Hallo,
vielleicht weiß Jemand Rat: Ein Kollege, den ich ansonsten sehr schätze, hat in unserer Firma seit Februar ein neues Aufgabenfeld übernommen. Seitdem sitzt er täglich bis mindestens 20 Uhr im Büro, was er normal findet und wenn es „ab und zu“ mal länger wird, dann auch schon mal bis Mitternacht oder länger. Wochenendarbeit kommt an jedem 2. Wochenende vor.
Seine Vorgesetzte sieht diesen Einsatz natürlich gerne und ist blind davor, dass er sich möglicher Weise übernimmt: („Er kennt seine Aufgaben am besten und kann das daher auch am besten einschätzen“)
Ganz deutlich wurde es als er 10 Tage in Urlaub ging und vertreten werden musste - durch mich. Spätestens hier war erkennbar, dass sein Pensum ( objektiv! ) unmenschlich ist und kaum von einer einzelnen Person in normalen 40-45 Stunden über einen unbegrenzten Zeitraum hinweg schaffbar ist. Ich informierte die Chefin und bekam eine zweite Mitarbeiterin an die Seite gestellt, um eine Lösung zu suchen. In 8 Tagen hatten wir Zeit eine Umverteilung der Aufgaben zu testen und zu schauen, ob ein für alle Seiten vertretbares Ergebnis herauskommt was letztlich alle entlastet.
Es funktionierte. Darüber setzten wir die Chefin am Ende unserer „Testphase“ in Kenntnis, was sie (anscheinend) wohlwollend aufnahm.
Kollege kommt zurück aus Urlaub, macht ein Riesenfaß auf und reißt sofort wieder alles an sich - ohne auf eine weitere kurze Testphase einzugehen, und beschimpft mich. Seitdem Funkstille zwischen uns. Die Chefin will sich nicht einmischen (*vornkoppschlag*), Argument siehe oben.
Am ersten Tag nach seinem Urlaub verbrachte er ca. 14 Stunden im Büro: bis mindestens 23 Uhr.
Ich selbst habe daraufhin signalisiert, das ich für weitere Vertretung nicht zur Verfügung stehen werde, wenn alles so bleibt wie vorher.
TATSÄCHLICH müsste mich das alles NICHTS ANGEHEN, nur: sobald er wieder Urlaub macht oder sonstwie ausfällt ODER aber ein Burnout erleidet kommt der Bumerang auf mich zurück, denn so viele gibt es nicht die diesen Job machen können.
Jetzt meine Fragen:
1.Geht mich das WIRKLICH nichts an?
2.Wann kommt es bei dieser Belastung frühestens bzw. allerspätestens zum Burnout und damit zum Ausfall?
3.Wer ist (arbeitsrechtlich??) verantwortlich, wenn dieser Mensch vielleicht sogar verstirbt? (Auch wenn wir hier nicht in Japan sind, Stichwort: KAROSHI) Bei uns scheint das keinen zu kümmern …
4. Und darf ich unter diesen Bedingungen eine Vertretung verweigern? Ich habe nämlich ein Leben neben der Arbeit - er nicht.
Vielleicht sollte ich hier aufhören, da ich alles so sinnlos finde … Denn das Komische ist, er macht es freiwillig, denn unsere Gehälter sind projektbezogen: Je mehr zu tun, desto höher die Ausschüttung.
Aber vielleicht hat jemand einen Gedankenanstoß für mich.
Val
P.S.: Einen Betriebsrat gibt es bei uns nicht. Der hat sich letztes Jahr frustriert aufgelöst. (Weitere Stichworte: Alkoholismus in der Chefetage, demotivierte Mitarbeiter allerorten (mit wenigen Ausnahmen), Jobs bei der Konkurenz dünn gesät, man hält also durch…)
