Latein oder Französisch?

Von: , Frage gestellt am Do, 9. Dez 1999

Hi zusammen,

bis zum Zwischenzeugnis muss entschieden sein, ob der Schultyp, den meine Tochter fürderhin beschreiten soll, neusprachlich (7. Latein, 9. Französisch) oder sozialwissenschaftlich (7. Französisch, kein Latein) sein soll.

Ich hätte gerne ein paar knackige Argumente für Latein (ich bin nämlich dagegen). Nur, eines will ich gleich entkräften: Ich glaube, dass das Lernen einer weiteren romanischen Sprache von einem soliden Französisch aus exakt genauso gut (oder schlecht) funktioniert wie von Latein aus.

*neugierig*
Stefan

39 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 26 Minuten hilfreich
    Re: Latein oder Französisch?

    hallo,

    ich kann kein latein, habe es nie gelernt, aber ich kann italienisch, ergo vertehe ich die spanier, auch wenn ich es nicht gut spreche, und franzosen kann ich relativ gut verstehen, wenn sie langsam sprechen.
    sofern es sich bei latein nicht um medizinische fachwörter handelt, kann ich es grossteils sinngemäss verstehen.

    da ich englisch kann, kann ich mich somit also überall durchschlagen ;-)

    gruß

    sonja
    *die eigentlich nicht weiss, wozu man latein brauchen <b>muss*

    • Antwort von nach 38 Minuten hilfreich
      aus der Seele...

      ...gesprochen hast du mir. Aber immerhin gibt es einige Studiengänge, die das Latinum fordern. Das kann doch nicht nur an der Kirchengeschichte liegen, da muss es doch auch Argumente geben????
      Lateiner sagt doch was! ich kann kein latein, habe es nie
      gelernt, aber ich kann italienisch, ergo
      vertehe ich die spanier,
      sonja
      *die eigentlich nicht weiss, wozu man
      latein brauchen <b>muss*
      eben
      S_

      • Antwort von nach 56 Minuten hilfreich
        Re: aus der Seele...

        Da kommt es wohl auch auf die Sprachbegabung und -begeisterung Deiner Tochter an, oder? Wenn sie es mit den Sprachen nämlich nicht so hat, wären drei Fremdsprachen wohl nicht so ganz das Richtige... ;-)
        Ich finde, Latein ist sehr wohl eine gute Grundlage für romanische Sprachen (war selbst auf dem neusprachlichen Zweig), allerdings liegt meine Begabung auch in diesem Bereich.
        Was die Studiengänge angeht, die ein Latinum erfordern, so sind die Regeln da meines Wissens gegenüber früher sehr locker; man kann diese auch ohne Latein studieren und muß nur im Grundstudium zusätzlich Latein belegen (medizinische und juristische Fachterminologie hat mit dem Schullatein sowieso recht wenig zu tun)
        Grüße, Anita

        • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
          Re^2: aus der Seele...

          Da kommt es wohl auch auf die
          Sprachbegabung und -begeisterung Deiner
          Tochter an, oder? Wenn sie es mit den
          Sprachen nämlich nicht so hat, wären drei
          Fremdsprachen wohl nicht so ganz das
          Richtige... ;-)
          Das ist absolut das Hauptargument!
          Ich fand Mathe und Phsyik schon immer 1000
          mal interessanter als jede Sprache. Von
          daher hatte ich E und L und bin auf den
          math-naturwiss. Zweig gegangen und bin froh
          darum! Auch wenn es alt-ägyptisch oder so
          gewesen wäre, Hauptsache keine dritte
          Sprache!!!
          Jetzt, während des Studiums hatte ich dann
          zwischen all der Mathe und Physik auch mal
          wieder Lust auf eine neue Sprache und habe
          angefangen Spanisch zu lernen - SUPER!

          Viele Grüße Claudia

          • Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
            Sprachbegeisterung

            Da kommt es wohl auch auf die
            Sprachbegabung und -begeisterung Deiner
            Tochter an, oder?
            Das ist absolut das Hauptargument!
            hmmm, aber kurz oder mittelfristig gesehen ist es im einen und im anderen Fall eine Sprache, nur eben, dass es etliche Millionen Menschen auf der Welt gibt, die die eine sprechen, aber nur eine handvoll Fanatiker die andere!
            Ich finde die 6. Klasse etwas früh, um wirklich Interesse festzustellen. Ich denke das steht und fällt mit den Lehrenden. Mit ihrer Englischlehrerin ist sie höchst zufrieden -> sie lernt und hat den Ehrgeiz Englisch zu können (die volle Überfliegerin ist sie aber weder in Englisch noch in Mathe). Mit der Lehrerin in Französisch wär eh schon alles klar, aber wie wir alle wissen, kanns ja leider eben auch gaaanz anders kommen...

            ...immer noch kein Bombenargument für Latein?

