hallo,
warum wurde die 30 jährige ZDF Hitparade eingestellt?
-sollten sich doch mindestens alle CDU leitkultur-fuzzis
für ein neuauflage einsetzen.
ich finde zumindest der deutsche schlager kann nur besser werden!
danke
Friedrich
Hi,
ich hör mir nicht gerne Schlager an, deswegen weiß ich darüber nicht so bescheid. Aber das mit dem besser werden… Naja, wenn die Schlager-Sänger bloß dauernd Englische Pop Lieder ins Deutsche übersetzen ist auch nicht das wahre. Vielleicht würde neue Musik helfen. Und wenn ich mir das manchmal anhöre… Die ganzen alten Leute meckern über Pop Musik, hören es sich aber trotzdem an und finden es ganz toll… wenn es ihr Schlager-Sänger auf Deutsch singt. Hä? Ist Geschmackssache, klar, aber ich mag Schlager halt net. Da ich auch keine Pop-Musik mag, wird es wohl auch extrem schwer mich vom Schlager zu überzeugen. Vielleicht wenn die Schlagersänger zum Beispiel Metallica, Limp Bizkit und so übersetzen und singen würden *g*
Tschau, Daniel
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Ich nicht!
Hallo, Friedrich!
Hier ein Artikel zur Einstellung der Hitparade, der Dich vielleicht interessiert:
Abschied ist ein scharfes Schwert
Stell’ Dir vor, die „Hitparade“ wird eingestellt, und keiner guckt zu
1969? Ja, sicher, ein ereignisträchtiges Jahr: Neil Armstrong, Gustav Heinemann, Willy Brandt - das mögen, der offiziellen Geschichtsschreibung zufolge, die Männer dieser Monate gewesen sein. Für viele andere freilich setzte der ehemalige Autoverkäufer und Rundfunkmoderator Dieter Thomas Heck den Meilenstein des Jahres, ja, wohl des Jahrzehnts: Am 18.Januar1969 strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen zum ersten Mal seine „Hitparade“ aus und schuf damit einen Ankerplatz für alle Menschen mit schlechtem (Musik-)Geschmack.
Einunddreißig Jahre lang hielt sie sich, ehe sie nun, mit der 367.Folge, unserer geschichtsvergessenen Zeit zum Opfer fallen soll - allen scharfen Protesten zum Trotz, wie sie sich etwa auf der (in grauenvollem Gelb gehaltenen) Internetseite www.rettetdiehitparade.de nachlesen lassen. Sympathie hat das quotengeplagte ZDF dafür nicht verdient. Mit leichter Hand zerstört es, was die Kindheit und Jugend vieler heutiger Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Kultur maßgeblich prägte. Wer mag absehen, wie es ein Roland Koch, eine Hera Lind, ein Klaus Augenthaler oder ein Heiner Lauterbach verkraften, jählings der Säule ihrer Adoleszenz beraubt zu werden? Anschauen wollte sie, die „Hitparade“, zuletzt kaum einer mehr, diese Mitklatsch-Orgie mittelklassiger Sternchen, die wie G.G. Anderson aus Eschwege stammen oder von überhaupt nirgendwoher. In den Räumen der Erinnerung indessen hat sie bei vielen einen festen Platz, wie ein altes Erbmöbel, das ins Eck geschoben wurde, aber immer wieder liebevolle Blicke erhält.
Wer der ZDF-„Hitparade“ gedenkt, hat sofort Bilder vor Augen, hört Sätze und Worte, die man zeitlebens nicht mehr vergessen wird… Ich sehe Dieter Thomas Heck (mit schrecklicher Brille und zeitgemäßen Koteletten) vor mir, wie er seine Interpreten ansagt, nein: anschreit, wie er die Einmaligkeit des „Live“-Gesangs herausstellt, wie er am Ende mit atemberaubender Geschwindigkeit gewöhnliche Familiennamen zu mythischer Größe erhebt („Regie: Truck Branss, Bühnenbild: Joachim Dzierzenga“ … - ja, so schreibt sich dieser Mann, den wir alle unter „Tschertschenga“, oder so ähnlich, abgespeichert hatten), und wie er die Buchstaben „Z - D - F“ ausstößt, als habe man es mit einer magischen Beschwörungsformel zu tun.
