Bloß nicht zu viele gute Schüler

Von: , Frage gestellt am Di, 12. Aug 2008

Hallo Allerseits,

ich habe heute Abend Radio gehört. Der Beitrag hieß "Das Chaos hat einen Namen: Schule in Hessen"
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/flashplaye...

Wirklich erschreckend war aber ein Beispiel aus Bayern. Dort wurde eine Grundschullehrerin namens Sabine Czerny vorgestellt. Diese Dame hat massive Probleme, weil sie den Schulfrieden bedroht. Wie das?
Ihre Schüler schneiden zu gut ab. Der Punkt ist nicht einfach der, dass sie besser bewertet, als die Kollegen. Nein, ihre Schüler bringen deutlich bessere Leistungen, als in den Parallelklassen. Deswegen wurde sie auch schon versetzt.

Hier ist auch noch ein kurzer Zeitungsartikel dazu:
http://stellenmarkt-content.sueddeutsche.de/jobkarri...

Nun meine Frage dazu. Wie bewertet ihr sowas?

Gruß
Carlos

25 Antworten zu dieser Frage

    • Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
      Re: Zusatzlink

      Hallo Carlos,


      eine objektive Notenvergabe an Schulen, Universitäten ect. wird wohl für immer ein unerreichbarer Wunschtraum bleiben.

      Einerseits fragt man sich natürlich, ob es sinnvoll ist einen Schüler für eine gute Leistung schlecht zu bewerten nur weil der Notendurchschnitt insgesamt niedriger ist. Andererseits muss man sich allerdings auch die Frage stellen, ob es denn gerecht ist wenn ein Schüler dadurch besser gestellt ist, dass er zufällig den besseren Lehrer abbekommen hat. Hat ein Schüler, der eine geringere Leistung bei einem schlechten Lehrer erreicht nicht genauso viel geleistet, wie ein Schüler mit einer besseren Leistung bei einem guten Lehrer? Für mich drängt sich hier der Eindruck auf: Wie man es macht, macht man es falsch!

      Den Zwang bei der Notenvergabe einem allgemeinen Durchschnitt anzupassen gibt übrigens in der Universität nicht, wodurch die Noten allerdings auch nicht objektiver werden.

      Bei der Bewertung von schriftlichen Arbeiten ließen sich Verfahren entwickeln, die zumindest eine gerechtere Notenvergabe ermöglichen (z. B. Anonymisierung der Arbeiten und zufällige Verteilung auf die Fachlehrer zur Bewertung). Bei der Bewertung der Mitarbeit im Unterricht ist eine objektive und gerechte Benotung nicht zu erreichen. Selbst der gutwilligste Lehrer muss hier scheitern.

      Das einer guten Lehrerin von der Schulleitung aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistung Probleme bereitet werden ist natürlich ein Unding. Hier wäre im Gegenteil eine Lohnerhöhung in Verbindung mit der Übernahme von mehr Verantwortung im Bereich der Lehrerausbildung angebracht. Vielleicht sollte man auch mal generell über eine leistungsbezogene Vergütung der Lehrertätigkeit nachdenken. Dass Schulbehörden in Verbindung mit übertriebener Regelungswut engagierte Lehrkräfte demotivieren ist allerdings leider auch nichts Neues.

