Herpes
.
Oh je, lieber Tom,
wieviele Jahre gönnst Du mir für die Antwort?
Scherz beiseite:
Ich kann nur extrem kursorisch auf die Angelegenheit eingehen, sie ist zu komplex.
Herpes-Viren „begleiten“ unsere Vorfahren und uns seit sehr sehr langer Zeit. Sie sind dem Menschen extrem angepasst.
Nicht allzu selten sind sie auch nützlich. Sie trainieren im Zustand der „Güte“ das Auto-Immun-System. Andere Auswirkungen sind noch nicht gesichert. Ein Hauptmerkmal von ihnen ist freilich ihr „Opportunismus“. Bei Schwächung schlagen sie zu.
Einige, ich auch, sehen sie hauptsächlich als Symbionten und betrachten auch diese Attacken als Teil des „Vertrages“ „Mensch-Nation/Herpes-Stämme“.
Die Herpes-1 Viren ermöglichen nach dieser Interpretation dem Menschen, schwierigste und folgenreichste emotionale Stress-Situationen adäquat an sich heranzulassen, welchen etliche Individuen sonst nicht gewachsen wären.
Wenn zum Beispiel ein Kind durch die eigenen Eltern ekelerregenden Grenzverletzungen ausgesetzt ist, wird es versuchen, sie zu ignorieren. Psychische Abwehrmechanismen der Verleugnung drohen andere erst in der Entwicklung befindliche reifere Möglichkeiten der Konfliktbewältigungen einfrierend zu blockieren. Der Ausbruch der Herpesbläschen kann dazu beitragen, die Verleugnung zu erschüttern. Ich könnte weitere Beispiele bringen. Anderen Biologen ist dieses theoretisches Modell zu kooperativ und kommunikativ. Was die Kommunikation angeht: als ich die erste Fachwerke las, so mit sechs, sieben, existierte sie in der geistigen Vorstellung der Wissenschaften kaum. Je älter ich werde, desto größer ihr Gewicht in allen Wissenschaften, speziell in der Biologie. Genaues weiß man letzlich nicht über die Kommunikationsarrangements dieser Viren mit ihrem Wirt, erstaunlich ist aber die Genauigkeit, Promptheit und „Angemessenheit“ etlicher dieser Reaktionen, wobei natürlich ein Entgleisen des „Gespräches“ auch in diesem Modell vorgesehen ist.
Was die Kooperation angeht, vermut’ ich, daß die Skeptiker ihre globale Bedeutung in der Evolution nicht verstehen (auch schlicht und ergreifend nicht mögen!!!), auch nicht ihre vielfältige Querverbindungen und -einbindungen in die Konkurrenz, sowie die regelrechten Verschränkungen mit ihr.
Was die „Vorsicht“ angeht: infektiös gewordene Viren kann man mit scharf gemachten Handgranaten (schiefer Vergleich!) vergleichen: Du würdest auch nicht behaupten, daß die selbe Farbe, die selbe Konstruktion, die selbe Marke etc. ausreichen, um keinen Unterschied zwischen den Granaten zu sehen.
Die infektiöse Hauptgefahr besteht in der Eigen-Ansteckung: Mit den Fingern zuerst an die wunden Stellen, dann an die Augen gehen.
Was die Fremdansteckung angeht: Es geht um die infektiös gewordene Viren.
Abgesehen davon, beschäftige ich mich mit den beunruhigenden Thesen, daß die Ansteckung mehrere Funktionsebenen betreffen möge. Unter anderem hieße es, daß die Viren untereinander sich über ihre Wirte sozusagen Informationen austauschen. Es klingt wie Science Fiction, ist dennoch ein denkbares Modell.
Bevor man mich hier für einen ganz und gar spiritualistischen Spinner endgültig erklärt, werd’ ich noch ganz ganz schnell eine weitere Ungeheuerlichkeit los: es gibt Hinweise, das einige Viren bei höheren Tieren das Verhalten ihrer Wirte mit-beeinflußen.
Es wäre rein von der thesenhaften Denkfigur nicht ausgeschlossen, daß Herpes-Viren von emotional in vielfacher Hinsicht einander zugetane Menschen untereinander bindungsschützend kooperierten… So, jetzt aber genug der Science Fiction, bevor man mich von der Board-Matrikel streicht…!
Wie Du siehst, sind die Gefahren eigentlich eher bescheiden (bis womöglich beinah inexistent), bis auf Restaspekte von Bedeutung. Arg gefährlich wird es nicht nur für die Augen, sondern auch für Babys und Schwerkranke und Hochgeschwächte.
abifiz
.