Fünfzehn lange Jahre stand Heck dieser Veranstaltung vor. Seine Nachfolger - das Intermezzo Viktor Worms und der Lichtausmacher Uwe Hübner - bewegten sich von Anfang an auf abschüssigem Gelände. Die Internationalisierung des populären Liedguts hatte den deutschen Schlager in die Knie gezwungen, und so mühte sich die „Hitparade“ seit Mitte der Siebziger verzweifelt darum, gegen den Strom zu schwimmen. 1974 trompetete Tina York, Mary Roos’ kleine Schwester, patzig ihr „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ ins legendäre Studio der Berliner Union Film. Bis zuletzt eignete der Sendung ein Trotzgestus an, der gebetsmühlenhaft betonte, dass man den Schlager liebe und hege, dass er nicht untergehen und, so ZDF-Programmdirektor Schächter, auch weiterhin eine bedeutende Rolle in der Anstalt spielen werde. Alle Versuche, sich zu öffnen, schlugen fehl. Man integrierte die Neue Deutsche Welle, ließ ausländische Produktionen zu, bot genrefernen Sängern wie „Rosenstolz“ ein Forum, und als alle Stricke zu reißen drohten, legte sich Uwe Hübner ein Raver-Bärtchen zu. Genützt hat das wenig: Die Stars der Szene scheuten Abstimmungsniederlagen und blieben weg; in der „Hiparade“ wurden vor allem Nevergreens kreiert.
Wie anders, wie schön, so erinnern wir uns, war es in den Anfängen, als Chris Roberts (65 Auftritte), Lena Valaitis (die mit der litauischen Löwenmähne - 39 Auftritte), Nicole (16 Siege!) oder Juliane „Wimmer-Jule“ Werding (50 Auftritte) hier ihre Karrierehöhepunkte erlebten. Schon die erste Folge im Januar 1969 bot 14 namhafte Interpreten auf: die pausbäckige Schwedin Anna-Lena, die mit „Rot ist die Liebe“ den historischen Auftakt machte, den Briten Graham Bonney („Wähle 3-3-3“), die charmante Jacqueline Boyer, den Jura-Studenten Peter Orloff, den Altmeister Gerhard Wendland oder die bildhübsche, weißgestiefelte Manuela, die sich bei „Guantanamera“ herzerweichend im Sprechgesang übte. Das Publikum saß mit toupierten Frisuren und gut gebundenen Krawatten anständig auf seinen Plätzen und brach keineswegs bei jedem Lied in schunkelndes Toben aus. Die Bühne bestand aus einem Eisengerüst, das Bata Illic oder Karel Gott besteigen durften, und aus einer Rundbühne, auf der der nette Skandinavien-Import Siw Malmkvist die „Zigeunerhochzeit“ besang. Und nicht zuletzt war da Renate Kern, die, gerade von einem Autounfall erholt, das großartige „Du musst mit den Wimpern klimpern“ nur mit Stock und geringem Bewegungsradius zu Gehör bringen konnte.
„Tempora mutantur et nos mutamur in illis“ - die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen -, so sagen die Altphilologen unter den „Hitparaden“-Fans. Nie traf dies so zu wie am heutigen Sonnabend. Eine nationale Einrichtung wird zu Grabe getragen, eine, die sich - vor allem unter dem getreuen Rainer-Barzel-Sympathisanten Heck - stets zum Nationalen bekannte. Damit stand sie bald auf verlorenem Posten, und so finden wir es zwar unverzeihlich, dass uns dieser Halt von kalten Quotenmanagern genommen wird, aber ein bisschen verstehen können wir es auch. Denn eine Sendung, die Roland Kaiser („Sieben Fässer Wein“), der bürgerlich Keiler heißt, allein 67 Auftritte bescherte, stirbt vielleicht zu Recht. „Abschied ist ein scharfes Schwert“ - Roger Whittakers große Worte fassen diesen Tag am besten in Worte. Wir werden versuchen, die Stunde der letzten Ausstrahlung gelassen zu verbringen und in alten Tagebüchern lesen. HECK moderierte 1974 die „Hitparade“, prophezeite ihr 1999 ewiges Leben und erlebt heute das Ende.
