Hallo Gerd,
also erstmal: Gehaltserhöhungen kann man grundsätzlich immer aushandeln. Die pauschale Regelung lässt entweder darauf schliessen, dass 1.) Arbeitskräfte in Deinem Job leicht und schnell ersetzbar sind, und/oder 2.) dass Dein Chef wenig Erfahrung/Führungsstärke hat und/oder 3.) dass Dein AG Kostendruck ausgesetzt ist und Mindestregelungen einhält die von Gewerkschaften oder sonstwoher kommen und/oder 4.) Er verkauft Dich für dumm, weil er seinen Vertrauensleuten sehr wohl individuelle Erhöhungen gibt - nur dem Grossteil der Mannschaft was von Gerechtigkeit vormacht, um im Topf für die ‚Freunde‘ zu sparen.
Ich behaupte, dass es für jeden Fall eine Lösung zu einer Erhöhung gibt.
Ich stell mal die typische Denkweise des Arbeitgebers zusammen:
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wenn ich eine Erhöhung gebe, kann ich sie nicht mehr rückgängig machen, d.h. der Mitarbeiter muss nicht nur gut sein sondern auch Potenzial haben, damit er das Geld auch in Zukunft wieder reinbringt. Was passiert, wenn mir Geschäft wegbricht? Ist mir das der MA das Gehalt dann immer noch Wert?
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ich gebe allen 3% - wenn einer mehr bekommt, dann wollen die anderen auch mehr. Vertraue ich dem Mitarbeiter, dass er die Info nicht weitergibt? Mache ich mich vielleicht abhängig oder erpressbar? Habe ich die Stärke dazu zu stehen jemanden mehr zuzuteilen?
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Was tun meine Leute? Gibt es individuelle Stärken, die für mich wichtiger sind - z.B. Kreativität? Wieviel ist mir diese Stärke wert? Oder ist jeder ersetzbar? Dann fahre ich eher konservativ.
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Was wird mein eigener Chef dazu sagen? - wie kann ich es ihm verkaufen, dass er es als Erfolg ansieht diesen Mitarbeiter zu fördern?
Also wichtig ist rauszukriegen, wie Dein Chef denkt - welche Beschränkungen, Ängste etc er hat. Auf die musst Du eingehen. Frag ihn offen danach.
Als Grundkenntnis solltest Du Kriterien für Vergütung kenne. I.a. kann man das auf 3 Kriterien einschränken:
1.) Marktwert - wieviel ist der Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt wert? Wieviel muss ich zahlen, damit der Mitarbeiter nicht zu einem anderem Unternehmen wechselt?
2.) Leistung und Potenzial: Welchen Wert bringt mir der Mitarbeiter zusätzlich und im Vergleich zu den anderen? Was kann mir der MA in der Zukunft noch bringen? Was würde ich verlieren, wenn der MA nicht mehr bei mir wäre?
3.) Bedarf: Hat der MA besonderen Bedarf im Leben, z.B. Abzahlungen, Familie etc.?
Zu 1.) Du musst rausfinden, was Dein Job in anderen Unternehmen bringt - wenn möglich finde raus, was andere in vergleichbaren Positionen verdienen. Dazu gibt es im Internet einige Quellen - nutze aber auch persönliche Kontakte.
Zu 2.) Beantworte die Frage - denk nach was Du Deinem Chef einbringst und was wäre, wenn jemand anderes Deinen Job machen würde. Denk in EURO.
Zu 3.) Das geht nur, wenn Dein Unternehmen eine gewisse Kultur vertritt und auf Bedürfnisse eingeht. Hier würde ich nicht mehr als 5% zusätzlich fordern - und bei Deinem Chef wahrscheinlich eher gar nichts.
Jede Verhandlung führt sich besser mit einem Trumpf in der Hand - wer Alternativen hat ist in der besseren Position. Daher finde auch raus, wie leicht es für Deinen Chef ist auf Dich zu verzichten (gibt es Andere die Deinen Job machen können?) - für Dich ist es natürlich besser, wenn Du schon Kontakte hast, vielleicht sogar konkrete Angebote anderer Unternehmen. Ich persönlich suche jedes Jahr mal, auch wenn ich danach ‚nur‘ meinen Marktwert kenne - es bringt immer was.
Das alles ist natürlich richtig Aufwand - einiges wirst Du nur unter Unsicherheit beantworten können. Es lohnt sich, wenn Du nicht in die 3% Schiene gezwängt werden willst - denn was Du Dir erarbeitest wirst Du über die ganze Berufskarriere immer wieder nutzen können.
Noch einige abschliessende Gedanken dazu:
- Bewahre Dir auch eine gewisse Bescheidenheit - wer sehr viel über seinen Wert rausschlägt macht, wird in Cost Saving Zeiten evtl. unbeliebt in den Gehaltslisten
- Lass Dir eher Zeit einen guten Grundstock an Informationen und Alternativen auszuarbeiten - mach dann ein Gespräch mit Deinem Chef und arbeite konstruktiv eine Entwicklung über die nächsten Jahre mit ihm aus - Mach evtl Erfolgsfaktoren mit ihm aus. Lass Dich nicht durch pauschale Regelungen ablenken. Mach auch zugeständnisse - überleg Dir vorher worauf Du dich einlassen willst. Evtl. kann ein Satz von Schulungen in einem jahr eine Gehaltserhöhung ersetzen. Wenn Dein Chef Unsicherheit vor der Zukunft hat, dann vereinbare erstmal eine Einmalzahlung. Konzentriere Dich auf den Termin und vermeide Nörgeln und Nachfragen im Vorfeld - zeige aber deutlich, dass Dein Gehalt ein wichtiges Thema ist, das für Dich eine Verhandlung wert ist.
- Vermittle auf jeden Fall Vertrauen und Verschiwegenheit. Sonderregelungen sind immer etwas problematisch, um so mehr, wenn Schweige-Vereinbarungen gebrochen werden.
- Es ist legitim über Marktwerte zu sprechen - lass Durchblicken, dass Du Dich auskennst
- Dein Chef muss überzeugt sein, dass er gewinnt - das hat er nur, wenn Du die zusätzlichen EUROS durch Leistung aufwiegen kannst
Ich hoffe ich konnte helfen.
Grüße,
Vito