vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

Von: , Frage gestellt am Di, 12. Jul 2005

Hallo allerseits,

ich habe folgende Frage/Problem:
Vergangene Woche hat mir ein Arzt im Rahmen einer Routineuntersuchung für meine Tochter (5 1/2) den Rat gegeben, sie doch bereits im kommenden Herbst einzuschulen, da "sie doch schon soweit ist".

Nachdem ich diese Empfehlung zunächst erst einmal abgelehnt habe, bin ich nun doch nachdenklich geworden und habe versucht, mich zu informieren.

Die verantwortlichen Lehrer an der in Frage kommenden Grundschule haben mir vorgeschlagen, dass sie sich die Kleine mal im Rahmen eines normalen Unterrichts anschauen und einige "Tests" mit mir machen wollen, um beurteilen zu können, ob sie schulreif ist oder nicht. Dies finde ich ja schon mal recht sinnvoll (der Termin hierfür steht auch schon).

Desweiteren habe ich mit meiner Tochter auf Anraten der Schule gestern schon einmal einen entsprechenden Arzt für die Beurteilung der Schulfähigkeit aufgesucht. Tenor dort: "Sie können sie ruhig einschulen. Sie ist soweit."

Das ist mir aber alles doch zu schwammig, da ich unbedingt vermeiden möchte, meiner Tochter eventuell ein Jahr ihrer Kindheit zu stehlen und sie einem unnötigen Druck auszusetzen. Ich betone dies, damit niemand jetzt denkt, ich möchte an dem Kind mein eigenes Ego befriedigen ("Schaut mal, wie intelligent meine Tochter ist. Sie geht jetzt schon zur Schule.").

Die Kleine selber will unbedingt in die Schule. Dies ist jedoch verständlich, da fast alle ihre Freundinnen im Herbst regulär eingeschult werden.

Ungeachtet der noch ausstehenden Empfehlung der Schule daher meine Frage:
Hat jemand mit dieser Thematik schon Erfahrungen gemacht?
Welche Risiken bestehen, wenn meine Tochter bereitsim Herbst zur Schule geht?
Welche Risiken bestehen, wenn Sie nicht geht?

Für Informationen, Anregungen oder einfach einen Meinungsaustausch bin ich bereits vorab dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Hackenbruch



26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 27 Minuten 5 hilfreich
    Re: vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

    Hallo Frank!
    Ich kann Dir hier nur von meinen eigenen Erfahrungen und denen aus meinem Umfeld berichten:
    Ich selbst kam auch mit 5 Jahren in die Schule, zum einen, weil alle sagten, ich wäre schon soweit, zum anderen, weil ich es selbst auch unbedingt wollte. Auch ich habe an der Schule so einen "Einstufungstest zur Schulreife" (osä) gemacht und fand das ganz toll: Wir mussten ein Auge malen und Punkte in einen Kreis tupfen und danach bekam ich von meinen Eltern eine Kette geschenkt ;-)
    Grundsätzlich denke ich, es kommt bei Deiner Schilderung NUR noch auf das an, was Deine Tochter möchte: Wenn Sie lieber in den Kindergarten will und sich mit Händen und Füßen streubt hat es sicherlich keinen Sinn.
    Wenn Sie aber Lust hat sehe ich nur Vorteile: Sie wird gefördert und hat vielleicht das Gefühl "freiwillig" in die Schule zu gehen, was die Motivation enorm steigern kann. Sie wird jünger als der Durchschnitt sein, wenn sie mit der Schule fertig ist, und auch das ist heutzutage bekanntermaßen kein Nachteil. Sollte sie mal ein schlechtes Jahr haben o.ä., dann ist sie als "Wiederholerin" immer noch nicht älter als der Rest.
    Grundsätzlich denke ich auch, es ist wirklich falsch anzunehmen, wenn man Kinder früh zum (gezielten) Lernen hinführt, würde man ihnen ihre "Kindheit" stehlen oder verkürzen. Kinder lernen gerne und es macht ihnen großen Spass neues Wissen zu erwerben (Du erinnerst Dich doch bestimmt auch noch an die Warum-Fragen, oder? ;-)).
    Das einzige, was meiner Meinung nach entscheidend sein sollte, ist, ob Deine Tochter schon in der Lage ist und auch Lust hat, 1,5h am Stück auf Ihrem Platz zu sitzen (danach ist meistens sowieso Pause), ob sie mit anderen Kindern auskommt und eben ob sie Lust auf Schule hat.
    Ich kann wie gesagt nur aus meiner Perspektive reden, aber ich wr wirklich stolz, schon so "erwachsen" zu sein und fand es bis zum Abi eigentlich super, die Jüngste zu sein!
    LG,
    Norah [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    Re: vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

