Auffanggesellschaften

Hallo!
Zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen werden Mitarbeiter häufig in sog. „Auffanggesellschaften“ verschoben.
Was genau verbirgt sich dahinter? Wer hat Erfahrung damit? Worauf soll man achten, bevor man sich auf so etwas einlässt?
Danke im voraus für jegliche Informationen!
Gruss,
PECOS

hallo pecos,

eine auffanggesellschaft wird zur saniering eines unternehmens gegründet, dass finanziell stark angeschlagen ist. gesellschafter sind in aller regel die gläubiger. rein rechtlich ist diese auffanggesellschaft vom unternehmen getrennt, führt gewinne aber in das unternehmen ab.
allerdings nicht zu verwechseln mit einer beschäftigungsgesellschaft. beschäftigungsgesellschaften sind betriebsorganisatorisch eigenständige einheiten, die von externen dienstleistern betrieben werden. meistens sind das bildungsträger, die die beschäftigten qualifizieren und weitervermitteln sollen. die agentur für arbeit übernimmt in dem moment zw 60 und 67% des nettos in form von strukturiertem kurzarbeitergeld, der rest wird vom arbeitgeber gezahlt. 80% des bisherigen nettos bleiben dabei also erhalten. man kann bis zu 24 monaten in eine beschäftigugsgesellschaft bleiben, danach hat man ganz normal anspruch auf alg, basierend auf dem vorherigen gehalt.

ganz schwer dazu eine wertung abzugeben… einige nutzen das als chance einen neuen job zu finden, ohne arbeitslos geworden zu sein. böse zungen sagen. dass es nur künstlich verzögerte arbeitslosigkeit ist…

hoffe dir etwas weitergeholfen zu haben

regards bianca

Hallo Bianca,
also, zunächst recht herzlichen Dank für Deine Ausführungen. Nach Deiner Definition scheint es sich bei besagtem Fall doch um eine „Beschäftigungsgesellschaft“ zu handeln; die Mitarbeiter sollen 80 % ihres bisherigen Nettos erhalten.
Jetzt aber doch noch eine Frage: Du schreibst

"man kann

bis zu 24 monaten in eine beschäftigugsgesellschaft bleiben,
danach hat man ganz normal anspruch auf alg, basierend auf dem
vorherigen gehalt."

Meinst Du mit vorherigem Gehalt das alte Gehalt VOR der Beschäftigungsgesellschaft??

Danke im voraus! Ach ja, hast Du oder jemand Bekanntes persönliche Erfahrungen damit gemacht?
Gruss,
PECOS

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hallo pecos,

ja, die entgeltersatzleistung wird von dem gehalt errechnet, das du vor der beschäftigungsgesellschaft hattest. wäre sonst auch ziemlich ungerecht.

ich habe beruflich viel damit zu tun. die sache ist halt die: wenn ein unternehmen dem arbeitnehmer vorschlägt in eine beschäftigungsgesellschaft zu gehen, dann ist die alternative ja eine fristgerechte betriebsbedingte kündigung oder ein aufhebungsvertrag. der betriebsrat bzw. die gewerkschaftler sehen das natürlich gar nicht gerne.
ich persönlich halte beschäftigungsgesellschaften für eine recht verträgliche lösung. die leute dort wissen, worauf es auf dem arbeitsmarkt ankommen. wenn man sich schon lange nicht mehr beworben hat, kann man sich dort für die momentanen anforderungen fit machen lassen. man muss nur ein stück weit offen sein und die chance nutzen wollen. der riesenvorteil ist eben, dass man sich aus der beschäftigung heraus bewerben kann… sollte man nicht unterschätzen. klar ist das erst mal unbefriedigend, schliesslich ist man mit der beschäftigungsgesellschaft nicht mehr auf dem ersten, sondern auf dem zweiten arbeitsmarkt, aber es ist eine vernünftige alternative. solltest du später doch arbeitslos werden, würde sich für dich auch rein rechtlich mit hartz IV nicht viel ändern, da du sowieso alg I-empfänger wärst.

regards bianca

Noch eine Erfahrung
Hi!

Danke im voraus! Ach ja, hast Du oder jemand Bekanntes
persönliche Erfahrungen damit gemacht?

Bei meinem Ex-AG war es so, dass zur Vermeidung der betriebsbedingten Kündigungen eine solche Gesellschaft gegründet wurde.

Abgesehen vom enormen Schreibkram, den ich als Lohnfuzzi damit hatte (ok - hätte ich bei Kündigungen auch gehabt, aber das konnte SAP automatisch)…

Von den Leuten, die dieses Angebot angenommen hatten, bekamen gut und Gerne zwei Drittel innerhalb der zwei Jahre einen anderen Job (meist innerhalb des Konzerns)!

Jetzt bin ich mal böse Zunge: Das letzte Drittel hatte sich nicht ausreichend bemüht (da eigentlich genug Jobs - wenn auch nicht immer zu den vorherigen Konditionen - da waren)!

LG
Guido