Gehaltserhöhung

Hallo Forum,

ich hatte letzte Woche ein Gespräch mit meinem Chef bezüglich einer Anpassung meines Gehaltes.
Ich bin seit 3 Jahren im Unternhemen und habe noch nach keiner Erhöhung gefragt. Jetzt hat mein Chef gesagt, ich habe bereits eine Erhöhung bekommen.denn alle im Unternhemen haben Mitte 2003 einen allgemeine Anpassung von 3 % erhalten. Das war so eine Anpassung die es alle 2 Jahre im Unternhem gibt.

Was ich aber erreichen wollte war eine individuelle Anpassung. Meine Frage ist nun, ob ich mich mit der Begründung zufrieden geben muss, dass eine allgeimen Anpassung gleichzusetzen ist wie meiner persönlichen Gehaltserhöhung.

Dadurch beugt unser Chef vor, dass wir bei ihm auf der Matte stehen und nach einer Anpassung fordern. Wie soll ich mich jetzt verhalten ? Trotzdem nach einer Erhöhung verlange ? Wie kann ich da argumentieren ?

Danke für die Hilfe,

Gerd.

Hi,

(…)

Wie
kann ich da argumentieren ?

Nur, indem du deine Leistungen sachlich herausstellst.
Der AG muss den Eindruck gewinnen, dass du eine bessere Behandlung wert bist.
Das Dumme ist nämlich, dass Erhöhungen praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Das ist ein Grund, weshalb man schon ziemlich stichhaltige Gründe vorbringen muss, damit ein AG sich in diese Einbahnstrasse begibt.

Und bitte sieh davon ab, als Bittsteller aufzutreten, denn dann hast du es für lange Zeit verbockt.
Gruss,

Danke Helge,

ich gebe dir völlig Recht. Ich habe einiges an Argumenten gebracht und der Chef meinte ich hätte Recht nur hätte ich ja bereits eine Erhöhung bekommen - die allgeimen 3% die alle anderen auch bekommen haben. Habe dann einiges aufgezählt warum ich mich überdurchschnittlich entwickelt hätte und dass die 3 % ja schon 1 1/2 Jahre her seien bla bla.

Der nur ganz cool: Wenn er schon bereit sei allen Angestellten alle 2 Jahre das Gehalt zu erhöhen, dann gibt es keine indiviuellen Erhöhungen mehr.

Schade.

Gerd.

Hallo Gerd,

also erstmal: Gehaltserhöhungen kann man grundsätzlich immer aushandeln. Die pauschale Regelung lässt entweder darauf schliessen, dass 1.) Arbeitskräfte in Deinem Job leicht und schnell ersetzbar sind, und/oder 2.) dass Dein Chef wenig Erfahrung/Führungsstärke hat und/oder 3.) dass Dein AG Kostendruck ausgesetzt ist und Mindestregelungen einhält die von Gewerkschaften oder sonstwoher kommen und/oder 4.) Er verkauft Dich für dumm, weil er seinen Vertrauensleuten sehr wohl individuelle Erhöhungen gibt - nur dem Grossteil der Mannschaft was von Gerechtigkeit vormacht, um im Topf für die ‚Freunde‘ zu sparen.

Ich behaupte, dass es für jeden Fall eine Lösung zu einer Erhöhung gibt.

Ich stell mal die typische Denkweise des Arbeitgebers zusammen:

  • wenn ich eine Erhöhung gebe, kann ich sie nicht mehr rückgängig machen, d.h. der Mitarbeiter muss nicht nur gut sein sondern auch Potenzial haben, damit er das Geld auch in Zukunft wieder reinbringt. Was passiert, wenn mir Geschäft wegbricht? Ist mir das der MA das Gehalt dann immer noch Wert?

  • ich gebe allen 3% - wenn einer mehr bekommt, dann wollen die anderen auch mehr. Vertraue ich dem Mitarbeiter, dass er die Info nicht weitergibt? Mache ich mich vielleicht abhängig oder erpressbar? Habe ich die Stärke dazu zu stehen jemanden mehr zuzuteilen?

  • Was tun meine Leute? Gibt es individuelle Stärken, die für mich wichtiger sind - z.B. Kreativität? Wieviel ist mir diese Stärke wert? Oder ist jeder ersetzbar? Dann fahre ich eher konservativ.

  • Was wird mein eigener Chef dazu sagen? - wie kann ich es ihm verkaufen, dass er es als Erfolg ansieht diesen Mitarbeiter zu fördern?

Also wichtig ist rauszukriegen, wie Dein Chef denkt - welche Beschränkungen, Ängste etc er hat. Auf die musst Du eingehen. Frag ihn offen danach.