    Hai, Frank,

    wenn Leute sie für soweit halten, die dauernd "Vergleichsmaterial" vor der Nase haben, dann schul sie ein.

    Du brauchst keine Angst zu haben, daß Du ihr "die Kindheit stehlen" könntest - zu lernen ist der Hauptzweck der Kindheit und Kinder sind glücklich, wenn dieser Hunger befriedigt wird.

    Sollte sie wieder Erwarten doch soziale Probleme bekommen, oder trotz der vorher gemachten Tests doch noch nicht so weit sein, dann kommt sie eben wieder in die Kita und probiert nächstes Jahr nochmal...

    So rum ist es mit Sicherheit besser, als wenn sie erst zur Schule kommt, wenn sie all ihren zukünftigen Klassenkameraden schon voraus ist und deshalb im Unterricht zurückgehalten wird - das wird ganz schnell ätzend langweilig für die Kleene und/oder sie lernt frühzeitig, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen.

    Gruß
    Sibylle

  3. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

    Hallo Frank,

    ich kann mir gut vorstellen, dass du hin- und hergerissen bist. Auch dass dein Kind in die Schule möchte ist klar. Wenn alle Erwachsenen nur noch darüber reden!

    Ich bin aber nicht fürs frühzeitige Einschulen! Warum nicht? Ich bin damals selbst frühzeitig eingeschult worden. Denn ich war auch soweit! War ja einfach zu anstrengend für die Kindergärtnerinnen, immer auf so gescheite Kinder einzugehen und damals haben die meiner Mutter empfohlen, dass ich schon in die Schule soll.

    Das Lernen war für mich nie ein Problem! Ich war immer gut in der Schule, habe leicht Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Aber ich kann mich noch sehr gut an Szenen auf dem Schulhof erinnern. Ich konnte mich einfach nicht wehren! Stand oft heulend da. Später hat sich dann herausgestellt, dass ich immer mit Älteren zusammen war. Ich habe die Stufen der Jugend meist immer schon ein Jahr früher erlebt ("frühreif").

    Was ich dir noch zu bedenken geben möchte: Sicher wird die Grundschule für ein lernbegieriges Kind toll sein! Die meisten Grundschullehrer sind auch pädagogisch gut, sind lieb und bemühen sich, die Kinder einzeln zu sehen und speziell auf sie einzugehen. Aber die 4. Klasse wird dann wirklich anstrengend. Hier geht es dann um die weiterführende Schule. Ist das Kind, das gut ein Jahr jünger ist, dem gewachsen? Und: wenn es je auf eine weiterführende Schule kommt: Kann es sich denn dann selbst organisieren? Hier wird nicht mehr geschaut, ob jedes Kind alles mitbekommen hat. Und: weißt du, wie schwer ein Schulranzen in der 5. Klasse sein kann?

    Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung: Mein großer Sohn ist jetzt in der 5. Klasse eines Gymnasiums (er war im April 11 Jahre alt) und gehört immer noch zu den Jüngsten (wurde mit 6 Jahren und 5 Monaten eingeschult).

    Guten Erfolg bei deiner Entscheidung! Gruß Birgit

  4. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Schon soweit

    Mahlzeit,

    das ist eine schwierige Frage und immer eine Gratwanderung. Eins darf man aber nicht aus den Augen verlieren: der Arzt, der dir attestiert, deine Tochter sei "schon soweit", tut das aus ärztlicher Sicht, d.h. sie überprüft ihre körperliche Entwicklung und ihre motorischen Fähigkeiten. Der Test in der Schule wird zudem noch ihre intellektuellen Fähigkeiten überprüfen und auch versuchen festzustellen, ob sie konzentrationsfähig ist - in der Schule geht es halt anders zu als im Kindergarten.