            Dank derweil
            S_

            • Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
              Re: Sprachbegeisterung

              Hallo,
              ich glaube, Latein ist eher eine Art Überbleibsel aus den großen Zeiten des humanistischen Gymnasiums. Als ich in der Schule war (kann mich gerade noch so erinnern :)), hieß es, das Erlernen von Latein würde ein klares, strukturiertes Denken fördern - behauptete jedenfalls mein Lateinlehrer (naja...). Nach meiner Erfahrung kann Latein aber sehr schnell zum Problem werden, wenn man nicht sowieso schon eine gewisse Vorliebe für Form und Struktur hat.
              Also wieder kein Argument für Latein - ich empfehle Französisch...
              Liebe Grüße
              Susanne

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              knackige Argumente

              Ich probier's; doch gleich vorweg: es ist tatsächliche eine Frage der Bildung (als Gegenbegriff zu "Ausbildung"). Im Restaurant nützt mir Latein wenig, bei Geschäftsabschlüssen auch nicht, aber:

              - wenn ich schon pragmatisch denke, dann sollte ich in der Schule lieber Latein lernen, weil ich die modernen Sprachen später viel schneller und leichter im betreffenden Land beherrschen lerne. Meine (nicht üblen) Kenntnisse in modernen Fremdsprachen habe ich jedenfalls nicht auf der Schule gelernt. Das nachträgliche Lernen von Latein auf der Uni (und wer weiß schon mit 12, was er später studiert?) ist eine Quälerei.

              - Latein ist DIE europäische Sprache. Lerne Latein und du hast ganz umsonst leichten Zugang zum Verständnis dieses Kontinents. Latein ist eben übernational. Die Nationalsprachen sind erst seit 200 Jahren bedeutend, Latein seit 2000!

              - In keinem anderen Fach wird soviel übersetzt wie im Lateinischen. Erst durch Übersetzung (also durch Auseinandersetzung mit einer anderen Sprache) bekommt man Sprachgefühl und Gewandtheit in der eigenen Sprache.

              - Nicht nur für romanische Sprachen profitiert man von Latein, sondern auch für deutsche Grammatik, die zu wesentlichen Teilen aus dem Lateinischen übernommen wurde. Die Kenntnis und das Verständnis von Fremdwörtern muss ich ja nicht extra erwähnen.

              - die Sache mit strukturellen Denken ist erwiesen. Interessanterweise gehen gute Mathe- mit guten Lateinnoten einher. (Wir gehen immer von einem mindestens durchschnittlich guten Unterricht aus - aber erfahrunsggemäß sind die meisten Altsprachler begeistert von ihrem Fach, und das spürt man als Schüler).


              Fazit: wenn ich zu sehr auf Nützlichkeit und AUSbildung achte, enge ich mich (oder mein Kind) viel zu stark ein. Gerade in der gegenwärtige Wissensexplosion ist eine fundierte Bildung das beste, was man Kindern mitgeben kann. Das ist kein Plädoyer gegen moderne Sprachen, die notwendig sind. Aber ich behaupte, in diesen Fächern wird übermäßig auf Anwendbarkeit/Nützlichkeit geachtet, und viel Nachdenkswertes kommt nicht vor.

              Andreas

              P.S. Ja, schlagt mich, Ihr Neusprachler :-)

