Existenzgründung
Von: Brigitte, 26.11.2001 20:04 Uhr
Hallo,

hab grad einen Disput hinter mir und hoffe auf Lösung durch wer-weiss-was....

Der Betriebsgewinn/-verlust aus einer Einnahme-Überschuss-Rechnung (= die Summe, die in das Formular "Einkünfte aus Gewerbebetrieb - Anlage GSE" des Finanzamtes unter "Gewinn" eingetragen wird) beinhaltet er nun Umsatz- und Vorsteuer oder wird er rein Netto angegeben??

Schon mal vielen Dank für eure Auskunft,
Brigitte



  1. Antwort von Anonym (abgemeldet) 1
    Re: Einnahme-Übersch.-Rechng. -Gewinn netto od bru
    Hallo Brigitte,

    ich denke das Problem kann so nicht eindeutig gelöst werden.

    Die erste Frage Vorsteuerabzugsberechtigt ja oder nein ?

    Wenn ja:

    Bist du vorsteuerabzugsberechtigt dann wirst Du die einbehaltene Vorsteuer als Forderung auf ein seberates Vorsteuerkonto buchen und die Umsatzsteuer auf ein Verbindlichkeitskonto Umsatzsteuer buchen. Die Differenz davon wirst Du an das Finanzamz bezahlen müssen (wenn Umsatzsteuer grösser als Vorsteuer) oder vom Finanzamt erstattet bekommen (wenn Vorsteuer grösser als Umsatzsteuer). Beide Konten müssen nach dem Zahlungsausgleich die gleiche Summe ausweisen. Beide Konten sind Bestandskonten und kommen nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung. Daher werden diese Posten auch gewinnneutral behandelt. Dann sind die Eintragungen bei der Einkommensteuererklärung netto zu erklären.

    Beispiel

    116,00 Euro brutto Umsatz

    58,00 Euro brutto Ausgaben

    Buchungen:

    Bank 116,00 Euro an Erlöse 100,00 Euro
    USt. 16% 16,00 Euro

    Bürobedarf 50,00 Euro
    VSt. 16% 8,00 Euro an Bank 58,00 Euro

    Einnahme vom Kunden 16,00 Euro Umsatzsteuer
    Ausgabe an Bürohaus 8,00 Euro Vorsteuer

    Zahlung an FA 8,00 Euro Umsatzsteuer

    Damit sind auf beiden Konten noch 8,00 Euro rein rechnerisch vorhanden und werden gegeneinander ausgeglichen.

    Gewinn: 100,00 - 50,00 = 50,00 Euro


    Wenn nein:

    Dann darfst Du keine Rechnungen mit gesonderter Umsatzsteuer erstellen. Die Umsatzsteuer darf weder betrags- noch satzmässig ausgewiesen werden. Dann sind logischerweise auch die Umsatze in der Erklärung brutto anzugeben. Die ausgewiesene Vorsteuer geht dann zu Deinen lasten.

    Buchungen:

    116,00 Euro brutto Umsatz

    58,00 Euro brutto Ausgaben

    Buchungen:

    Bank 116,00 Euro an Erlöse 116,00 Euro

    Bürobedarf 58,00 Euro an Bank 58,00 Euro

    Gewinn: 116,00 - 58,00 = 58,00 Euro

    Ich hoffe hier einbischen Klarheit in ein schwieriges Thema gebracht zu haben.

    Gruss Bernhard
    1 Kommentare
    • von Brigitte 2
      Danke für eure Hilfe
      Danke, ich glaub, jetzt hab ich´s.
      Übrigens bin ich vorsteuerberechtigt.
      Gruss, Brigitte
  2. Antwort von Wolfgang Dreyer 0
    Re: Einnahme-Übersch.-Rechng. -Gewinn netto od bru
    Hallo Brigitte,

    wenn Du vorsteuerabzugsberechtigt bist, ist die Umsatzsteuer für Dich ein durchlaufender Posten. Du wirst damit nicht belastet, hast aber auch keine Einnahmen daraus, denn die Differenz aus eingenommener Umsatzsteuer und bezahlter Vorsteuer führst Du ans FA ab.

    Dein Betriebsgewinn enthält also keine Umsatzsteuer.