      Gruß
      Grin

      • Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
        Re^2: Zusatzlink

        Hi, Hier wäre im Gegenteil eine Lohnerhöhung
        in Verbindung mit der Übernahme von mehr Verantwortung im
        Bereich der Lehrerausbildung angebracht. Vielleicht sollte
        man auch mal generell über eine leistungsbezogene Vergütung
        der Lehrertätigkeit nachdenken.
        Gute Idee, leider nicht machbar. Die Schüler kommen mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit an. Manchem SChüler hilft auch der beste Lehrer nichts, und mancher schüler ist auch beim schlechtesten Lehrer immer noch sehr gut. Welche Mischung man davon bekommt, ist nicht vorherzusehen. Personen verändern sich, wenn sie älter werden (Pubertät) und Erfahrungen machen (Schulwechsel in den zweiten Bildungsweg z.B., eine Berufsausbildung dazwischen, Freundschaften, gute oder zu schlechte Leistungen, ...). Daher ist ein Erfolg immer relativ zu dem, was vorher war. Wie willst Du das einbeziehen? Man hat jedes Jahr ca 150 - 200 Schüler, je nach Fach, pro klasse so 25 - 30 Leute. Selbst wenn ich den perfekten Rat für jeden hätte, befolgt wird er auch nciht immer Fehlzeiten und Ärzte, die großzügig Atteste ausstellen, Schüler, die nicht begreifen, dass Vokabeln lernen im Jahr vor dem Fachabitur nciht reicht, wenn man mehr als eine 5 in Englisch will, Schüler, die einfach aufgeben - im Unterricht nicht mitarbeiten und die hausaufgaben nicht machen, obwohl man angekündigt hat, dass Leute, die mit weniger als ner 4 in die Prüfungen gehen, noch einmal abgefragt werden ...

        Die Franzi

        • Antwort von nach 17 Stunden 3 hilfreich
          Re^3: Zusatzlink

          Moin, Hier wäre im Gegenteil eine Lohnerhöhung
          in Verbindung mit der Übernahme von mehr Verantwortung im
          Bereich der Lehrerausbildung angebracht. Vielleicht sollte
          man auch mal generell über eine leistungsbezogene Vergütung
          der Lehrertätigkeit nachdenken.
          Gute Idee, leider nicht machbar.
          Warum nicht? In anderen Berufen ist das auch üblich, und es würde vielleicht zu insgesamt besserem Unterricht führen. Die Schüler kommen mit
          unterschiedlicher Leistungsfähigkeit an. Manchem SChüler hilft
          auch der beste Lehrer nichts, und mancher schüler ist auch
          beim schlechtesten Lehrer immer noch sehr gut.
          Stimmt natürlich, aber trotzdem gilt, daß die große Mehrheit der durchschnittlichen Schüler bei einem besseren Unterricht bessere Leistungen bringt. Immerhin hat Frau Czerny ihre überdurchschnittlich guten Schüler in mehreren verschiedenen Klassen an mehreren Schulen gehabt - das läßt sich wohl nicht mehr mit "immer Glück gehabt" erklären. Selbst wenn ich den perfekten Rat für jeden
          hätte, befolgt wird er auch nciht immer
          Natürlich nicht, aber mimt vernünftigen pädagogischen Ansätzen und dem Willen, sich didaktisch und kinderpsychologisch weiterzubilden, wird man bessere Ergebnisse haben als wenn man seinen Stoff einfach nur runterleiert.

          Leistungsbezogene Bezahlung und verpflichtende Fortbildung sind überfällig.

          Gruß

          Kubi

          • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
            Re^4: Zusatzlink

            Hi,

            ich hätte ja nichts gegen leistungsbezogene Bezahlung, wenn es machbar wäre.
            Aber wie willst du das messen? An der Schülerleistung? Nehmen wir mal den idealen Lehrer ... du wirst nie alle schüler bei ihm Einser schreiben sehen, weil jeder eben ein anderes Leistungsmaximum hat. für den einen ist die Drei minus das Gleiche wie für einen anderen die glatte Eins, und für den nächsten ist die glatte Drei absolut unter dem Niveau.
            Willst Du es daran messen, welche Unterrichtsmethoden ein Lehrer einsetzt? MEin Unterricht besteht zu 80% aus Frontalunterricht, manchmal mit tafel, sehr selten Overheadprojektor. Gruppenarbeit ja, aber vor allem um die Gruppendiskussionen zu üben, die die Schüler in der mündlichen Prüfung durchführen müssen. Jede einzelne meiner Stunden würde mir in einer Lehrprobe im Referendariat Note 5-6 bringen. Und trotzdem. Bei mir fallen auch nciht mehr oder weniger Schüler durch als bei Kollegen (nur auf mein Fach bezogen natürlich). Und meine Schüler mögen mich und meinen Unterricht.