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Super: knackige Argumente

              Hi Andreas, - wenn ich schon pragmatisch denke, dann
              sollte ich in der Schule lieber Latein
              lernen, weil ich die modernen Sprachen
              später viel schneller und leichter im
              betreffenden Land beherrschen lerne.
              Wer hat das untersucht? Das halte ich eben für ein Vor-Urteil. Wieso sollte das Erlernen einer fremden Zunge leichter von Latein aus als von Frz. aus gehen?? Wer war das noch, der 36 lebende Spachen sprach (Herr Berlitz oder so jemand), der sagte, die ersten 5 sind zäh bis zehn ists mühsam und ab dann gehts wie von selbst. Das ist die Geschichte mit dem Vorwissen: Je mehr ich weiss desto leichter lerne ich dazu. Da bringt aber Latein keinen Vorteil, oder? Meine (nicht üblen) Kenntnisse in
              modernen Fremdsprachen habe ich
              jedenfalls nicht auf der Schule gelernt.
              Gar nicht? Nicht wenigstens das grammatikalische Gerüst, ein paar Vokabeln und vielleicht ein paar Standards? Das nachträgliche Lernen von Latein auf
              der Uni (und wer weiß schon mit 12, was
              er später studiert?) ist eine Quälerei.
              Das denke ich, hängt von der Motivation ab. Wer ohne Latein Medizin machen will, muss eben auch das lernen. Angesichts des ganzen sonstigen Wahnsinns doch wohl eher ein Klacks! - Latein ist DIE europäische Sprache.
              Lerne Latein und du hast ganz umsonst
              leichten Zugang zum Verständnis dieses
              Kontinents. Latein ist eben übernational.
              "ganz umsonst", du sagst es ;-)! Na toll, weil die es gewagt haben alles in Europa zu vernichten ausser ihrer ach so tollen Kultur und weils schon sooo lange her ist, soll ich mich mit dem Idiom der Krieger auseinandersetzen? - In keinem anderen Fach wird soviel
              übersetzt wie im Lateinischen. Erst durch
              Übersetzung (also durch
              Auseinandersetzung mit einer anderen
              Sprache) bekommt man Sprachgefühl und
              Gewandtheit in der eigenen Sprache.
              Und warum wird soviel übersetzt? Weils nix anderes zu tun gibt! Jedenfalls nicht reden. Und die Gewandheit in einer anderen Sprache kommt erst mit dem Verständnis und das erst im Austausch mit anderen Menschen. Widerlegst du dich hier nicht selbst, indem du sagst, du hättest deine Sprachen nicht auf der Schule gelernt? Wie dann? Etwa im Land selber? Indem du mit Menschen *gesprochen* hast? Aha!!!! - Nicht nur für romanische Sprachen
              profitiert man von Latein, sondern auch
              für deutsche Grammatik,
              Stimmt, aber die kann ich mir im Deutschen auch geben, oder? - die Sache mit strukturellen Denken ist
              erwiesen. Interessanterweise gehen gute
              Mathe- mit guten Lateinnoten einher.
              UUUPS. Das meine ich anders in Erinnerung zu haben. Hast du eine Quelle? Ich kann dir eine n=1 Studie nennen, bei der eine Mathe 1 mit einer Latein 5 fast 6 zusammenkam und das über Jahre hinweg... (Wir
              gehen immer von einem mindestens
              durchschnittlich guten Unterricht aus -
              aber erfahrunsggemäß sind die meisten
              Altsprachler begeistert von ihrem Fach,
              und das spürt man als Schüler).
              HAHAHAHAHA. Entweder ich hatte überdimensionales Pech oder deine Aussage ist schlicht nicht haltbar. Fazit: wenn ich zu sehr auf Nützlichkeit
              und AUSbildung achte, enge ich mich (oder
              mein Kind) viel zu stark ein. Gerade in
              der gegenwärtige Wissensexplosion ist
              eine fundierte Bildung das beste, was man
              Kindern mitgeben kann.
              Cäsar und Cicero kann ich auch auf deutsch lesen. Ich kann ja auch kein hebräisch um die Geschichten in der Bibel zu lesen... Viel wichtiger als die Bemühungen von Cäsar zu verstehen, dem Senat Kohle für seine räuberischen Feldzüge aus dem Kreuz zu leiern fände ich z.B. die Auseinandersetzung mit den europäischen Denkstukturen und die sollte man eher bei den griechischen Vorsokratikern suchen! Auch hier kann ich den Vorteil von Latein nicht sehen! Das ist kein
              Plädoyer gegen moderne Sprachen, die
              notwendig sind. Aber ich behaupte, in
              diesen Fächern wird übermäßig auf
              Anwendbarkeit/Nützlichkeit geachtet, und
              viel Nachdenkswertes kommt nicht vor.
              Das kam in meiner Lateinerfahrung auch nicht vor. Da ging es um grammatikalische Spitzfindigkeiten und Vokabelnpauken, aber eben nicht um das Nachdenken. Das musste ich mir son selber und nach der Schule holen... P.S. Ja, schlagt mich, Ihr Neusprachler -)
              Wo werd ich! Bin ich Cäsar? Wer anders denkt wird abgemurkst? Nö nö, lieber austauschen und reden reden und nochmal reden! Wem schreibst du denn so auf Lateinisch? *Pardon!*

              Wir haben einen schönen Dissens, darum danke ich dir!
              S_

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re: Super: knackige Argumente

              - die Sache mit strukturellen Denken ist
              erwiesen. Interessanterweise gehen gute
              Mathe- mit guten Lateinnoten einher.
              UUUPS. Das meine ich anders in Erinnerung
              zu haben. Hast du eine Quelle? Ich kann
              dir eine n=1 Studie nennen, bei der eine
              Mathe 1 mit einer Latein 5 fast 6
              zusammenkam und das über Jahre hinweg...

              Hi Stefan,

              vielleicht hast Du eine falsche Vorstellung von mir. Mir ging es auf der Schule genauso. Ich habe in Latein schrecklich gestanden und bin deshalb auch sitzengeblieben. Studiert habe ich Physik, da nützt Latein auch nicht viel. Ich ärgere mich auch daß ich mich im Urlaub nicht besonders gut auf französisch verständigen kann. Trotzdem möchte ich die Erinnerung an meinen Lateinunterricht und die übriggebliebenen Kenntnisse nicht missen. Altein beinhaltet für mich eben den Großteil der gemeinsamen europäischen Kultur.
              Die Griechischen Philosophen haben dazu natürlich die Grundlagen gelegt, aber mit Sokrates war die Philosophie ja nicht zu Ende.

              Max

              P.S. Schönen Gruß von meiner Frau. Die hat Latein in der Schule gehasst, hat Theologie studiert und es dafür gebraucht (und braucht es heute noch). Sie rät trotzdem NICHT dazu es an der Schule zu machen.



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