Als Grundkenntnis solltest Du Kriterien für Vergütung kenne. I.a. kann man das auf 3 Kriterien einschränken:
1.) Marktwert - wieviel ist der Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt wert? Wieviel muss ich zahlen, damit der Mitarbeiter nicht zu einem anderem Unternehmen wechselt?
2.) Leistung und Potenzial: Welchen Wert bringt mir der Mitarbeiter zusätzlich und im Vergleich zu den anderen? Was kann mir der MA in der Zukunft noch bringen? Was würde ich verlieren, wenn der MA nicht mehr bei mir wäre?
3.) Bedarf: Hat der MA besonderen Bedarf im Leben, z.B. Abzahlungen, Familie etc.?

Zu 1.) Du musst rausfinden, was Dein Job in anderen Unternehmen bringt - wenn möglich finde raus, was andere in vergleichbaren Positionen verdienen. Dazu gibt es im Internet einige Quellen - nutze aber auch persönliche Kontakte.
Zu 2.) Beantworte die Frage - denk nach was Du Deinem Chef einbringst und was wäre, wenn jemand anderes Deinen Job machen würde. Denk in EURO.
Zu 3.) Das geht nur, wenn Dein Unternehmen eine gewisse Kultur vertritt und auf Bedürfnisse eingeht. Hier würde ich nicht mehr als 5% zusätzlich fordern - und bei Deinem Chef wahrscheinlich eher gar nichts.

Jede Verhandlung führt sich besser mit einem Trumpf in der Hand - wer Alternativen hat ist in der besseren Position. Daher finde auch raus, wie leicht es für Deinen Chef ist auf Dich zu verzichten (gibt es Andere die Deinen Job machen können?) - für Dich ist es natürlich besser, wenn Du schon Kontakte hast, vielleicht sogar konkrete Angebote anderer Unternehmen. Ich persönlich suche jedes Jahr mal, auch wenn ich danach ‚nur‘ meinen Marktwert kenne - es bringt immer was.

Das alles ist natürlich richtig Aufwand - einiges wirst Du nur unter Unsicherheit beantworten können. Es lohnt sich, wenn Du nicht in die 3% Schiene gezwängt werden willst - denn was Du Dir erarbeitest wirst Du über die ganze Berufskarriere immer wieder nutzen können.

Noch einige abschliessende Gedanken dazu:

  • Bewahre Dir auch eine gewisse Bescheidenheit - wer sehr viel über seinen Wert rausschlägt macht, wird in Cost Saving Zeiten evtl. unbeliebt in den Gehaltslisten
  • Lass Dir eher Zeit einen guten Grundstock an Informationen und Alternativen auszuarbeiten - mach dann ein Gespräch mit Deinem Chef und arbeite konstruktiv eine Entwicklung über die nächsten Jahre mit ihm aus - Mach evtl Erfolgsfaktoren mit ihm aus. Lass Dich nicht durch pauschale Regelungen ablenken. Mach auch zugeständnisse - überleg Dir vorher worauf Du dich einlassen willst. Evtl. kann ein Satz von Schulungen in einem jahr eine Gehaltserhöhung ersetzen. Wenn Dein Chef Unsicherheit vor der Zukunft hat, dann vereinbare erstmal eine Einmalzahlung. Konzentriere Dich auf den Termin und vermeide Nörgeln und Nachfragen im Vorfeld - zeige aber deutlich, dass Dein Gehalt ein wichtiges Thema ist, das für Dich eine Verhandlung wert ist.
  • Vermittle auf jeden Fall Vertrauen und Verschiwegenheit. Sonderregelungen sind immer etwas problematisch, um so mehr, wenn Schweige-Vereinbarungen gebrochen werden.
  • Es ist legitim über Marktwerte zu sprechen - lass Durchblicken, dass Du Dich auskennst
  • Dein Chef muss überzeugt sein, dass er gewinnt - das hat er nur, wenn Du die zusätzlichen EUROS durch Leistung aufwiegen kannst

Ich hoffe ich konnte helfen.

Grüße,
Vito

Hallo,

in so einer Firma war ich auch mal. Das Gehalt (meins) war schlecht. (Das der Alteingesessenen war eher ziemlich gut) Beim Personalgespräch hieß es immer nur, wir müssen alle den Gürtel enger schnallen. Vielleicht später mal.

Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und hab mich wegbeworben. (Das geht auch heute noch aus deiner ungekündigten Stellung raus ganz gut) Für mich war es die beste Entscheidung meiner Laufbahn. Die Firma ist mittlerweile kurz vor der Auflösung, ich habe den geilsten Job, den ich mir vorstellen kann und verdiene das Doppelte.

Gruß

Peter

Dann sehe ich nur einen Weg
Hi,

und zwar weg von dort.
Aber langsam, nichts überstürzen.
Gruss,