            Offen für Vorschläge,

            Die Franzi

            • Antwort von nach 21 Stunden 2 hilfreich
              Methodenvielfalt

              Willst Du es daran messen, welche Unterrichtsmethoden ein
              Lehrer einsetzt? MEin Unterricht besteht zu 80% aus
              Frontalunterricht, manchmal mit tafel, sehr selten
              Overheadprojektor. Gruppenarbeit ja, aber vor allem um die
              Gruppendiskussionen zu üben, die die Schüler in der mündlichen
              Prüfung durchführen müssen. Jede einzelne meiner Stunden würde
              mir in einer Lehrprobe im Referendariat Note 5-6 bringen.
              Und was man noch dazu sagen sollte: Schüler stöhnen oft genug auf, wenn siche Referendare ankündigen. Denn das bedeutet immer: Gruppenarbeit oder sonstige "Späße". Gerade für ältere, gern denkende Schüler ist Frontalunterricht eine Unterrichtsform, in der sie ausreichend "Futter" bekommen. Deshalb wird auch gegen zu viel Gruppenarbeit "gestänkert": "Können wir das nicht zusammen machen?" (Ja, Frontalunterricht heißt auch: alle arbeiten zusammen, ist nicht so , dass der Lehrer vorne nur vorkaut.)

              Außerdem: In der Gruppenarbeit schwimmt man doch sehr "im eigenen Saft", es kommt nicht unbedingt etwas neues hinzu - und die, die sich auch sonst nicht beteiligen, sondern nur ihre Zeit absitzen, werden der (ansonsten arbeitenden) Gruppe zu Last.

              (Klar, nichts gegen Gruppenarbeit, die ist auch mal sinnvoll, aber diese Methoden"vielfalt" wird machmal doch übertrieben.)

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^2: huch, mir stimmt jemand zu ;) owT

              nicht nur einer!

            • Antwort von nach 22 Stunden 1 hilfreich
              Re^5: Zusatzlink


              Offen für Vorschläge,

              Die Franzi
              Hallo Franzi,

              ich stimme Dir insoweit zu, dass es nicht einfach ist die Leistung von Lehreren zu beurteilen, zumal wie Du sagst die Vorraussetzungen an den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich sein können. Schulen und Lehrer in sozialen Brennpunkten wie Berlin-Mahrzahn haben es sicherlich schwerer bei der Wissensvermittelung als z. B. in Hamburg-Pöseldorf. Die Zensuren eignen sich nicht als Kriterium, da diese ja von den Lehrern selbst vergeben werden und pauschal eine Unterrichtsform besser zu bewerten als eine andere macht auch keinen Sinn, denn es kommt immer darauf an, was am Ende dabei heraus kommt.

              Es könnte sich aber lohnen darüber nachzudenken wie man die Leistung von Lehrern bewerten kann. Entscheidend dabei ist letztendlich wieviel bringt der Lehrer seinen Schülern bei. Wobei hier nicht nur Faktenwissen eine Rolle spielen sollte, denn auch soziale Kompetenz und die Fähigkeit zum selbstständigen Wissenserwerb und der kreative Einsatz von Wissen sind wichtige Kompetenzen die Schülern vermittelt werden sollten.

              Es stellen sich allerdings berechtigter Weise die Fragen wie man das messen kann und wie man die unterschiedlichen Umfelder in denen sich die Schulen befinden in die Bewertung einfliessen lassen kann. Ein solches Bewertungssystem wird Geld kosten und wir müssen uns auch Fragen ob wir uns das leisten wollen, sollen, müssen?? Wie gesagt, ich denke es könnte sich lohnen sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen.

              Gruß
              Grin



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