    Was in so einem Test nicht so gut erkannt werden kann, ist die emotionale Entwicklung des Kindes. Hier geht es um Dinge wie soziale Kompetenz, Einsichtfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Einsteckenkönnen - denn auch in dieser Hinsicht geht es in der Schule anders zu. Wenn das Kind im Kindergarten keinen Bock hat, dann ist das OK, aber in der Schule muß es.

    Mein ältester Sohn (kommt in die 7. Klasse) ist "genau richtig" eingeschult worden und fühlt sich pudelwohl.

    Meine mittlere (kommt in die 6.) ist ein Augustkind und wurde nach langer Überlegung früh eingeschult. Schulisch war es für sie nie ein Problem, aber im Sozialen merkten wir im ersten Jahr sehr deutlich, daß es ihr an sozialer Kompetenz mangelte; sie litt z.B. furchtbar unter Ungerechtigkeiten oder Zickereien anderer Kinder. Zwar gab sich das später, aber in diesem Jahr kamen die Probleme wieder: sie ist körperlich groß und weiterentwickelt als die meisten Klassenkameradinnen, aber fast ein Jahr jünger, und diese Diskrepanz bringt ihr ungeahnte Schwierigkeiten.

    Meine jüngste Tochter haben wir aus diesem Grund im Kindergarten gelassen, sie wird im Oktober 6. Zwar ist klar, daß sie "schon soweit" wäre, aber wir haben da ein besseres Gefühl, weil wir sie im Kindergarten gut aufgehoben wissen. Eine Zurückstufung im Problemfall, wie hier unten empfohlen wird, würde ich versuchen zu vermeiden, denn das Kind wird dabei "seiner" Klasse und "seinen" Freunden entrissen - eine nicht zu unterschätzende Problematik.

    Gruß

    Sancho

  5. Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
    Machen!!

    Hi!

    Ich bin auch mit 5 Jahren eingeschult worden und kann jedem nur raten, dies auch zu tun! Bei mir war's dasgleiche, Ärzte sagten ja und ich wollte auch unbedingt hin (obwohl Kinder eigentlich immer unbedingt hinwollen, oder? *g*). Im Nachhinein allerdings hast du viele Vorteile. Sie wird später 1 Jahr Vorsprung auf alle anderen haben. Und 2 Jahre Vorsprung auf Kinder, die erst mit 7 eingeschult werden. Oder wenn sie mal sitzenbleibt, ist quasi nix passiert. Was spricht denn überhaupt dagegen? Die Kindheit rauben.. so'n quatsch. Als ob sie jetzt von morgens bis abends lernen wird und nie wieder spielt ;-) Und es macht ihr ja Spaß, sie will ja hin. Außerdem: je jünger man ist, desto besser lernt man etwas.

    Und noch was: ich komme aus Belgien und da wird jedes Kind mit 5 Jahren eingeschult. Aber auch hier aus Deutschland kenne ich sehr viele, die schon mit 5 Jahren eingeschult werden, das ist nix neues mehr.

    Meine Kinder gehen später (wenn das möglich ist und sie es von den Ärzten auch dürfen und den Test bestehen) auf jeden Fall mit 5 Jahren zur Schule. Ich seh da nur Vorteile.

    Ciao!

    Steffie [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re: Machen!!

      hi Meine Kinder gehen später (wenn das möglich ist und sie es von
      den Ärzten auch dürfen und den Test bestehen) auf jeden Fall
      mit 5 Jahren zur Schule. Ich seh da nur Vorteile.
      hier spricht die gegenseite *G*. ich bin ein junikind, und damals mit grade 7 geworden eingeschult. deshalb war ich seit jeher eine der ältesten der klasse, womit ich nie probleme hatte, im gegenteil. dadurch ich älter war, hatte ich manches früher überstanden. meine klassenkameraden haben in mir oft n ansprechpartner gesehen aufgrund des halben oder ganzen jahres unterschied.
      oder auch jetzt: bin mit die erste die autofahrn darf. die, die vor kurzem erst 17 geworden sind, machen sich jetz n ganzes jahr verrückt deswegen und haben dann zum abi den stress.