    Gruß
    Wolfgang
    3 Kommentare
    • von Showbee 0
      falsch
      hi,

      wenn der umsatzsteuerunternehmer seinen gewinn gem. § 4 abs. 3 EStG ermittelt, ist die ust zwar technisch durchlaufender posten, aber buchungsmässig ist sie gewinnwirksam.

      konkret, miteingenommene ust erhöht den gewinn, mitausgegebene vost mindert den gewinn. ust-zahlungen an das finanzamt sind gewinnmindernd, erstattungen vom fa sind gewinnerhöhend! im endeffket ist die ust damit auch neutral, aber eben phasenverschoben, weil auf zahlungen gebaut wird, nicht auf wirtschaftliche zurechnung!

      gruss vom

      showbee
    • Re: falsch?
      wenn der umsatzsteuerunternehmer seinen gewinn gem. § 4 abs. 3
      EStG ermittelt, ist die ust zwar technisch durchlaufender
      posten, aber buchungsmässig ist sie gewinnwirksam.

      konkret, miteingenommene ust erhöht den gewinn, mitausgegebene
      vost mindert den gewinn. ust-zahlungen an das finanzamt sind
      gewinnmindernd, erstattungen vom fa sind gewinnerhöhend! im
      endeffket ist die ust damit auch neutral, aber eben
      phasenverschoben, weil auf zahlungen gebaut wird, nicht auf
      wirtschaftliche zurechnung!
      Hallo,

      wenn am Ende des Geschäftsjahres noch eine Verbindlichkeit ans FA besteht, dann weise ich diesen Betrag auch als Verbindlichkeit aus und nicht als Gewinn. Wie kann ich denn etwas als Gewinn bezeichnen, das ich nur sozusagen treuhänderisch für das FA einziehe, mir also überhaupt nicht gehört?

      Der von Dir bemühte §4, Abs. 3 beginnt mit:
      Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher
      Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig
      Abschlüsse zu machen...
      Die Fragestellerin ist aber eine Selbständige und solche Leute sind i. a. verpflichtet, Bücher zu führen. Oder was sehe ich da falsch?

      Fragend
      Wolfgang
    • von Showbee 0
      doch...
      hi wolfgang,

      sie schreibt eindeutig "gewerbe" und "einnahmen-überschuss-rechnung", daraus folgere ich, das sie ihren gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermittelt, eben durch eine einnahmen-überschuss-rechnung. wenn am Ende des Geschäftsjahres noch eine Verbindlichkeit ans
      FA besteht, dann weise ich diesen Betrag auch als
      Verbindlichkeit aus und nicht als Gewinn.
      verbindlichkeiten stehen in einer bilanz, eine 4/3 gewinnermittlung ermittelt den gewinn durch gegenüberstellung von einzahlungen / auszahlungen. afa etc. ist auch hier anwendbar. bei der 4/3 rechnung werden zwar "bestandskonten" miterfasst, es wird aus ihnen aber keine bilanz erstellt. die umsatzsteuer ist hier wie schon gesagt pahsenverschoben neutral.



      Wie kann ich denn
      etwas als Gewinn bezeichnen, das ich nur sozusagen
      treuhänderisch für das FA einziehe, mir also überhaupt nicht
      gehört?

      das ergibt sich aus der logik der 4/3 rechnung. denn würde man die ust hier rauslassen, der unternehmer hat aber im dezember die ust-voranmeldung für das IV. quartal und die abschlusszahlungen i.h.v. sagen wie 3.000 DM noch nicht bezahlt, ergebe sich ein schräges bild über die jahre.



      Der von Dir bemühte §4, Abs. 3 beginnt mit:
      Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher
      Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und
      regelmäßig
      Abschlüsse zu machen...
      Die Fragestellerin ist aber eine Selbständige und solche Leute
      sind i. a. verpflichtet, Bücher zu führen. Oder was sehe ich
      da falsch?
      nö, sie schreibt, das sie als kleingewerbetreibende nicht nach § 140 und 141 AO buchführungspflichtig ist. das kann natuerlich nur sie selber entscheiden, durch die nutzung der "einnahmen-überschuss-rechnung" hat sie aber klar zum ausdruck gebracht, das siw weder nach steuer- noch nach handelsrecht buchführungs- und somit bilanzpflichtig ist!


      gruss vom

      showbee