Quelle: „Tagesspiegel“ vom 16.12.2000
Und hier noch ein Interview:
"Wir beerdigen ein Stück Kultur" / Am Samstag stirbt die ZDF-"Hitparade"
Dieter Thomas Heck glaubt an ihre Wiedergeburt
Sie war Institution und Kult, Sprungbrett für die Künstler, Gaudi für die Zuschauer. Nach 367 Sendungen wird die „Hitparade“ abgesetzt, ausrangiert wie eine alte Lokomotive, die nicht mehr zieht. Uwe Hübner (39) präsentiert an diesem Samstag zum letzten Mal die legendäre Schlagershow im ZDF: Um 17.55 Uhr treten die Sieger der vergangenen zwölf Monate gegeneinander an. Im kommenden Jahr wird es nur noch zwei 90-minütige Schlager-Galas geben. Ursache für den leisen Abschied vom einstigen Markenzeichen der Mainzer ist der schleichende Quotenschwund. In den letzten sechs Jahren verlor die „Hitparade“ 80 Prozent ihrer Zuschauer, zuletzt schalteten im Schnitt gerade einmal zwei Millionen ein. Gegen die Einstellung gibt es viele Proteste von Fans und Schlagerstars - Jürgen Drews kündigte sogar eine Demonstration vor dem Reichstag in Berlin an. Dieter Thomas Heck, der die „Hitparade“ aus der Taufe hob, fordert ein neues attraktives Sendekonzept: „Man muss mit der Zeit gehen und auch einen Blödelsänger wie Stefan Raab in die Sendung einbeziehen.“. Robert Dunker sprach mit dem 63-jährigen Moderator Dieter Thomas Heck.
DIE WELT: 31 Jahre „Hitparade“ heute wird sie von Moderator Uwe Hübner zu Grabe getragen…
Dieter Thomas Heck: …ganz recht. Mit der „Hitparade“ wird ein Stück Kultur beerdigt. Sie war Ausdruck eines deutschen Lebensgefühls.
DIE WELT: Werden Sie als Gründeivater kondolieren?
Heck: Weil ich aus privaten Gründen verhindert bin, werde ich mir am Sonntag eine Aufzeichnung ansehen.
DIE WELT: Mit feuchten Augen?
Heck: Ich werde kein Taschentuch brauchen. Glauben Sie mir, wenn man nach 16 Jahren nicht den nötigen Abstand gewonnen hat, kann etwas nicht ganz stimmen.
DIE WELT: Am 15. Dezember 1984 um
19.30 Uhr ließen Sie in den Berliner Union Film-Studios zum letzten Mal für die „Hitparade“ ihren Zeigefinger kreisen. Dann kamen Viktor Worms und Uwe Hübner und besonders mit dem Letzteren das Quotentief. Was hat er falsch gemacht?
Heck: Es ist nur ein vorläufiges Aus. Ich prophezeie, dass es in spätestens zwei Jahren ein ähnliches Projekt geben wird. Auf jede Baisse folgt im Showgeschäft eine Hausse. Zuletzt stimmte allerdings vieles nicht - angefangen vom alles andere als idealen Sendetermin, der mit der Bundesligaberichterstattung auf Sat 1 kollidierte, bis hin zum Konzept.
DIE WELT: Was tun?
Heck: Die „Hitparade“ muss attraktiver werden, dann kommen auch wieder die Stars, die zuletzt verzichtet haben. Man darf sich nicht mehr den Trends verschließen, sondern muss auch Leute wie Stefan Raab, die vordergründig nichts mit dem Schlager gemein haben, in die Sendung integrieren. Das zieht die Zuschauer heute an.
DIE WELT: Könnten Sie den deutschen Schlager retten?
Heck: Ich habe es doch vorgemacht, als ich mich Anfang der Achtziger umstellen und die Interpreten der Neuen Deutschen Welle, wie Trio und Hubert Kah, miteinbeziehen musste. Ich würde die heutigen „Hitparaden“-Macher gerne beraten, aber man hat mich nicht gefragt. Da ist man sich wohl zu eitel.
DIE WELT: Sie sind trotzdem nicht arbeitslos. Gibt es eine Neuauflage Ihrer im Sommer eingestellten TV- Reihe " Showpalast "?
Heck: Ich gackere nicht, bevor das Ei da ist. Es wird im kommenden Jahr ein ähnliches Format geben, wir basteln noch daran. Fest steht, dass ich drei Mal das „Sommerfestival“ moderiere, dazu die „Gala der Welthungerhilfe“, die „Goldene Stimmgabel“ und „Melodien für Millionen“.
Quelle: „Die Welt“ vom 16.12.2000
Gruß!
Chris