      die diskussion mit der einschulung hatten wir letztens mit ner lehrerin, deren tochter im august 6 wird. die lehrerin (ende-mai-kind, selber immer die jüngste) war für zeitiger einschuln, wie auch alle andern mai/juni-kinder, die immer die jüngsten gewesen warn. wer allerdings immer mit der älteste war, war auch für später einschuln.

      wahrscheinlich wird sich das mädel so und so zurecht finden, ich wollte nur anmerken, dass n klein bisschen altersvorsprung grad in der schulzeit manchmal nich schlecht is.
      Ciao!

      Steffie
      gruß
      yvi

      • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
        Re^2: Machen!!

        Hi!

        Ja, da muss man wohl die Vorteile abwägen, welche besser sind. Ich zB hatte mein Abi mit 18 in der Tasche und fing an zu studieren. Das machen andere erst mit 19/20. Da hat man doch einen Nachteil, auch im Vergleich zu den anderen Ländern (und auch Bundesländern -> 12 Schuljahre). Und man verdient ja auch ein Jahr früher Geld. Und wie gesagt, den kleinen Freischein, an der Schule oder auch an der Uni zB ne Extra-Runde drehen zu können. Wärst du sitzengeblieben, hättest du erst mit 20/21 Jahren dein Abi. Dazu kommt, dass Jungs im Ausland auch nicht immer Wehr- bzw. Zivildienst machen müssen und schwupp, sind die wieder ein Jahr älter.

        Und ob "Führerschein früher oder später haben" so'n Vorteil ist.. naja ich weiß nicht *g*. Ich wurde halt immer mitgenommen ;-) und so viel Streß bedeutet einen Führerschein machen nun auch wieder nicht (hab ihn parallel zum Abi gemacht).


        Gruß,

        Steffie

  6. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

    Hallo Frank,

    auch ich bin vor vielen Monden mit 5 Jahren eingeschult worden (nach "Eignungstest" in der Schule wo ich ein Bild malen musste) und mir hat's nicht geschadet, behaupte ich 'mal so.

    Einschulung war im August und Ende September wurde ich 6 also war's nicht soo besonders. Ich habe mich weder meiner Kindheit beraubt noch sonst irgendwie benachteiligt gefuehlt. OK, als Teenie hatte ich keinen Bock auf Schule aber wer hat den schon? ;-)

    Hier in Irland werden Kids uebrigens mit 4 Jahren eingeschult, ja ehrlich! Sie bekommen ein kleines Unifoermchen an und ab geht's! Und es soll auf 3 'runtergesetzt werden - Kindertagesstaetten sind halt teuer! (finde ich persoenlich zu frueh, auch 4 ist IMHO zu frueh)Schulpflicht ist hier zwischen 6 und 16 Jahren, d.h. da MUESSEN sie zur Schule gehen.

    Anyway, ich wuerd's tun wenn es von der Schule auch befuerwortet wird.

    liebe Gruesse,
    Astrid

  7. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: vorzeitige Einschulung - Vor- oder Nachteil?

    Hallo Frank,

    aus verschiedenen Gründen bin auch ich ein Jährchen zu früh eingeschult worden. Gefehlt hat mir sicher nichts;-)
    Blöd für Jungs ist natürlich ab der Pubertät die Jugend (Ganz schlimm: Sei mal für 1 Jahr der einzige Junge ohne Führerschein;-)), aber das Problem hat ja Deine Tochter eher weniger...

    Allerdings denke ich, dass ich gegenüber meinen Klassenkameraden in der sprachlichen Entwicklung etwas hinterherhing (grottenschlechte Noten in allen lebendigen Sprachen trotz meinerseits hohen Interesses an Sprachen). Das glich ich aber durch Mathe und Naturwissenschaften aus, weswegen es niemanden wirklich beunruhigen musste.

    Also ich sehe da keine Probleme und finde, dass ein Jahr mehr nach(!) der Schule auch nicht schlecht ist;-)

    Grüße
    Jürgen



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