Aber bedeutet das nicht auch, dass sich die Ideen verändern
müssten, wenn man die Höhle verlässt??? Man erhält doch ganz
neue Eindrücke, die auf die Ideen prägend wirken. (mia)
Eben nicht. Aus der Höhle raus, bedeutet: weg von den falschen Bildern, hin zu den wahren Ideen.
Woher kommen denn dann die Ideen wenn nicht durch die
Sinneseindrücke? (mia)
Die Ideen kommen nirgendwo her. Sie sind immer da. Man kann sie nur mit dem Denken erkennen.
Plato könnte nicht sagen: Ich habe eine Idee, eine gute Idee, gehen wir heute Abend ins Kino. Das ist moderner Sprachgebrauch. Ähnlich wie viele heute sagen: Ich denke, das ist falsch! aber eigentlich sagen wollen: Meiner Meinung nach ist das falsch.
Man muss sich eins klar machen! Plato ist Dualist. Das nachzuvollziehen fällt heute vielleicht nicht mehr so leicht.
Man muss diese zwei Welten auseinanderhalten.
Es gibt die Welt der Erscheinungen, der Bilder, Abbilder oder Eidola. Diese ist mit den Sinnen wahrzunehmen. Aber es sind nur Trugbilder, nur Schatten der wahren Welt. Dieser Welt kommt eigentlich keine Bedeutung bei. Sie ist vergänglich, veränderlich, verschwindet im und kommt vielleicht wieder aus der wahren Welt.
Und es gibt die wahre Welt. Das ist die Welt der ewigen, gleichen und unveränderlichen Ideen oder Urbilder. Diese ist nur denkend, abstrakt, über die Mathematik zu erkennen. Der Weg zu ihrer Erkenntnis führt über Mathematik und Dialektik.
Ähnlich wie in der alten indischen Philosophie die „Samsara“ nur ein Gaukelspiel ist, hinter dem sich das „Brahma“, das wahre Sein versteckt.
Du nimmst dieses wahre Welt eben nicht mit den fünf Sinnen auf. Was die zeigen, ist immer nur Erscheinung, Werden, nicht das wahre Sein.
Erst wenn man gelernt hat, den Sinnen zu misstrauen und sich dem Denken zuwendet und mit dem abstrakten Denken, mit der mathematisch-dialektischen Methode hinter die Welt der Bilder zu „schauen“ gelernt hat, erkennt man die wahre Welt, die Welt der Ideen, des reinen, unveränderlichen Seins. Dort gibt es keine Veränderung.
In der Welt der Ideen gibt es das eine, wahre, ewige BLATT, die Idee des Blattes. In der Welt der Erscheinungen gibt es Myriaden von Blättern, die alle anders sind, sich in hunderterlei Details voneinander unterscheiden und eben unvollkommen sind. Die Blätter aber richtig „angeschaut“, sprich abstrakt wahrgenommen, führt zur Idee BLATT.
Ist natürlich alles Quatsch. Plato hat das aber so gedacht.
Gruß Fritz Ruppricht