Daher ist mir MM in der Person von Reich noch ein Begriff, da wir unzählige Platten (jo, damals war’s noch Vinyl!) hören und mit Hilfe des zerlegten Xylophons nachspielen mußten. Die jährliche Fahrt nach Metz zu den „Tagen der Neuen Musik“ war Pflicht, was aber schlimmer hätte sein können, da sie just dann stattfanden, wenn der Beaujolais primeur rauskam. Aber ich schweife ab!
Mein Beitrag beruht jedenfalls rein aus meinem Gedächtnis und dem Gefühl, da was Mathematisches zu „empfinden“, da nach der Idee mit dem Verschieben der Patterns der weitere Verlauf des Stücks praktisch zu berechnen ist. Aber da gibt’s bestimmt noch Fachleute hier, die das aus der Hüfte schießen können (oder mich in der Luft zerzupfen).
Tut mir leid und liebe Grüße
mowei
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Ich glaube du hast volkommen Recht, MM hat sicher etwas mit MatheMatik zu tun. Aber wahrscheinlich nicht so viel, wie z.B. bei Bach.
Zu deinem LK… was habt ihr sonst so zu MM gemacht, ausser Xylophon spielen… oder habt ihr vielleicht ein anderes, viel interessanteres Thema behandelt?
also, bei MM haben wir hauptsächlich Steve Reich in allen Varianten gehört und teilweise selbst "gespielt. Das 20. Jhd. hat noch zig anderer Komponisten hervorgebracht, die wir bis zum Erbrechen durchgenommen haben. Ich muß gestehen, daß ich mit vielem nichts anfangen konnte, weil lediglich der Gedanke, was Neues machen zu müssen, noch nicht unbedingt gute Musik hervorbringt. Paradebeispiel für mich ist „4’33’’“ von John Cage, das aus Stille in eben dieser Länge besteht. Die Idee ist total gut, aber welchen Elefant man aus dieser Mücke machen kann, ist hier nachzulesen:
Nun, wie auch immer, mich hat einfach vor allem im Nachhinein geärgert, daß der Geschmack unseres Lehrers dazu geführt hat, daß wir das 19. Jhd. in zwei Wochen durchrast haben, allein aber die gleiche Zeit zum Üben der „Music for Peaces of Wood“ verwandten.
Bin ich jetzt abgeschweift? Ach, „4’33’“ ist auch Mathematik. Die Null ist schließlich was ganz Elementares in dieser Disziplin.
…nicht schlecht… mit dem 4,33
langsam gefällt mir dieses OT-Thema zu gefallen.
Was sind, deiner Meinung nach, sonst noch für typische unmusikalische Stücke/Richtungen… vom 20/21. Jahrhundert? Krasse Zwölftönmusik ist ja noch knapp hörbar.